Angstaggression bei Junghund

  • Ich finde es schön, das du dir soviele Gedanken machst.
    Ich persönlich habe nichts gegen Discs, Rütteldosen und Co...ich bin aber nur ein Laie.
    das einzigste was man dagegen sagen könnte ist die beschriebene falsche Verknüpfung...UND meiner Meinung die Situationsabhängigkeit.
    Damit meine ich das Problem, das dein Hund im Prinzip nie "begreifen" wird (so wie du es dir wünschst) das er dieses und jenes generell nicht tun darf.
    Er wird es von der Situation und Umgebung abhängig lernen...aber du mußt damit rechnen das du das gelernte immer mal wieder "auffrischen" mußt...genauso wie ein Kommando.

    ...leider verhält es sich genauso mit der Unterdrückung des Instinktes den du angesprochen hast...das alles ist kein Gesammtes lernen und für immer abrufbar ...dein Hund wird sich im Grundwesen nicht ändern...er lässt sich nur leiten.
    ...ich möchte dich nicht demotivieren, denn das was du dem Hund beibringst ist sehr wichtig...ich wollte nur ein wenig daraufhinweisen, das dein Hund nicht durch die Erziehungsmaßnahmen zu einem "neuen" Hund wird.
    ...aber jeder Hund hat irgendwo seine Macken ;)

    Frohes Fest
    lg
    Susanne

  • Hallo,

    keine Sorge, ich bin nicht demotiviert :) ich weiß, dass er einen großen Wachtrieb behalten wird. Aber wenn er es auf unser zuhause und im Idealfall später auf die Wohngruppe bezogen lernt, bin ich vollstens zufrieden. Zumindest bis jetzt. Er zeigt bisher nur sehr territorial sein Knurrgehabe. In anderen Umgebungen knurrt er nur, wenn er sehr unsicher ist und dann verbiete ich es ihm auch nicht. Das ist auch eine ganz andere Art von Knurren. Er weicht aus und brummelt eher. Zuhause fixiert er dann und knurrt zum Teil sehr laut und böse.

    Die Trainerin hatte mir auch gesagt, dass ich mit jedem Besuch wieder neu anfangen muss. Nach hundert verschiedenen Besuchern wird er es dann vielleicht irgendwann verallgemeinern. Soviele Leute kommen aber gar nicht her. Genauso sein Misstrauen gegenüber Männern. Wenn er vielleicht 100 Männer als ungefährlich kennen gelernt hat und seine Angst bei diesen überwinden kann, wird er es irgendwann vielleicht auch auf Männer an sich übertragen. Aber das dauert Jahre, wenn es überhaupt klappt.

    Wenn Campino abgesehen von seinem Knurrgehabe nicht ein fast perfekter Hund wäre, wäre ich wahrscheinlich schon verzweifelt ;) aber er zeigt mir jeden Tag aufs neue wie toll er schon hört und wie lieb und unkompliziert er ansonsten ist. Wobei mir eine andere Macke natürlich lieber wäre. Er hätte ja auch stattdessen schlecht stubenrein werden oder ein ewiger Leinenzieher bleiben können. Nun hab ich leider einen Knurrhahn :) aber ich bin auch sehr froh, dass er kein Leinenpöbler, Ressourcenverteidiger oder Extremjäger ist. Nun ja, er ist noch jung - wer weiß was noch kommt :D

    Ich wünsche auch schöne Feiertage!
    LG, Marike

  • Hallo,

    ich wollte nochmal einen Kurzbericht geben :)

    Campino war Heiligabend nicht mit meinem Freund bei seinen Eltern, da ich doch nicht so lang wie erwartet arbeiten musste. Ich bin dann am frühen Abend mit ihm spazieren gegangen und hab ihn zuhause gelassen als ich zu meinen Eltern zum Essen gegangen bin. Er hatte leider am Vormittag als mein Freund duschen war das Tapetenabreißen für sich entdeckt. Als er allein war, machte er es nicht. Stattdessen legte er einen ganzen qm frei als wir am ersten Weihnachtstag noch morgens im Bett lagen. Unsere Schlafzimmertür steht immer offen. Er muss einen sehr guten, leisen Trick haben - wir haben nichts gehört :/

    Daraufhin wollten wir ihn mit zum Familientreffen am Nachmittag nehmen. Ca. 15 Personen in einem angemieteten Raum. Wir wollten probieren ihn mit rein zu nehmen und ihn zur Not in den Kofferraum setzen, falls es zuviel für ihn ist oder er sich daneben benimmt. Zwischen Kaffeerunde und Abendessen war dann ein längerer Spaziergang geplant. Tja, was soll ich sagen. Er war super :) Er war etwas aufgeregt und neugierig, so wie es wohl auch andere Hunde in dem Alter wären. Von diversen Leuten hat er sich streicheln lassen, sowohl Männer als auch Frauen - obwohl er sie vorher nicht kannte. Wir hatten ihn durchgehend an der Leine, um kein unnötiges Risiko einzugehen und haben den Leuten entsprechend seiner Körperhaltung gesagt ob sie anfassen dürfen oder nicht und eben immer der Hinweis von unten. Einige Personen begrüßte er dann auch auch schon schwanzwedelnd und fiepend, wenn sie vorbei kamen. Nach dem Spaziergang legte er sich dann auch zu unseren Füssen schlafen und war völlig entspannt. Tja und dann kam der Bruder von meinem Freund vorbei. Vorher ist er wohl bewusst nicht in die Nähe des Hundes gekommen. Eben dieser Bruder wurde von Campino zuhause ja schon ziemlich heftig angeknurrt und wurde in die Hacken geschnappt. Campino erkannte ihn und schon ging das Geknurre los. Wir brachten ihn dann in den Kofferraum - wir wollten eh bald los. Aber es ist interessant, dass Campino sich eben jene Männer gemerkt hat, die sich ihm damals angebiedert haben und die er, damals ja noch ohne Trainerin, heftig in die Schranken gewiesen hat. In dem Fall würde ich es ja auch nicht als Bewachen einstufen, sondern eben wirklich auf diese Person bezogen. Die Körperhaltung war auch nicht ängstlich, sondern sehr selbstbewusst.

    Ansonsten hatten wir vorgestern noch einmal Besuch und er machte wie immer ganz am Anfang Radau (von seinem Platz aus). Dann legte er sich zum Schlafen hin und gegen 23:00 - normalerweise Bett-geh-Zeit, beschwerte er sich wieder heftig. Mein Freund holte dann die Rütteldose und hat sie nur einmal leicht bewegt. Campino hörte auf und blieb dann auch ruhig, bis der Besuch weg war. Also er guckte schon, aber er knurrte nicht mehr. Schade, dass ich trotzdem Bauchschmerzen bei der Geschichte hab. Er scheint die Rütteldose genau richtig verknüpft zu haben, aber ich trau dem Ganzen noch nicht.

    Was die Tapeten angeht: Wir haben eine Bierkiste vor die Stelle gestellt und bisher scheint ihn das abzuhalten. Als Welpe hat er nie was kaputt gemacht, aber zur Zeit häuft sich das...er fängt auch an sich starrend vor einen zu setzen. "Los, beschäftige dich mit mir..." Ich glaub, ich hab in letzter Zeit etwas die Kopfarbeit vernachlässigt...

    LG, Marike

  • Hallo,

    ich hab ja lange nicht mehr berichtet und war auch sonst kaum hier im Forum. Es hat sich sehr viel getan!

    Mein Freund hatte ja mit der Rütteldose angefangen und war absolut unglücklich damit. Sie kam insgesamt auch nur dreimal zum Einsatz und wurde nicht geworfen, sondern nur etwas gerüttelt. Jedenfalls fing ich wieder an zu zweifeln ob Campino tatsächlich territorial aggressiv ist. Also recherchierte ich im Internet und stieß auf eine Trainerin, die sich auf aggressive Hunde spezialisiert hat und 100%ig gewaltfrei arbeitet. Sie betreibt auch selbst ein kleineres Forum. Ich hab mich also dort angemeldet und von Campino erzählt. Alle schrieben direkt, dass sie glauben, dass Campino Angst hat und rieten mir mit dem Clickern anzufangen. Es funktioniert so ähnlich wie das "Zeigen und Benennen" hier aus dem Forum. Ich war ziemlich angetan von den Erklärungen und der Hoffnung, die mir gemacht wurde. Letztlich entschloss ich mich, dass ich die Trainerin zu uns hole, damit ich diesen neuen Ansatz, mit dem ich keinerlei Erfahrung habe (ich habe nie geclickert), auch richtig umsetzen kann. Außerdem wollte ich noch eine professionelle Meinung zu Campinos Motivation beim Knurren.

    Am Dienstag war die Trainerin dann da. Sie sagt, dass Campino ein zutiefst unsicherer Hund ist. Es kann gut sein, dass gewisse territoriale Komponente mit reinspielen, aber die vordergründige Motivation ist definitiv Angst. Die ganzen Schnappaktionen sollen dadurch entstanden sein, dass Campino in einen starken Konflikt gebracht wurde. Die bösen Männer haben ihm Leckerlis gegeben. Eigentlich hat er Angst und will nicht zu den Männern gehen. Er will aber die tollen Leckerlis haben (wir hatten dafür ja sogar besonders gute genommen). Dieser Reiz ist erstmal stärker und er geht hin und holt sich die Leckerlis. Dann kriegt er einen Moment nichts (der tolle Reiz fällt weg) und ist eigentlich viel zu nah an den Männern dran. Wenn diese sich in dem Moment anfangen zu bewegen, geht er eben in den Angriff über. Er war da ja noch so jung und wusste noch gar nicht so wirklich was richtig oder falsch ist. Tja und dieser Versuch hat Erfolg gezeigt, die Männer hielten Abstand, bewegten sich nicht mehr etc. Das aggressive Knurren fällt im Grunde auch darunter. Campino hat gelernt Menschen durch Knurren, dabei Vorspringen, auf Abstand zu halten. Er regelt selbst, wenn er meint, dass ich es nicht tue. Dass Campino in Umgebungen mit mehr Menschen viel lieber ist, sei völlig normal. Das wäre bei vielen Hunden so. Zum einen haben sie das Gefühl in der Masse unterzugehen und fühlen sich weniger beachtet. Zum anderen haben sie das Gefühl der Lage nicht Herr werden zu können und lassen es somit ganz.

    Als Hintergrund steht nun auch eine schlechte Sozialisation fest. Die Trainerin vermutete das und erklärte mir, dass alle Welpen Angst vor großen, breiten Menschen hätten. In der Regel sind das natürlich eher die Männer. Wenn der Welpe nun oft Kontakt zu verschiedenen Menschen hat, dann legt er diese Angst schnell ab. Wenn nicht, behält er zumindest eine gewisse Skepsis ein Leben lang. Ich habe im Gästebuch der Tierschutzorga gelesen, von der ich Campino habe. Dort beschrieben zwei andere Personen, dass ihre ehemaligen Welpen von dort fremde Menschen anknurren würden und habe Kontakt aufgenommen. Diese Hunde sind nicht mit Campino verwandt und sind in derselben Pflegestelle aufgewachsen. Es bestand von dort aus noch Kontakt zu zwei weiteren Geschwistern, die ebenfalls dieses Verhalten zeigen. Nun ja, damit steht für mich fest, dass Campino einfach eine schlechte Sozialisation in Bezug auf fremde Menschen genossen hat. Ansonsten kann ich mich ja wirklich nicht über ihn beschweren und will es auch nicht.

    Zum Training nur kurz, weil ich nicht weiß ob es der Trainerin so recht ist, wenn ich ihre Art des Clickerns hier öffentlich so zur Verfügung stelle. Zuerst war mein Arbeitskollege da, den Campino immer so stark anknurrt. Mit Hilfe des Clickers und der Anleitung durch die Trainerin, ließ er das Knurren sehr schnell sein und mein Kollege konnte sich frei bewegen. Später kam noch mein Vater und Campino hat überhaupt nicht geknurrt. Die Trainerin hat Campino als sie anfangs kam und ich noch nichts machte, sehr doll angeknurrt. Am Ende der zwei Stunden hat er zu ihren Füssen geschlafen. Das Training beinhaltet, dass Campino zum einen lernt Menschen und die Bewegungen von Menschen als positiv zu betrachten. Dann lobe ich ihn für Kontaktaufnahme zu diesen Menschen, aber auch dafür, wenn er sich abwendet und wieder zu mir kommt. Er soll lernen in unsicheren Momenten zu mir zu kommen, anstatt selbst regeln. Er soll nicht mehr ausschließlich auf seinem Platz bleiben, aber dann, wenn Menschen aufstehen wollen, soll er zur Sicherheit erstmal dorthin. Meine Besucher dürfen sich auch nicht mehr frei bewegen, sondern sollen mir Bescheid sagen, wenn sie aufstehen wollen. Damit ich die Situation regel. Außerdem soll ich wieder anfangen Campino mit zur Arbeit zu nehmen. Natürlich nicht voll, aber zur MAB, wo es bisher ja eh immer ganz gut lief und wenn ich frei hab, soll ich ganz bewusst mal für ne halbe Stunde hinfahren, nur um zu traineren. Sie hat die Prognose gestellt, dass ich nur einige Wochen richtig intensiv trainieren muss und in etwa einem viertel Jahr Campino soweit sein müsste, dass er richtig mit zur Arbeit kann. Natürlich muss ich ein gewisses Mass an Management behalten, aber sie traut Campino es sicher zu, dass er noch der alltagstaugliche Begleithund wird, den ich mir immer gewünscht habe. Er ist trotz Angst auch neugierig, eigentlich ist er ein großer Menschenfreund, wenn er erstmal Vertrauen hat und sie hält ihn, glaub ich, nicht für sonderlich aggressiv. Es ist natürlich nur eine Prognose was die Zeit angeht.

    Nun ja, ich habe ein sehr gutes Gefühl. Campino ist extrem gut und schnell auf ihre Methode angesprungen. Sie hat selbst einige Hunde - alle mit entsprechender Vorgeschichte. Das waren wirklich gefährliche und aggressive Hunde. Ich hab sie kennen gelernt und sie wirken völlig normal - alles nur mit ihrer Methode, die vollkommen ohne Zwang auskommt und sehr gut auf den einzelnen Hund angepasst werden kann. Sie freut sich mit Campino arbeiten zu können, weil er noch so jung ist. Sonst kümmert sie sich meistens um die Hunde, wo das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Also diejenigen, die ihr Verhalten über Jahre aufgebaut und verfestigt haben und auch beißen, nicht bloß knurren.

    Nun stimmt der Threadtitel also doch wieder :lol: was ich über diese sechs Monate schon alles gelernt und wieder verworfen habe. Ich hoffe, dass ich endlich angekommen bin! Ich muss sagen, dass Campino dafür echt ein klasse Kerl geworden ist! Die Pubertät scheint uns auch zu verschonen, Campino hört so gut wie eh und je und ist einfach nur ein super Hund! Seitdem wir clickern, hört er eventuell sogar noch ein kleines bisschen besser :gut:

  • Hallo Marike
    Lustig, unsere Hunde sind ziemlich genau gleich alt und haben beide sehr ähnliche Probleme.
    Bei Elly wurde eine Deorivation festgestellt, die angstaggressives Verhalten verursacht. Ich musste im Verlauf des Threads einige male an uns denken. :smile:
    Am interessantesten scheint mir aber, dass ich mit ihr von Welpe auf gecklickert habe. Weil aber die Hundeschule in der ich war einige fundamentale Fehler gepredigt hat, haben wir wohl damit Vieles verschlechtert und die Angst quasi un sie hinein gefüttert.
    Jetz arbeiten wir ganz ohne Leckerchen nur über den Futterbeutel, aus dem sie ihr Futter "erjagt".
    Wir haben etwas andere Baustellen als ihr, ich finde es aber dennoch bemerkenswert, wieviele Wege doch zum Ziel führen können und wie unterschiedlich sie je nach Hund sind.
    Alles Gute dir und dem Vierbeiner!
    LG, Katrin

  • Erstmal danke :)
    @ Katrin: Was ist eine Deorivation? Ich konnte beim Googlen nichts finden.
    Jetzt würde noch fehlen, dass Campino und Elly aus derselben Pflegestelle stammen :D sie kommt nicht zufällig aus der Nähe von Bremen?
    Dass mit dem Futterbeutel setzt du aber nicht gegen ihre Angst ein, oder? Falls doch, wie muss ich mir das vorstellen? Aufbau von Selbstbewusstsein? Welche Fehler wurden beim Clickern gemacht? Ich hab mal gehört, dass man da im Grunde nichts falsch machen kann.

  • Hi Marike
    Dass unsere beiden Teilzeitchaoten verwandt sind ist wohl unwahrscheindlich, Elly ist eine Urschweizerin und wurde vom Tierschutz von einem Bauernhof hier in der Umgebung vermittelt.
    Natürlich habe ich mich verschrieben (man soll um die Uhrzeit auch schlafen und nicht schreiben.. ;) ), ich meinte Deprivation. Hier eine ganz kurze Definition:
    http://www.hund-mit-mensch.de/deprivation.html
    Bei Elly merkt man zum Beispiel sehr gut, dass sie eben auch beim 20-sten Mal noch Angst hat, wenn wir in der Hundeschule bestimmte Situationen üben, während die anderen Junghunde sich nach wenigen Widerholungen darauf eingestellt haben.
    Den Futterbeutel nutze ich als Belohnung an Stelle von Leckerchen.
    Ich habe bei ihr als sie noch ein Welpe war, immer gecklickert und Futter gegeben, wenn sie etwas sah, was sie verunsicherte.
    Das hat aber wohl dazu geführt, dass sie sich in ihrer Unsicherheit bestätigt sah und immer aufgeregter wurde.
    Schlussendlich standen wir mit vier Monaten zum ersten Mal auf dem Platz und Elly hat eine Stunde durchgebellt und hatte riesen Stress. Die Anweisung der Trainerin war, sie mit Futtersuchspielen abzulenken, worauf ich in dieser Zeitlocker drei Hände voll Futter verteilt habe, die Elly wohl verschlang, dabei aber immer gestresster wurde. Sie stellte die ganze Zeit über den Kamm, zeigte extremes Kratzen und histerische Bellanfälle.
    Darauf hin habe ich die Hundeschule gewechselt. In der ersten Stunde auf dem neuen Platz bekam ich die Anordnung, mich einfach vor meinen Hund zu stellen und ihn bei bedarf frühzeitig und grosszügig abzuschirmen.
    Man sah einen riesigen Unterschied, Elly war viel sicherer, auch wenn sie immer wieder ausgelöst wurde.
    Wir haben dann entschieden, nur noch über den Futterbeutel zu belohnen (Etwas abgeschwächte Theorie aus Natural Dogmanship, Elly wird belohnt, in dem sie den Futterbeutel holen und apportieren darf. Hierbei löst sich ihr Stress in der Bewegung und ich kann sie danach daraus füttern.), da Elly bei direkter Futterbelohnung sofort wieder Stresssignale zeigt und extrem hektisch wird.
    Sie hat wohl die Verbindung von Clicker, Leckerchen und Stress tief verankert.
    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Clickermethode zum Erfolg führt, aber Elly war zu Beginn schon so unsicher, dass ich sie damit nur bestätigt habe. Seither sehe ich positive Bestärkung als viel anspruchsvoller, als sie oft propagiert wird. Es können durchaus Fehlverknüpfungen entstehen.
    Und ich bin auch froh, dass Elly nicht mehr so ein forderndes Verhalten zeigt. Beim Clickern hatte ich das Gefühl, dass sie immer auf Leckerchen wartet und diese auch aktiv einforderte. Jetzt arbeiten wir mehr auf der sozialen Beziehungsebene, die meiner Meinung nach beim Clickern etwas vernachlässigt wird. Schliesslich haben Hunde als Lebewesen in einem sozialen Verbund ein grosses Interesse daran, friedlich mit uns zusammenzuleben.
    Elly reagiert auf klare Strukturen und Führung viel besser und ist nach Wiederstand sehr viel entspannter, seit ich klare Ansagen mache und die Umgebung für sie regle.
    Aber euer clickern klingt viel fundierter als bei uns und scheint ja auch gut zu funktionieren.
    Liebe Grüsse, Katrin

  • Hallo,
    das tut mir Leid, dass es bei Elly so nach hinten losgegangen ist. Bei Campino wird auch sonst geclickert, damit er eben den Clicker mit einem gutem Gefühl verbindet und nicht nachher nur mit blöden Situationen. Ansonsten clickere ich nicht nur unsichere Situationen, sondern regel sie auch, mache klare Ansagen (keine Strafen mehr, aber eventuell unter Kommando nehmen) und nehme ihn eben aus der Situation, wenn es zuviel ist. Ich hoffe, dass es so bei uns ein anderes Ergebnis als bei euch haben wird. Wobei ich heute wieder gemerkt hab, dass ich noch nicht so ganz das richtige Handling habe in den entscheidenen Situationen. Aber das wird schon!
    Das ist natürlich super, wenn man mit Spiel belohnen kann! Campino steht leider nicht so auf Spielen und erst Recht nicht, wenn er unsicher ist. Für Futter tut er dagegen alles und außer einem hypnotischen Anstarren mit Sabberfäden bis zum Boden, fordert er auch nicht.
    Ich hab mir den Link zur Deprivation durchgelesen und würde sagen, dass es ja im Grunde bei Campino auch zutrifft. Nur nicht so stark. Seine Umweltunsicherheit hat er relativ zügig abgelegt. In der letzten Stunde der Hundeschule sind wir über eine lange, sehr hohe Eisenbahnbrücke aus Holz über einen Fluss gelaufen. Durch die Planken konnte man das Wasser sehen und der Fußgängerweg war nur etwa einen Meter breit. Campino war sicherer als andere und konnte sich noch recht gut an mir orientieren. Selbst Absitzen hat nach zweimaligem Anlauf geklappt. Aber seine Unsicherheit gegenüber Männern ist leider nur bedingt besser geworden. In fremden Umgebungen klappt es wesentlich besser. Ob das der territoriale Aspekt ist, der mit rein spielt oder die Erfahrung, die er als noch beinahe Welpe bei uns gemacht hat (das Schönfüttern)? Ich weiß es nicht...

  • Ja, Elly wurde auch sonst geclickert. Aber sie war wohl so häufig unsicher, dass dieses Gefühl überwog und sie sich schliesslich draussen alle 10 Sekunden kratzte.
    Bei dir scheint der Clicker ja nur eine von vielen Methoden zu sein, die zusammenarbeiten. Ich denke, dass bei uns unter guter, ganzheitlicher Beratung Vieles anders gekommen wäre.
    Und du hast ja unterdessen sicher auch ein viel besseres Gefühl für deinen Vierbeiner und kannst ihn besser einschätzen. Aber es würde mich riesig interessieren, wie sich Campino entwickelt.
    Schon nur, weil ich unterdessen die Ausbildung Hundepsychologie bei ATN mache.
    Elly reagiert sehr stark auf Bewegung. Desshalb ist ein fliegender Futterbeutel hier ganz gross. ;)
    Bei Untergründen zeigt sie lustigerweise auch sehr wenige Probleme. Ihre Unsicherheit betraf zu Beginn Kinder, alle Fussgänger, Hunde und alle anderen Tiere, vor allem Vögel und Katzen.
    Zu Beginn mussten wir jeden Spatziergang abbrechen, wenn ein Vogel zu nahe über uns flog.
    Mit 4-6 Monaten waren wir zwei bis viermal pro Woche in der Hundeschule, wobei ich nur Abschalttraining gemacht habe. Sie musste hinter mir bleiben und ich habe mich immer in Richtung des nächsten Hundes ausgerichtet und sie abgeschirmt. Am Anfang so weit weg dass ich die Anderen kaum sehen konnte, dann immer näher. Heute können wir meistens mit der Anfängergruppe mittrainieren.
    Heute können wir an praktisch Allem mit genügend Abstand vorbei gehen, ohne ein riesen Theater zu haben.
    Hach, ist mal schön sich zurück zu erinnern, wie viel wir geschafft haben!
    Allerdings lässt sie sich von niemand fremdem anfassen. Sie hüpft wild herum, wird sehr aufgeregt und schnappt. Das ist jetzt gerade unser neustes Problem, da sie sich auch vom Tierarzt nicht berühren lassen will.
    Und in der Wohnung springt sie die Menschen auch immer noch extrem an und Schnappt. Nicht so dass jemand verletzt würde, aber eben doch sehr penetrant und mit ernsthaftem Hintergrund.
    Bei uns hat die Übung geholfen, dass ich andere Hundehalter (nach Absprache) von Weitem angehalten habe. Dann kamen sie erst nach meiner "Erlaubnis" näher.
    Evt. könntest du das ja bei männlichen Besuchern auch so machen? Dich immer zwischen den Besuch und den Hund stellen und die Besucher mit Handzeichen führen? Und zu Beginn möglichst viel Abstand zum Hund?
    Aber vielleicht machst du das ja schon.
    LG!

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