Angstaggression bei Junghund
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Hallo,
da ich allmählich verzweifel, hoffe ich, dass ihr mir Rat geben könnt. Die Geschichte wird sicher lang, aber nur so könnt ihr die Situation ja einigermaßen gut einschätzen.
Campino ist ein fünf Monate alter Mischlingsrüde, der mal sehr groß wird. Ich hab ihn seit er 11 Wochen alt ist. Der Plan war, dass er mich bei meiner Arbeit in einer Kinder- und Jugendwohngruppe begleitet. Natürlich nicht von Anfang an, sondern wenn er soweit ist. Bis dahin verbringt er meine Arbeitszeit bei meinen Eltern, wenn mein Freund auch arbeitet.
Von Anfang an war Campino sehr ängstlich gegenüber fremden Personen und wollte sich, außer von uns, nicht anfassen lassen. Das ist ja auch völlig ok. Leider wollen viele Leute unbedingt den knuddeligen Welpen streicheln. Soweit möglich habe ich ihn davor geschützt. Einigen besonders hartnäckigen Personen konnte ich mich allerdings nicht zur Wehr setzen. Ist richtig blöd, das weiß ich, ich bin nur leider nicht sonderlich dominant. Mein Vater hat den Hund einfach ignoriert, dennoch wurde er schon bei der ersten Begegnung von Campino angeknurrt. Das war auch schon bevor irgendwelche nervigen Leute den Hund nicht in Ruhe gelassen haben. Mein Vater musste nur den Raum betreten, sofort sprang Campino knurrend auf. Vermutlich hat der Vollbart und das sehr präsente Auftreten meines Vaters ihn zu einer besonders bedrohlichen Person gemacht. Ein Mann aus der Nachbarschaft, der auch zu den nervigen Personen zählte, ist jetzt aus irgendwelchen Gründen Campinos Lieblingsmann außer meinem Freund. Wenn wir dort vorbeilaufen, flippt Campino vor Freude aus. Bei dem hat sich Hartnäckigkeit irgendwie doch ausgezahlt - ich versteh es nicht!
Im Laufe der Zeit verlor Campino seine Angst vor fremden Frauen. Männer dagegen schien er immer schlimmer zu finden. Das Knurren zeigt er nur bei mir zuhause, bei meinen Eltern und in der Wohngruppe, in der ich arbeite. Auf der Straße weicht er Personen, die ihm nicht geheuer sind, aus. Ich habe das Knurren von ihm ignoriert und mich lediglich zwischen ihn und die Bedrohung gestellt, wenn er sich nicht beruhigte. Anfangs knurrte er nämlich nur, wenn bedrohliche Personen den Raum betraten. Im Laufe der Zeit knurrte er auch, wenn die Personen aufstanden, ihn ansahen oder ähnliches. Speziell mein Vater durfte quasi nur regungslos dasitzen. Im Garten zeigt er das Verhalten aber auch, nicht nur im Haus.
Um Campino an die Wohngruppe zu gewöhnen, habe ich ihn ab und an mal für ein oder zwei Stunden dort gehabt. Das klappte sehr gut. Die Kinder liebte er vom ersten Moment. Die pubertären Jungs hat er anfangs angeknurrt, sie aber sehr schnell als ungefährlich eingestuft. Die Kinder haben auf dem Boden mit Campino gespielt und die etwas älteren Jungs haben sich einfach dazu gesetzt und mitgespielt. Da sie keine Angst haben und er auch etwas wilder mit ihnen spielen darf, findet er sie inzwischen sogar besonders toll.
Dann musste ich im Büro arbeiten und habe Campino mitgenommen. Meinen Chef hat er jedes Mal angeknurrt, wenn der den Raum betrat. Der wiederrum hat den Hund mit Leckerchen vollgestopft, weil er meinte, dass der Hund ihn dann schon irgendwann gut finden würde. Ich sagte ihm zwar, dass er den Hund gerade für das Knurren belohnt, aber er wusste es natürlich besser. Das Knurren wurde tatsächlich immer schlimmer und ich verwies Campino unter den Schreibtisch, so dass ich ihn quasi abschirmte. Mehr Möglichkeiten hatte ich dort nicht. Trotzdem wurde es nicht besser und gegen Ende des Arbeitstages wurde mein Chef sauer und hat den Hund angefahren. Ich und der Hund haben uns richtig schlecht gefühlt - es war ein richtig ätzender Tag. Seitdem habe ich jeden Kontakt zwischen Campino und meinem Chef vermieden.
Am nächsten Tag hat Campino erst morgens nicht gefressen und dann mittags Durchfall bekommen. Ich musste leider zur Arbeit und brachte den Hund wie auch sonst zu meinen Eltern. Dort hat Campino dann mehrfach nach meinem Vater geschnappt - das erste Mal. Im Vorbeigehen ist Campino hinterher gegangen und hat nach den Hacken geschnappt. Meine Mutter hat ihn sehr massiv zurecht gewiesen.
Daraufhin habe ich mir eine Trainerin zu meinen Eltern geholt. Die sagte, dass ich den Hund bestrafen müsste, wenn er meinen Vater anknurrt. Bei fremden Personen oder wenn jemand versucht ihn anzufassen, dürfe er knurren. Aber wenn mein Vater ihn einfach ignoriert, gäbe es keinen Anlass. Die erste Strafe war eine Metallschüssel auf den Boden werfen. Die Alternative den Hund sofort in einen Nebenraum aussperren. Dazu sollte mein Vater und auch andere Männer ganz besondere Leckerlis bekommen, die nur er füttert, wenn der Hund mal nicht knurrt. Das mit der Metallschüssel hab ich nur einmal gemacht. Der Hund hat sich so verjagt, dass er noch Stunden später völlig verängstigt wirkte. Dann habe ich ihn je nach Situation rausgeschmissen oder böse "Nein" gesagt. Kurzzeitig hab ich ihn mit ner Wasserpistole angespritzt, hat ihn aber wenig beeindruckt. Auf Schnappen pack ich ihn im Nackenfell und schimpfe - natürlich kein Schütteln.
Mit meinem Vater wurde es besser - wohl vor allem wegen der tollen Leckerlis - bei anderen Männern nicht. Er fing auch an den Kontakt zu meinem Vater zu suchen, allerdings befolgte er bei ihm nicht sein Standartkommando Platz. Sogar bei den Kindern macht er das ohne Leckerli. Sitz macht er sowieso wenn er Leckerchen sieht oder riecht. Auch Spielen will er nicht, er weicht dann aus oder knurrt und das betroffene Spielzeug wird anschließend eine Zeit gemieden. Das ist ja auch ok, aber zeigt eben, dass er immer noch Angst vor meinem Vater hat. Andererseits setzt er sich ständig zu ihm hin, weil er auf Leckerchen hofft. Bis heute knurrt er nur noch sehr selten meinen Vater an. Aber z.B. mein Vater schlüpft in die Schlappen, die neben dem Hund stehen - der Hund schnappt ohne vorher zu knurren nach seinen Füßen. Der Hund ist den ganzen Tag lieb bei meinen Eltern, mein Freund holt ihn abends ab, plötzlich knurrt er wieder meinen Vater an. In meiner Gegenwart hat er bei meinem Vater außer dem Schnappen bei den Schlappen sehr lange nicht mehr geknurrt oder ähnliches.
Die erste Trainerin hat eine Bekannte, die Tierkommunikation macht. Diese nahm Kontakt mit Campino auf und der Grund für seine Angst soll ein junger Mann sein, der ihm als Welpe in den Bauch getreten hätte als er auf der Seite lag. Na ja, wer weiß, im Grunde ändert das auch nichts.
Etwa drei Wochen nach der ersten Trainerin sprach ich mit meiner Trainerin von der Welpenstunde. Die sagte gleich, dass man den Hund niemals bestrafen dürfe, wenn er knurrt. Die Gründe sind hier ja jedem bekannt, also stellte ich das wieder ab. Außer Schnappen, das kann und will ich nicht ignorieren. Ich halte ihn oft an der Leine oder dem Halsband fest, wenn ich das Gefühl habe, das es heikel werden könnte. Wenn er schnappt, strafe ich wie oben beschrieben. Wegschicken lässt Campino sich dann nicht. Erstens hat er noch nicht wirklich gelernt "Geh auf seinen Platz" bzw. bleibt er nicht dort. Zweitens ist es bei mir zuhause so, dass der Besucher vom Aufenthaltsraum Wohnzimmer bis zur Toilette alle Räume außer dem Schlafzimmer durchquert und dort darf Campino nicht hin. Drittens will Campino die Bedrohung im Blick behalten wie sich vor einigen Wochen zeigte. Wir hatten Besuch von einem befreundeten Paar, der männliche Part wurde auch immer wieder angeknurrt. Irgendwann gingen die Männer zum Fußballgucken rein, während wir Frauen auf der Terasse blieben. Campino lief eine ganze Zeit immer wieder hin und her und war sichtlich überfordert damit, dass die "bösen Fremden" sich getrennt hatten. Letztlich blieb er bei uns Frauen.
Campinos Verhalten gegenüber Männern ist zur Zeit schwankend. Manchmal läuft es richtig gut und er knurrt überhaupt keine Männer an, dann geht er eben sogar bis zum Schnappen. Das hängt nicht von dem Mann ab, sondern vom jeweiligen Tag.
Diese Woche sind wir auf einem absoluten Tief
Montag war er mit bei der Arbeit (Mitarbeiterbesprechung), er hat sich verhältnismäßig gut benommen. Leider hab ich einen Einlauf bekommen und war völlig fertig. Der Hund, sensibel wie er ist, war wieder sehr unsicher. Als ich Nachmittags mit ihm spazieren ging, reagierte er auf jedes Geräusch, hörte schlecht, wirkte ängstlich etc. Am Mittwoch die Hundeschule lief ebenfalls sehr schlecht, obwohl er sonst so ein Streber ist. Auf Anraten der Trainerin haben wir Donnerstag einen richtigen Knuddel - Tüddel - Tag eingelegt und er war auch wieder gut drauf. Freitag musste ich ihn für den Nachmittag mit in den Dienst nehmen. Er war während der Übergabe gegenüber meinem Kollegen (von dem ich den Einlauf bekam, aber ich bin wirklich nicht mehr sauer oder so) der reinste Kotzbrocken. Der durfte sich quasi gar nicht bewegen, er hat oft geschnappt und hat meinen Kollegen aber auch bedrängt. Geknurrt wurde fast durchgehend. Entweder hat er nach Leckerlis gebettelt oder geknurrt. Ich hab ihn zwischen meine Beine gesetzt und dort festgehalten, geknurrt hat er trotzdem, wenn mein Kollege aufstand oder ähnliches. Rausschmeißen konnte ich ihn nicht, da ich ihn nicht unbeaufsichtigt mit den Kindern lassen möchte. Im Nachhinein hätte ich ihn besser ins Auto bringen sollen, aber da hab ich in dem Moment nicht dran gedacht. Sobald mein Kollege weg war, lief es gut.Heute war der Bruder von meinem Freund auf Besuch und es lief quasi das gleiche Spiel ab. Ich bin dann mit dem Hund spazieren gegangen, hab meine Eltern besucht und hab ihn am Ende ausnahmsweise mit ins Schlafzimmer genommen. Dort hat er allerdings auch nach jedem Geräusch gehorcht und immer wieder geknurrt und gebellt. Ich hab ihn ignoriert.
Angst zeigt er trotzdem noch, geducktes Weglaufen vor dem Knurren, wenn der Mann läuft etc.
So, ich bin gerade ziemlich verzeifelt und werde wohl meine Trainerin aus der Hundeschule bitten sich Campino mal zuhause anzusehen. Solange er sein Verhalten nicht ändert, werde ich ihn nie richtig in den Dienst mitnehmen können. Meine Eltern wollen ihn aber auch nicht auf lange Sicht ständig nehmen. Im November hat meine Mutter viele Termine und kann ihn auch gar nicht immer nehmen. Mein Vater kann ihn wegen der schwierigen Situation nicht alleine nehmen. Campino ist doch noch soo jung - das muss man doch in Griff kriegen können!
Falls sich irgendwer durch diesen ellenlangen Roman durchgearbeitet hat - ich bin wirklich für jeden Tipp dankbar!
LG, Marike
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16. Oktober 2011 um 00:07
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Liebe Marike,
ich habe mich durchgearbeitet und bin im Moment etwas sprachlos.
Dein Hund ist JETZT fünf Monate alt? Er ist also grad Mal acht Wochen bei Dir? Das heißt zu dem Zeiptunkt als diese Trainerin mit der "tollen" Schüsselidee ankam, war er jünger als fünf Monate? Hunde sind sehr geräuschempfindlich und, wenn sein Verhalten wirklich Angst motiviert ist, dann wurde eine wirklich geniale Verknüpfung geschaffen. Die Angst vor dem Mann wurde nun also verstärkt, weil es aus Sicht des Welpen geradezu berechtigt war sich vor ihm zu fürchten, denn wenn er auftaucht, kann noch viel Schlimmeres passieren. Es kracht und wer weiß was noch kommt.
Für mich sieht es so aus als sei Dein Hund hoffnungslos überfordert. Er konnte scheinbar nicht mal richtig bei Euch ankommen und musste schon gleich sehr viel bewältigen.
Es gibt so viel dazu zu sagen, dass ich grad nicht weiß wo ich anfangen soll.
Zum Anknurren, da machen mir mache Leute zuviel Stress drum. Ich kenne einen Hund, der als Welpe genauso war. Der hatte nur zu einer einzigen Person Vertrauen und alle anderen in der Familie wurden angeknurrt und sogar nach ihnen geschnappt, wenn sie ihm zu nahe kamen.
Diesem Hund wurde Zeit gelassen und er durfte diese Menschen einzuschätzen lernen. Mehr als ein "Nein", welches natürlich vorher in seiner Bedeutung beigebracht wurde, hatte dieser Hund nicht zu hören und spüren bekommen.
Grad, wenn ein Hund aus Angst knurrt ist es falsch, ihn dafür so zu bestrafen.
Meiner Meinung nach ist das Nichts, was man allein mit einem Forum bewältigen kann. Keiner hier sieht die Situationen, das Verhältnis Deines Hundes zu Dir oder kann beurteilen wie Dein Hund sich bei Deinen Eltern fühlt. Leider ist aber genau das immens wichtig.
Mein Vorschlag ist, dass Du Dir eine kompetente Trainerin suchst. Am besten schaust Du Dir die Person und ihre Trainingsmethoden vorher genau an, aber ohne Hund. Im Vordergrund sollte stehen, dass sie beobachtet, also das Verhalten von Mensch und Hund. Dass sie in der Lage ist zu beschreiben, welches Verhalten welche Gegenreaktion auslöst. Dann ist es wichtig, dass sie Lösungsansätze aufzeigt und nimm die Beine in die Hand, wenn mit aversiven Mitteln gearbeitet wird, das bringt bei einem ängstlichen Hund nichts.
Stell Dir Mal vor, Du hast vor etwas Angst und immer, wenn dieses Etwas auftaucht und Du ihm signalisierst, es solle Dich in Ruhe lassen, bekommst Du von irgendwoher einen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet oder jemand pfeift Dir mit einer Trillerpfeife ins Ohr. Würde Deine Angst sich legen?
Wie würdest Du Deine Angst überwinden können? Vielleicht indem Dir jemand hilft, die Situation oder das Etwas als ungefährlich einzustufen? Indem man Dir die Zeit lässt, selbst zu entscheiden wie nah Du die Sache an Dich ran lässt und in welchem Tempo?
Ich hoffe, Du nimmst mir nicht übel, dass ich so frage, das hat nur den Zweck, Dich zum Nachdenken zu animieren. Denn oft verlässt man sich als Welpenbesitzer darauf, was einem ein Mensch sagt, der es angeblich besser weiß, aus lauter Angst man könne was falsch machen. Statt sich auf sich zu besinnen, sich selbst zu vertrauen, sich einfach mal in sein Gegenüber hineinzuversetzen und sich dann auf sein Bauchgefühl zu verlassen.

Im Moment halte ich eine Unterstützung dennoch für sinnvoll, denn das Eine schließt das andere nicht aus, sondern es ergänzt sich und Du wirst Dich selbst viel besser und sicherer fühlen.
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Hallo,
erstmal vielen Dank für die ehrliche Antwort. Campino ist mein erster eigener Hund. Als Kind/Jugendliche bin ich mit Hunden aufgewachsen, aber die waren keine Welpen mehr. Letztlich bin ich viel unerfahrener als ich es mir vorher vorgestellt habe. Im normalen Alltag läuft es super, das Männerding ist zum Glück unser einziges richtiges Problem. Da wir nun nicht ständig Besuch haben oder ich ihn mit zur Arbeit nehme, tritt dieses Problem zum Glück auch nicht täglich, eher ein- oder zweimal die Woche, auf. Diese Woche war er extrem oft bei der Arbeit. Wenn kein Fremder hier ist oder meine Mutter den Hund allein zuhause bei sich hat, ist er entspannt, lieb und welpenhaft putzig. Für einen Welpen war er aber schon immer relativ ruhig und nicht soo verspielt. Überdrehte Phasen hat er nur sehr selten.
Campino ist jetzt seit 11 Wochen bei uns. Die ersten beiden Wochen hatte ich Urlaub und in der Zeit habe ich ihn langsam an meine Eltern und deren Haus gewöhnt. Die erste Woche durfte uns keiner besuchen, um dem Hund erst Zeit zu geben. Mit zur Arbeit habe ich ihn erst später genommen. Gestraft fürs Knurren wurde er etwa drei Wochen lang, bis meine Hundeplatztrainerin mir sagte, dass das vollkommen falsch ist. Schlimmer wurde sein Verhalten aber auch schon vorher und auch hinterher.
Ich denke, dass das Verhältnis zu mir relativ gut ist. Draußen orientiert er sich sehr stark an mir, wenn unheimliche Menschen oder Situationen auftreten. Sobald er keine Angst mehr hat, will er hin. Dann achtet er leider auch nicht mehr so auf mich. Optimal ist es also auch nicht. Wenn es aber ruhig ist, kann ich auch problemlos ohne Leine mit ihm laufen.
Zu meinen Eltern geht er sehr gerne. Er steht schon schwanzwedelnd vor der Tür, wenn ich klingel und wenn meine Mutter die Tür öffnet, stürmt er hüpfend und fiepend hinein und um sie herum. Bei meinem Vater geht er anfangs geduckt, inzwischen mit relativ normaler Körperhaltung an ihm vorbei und rein. Dann geht er zuerst zum Futterplatz der Katzen, um Reste zu suchen. Anschließend spielt er mit seinem Spielzeug herum oder er setzt sich direkt zu meinem Vater, Kopf aufs Bein, weil er sich sein Leckerli abholen will. Ob er die Verbindung mit dem Knurren hergestellt hat, bezweifel ich. Er muss bei meinen Eltern immer etwas auf der Hut sein, weil dort ein sehr alter launischer Kater lebt. Wenn der Kater draußen ist, springt er aber auch herum etc.
Den direkten Kontakt mit Männern sucht er oft, weil er dort Leckerli erwartet. Wenn er schlecht drauf ist, fängt er dann an zu knurren, wenn diese sich bewegen. Zum Teil bewegt er sich aber gar nicht weg und die Männer fühlen sich ernsthaft bedroht. Deshalb halte ich ihn oft fest in solchen Situationen und schiebe ihn von den Männern weg. Ist das schon eine kleine Strafe?
"Nein" funktioniert normalerweise sehr gut. Wenn er was anknabbert, unterwegs was aufsammelt oder so, hört er sofort darauf. Beim Knurren reagiert er fast gar nicht darauf.
Nun, ich werde als Erstes meine Trainerin vom Hundeplatz zu mir kommen lassen. Ich brauch dazu nur einen Mann. Mein Vater geht nicht mehr, da er den fast gar nicht mehr anknurrt. Sie hat mir das Strafen verboten und auf dem Platz gefällt es mir eigentlich sehr gut, wie sie arbeitet. Also denke ich, dass sie das auch gut machen wird. Mal sehen wie schnell ich einen Termin kriege...
Campino ist sicherlich überfordert mit der Situation und weiß nicht, wie er sich richtig verhalten soll. Das ist echt traurig, das ich trotz aller Mühe, schon so viel falsch gemacht habe. Zumal die erste Trainerin wirklich sehr erfahren ist und eher von der sanften Fraktion ist. Also dachte ich, wenn sie sogar sagt, dass man das nicht dulden darf, wird das schon stimmen.
Lg, Marike
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Hallo,
ich finde es sehr schwer einzuschätzen.
Manchmal hört sich das nicht unbedingt nach "nur" Angst an, gerade wenn Du schreibst er sei hinterher gegangen und hätte dann in die Hacken deines Vaters geschnappt.Daher möchte ich hier gar nichts äußern, sondern Dir auch nur den Ratschlage geben Deine Hundeplatztrainerin nach hause kommen zu lassen.
Sie kann ihn dann am besten einschätzen.Weist Du irgendetwas über seine Vergangenheit?
Wie wurde er die ersten Wochen gehalten?Sorry wenn ich das überlesen habe...
Ich finde das Verhalten von einem Welpen, und das war er als er zu euch kam, schon etwas extrem. Hier muss einiges schief gelaufen sein bevor der Hund zu Dir kam.
Liebe Grüße
Steffi
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So, jetzt ist es richtig Sch***e! Heute hat er scheinbar grundlos nach meinem Vater geschnappt. Dem reicht es jetzt. Er hat mit meinem Onkel telefoniert, der eine Hundepension und eigentlich sehr viel Ahnung von Hunden hat. Der sagte, dass mit dem Hund was nicht stimmt. Der hätte einen so verkorksten Charakter, dass der immer eine tickende Zeitbombe bleiben würde. Egal ob man das Verhalten durch Training bessert oder nicht. Dann haben meine Eltern mir das Beispiel von einer Bekannten erzählt, die ihren zweijährigen Airdaleterrier einschläfern ließ, da er immer aggressiver wurde und letztlich auch mehrfach auf sie losging. Sie sei absolut hundeerfahren gewesen und hätte auch mit Trainern zusammen gearbeitet. Ich soll jetzt Campino abgeben, da er nicht der Hund sei, den ich immer hätte haben wollen. Mit zur Arbeit könnte ich ihn sowieso nie nehmen. Jetzt sei er noch jung und gut zu vermitteln. Ich darf ihn noch morgen und übermorgen zu meinen Eltern bringen, mein Vater wird dann wegfahren (er hat gerade Ferien). Bis zum Wochenende hab ich dann frei und am Wochenende ist mein Freund zuhause. Ab nächsten Montag nehmen sie ihn nicht mehr - sie haben Angst.
Ich bin gerade ziemlich platt, weiß gar nicht was ich jetzt machen soll.
Ich kann meine Eltern verstehen und es ist sicher auch nicht der richtige Ort für Campino, wenn sie jetzt Angst haben. Aber ich weiß grad keine Alternative. So wie er zur Zeit drauf ist, kann ich ihn auf keinen Fall mit zur Arbeit nehmen. Aber sonst weiß ich auch keinen Platz...wem kann ich das Verhalten denn zumuten? Und kann ich dem Hund zumuten wieder woanders hingehen zu müssen? Ihn plötzlich solang allein lassen, geht auch nicht. Bisher musste er immer nur eine Stunde allein bleiben. Abgeben kommt für mich nicht in Frage.
Der Hundetrainerin habe ich vorhin schon eine Email geschrieben und gebeten, dass wir diese Woche noch einen Termin machen. Ich könnte mir vorstellen, dass meine Eltern sich wieder beruhigen. Aber ich weiß grad garnichts... -
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Hallo Steffi,
Campino wurde in einer Pflegestelle beim Tierschutz geboren. Ich gehe inzwischen davon aus, dass er unter seinen 10 Geschwistern ein wenig untergegangen ist und einfach wenig kennen gelernt hat. Die Welpen waren anfangs im Haus. Später waren sie nachts im Stall und tagsüber draußen oder bei schlechtem Wetter auch im Stall. Ich glaube, dass die wegen der Menge nicht mehr ins Haus durften. Wissen tu ich das aber nicht genau. Das "Pflegefrauchen" sagte nur auf meine Nachfrage hin, dass er keine schlechten Erfahrungen gemacht haben kann.
LG, Marike -
Zitat
Campino ist ein fünf Monate alter Mischlingsrüde, der mal sehr groß wird. Ich hab ihn seit er 11 Wochen alt ist. Der Plan war, dass er mich bei meiner Arbeit in einer Kinder- und Jugendwohngruppe begleitet. Natürlich nicht von Anfang an, sondern wenn er soweit ist. Bis dahin verbringt er meine Arbeitszeit bei meinen Eltern, wenn mein Freund auch arbeitet.Hi Marike, nicht jeder Hund ist für so eine Arbeit geeignet. Auf jeden Fall kein ängstlicher Hund. Auch wenn er noch sehr jung ist, wird er nie ein in sich gefestigtes Wesen entwickeln, sondern immer einen Rest Unberechenbarkeit behalten.
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Hallo,
das ist einen sehr schwierige Situation, in der du mit deinem Hund steckst.
Ich denke aber, dass da schon noch einiges mit einer wirklich guten Trainerin hinzubekommen ist.
Dein Hund ist von Anfang an zu sehr überfordert worden und wahrscheinlich auch kein Kandidat, der mit zur Arbeit sollte, wenn überhaupt, dann ins Büro.
Leider ist auch schon einiges "kaputt" gemacht worden, Knurren und Schnappen abzustrafen, verschlimmert, wie du es nun festgestellt hast, sehr, sehr häufig die Situation.
Der Hund wird quasi zum Angstbeißer gemacht.
Es sind zu viele (bekloppte) Methoden schon ausprobiert worden, wirklich sicher konnte er sich nie fühlen.
Und das Wort "grundlos" kannst du streichen, im Gegensatz zu uns Menschen, haben Hund einen Grund, mit "Gewalt" zu reagieren.
Neben einem gewaltfreien Training empfehle ich dir dringend, den Hund an einen Maulkorb zu gewöhnen.
Dieses Training umfasst ca. 3 Wochen, langsam über Futter, im Sekundentakt üben.
Normalerweise lehne ich Verwahrboxen für Hunde ab, aber in deinem Fall würde ich glatt darüber nachdenken, ihn an eine große Box zu gewöhnen, die du ins Büro stellen könntest.
Dort ist der Hund gesichert, aber nicht alleine, kann auch nicht bedrängt werden.Auch rate ich dringend, einen Tierarzt aufzusuchen und ein richtiges Schilddrüsen-Profil erstellen zu lassen.
Dazu gibt es auch Threads hier im DF, lies dich ein, bestimmt Werte müssen überprüft werden.Gruß
Leo -
Hallo,
so wie ich das rauslese hat er zu wenig kennen gelernt in der Prägephase.
Es ist leider nicht damit getan Welpen zu holen, sie in eine Haus zu packen, danach in einen Stall und bei gutem Wetter in den Garten.
Campino konnte nichts kennenlernen und meiner Meinung nach muss da irgendetwas schief gelaufen sein, denn sonst wäre er nicht so wie er jetzt ist.Zu einer guten Welpenaufzucht gehört nun mal auch, dass die Kleinen viel kennenlernen in der Zeit wo sie noch bei ihrer Mutter sind.
Das ist viel Aufwand für eine Pflegefamilie, aber wenn ich das mache, dann muss ich es auch richtig machen.Es ist keinem geholfen wenn Campino jetzt abgegeben wird und dann wieder in einem Tierheim landet. Das sollte nicht Sinn und Zweck sein, wobei ich Deine Eltern verstehen kann. Auch Dir mache ich keinen Vorwurf, denn Du kannst es nicht besser wissen und hast Dir ja auch gleich einen Trainer geholt als Du Probleme erkannt hast.
Ich muss Dir aber ehrlich sagen, dass ich gleich zu Beginn Deines Postings dachte, dass es ein langer Weg wird bis Campino in eine betreute Wohngruppe mitgenommen werden kann. Wenn er das überhaupt jemals kann.
Solche Hund brauchen einen geregelten ruhigen Tagesablauf, bei Menschen, die sich die Zeit nehmen können sie langsam an neue Sachen heranzuführen und ihnen aber auch Grenzen aufzeigen und eine Richtung geben an der sie sich orientieren können.
Manches ist angstgesteuert, aber manches eben auch nicht. Das herauszufinden ist sehr schwer für jemanden der wenig Erfahrung mit Angsthunden hat.Ich habe hier auch einen ehemaligen Angsthund.
Er kam mit 4 oder 5 Monaten aus Spanien zu mir. Auch hier war es nicht einfach und ich habe alleine zwei Jahre gebraucht um ihn wirklich alltagssicher zu bekommen.
Das heißt aber nicht, dass ich ihn jemals so mitnehmen kann wie ich es mit meiner Hündin mache die aus einer guten Zucht kommt, nie was schelchtes erlebt hat und gut sozialisiert wurde.Er hält Stress mittlerweile aus, aber eben auch nur begrenzt und ich würde ihn niemals in Menschenmassen mitnehmen. An Geburtstagen bringe ich ihn ins obere Stockwerk, da er sonst keine Ruhe findet und ich auch nicht. So ist es für alle am besten, gerade wenn ich nicht ständig für ihn da sein kann und ihm sagen kann was er zu tun hat. Wenn die meisten gegangen sind, dann hol ich ihn runter.
Normaler Besuch ist kein Problem mehr, aber viele Menschen überfordern ihn, auch heute noch.Stadtspaziergänge sind ok, aber auch hier merkt man, dass er nach einer Stunde Stresssymptome zeigt. Er hat gelernt sich an mir zu orientieren und mir zu vertrauen, aber bei anderen Menschen ist er eben nicht so einfach.
Ich hatte viele Entbehrungen in der Anfangszeit. Früher ging ich Skifahren, damals ging ich zwar mit in den Winterurlaub aber nur um mit meinem Hund zu trainieren und ihn sicherer zu machen.
Heute ist er vier Jahre alt und ich möchte ihn nicht missen. Ich kann auch wieder in Urlaub fahren und mein bester Freund zieht dann bei uns ein und hütet die Hunde. Er kommt gut mit ihm klar so lange sich mein Freund an meine Regeln hält.
Nur diese Regeln geben meinem Hund Sicherheit und er ist entspannt und umgänglich.Hält man sich nicht an diese Regeln, dann bekommt er Stress und fällt auch wieder in alte Muster zurück.
Damit will ich Dir keine Angst machen, sondern nur sagen, dass manche Hunde nie so werden wie man sie sich vorstellt. Sie werden kleine Macken behalten die nicht weiter schlimm sind weil man mit der Zeit damit umgehen kann, aber sie sind eben nicht so unbefleckt wie ein Hund der die besten Voraussetzungen für einen guten Start ins Leben hatte.
Das heißt dann aber auch wieder, dass man einen solchen Hund nicht mit in eine Wohngruppe nehmen kann wenn ihn nicht ständig im Auge hat und dort auch mal fremde Menschen auftauchen können.
Ich wünsche Dir und Campino dass ihr euren Weg findet. Sei Dir aber bewusst, dass es nicht leicht werden wird und wenn Du Zweifel hast, dann such ein gutes, angsthunderfahrenes Zuhause für ihn.
Liebe Grüße
Steffi
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Hallo,
Schilddrüsen ist mal interessant. Vor allem da sein Verhalten so schwankend ist. Was kostet so ein Profil ca.? Wenns nicht ein paar hundert Euro sind, würd ich das auf jeden Fall mal machen lassen. Schaden kann es ja nicht.
Über ne Hundebox hab ich auch schon nachgedacht. Ursprünglich wollte ich das nicht, aber Campino braucht vielleicht eine richtige Höhle, um sich sicher zu fühlen. Ich hab grad ne Kudde bestellt - wenn die jetzt überflüssig wird, ärgere ich mich schon über das Geld. Aber gut, hauptsache wir kriegen sein Aggroverhalten in den Griff.
Maulkorb ist vielleicht auch gut, um meinem Vater die Angst zu nehmen. Wäre ja im Idealfall nur eine Übergangszeit bis das Training richtig und dauerhaft Erfolg zeigt.
Mir ist bewusst, dass er einen ängstlichen Charakter behalten wird. Er muss sich auch nicht von jedem anfassen lassen, aber er darf keine Gefahr für meine Mitmenschen sein.
Wenn es letztlich so kommt, dass er nicht mit zur Arbeit kann, muss er eben lernen auch mehrere Stunden allein zuhause zu bleiben. Das wäre zwar Schade, aber durch meine unregelmäßigen Arbeitszeiten auch höchstens 4 halbe Tage pro Woche. Es war nie der Plan, dass er ein Therapiehund wird. Er soll mich nur begleiten - gar nicht mit den Kindern allein sein. Und wie beschrieben liebt er die Kinder, da seh ich bis jetzt überhaupt keine Probleme. In der Regel ist man alleine im Dienst, also muss ich nichtmal wirklich Angst um meine männlichen Kollegen haben. Wenn er sich an die Box gewöhnt hat, kann er ja auch dort drin bleiben für die Übergabe. Im Mitarbeiterbüro dürfen die Kinder auch nicht rein und er hat dort komplett seine Ruhe. Er hat bisher kein Problem damit gehabt, wenn ich ihn dort mal kurzzeitig eingesperrt habe.
LG, Marike - Vor einem Moment
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