Wir hatten alles falsch gemacht.......

  • Damals war man noch der Meinung "der Hund müsse da durch" und "er muss sich alles gefallen lassen".

    Bei Max haben hatten wir einen Floh entdeckt und mein Vater wollte ihn mit Antiflohmittel einsprühen, das gab es damals in einer Gasdruckflasche. Max fand das gar nicht lustig und knurrte meinen Vater an, dieser besprühte weiter den Hund, bis dieser nach vorne schoss, die Dose packte und zerbiss.......

    SpotOn raufmachen oder Zecken ziehen waren danach ein Akt, weil der Hund mit Maulkorb ausstaffiert werden und min. eine Person ihn festhalten musste. Er rastete dann vollkommen aus und ließ sich schwer fixieren (beim Tierarzt wurde er von zwei Helferinnen festgehalten und hat es trotz eng sitzenden Nylonmaulkorb geschafft den Tierarzt in den Finger zu beißen).

    Oder man machte es auf die schlaue Art: ich kletterte unbemerkt mit dem Fläschen bewaffnet auf das Sideboard im Flur, Pfiff einmal, der Dackel ist an mir vorbei gerannt gekommen, bemerkte mich aber nicht. In dem Moment habe ich ihn die Flüssigkeit von vorne nach hinten über den Rücken gekippt.

    Manipilationen jeglicher Art, auch wenn diese nicht schmerzhaft waren (z.B. Herz abhören beim Tierarzt), konnte man nur noch mit Maulkorb durchführen. Mir tat Max jedes Mal schrecklich Leid, er muss wahnsinnige Angst gehabt haben. Beim Tierarzt hatte er auch vor Stress/Angst bei einer Behandlung seine Analdrüsen ausgeleert :dead2:

    Leider hatte unser Hund das Pech immer irgendetwas zu haben: eine Biene hat ihm in den Hoden gestochen und der Stachel steckte drin........
    Er hatte eine Wurzel im Rachen, weil er beim Buddeln diese rausgerissen hatte (er musste mehrmal für die Narkose nachgespritzt werden, weil er jedesmal beim Anblick des verhassten Tierarztes sich hochgerappelt hatte, sogar als er vollkommen schlaff war knurrte er noch).........
    Er hatte eine Rippenfellentzündung, wo er nicht mehr die Treppen runter laufen konnte, man ihm aber auch nicht tragen dürfte oder einen Maulkorb anlegen konnte, weil man nicht näher als 1 1/2 Meter an ihn rangekommen ist (er lag mit dem Rücken in einer Ecke und knurrte). Er ist dann Gott sei Dank in eine ausgeliehene Babytragetasche reingekrochen, mit der meine Eltern ihn dann zum Tierarzt tragen konnten........
    Er ist beim Gassi gehen abgehauen und ist mit aufgeschlitzer Pfote nach Hause gekommen (wahrscheinlich ist er in eine offene Flasche gelaufen, er hatte so viel Blut verloren, dass er sich ohne Maulkorb und Kommentar von meinem Vater einen festen Druckverband anlegen ließ der die Blutung bis zum Tierarzt gestoppt hat), am nächsten morgen ging es dem Hund schon wieder so gut, dass er unter einem Regal heraus meinen Vater zur Begrüßung angeknurrt hat.....

  • Der erste Biss innerhalb der Familie galt meinem Vater. Das war kurz nach der Tätowiergeschichte.

    Mein Vater hob Max hoch (warum weiß ich nicht) und dieser biss ohne knurren meinem Vater in die Oberlippe. Zwei blutige Zahnabdrücke waren das Ergebniss.

    Wenige Wochen später, hatte lag Max mit einem Schweineohr in seinem Korb.

    Damals war man noch der Meinung, "der Hund hätte nicht zu knurren", "man dürfte ihm alles ohne Wiederstand zu erfahren wegnehmen" und "Kinder dürften auch an den Korb und am Hund rumfummeln". Er müsse sich alles gefallen lassen!

    Sobald man am Korb vorbei ging, fing Max an zu knurren, darauf hin haben meine Eltern ihn aus dem Korb gelockt und ihm heimlich das Schweineohr weggenommen (nach der Sache mit meinen Dad, hat sich niemand mehr an den Hund ran getraut sobald dieser geknurrt hat).
    Leider hat Max das gar nicht mitbekommen und war der Meinung, er hätte es immer noch als er zurück in seinen Korb ging. Dummerweise bin ich auf die Idee gekommen den Hund in seinem Korb mit Streicheln zu belästigen, woraufhin Max ohne verbale Lautäußerungen vorschoss und mir die Lippe durchtackerte. Mein Vater war außer sich und verdrosch (den armen Hund!) mit einem Latschen.

    Ab dem Tag an wurde er mit Knabbereien in einem Zimmer eingesperrt und niemand hat ihn belästigt, wenn er fertig war kratzte er an der Tür und man konnte ihn raus lassen.

    An seinem Feuchtfutter hatte er kaum Interesse, da hätte man den Kopf in den Napf stecken können wärend der daneben stand.

  • Eigentlich isses ja schon traurig (und bei manchen auch noch aktuell) genug - aber bei dem Absatzt musste ich lachen, als das Kopfkino losging...

    Zitat

    Oder man machte es auf die schlaue Art: ich kletterte unbemerkt mit dem Fläschen bewaffnet auf das Sideboard im Flur, Pfiff einmal, der Dackel ist an mir vorbei gerannt gekommen, bemerkte mich aber nicht. In dem Moment habe ich ihn die Flüssigkeit von vorne nach hinten über den Rücken gekippt.

    Vielen Dank, dass du das alles berichtest. Das sollten vielleicht einige Leute lesen, die auch die Meinung vertreten, der Hund habe sich gefälligst sofort und immer komplett unterzuordnen und nienicht zu knurren.

  • Wenn es Max schlecht ging (z.B. mit der Rippenfellentzündung) dann drohte er aus der Distanz heraus mit knurren.
    Aber allen Beisvorfälle gingen nur schwache Körpersignale aus: harter Blick und steifer Körper.

    Es wurde nicht mehr geknurrt oder Zähne gezeigt, durch das Trauma mit der Tätonr. und/oder das Hunde auch Signale überspringen können (man erinnert sich nur an die vier F´s, wo ein Hund angreift, wenn die anderen Möglichkeiten wie Flucht, Einfrieren oder Übersprungshandlung nichts bringen oder beim Vorherigen Versuch nichts gebracht haben).

    Desweiteren verschlimmerten sich die Angriffe in Laufe der Jahre: sobald er steif und sein Blick hart wurde, konnte man auch nicht ohne weitere Reaktion des Hundes aus der Situation raus, denn er ging trotz Rückzugs nach vorne und biss dann auch mehrmals zu (entweder man wurde gebissen oder man sprang schnell auf einen Tisch oder auf die Couch).

  • Zitat

    Eigentlich isses ja schon traurig (und bei manchen auch noch aktuell) genug - aber bei dem Absatzt musste ich lachen, als das Kopfkino losging...

    Man kommt mit der Zeit auf Ideen, wie man Sachen ohne große Konflikte lösen kann. =)

    Einmal hatte er eine dicke Zecke in seinem Rauschebart, die meine Mutter entdeckte als sie auf der Couch saß, Schokolade aß (es waren kleine Schokostückchen die in Folie eingepackt waren) und der Hund bettelnd vor ihr auf dem Boden saß.
    Sie hielt ihm eine leere Folie hin, der Hund dachte da kommt jetzt was zu futtern und in dem Moment packte meine Mutter die Zecke (mit ein paar Haaren) mit den Finger uns riss sie raus. Der Hund war viel zu sehr beschäftigt das nicht vorhandene Stück Schokolade zu suchen, dass er nichts mitbekommen hatte..... :p

  • Oh jeh... ja, an die Zeiten kann ich mich auch noch erinnern...

    Bekannte von uns hatten mal eine Mischlingshündin,
    die bei der kleinsten Bewegung von irgendjemandem
    in hysterisches Gebell ausbrach und nur sehr schwer 'abzustellen' war.

    So sass dort also Abend für Abend die Familie stocksteif vor dem TV,
    denn wenn irgendjemand Anstalten machte, den Raum zu verlassen
    oder sich bequemer hinzusetzen, war das Fernsehprogramm für die
    nächsten Minuten unhörbar.

    Toilettengänge etc waren allen verboten.
    Besucher musste man vorsichtig und langsam auf diese Gewohnheiten hinweisen.

    ....
    aber nu les ich hier weiter, oder eben nach Deinen Ferien, LasPatitas...

  • Und die haben sich wirklich über Jahre hinweg so terrorisieren lassen, ohne auch nur Ansatzweise zu versuchenm, das der Hündin wieder auszutreiben? :???:

  • LasPatitas, einfach nur toll, dass Du das hier aufschreibst und ähnlich wie Arika hoffe, ich das viele es lesen und manches einfach nochmal überdenken bevor sie beim Hund ausprobieren.

    Birgit

  • Da entdecke ich sehr viele parallelen zu unserem ersten Hund früher.
    Finde ich gut, dass Du uns das alles mitteilst.
    Hoffentlich erreicht es den einen oder anderen und bewegt ihn zum Nachdenken.

  • Das ist ja echt interessant. Mein erster Hund war auch ein Rauhaardackel, den wir unter genauso unglücklichen Umständen gekauft haben. Auch wir wussten es damals nicht besser. Ich war gerade 14 und einfach nur überglücklich endlich den ersten eigenen Hund haben zu dürfen. Auch bei ihm war genetisch nicht alles in Ordnung und ALLE Geschwister wurden entweder eingeschläfert, weil sie sehr aggressiv waren bzw. ist einer überfahren worden, weil er in einen Autoreifen beißen wollte :sad2:

    Meiner wurde 13 Jahre alt und starb an einem Bauchspeicheldrüsentumor. Aber ich kenne diese Situationen nur zu gut wo nicht mehr sichtbar gewarnt wurde und wenn doch mal, dann war es eigentlich auch schon zu spät. Allerdings habe ich das Glück gehabt, dass er nicht unverträglich gegenüber anderen Hunden war. Er wollte mit ihnen zwar nicht unbedingt was zu tun haben, aber ließ sie in Ruhe. So konnten wir viele tolle Unternehmungen machen. Anfassen von Fremden war fast gar nicht erwünscht und zum TA konnten wir nur, wenn der MK schon zu Hause dran gemacht wurde. Da hatte er mal eine ganz blöde Erfahrung und so musste auch bei meinem Dackel das ganze Prozedere durchgemacht werden - MK, mind. zwei TA-helferinnen zum Festhalten und ich musste immer dabei sein, sonst ging überhaupt gar nichts. :sad2:

    So, nun warte ich auf deinen weiteren Bericht und wünsche euch einen schönen Urlaub!!!

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