Prävention gegen den Jagdtrieb

  • Hallo zusammen! :smile:
    Wie einige von euch ja wissen, haben wir eine 18 Wochen alte Vizsla-Hündin.
    Madame soll später nicht jagdlich geführt werden, sondern als reiner Familien- und Sporthund gehalten werden.

    Nun meine Frage:
    Was kann ich jetzt schon tun, um den Jagdtrieb später besser händeln zu können?

    Momentan üben wir sehr am Abruf unter Ablenkung (spielende Hunde, Kinder usw.). Das klappt auch schon ganz gut.
    Außerdem fangen wir schon mit der Dummyarbeit an, um ihr später eine Ersatzbeschäftigung bieten zu können.
    Ist es ratsam jetzt schon einen ultimativen Pfiff einzuführen (vielleicht mit Hundepfeife)?

    Über weitere Tipps wäre ich sehr sehr dankbar! :smile:

  • Hey.

    Wie dir sicher schon klar ist, kannst du das bei deiner Rassenwahl so oder so niemals verhindern bzw. unterdrücken, dass er erhöhtes Interesse an Wild haben wird.

    Du kannst aber sicher schon an dem Verhalten arbeiten.

    ich erinnere mich, dass Pia Gröning auf einem Antijagd Seminar dazu mal was erzählt hat, ich versuche es mal aus meiner Erinnerung wiederzugeben:

    Sie nannte ein Beispiel mit einem Reh: Man gehe mit dem Welpen in ein Wildgehege und trainiere das Verhalten bei Wildsichtung. Da gab es auch verschiedene Optionen (?) (sorry, ist nun mal drei Jahre her und ich hatte nicht zu 100% zu gehört). Da gab es zum einem das ruhige Kennenlernen und anschließend das spielen neben Wildtieren, damit Welpi lernt, dass dennoch die Aufmerksamkeit bei Frauchen bleiben sollte.

    Andere Option: Bei Wild einen Warnruf abgeben und dann als Frauchen schnell weglaufen. Also, du und dein Hund seht ein Reh/Hasen/Fasan etc. (Der Hund muss das Tier aber wirklich registrieren), dann gibst du ein lautes Signal und gibst in die entgegengesetzte Richtung Gas. Welpe soll lernen, dass er bei Wild unbedingt auf dich zu achten hat, weil du dann nämlich immer abhaust. Ideal solle dieses Vorgehen sein, wenn es der aller erste Wildkontakt des Hundes sei.

    Alles natürlich ohne Gewähr, da es sein kann, dass meine Erinnerung vielleicht einen wichtigen Zwischenschritt ausgelassen hat. ICh denke aber, dass es hier im Forum noch viel bessere Spezialisten zu diesem Thema gibt :D

    Ach ja, eine Kommolitonin von mir hat einen Jagdschein und führt zwei Viszlas jagdlich. Sie hat bereits beim Züchter darauf bestanden, dass die Hunde auf eine Pfeife konditioniert werden. Jedesmal bevor es Futter gibt, setzt sie vorher den Pfeifton. Inzwischen (Hunde 2 und 5 Jahre) sitzt das Kommando so tief, dass sie beim Pfeifton selbst bei einem Meter vor dem Hasen kehrt machen.

    Viel Erfolg!

    Dawn

  • zum Pfiff nen Tipp:

    es gibt Hundebesitzer/Züchter, die arbeiten mit dem "Futterpfiff"
    der Hund verbindet den Pfiff also immer mit Futter (zu üben natürlich bei der Fütterung, und immer vorher den Pfiff)
    so dass gerade Welpen lernen, dass der Pfiff heißt, dass sich das schnelle Erscheinen lohnt ;-)

  • Zum Konditionieren des Pfiffs ist Futter super. Später allerdings sollte man unbedingt anfangen, die Belohnung zu variieren... meine Hündin fing irgendwann an abzuwägen, was nun besser ist - Futter oder weiter den Vogel verfolgen :roll: Das Variieren der Belohnung macht es für sie etwas spannender (ich belohne nun manchmal mit Futter, manchmal mit einem Zerrspiel, manchmal fliegt irgendein Spielzeug und sie darf hinterherhetzen, etc.) und da sie nicht abschätzen kann, was passiert, funktioniert der Pfiff auch in hohen Reizsituationen inzwischen wieder zuverlässiger.
    Wichtig ist es auch auf jeden Fall, an der Impulskontrolle zu arbeiten. Der Hund muss lernen, dass er nicht jeder Bewegung einfach hinterhetzen darf.

    Wenn meine Hündin mal irgendetwas aufstöbert und ins Hetzen gerät (ganz verhindern kann man das ja nie), ist mein wichtigstes Kommando das Kehrt-Signal. Stehenbleiben oder Rückruf fällt ihr in diesen Situationen sehr sehr schwer, aber in vollem Gallopp umkehren geht komischerweise. Ich habe das "trainiert", indem ich einfach im Freilauf immer mal "kehrt" gesagt habe, mich umgedreht habe und in die entgegengesetzte Richtung gerannt bin. Sie ist dann immer direkt hinterher gesprintet und hat mich wieder eingeholt. Bei diesem Kommando habe ich auch nie Leckerchen benutzt oder in irgendeiner anderen Form belohnt, sondern eben einfach nur meinen Richtungswechsel angekündigt und ihr signalisiert "tschö, ich bin jetzt weg, wenn du nicht mitkommst". Funktioniert super bisher.

    Zudem finde ich es sinnvoll, dem Hund beizubringen, dass er weitestgehend auf den Wegen zu bleiben hat. Dadurch wird erst gar nicht so viel Interessantes aufgestöbert im Gebüsch. Bei meiner Hündin toleriere ich es, wenn sie 1-2m abseits vom Weg am Rand rumwuselt, mehr aber auch nicht. Wir üben von Anfang das Kommando "raus da", bei dem sie zurück auf den Weg wechseln muss.

  • Danke euch beiden! Das mit dem Kehrtsignal ist echt eine super Idee!

    Ich verstecke mich jetzt auch schonmal und lasse Madame doof stehen wenn sie mich nicht beachtet. Man sieht ihr immer an, wie schockiert sie dann ist. War bis jetzt 2 oder 3 mal nötig, seitdem guckt sie nach mir. :smile:

    Deliara: Geht deine Hündin jagen bzw. hat sie Jagdtrieb und du kannst sie trotzdem frei machen? Geht das immer, z.B auch im Wald, oder nur in wildarmen Gebieten?

  • Einerseits kann man dem Hund beibringen Wild=Gefährlich. Also jedesmal schreiend davon laufen wenn man Wild sieht :hust:

    Oder die Methoden die ich bevorzuge ist Reizangeltraining, Triller und Rückruf bei extremen Reizlage sowie geeignete Ersatzbeschäftigungen...

    Zum Thema Reizangeltraining kann ich dir den Artikel "Zur Ruhe reizen" vom Fichtlmeier empfehlen...

  • Fabiana
    Naja, ich hab ja einen Mix aus Pointer und Münsterländer und Jagdtrieb hat sie definitiv, ja ;) Aber sie ist bei mir als Welpe sehr sehr lange an der Schleppleine gelaufen, wir haben viel geübt und das zahlt sich inzwischen wirklich aus. Im Wald kann sie grundsätzlich frei laufen, außer wenn wir mit ihren Hundekumpels unterwegs sind (das stachelt sie irgendwie an und sie stellt dann gerne mal die Ohren auf Durchzug). Alleine ist sie aber sehr gut ansprechbar und lässt sich gut ablenken/anderweitig bespaßen. In den Stadtparks hier kann ich sie allerdings leider überhaupt gar nicht ableinen, weil die Hasendichte einfach zu hoch ist. Auch in der Dämmerung wirds kritisch, deswegen gehen wir unsere letzte Runde meist schon nachmittags. Insgesamt ist ihr Jagdtrieb aber gut einschätzbar und ich bin froh, dass ich keine komplette Jagdgranate erwischt habe :D
    Wir arbeiten aber auch seit Welpenbeinen an daran und ich bin von Anfang an mit ihr in der Hundeschule von Pia Gröning gewesen (zwar nicht bei ihr selbst, aber die Übungen in den Gruppen sind im Hinblick auf Impulskontrolle, Pfiffaufbau usw. schon wirklich gut für kleine Jäger).

    Was mir noch einfiel: dein Viszla ist ja auch ein Vorstehhund, da bietet es sich unbedingt an, jedes Vorstehen fürstlich zu belohnen und dieses Verhalten zu fördern. Meine Hündin hat anfangs jeden Mist angezeigt (verfangene Plastiktüten im Gebüsch, fallende Blätter, etc. :D ) und es war teilweise schon ein bisschen nervig, immer mit ihr stehen zu bleiben und sie zu belohnen, aber das hat sich echt ausgezahlt langfristig. Inzwischen zeigt sie viele Tiere einfach nur noch an, ich clicke das Vorstehen und sie wendet sich ab, um ihre Belohnung abzuholen. Danach können wir in 80% der Fälle ganz normal weitergehen und sie wendet sich nicht nochmal dem gleichen Tier zu.


    edit: ach ja, ich sollte vielleicht dazu sagen, dass ich das Glück habe, hier einen reinen Sichtjäger sitzen zu haben. Wenm ein Hund zusätzlich noch auf Spur unterwegs ist, ist es sicherlich schwieriger, den Trieb zu händeln.

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