Kastration verstärkt das Problem?

  • Fanta,

    danke für die Mühe. :smile:
    Bei der Tumorgeschichte muss ich einfach sagen, dass ich (wie schon geschrieben) zu viele Beispiele von Hündinnen kenne, die (oft mehrere) Tumoroperationen über sich ergehen lassen mussten.
    Von ewiger Scheinträchtigkeit noch gar nicht geredet.
    Aber ich lasse mir das schon noch durch den Kopf gehen.

    Cerridwen

    Ich denke, sie ist zu einem hohen Prozentsatz Terrier. Bei Menschen, denen sie vertraut, kann sie durchaus ganz schön frech sein und ihre Grenzen austesten. Vor Hunden hat sie keine Angst. Sie zeigt ihnen gegenüber ein gutes Sozialverhalten. Ihre Ängste kommen meiner Einschätzung nach durch mangelnde Prägung auf Menschen, gepaart mit schlechten Erfahrungen. (Soll mit einem anderen Hund aus dem Auffangrechen eines Kanals gefischt worden sein. Mehr weiß ich nicht)

    Du schreibst:
    "Aus eigener Erfahrung kann ich nur zu einer Verhaltenstherapie raten und von einer Kastration Abstand zu nehmen."
    Genau, nach eigenen Erfahrungen suche ich. ;) Kannst Du mehr darüber erzählen?

    Allerdings sei nochmal gesagt: Ich will sie nicht kastrieren lassen um das Problem mit der Angst zu beseitigen.

  • Nun was soll ich mehr erzählen? Es ist halt so, das man lieber sehr gezielt an den Ängsten/Unsicherheiten arbeiten sollte und das Selbstbewusstsein des Hundes steigern sollte. Das ist für Mensch und Halter schon anstrengend genug.
    Allerdings sollte man das Thema nicht unbedingt ganz alleine angehen, sonder sich da von jemanden Helfen lassen, der sich mit der Thematik auskennt und mit dem Hund arbeitet und nicht gegen ihn. Zum anderen gibt der Hund das Tempo vor, wie weit er gehen will oder wann er einen Schritt weiter gehen möchte. Das ist meist ein recht langer Weg. Aber geschickt angestellt funktioniert das sehr gut.

    Das Problem bei Hunden mit unbekannter Herkunft kann man nicht sagen, ob es wirklich nur mangelnde Prägung ist oder wirklich eine genetische Scheuheit. Gerade weil man das nicht sicherstellen kann, weil man weder Mutter, noch Vater, noch Geschwister kennt und da Vergleiche anstellen könnte. Aus dem Grund sollte man von einer Kastration absehen, weil die Gefahr einfach zu groß ist, das es "nach hinten losgeht" und sich damit die die Problematik verstärkt.

    Aber was mir in dem Zusammenhang noch einfällt. Das hat jetzt mehr mit den Ängsten, als mit der Kastra zu tun. Hat der Hund gleichbleibende Lernergebnisse oder schwanken die Tag für Tag?

  • Ich habe eine unsichere Hündin die vor einem Jahr kastriert wurde.

    Allerdings läuft sie nicht direkt vor fremden Menschen weg...jedenfalls nicht direkt...ich kann es schlecht beschreiben...hin weg...hin weg...bei uns zu Hause ist sie da eigentlich viel aufgeschlossener...sie ist aber auch ein richtiger Wachhund muß ich dazu sagen...aber eben generell unsicher (ängstlich würde ich es nicht nennen)
    Sie geht auch aus Angst nicht nach vorne...das wäre dann ein Grund (für mich) nicht zu kastrieren.

    Es hat sich aber meiner Meinung nicht viel geändert...ich kann natürlich nicht sagen ob sie eine andere Entwicklung durchgemacht hätte, wenn sie nicht kastriert geworden wäre :ka:...das Wesen ist gleich geblieben auch die Unsicherheit...

  • Nun ja, Fakt ist, dass Hündinnen, die im ersten Jahr der berühmte Pummelwelpe, also übergwichtig waren, ein erhebliches Risiko haben, in späteren Jahren Mammakarzinome zu entwickeln. Ebenso sind Hormongabe zur Läufigkeitsunterdrückung ebenso ein Indikator für spätere Mammakarzinome.

    Scheinschwangerschaften, d.h. eher Scheinmutterschaften bekommt man ganz gut mit Futterreduktion, Spielzeugentzug und Bewegung in den Griff. Ebenso mit Homöpathie.

    Es gibt ein Angsthundeforum, da kannst Du auch noch mal schauen. Denn Cerridwen hat Recht, mit einer Kastration werden sich die die Probs Deiner Hündin eher verstärken und vorallem, es ist die falsche Baustelle.

    Wichtig ist auch in meinen Augen, dass an den Ängsten und Unsicherheiten der Hündin gearbeitet wird.

    Vielleicht magst Du ja auch einen Hundetrainer hierfür mit ins Boot holen.

    Liebe Grüsse,

    Birgit

  • Hallo Ihr,

    aalso, an Piris Angst wird täglich gearbeitet. Ich habe dazu einen anderen Thread laufen.
    Danke Euch auf jeden Fall für die Tipps. :smile: Ich kann immer und überall welche brauchen.

    Ich weiß, dass das Thema Kastration immer Kontroversen hervorruft (das meinte ich mit "Fass aufmachen" ;)) und ich verstehe Eure Einwände.
    Ich lasse mir das wie gesagt alles gründlich durch den Kopf gehen. Mache nichts leichtfertig oder aus Bequemlichkeit. Diese Art von Hundebestitzerin bin ich mit Sicherheit nicht.
    Aber ganz ehrlich: ich will mich dem nicht verweigern - aber eigentlich will ich hier gar nicht unbedingt über Scheinträchtigkeiten, Tumore und anderes diskutieren.

    Ich suche nach konkreten Erfahrungsberichten, wie dem von sinaline (@ sinaline: vielen Dank dafür :smile: ), die die Infromation, dass die Angst durch eine K. verstärkt werden kann, untermalen oder eher entkräften.

    Und nochmal: ich will meinen Hund (gegebenenfalls) nicht wegen sondern trotz der Ängstlichkeit kastrieren lassen.

    Freue mich auf jeden Fall, dass Ihr Euch für mich und meinen Hund Gedanken macht. Danke :smile:

  • Ich habe nur Jungs und bei einem hat es sich verstärkt, weil ist ja geschlechtsunabhängig.
    Der Grund ist dort, das es in einem Zusammenhang mit der Schilddrüse steht.

    Bei einem mir bekannten Rüden wurden Angst und damit auch eine Aggression verstärkt.

    Dann gibt es in vielen Büchern zum Thema Angst und Unsicherheit viele Fallbeschreibungen zu diesem Thema.

    Wie gesagt, man kann es mit einer chemischen Kastration testen, aber da wäre mir persönlich das Risiko von Nebenwirkungen einfach zu hoch für eine Hündin.

    Ich rate allen Menschen erst einmal von einer Kastration ab - sofern nicht eine wirkliche medizinische Indikation vorliegt, einfach weil es nichts schlimmeres gibt, wenn man dann mit einem Tier nicht mehr vernünftig Arbeiten kann, weil das Hormonsystem so durcheinander ist und dort dann niemand wirklich das Verhalten mit der Kastration in Zusammenhang bringt. Die Diagnosestellung und welches Hormon dann helfen kann ist einfach zu schwierig zu ermitteln, weil die wenigsten Ta´s dort helfen können oder wollen.
    Das größte Risiko ist in meinen Augen, das zum einen sich diese Unsicherheiten steigern können und das noch weitere Probleme im Bereich Aggression dazu kommen kann.

  • ich würde mit einer Kastration aber noch 4 Monate warten, in dieser Zeit würde ich beobachten und mir aufschreiben was sich am Verhalten noch ändert und die Entscheidung für oder gegen eine Kastration abwägen.

    Es kann sich ja noch einiges am Verhalten ändern nach der Läufigkeit.

  • Zum Thema Erfahrung: als wir unseren Hund (Rüde) bei uns einzog, kamen zeitgleich in der Nachbarschaft ein Vsizla und ein Aussie, beides Rüden, und ein Labbie-Mix Mädchen. Beide Rüden wurden im Alter von ca. 1 Jahr kastriert. Das ist nun 4 Jahre her. Der Viszla ist in seinem Verhalten komplett ein Hundekind geblieben und das sieht bei so einem doch größeren Hund schon ziemlich eigenartig aus. Der Aussie wird vorbildlich ausgelastet (Agility, Rettungshundearbeit) zeigt anderen Hunden gegenüber eine Unterwürfigkeit die schon sehenswert ist. Er schmeisst sich vor jedem anderen Rüden auf den Rücken. Ob ich das so haben wollen würde - ich glaube nicht. Das Labbie-Mädchen führt ein Leben als der klassische Familienhund, in der Familie sind 2 kleine Kinder, der Hund läuft so nebenbei mit. Als das Labbie Mädchen noch nicht kastriert war, war das ein wahrer Temperamentsbolzen - im positiven Sinn. Sie wurde nach der ersten Läufigkeit kastriert. Ein halbes Jahr später wurde sie immer langweiliger und ist jetzt eine Hund der nur noch neben seinen Menschen mit läuft und an nichts und Niemanden mehr Interesse zeigt. Diese 3 und weitere Beispiele haben mich zu der Entscheidung gebracht das unser Hund nur dann kastriert wird wenn es einen medizinischen Grund gibt, ansonsten bleibt alles drin und dran. Abgesehen davon bin ich der Meinung wenn man sich für ein Mädchen oder einen Rüden entscheidet sollte man sich vorher überlegen ob man mit den Begleiterscheinungen des jeweiligen Geschlechts leben kann und will. Wir haben uns bewusst für einen Rüden entschieden. Ja wenn die Hundemädels alle Läufig werden dann müssen wir aufpassen, ja er mag nicht unbedingt jeden anderen Rüden ... aber dafür ist er ein liebenswerter Gaudibolzen mit dem man super arbeiten kann und den man runterdrehen kann. Von den beiden o. g. Rüden weis das das nicht so ist.

  • Hey, klar, das gibt mir alles zu denken...
    Allerdings habe ich in meinem Umfeld einfach zu viele negative Beispiele erlebt.
    Klar weiß man das vorher, wenn man sich für eine Hündin entscheidet aber der Reproduktionszyklus ist ja bei beiden Geschlechtern ein Problem. In unserem Umfeld.
    Es bleibt ja dabei, dass ein Hund ein domestiziertes Tier ist, dass nicht in seinen ursprünglichen Gegebenheiten bewegt, sondern aus dem Zusammenleben mit einer anderen Art (also Mensch), seine Vorteile zieht.
    Die sind: Sicherheit, Ernährung, ein guter Schlafplatz usw.
    Und es stimmt, einem Hund ein Organ zu entnehmen ist ein extremer Eingriff. Aber zu entscheiden, dass der Hund sich nie vermehren darf ja doch auch, oder?
    Also die Entscheidung liegt ja bei den Menschen. Oder lasst Ihr Eure Hunde alles selbst entscheiden?Wenn ich meine Hündin kastrieren lasse, tue ich das doch für sie, und nicht gegen sie.
    Wenn es nach ihr ginge, würde sie jetzt mit 10 Monaten von (welchem Rüden auch immer) gedeckt werden. Das verhindere ich natürlich und das würdet Ihr auch tun.
    Und mit einer Kastration kann ich vielleicht verhindern, dass sie in 6-8 Jahren x-mal operiert werden muss.
    Meine Luzi war auch kastriert und sie war auch danach ein fröhlicher Hund.
    Nur war sie nicht so traumatisiert wie Piri.
    Deswegen eben meine Frage, ob die Angst schlimmer wird...
    Klar, kann keiner beantworten. Aber Erfahrungswerte würden mich immer noch interessieren.
    Im Moment ist erstmal die Standhitze angesagt... Auweia...

  • Nun das Problem bei Erfahrungswerten ist immer, das du diese nicht auf deinen Hund übertragen kannst. Diese Erfahrungen werden dich also in deiner Entscheidung genauso wenig weiter bringen können.
    Fakt ist ja auch, das ein Hund nicht wirklich darunter leidet, das er sich nicht fortpflanzen darf, aber unter einer Kastration könnte es schon leiden. Es gibt ja auch noch andere Nebenwirkungen einer Kastration, welche sich nicht auf der Verhaltensebene abspielen, sondern eher körperliche Ursachen haben, wie Inkontinenz die gerade bei Hündinnen vermehrt auftreten kann.

    Im Moment hört es sich für mich eher danach an, das du für dich eine Bestätigung möchtest, das du einen für dich bequemeren Weg gehen kannst, weil du dann weniger aufpassen musst.
    In der Natur ist es auch nicht so, das sich jedes weibliche Tier einer Gruppe fortpflanzen darf. Das ist nur bestimmten Tieren als Privileg gegeben und da handelt es sich immer um die Leittiere. Wenn genügend Futter da ist, dann darf vielleicht noch ein anderes ranghöheres Tier dieses genießen, aber das ist so selten.
    Entsprechend fuschst du nicht in die Natur, wenn du einen Deckakt und damit eine Trächtigkeit verhinderst.

    Was die Ängstlichkeit und deren Steigerung angeht, da haben wir ja schon versucht zu erklären, das es von ganz vielen Faktoren abhängig ist.

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