Verhalten bei Hundebegegnungen

  • Guten Morgen,

    nachdem ich jetzt seit Tagen und Wochen grübel, wie ich unser "kleines" Problem lösen soll, frage ich euch mal.

    Kurzfassung: Wenn Shira (jetzt ca 6 Monate alt) andere Hunde sieht, bin ich ausgeblendet. Der Rückruf funktioniert sonst super (jaja ich weis das sagt hier jeder ^^) aber da ist dann Ende. Bzw ich versuche solche Situationen freilaufend zu vermeiden, bisher ist sie noch nie durchgestartet weil ich sie immer rechtzeitig ranholen und sichern konnte.

    Glücklicherweise startet sie nicht sofort durch, sondern wird langsamer wenn sie einen anderne Hund sieht und setzt sich erstmal. Dann ists allerdings schon zu spät: Tunnelblick, Ohren auf taub. Ich könnte im Clownskostum mit Leberwurst-Torte um mich werfen und es würde sie nicht interessieren :ops: Auch das normalerweise gut sitzende "Schau" funktioniert dann nichtmehr.

    WENN ein anderer Hund da ist, muss sie auf Erlaubnis warten bzw ich lasse sie erst laufen, wenn sie sich setzt und mich anschaut. (Ohne Leine oder festhalten würde sie im Traum nicht daran denken, zu warten!) Dummerweise macht sie immer öfter ein riesen Theater beim Warten: Springt hoch und kläfft und heult das ganze Feld zusammen weil sie zum Anderen hin will. :mute:

    WENN (nächste Stufe) das Abwarten und daraufhin Erlauben geklappt hat, ist sie erst recht nemmer ansprechbar. Rückruf versuch ich schon garnichtmehr, da es nicht klappt... Sonst klappt es in jeder Situation: Von Futter, Lieblingsspielzeug, Losrennen, Vögelchen, Radfahrern abrufen... Ist sie am spielen, merk sie nichtmal wenn ich wegrenne und ausm Blickfeld verschwinde. Ich bin letztens einfach nach 1x rufen weggerannt und blieb 20 Minuten weg (nach Absprache mit dem anderen HH) - tja, hat Madame herzlichst wenig interessiert.

    An der Leine an sich ist sie bei anderen Hunden auch anstrengend... Jeder entgegenkommende Hund auf der Straße MUSS begrüßt werden (denkt sie zumindest), gezerre schon auf 15 Meter entfernung, Richtungswechsel wirkungslos, ebenso Futter zum Dran-Vorbei-Führen. Wenn wir mit anderen HH unterwegs sind, gehts nur wenn wir vorne weg laufen und sie den anderne Hunde nicht sieht - laufen wir hinter einem anderen Hund, geht das Gezerrt und bestenfalls bemotze wieder los.

    SO, na dann nehmt meine Erziehung mal auseinander :p |)

    Achja, weil das so oft gefragt wird: Sie bekommt 80% ihres normalen Futters nur draussen zum erarbeiten. 20% gibts morgens weil da einfach keine Zeit da ist.
    Sitz und Platz funktionieren eigentlich, Fuß beherrscht sie nicht da wir generell noch an der Leinenführigkeit arbeiten.

  • Huhu,

    das "Problem" bekomme ich auch recht häufig vorgestellt. oft on Leuten, die mit ihrem hund in einer Welpenstunden waren, wo es mit "Leine ab, erstmal spielen" losging.
    Da lernt der Hunde nämlich gleich "wunderbar" :headbash: , dass "anderer Hund erscheint = SPIELEEEEEEEEEEEEEEEEN!"
    bedeutet.
    Wenns Welpi dann wächst, und sowieso die Welt entdeckt, ist es dann um so schwieriger, den Hund zu überzeugen, dass NICHT jeder andere Hund nur kommt, um mit ihnen zu spielen...
    Wir arbeiten daran mit mehreren Sachen.
    Erstmal werten wir in "Störhundefreien" Situationen den Rückruf auf - manchmal hatten die Leute noch gr keinen, weil der Welpi ja immer fein von alleine hinterherrennt... Oder sie hatten ihn sich den RR schon so versaut, dass ein neuer aufgebaut werden mußte...
    Ich lehre dabei den "Doppelten Rückruf" (https://www.dogforum.de/der-doppelte-ruckruf-t126830.html), der ist für die meisten Leute und hunde komplett neu, und daher noch nicht mit irgendwelchen blöden Verknüpfungen belastet. (google Poisened Cue). Der DRR wird in ablenkungsfreier Umgebung aufgebaut - und dann werden nach und nach Ablenkungen dazugenommen.

    Ausserdem führe ich das "Wo ist der Hund"-Spiel ein (ist auch unter "Zeigen und Benennen" bekannt.
    Dabei clicken wir den Hund, der einen anderen Hund erspäht hat, an - und reichen ein Leckerchen so, dass er die Nase etwas drehen muß. (durch das Drehen der Nase soll der Hund lernen, sich von dem anderen Hund abzuwenden. Das ollständige Abwenden, oder gar umdrehen ist in den meisten Fällen als erster Schritt den Hunden nicht möglich - sie KÖNNEN einfach nicht, also zerlegen wir dieses Verhalten in kleine Schritte.
    Nach dem "anderen Hund angucken", Click und Leckerchen darf der Hund sofort wieder gucken, das wird auch sofort wieder angeclickt und bestärkt.
    Klingt Kontraproduktiv. Ich weiß. Man "belohnt" den Hund für "anderen Hund anstarren" - gell??
    Nicht ganz.
    Erstens lernt der Hund ja, dass man die Nase etwas wegdrehen, und damit ganz kurz wegsehen kann (das wird dann im weiteren zum "ganz umdrehen" geformt) und zweitens macht man sich selber in dem "anderen Hund anseh"-Verhalten "breit - Man macht es zu einem Spiel, dass der Hund mit seinem Halter spielt.
    Und drittens lernt der Hund, dass man gar nicht ziehen oder hampeln muß, wenn man einen anderen Hund sieht - am schlausten ist es sogar, wenn man in Kommunikation mit seinem Menschen tritt, denn das lohnt sich.

    Durch das Gucken dürfen nimmt der Hund seinen menschen nicht mehr als Barriere wahr, sondern als "Mitspieler" dadurch klappt es meistens ganz schnell, dass diese furchtbare dringlichkeit "unbedingt zum anderen Hund müssen" wegfällt. Man kann sich langsam und gesittet annähern - ansonsten hat man es ja dann oft, das die Hunde gelernt haben, "wenn ich einen anderen Hund seh, fängt Muddi mich ein, also muß ich schneller reagieren, und gleich losbrettern!" Was nicht nur doof für den Hundehalter ist, sondern auch für den anderen Hund, denn auf den rast nun ein Hund zu, der es aus zwei Gründen eilig hat - und Hunde mögen es gar nicht so gern, wenn ein anderer auf sie zu rennt, ohne die Hundeettikette zu beachten....
    Und schon hat man einen dummen Teufelskreis. Der Hund hat es immer eiliger - und läßt dabei mehr oder weniger die hundeettikette hinten über fallen. Der andere hund findet es nicht nett und äußert sich entsprechend, und schon hat man Gerangel.
    Wenn man den Hund an der Leine hat, und er deshalb nicht zum anderen Hund kann, hat man das was man "Barrierefrustration" nennt - und woraus sich bei entsprecchendem Temperament und einigen weitere nicht beabsichtigten, denn dennoch auftretenden Zutaten schnell Leinenpöbelei entwickeln kann. :sad2:


    Wenn man in einer entsprechenden Trainingsgruppe arbeitet, kann man auch auf Absprache "spielen mit dem anderen Hund" als Belohnung einsetzen.
    Das geht dann meistens relativ problemlos, weil sich die Hunde nicht so in Rage fixiert und frustriert haben. Und DANN funktioniert auch der Rückruf besser, weil hund hat ja nicht so die Not, dass Mensch einem vom tollen Spielen abhalten will, immer nur...

  • Danke Shoppy für deine ausführliche Antwort :)

    Einen Rückruf an sich haben wir ja schon (wie schon beschrieben), da sie schon mit 12 Wochen keinen großen Folgedrang hatte... Der Rückruf wurde erstmal komplett Ablenkungsfrei aufgebaut, mit SUUUPER Leckerchen verbunden (ist es immernoch!) und wurde auch mit abschließender Freigabe belohnt, damit sie nicht lernt, dass sie IMMER angeleint wird, wenn ich rufe.

    Den Doppelten Rückruf hatte ich mir schonmal durchgelesen und fand den auch echt klasse, ich liebäugel auch mit der Anschaffung und Kondionierung einer Pfeife bzw baue zu dem normalen "Hieeer" auch ein dauerndes Klatschen ein und "Hey hey hey!" um sie auf Kurs zu halten (die das beschriebene kurze Pfeifen bei Doppelten Rückruf), da ich schon mehrfach WENN der Rückruf vom anderen Hund geklappt hat, das Erlebnis hatte, dass sie es sich auf halbem Weg anders überlegte...
    Das Ganze üben wir natürlich in bekannter, hunde-freier Umgebung.

    In Welpenstunden waren wir genau 2x, der Effekt war für uns nur Streß für Hund und Halter, weshalb ich das für uns als absolut kontraproduktiv empfand., danach habe ich das abgebrochen, weil sie genau den Lerneffekt hatte, den du beschrieben hast. Hunde = Spielen! "Wenn ich lang genug zärgel und nörgel, werd ich irgendwann freigelassen." Ich denke, dass daher nun auch der riesen Terz kommt, wenn sie mal nicht darf!

    Das Belohnen / leicht Ablenken vom anderen Hund werde ich ausprobieren, habe ich so ähnlich aber auch schon gemacht. Sie sitzt, schaut zum anderen Hund, ich habe ein super geiles Leckerchen (z.B. Leberwurst) ... die ihr dann aber sowas von am Ar... vorbeigeht :ops: Ich kann ihr das Superleckerchen sogar direkt an die Nase drücken und sie nimmt es nicht... Dieser Tunnelblick ist eins unserer größten Probleme - ich werde es aber weiter probieren. (Habe glücklicherweise mitlerweile einige HH-Bekanntschaften mit wirklich tollen Hunden, die ich auch zum üben "missbrauchen" darf!)

    Wenn es allerdings -wie schon im Eingangspost beschrieben- klappt, dass sie sitzt und zu mir schaut, darf sie als Belohnung spielen gehen. Leider hab ich das Gefühl, dass sie glaubt Anschauen = Lospreschen :???:
    Generell bekommt sie viele Dinge nur erlaubt, wenn sie mir zuvor anschaut. Losrennen (egal ob mit oder ohne anderen Hund), Spielzeug hinterherrennen etc... ich wollte damit die Impulskontrolle langsam aufbauen. "Willst du was, schau mich an."

    Wie gesagt hatte ich den Fall bisher noch nicht, dass sie zu nem anderen Hund hin abgedüst ist, weil ich sehr sehr aufmerksam bin und sie rechtzeitig umlenke, bevor sie selbst merkt, dass da was tolles ist... Aber man weis ja nie, ob man da nicht doch irgendwann mal zu langsam ist.

  • Ganz kurz von mir: Wenn Artus spielt, ist es auch leider Glückssache, ob er kommt, wenn ich ihn rufe. Seitdem wir die Pfeife (zusätzlich) haben, geht das super. Also wenn ich damit rechnen kann, dass er auf Ruf nicht kommt, pfeife ich. Ist bisher immer zu ihm durchgedrungen. Ist sicher eigentlich nicht die Lösung des Problems (ist mir klar ;)), funktioniert aber bisher.

  • Zitat

    Leider hab ich das Gefühl, dass sie glaubt Anschauen = Lospreschen :???:
    Generell bekommt sie viele Dinge nur erlaubt, wenn sie mir zuvor anschaut. Losrennen (egal ob mit oder ohne anderen Hund), Spielzeug hinterherrennen etc... ich wollte damit die Impulskontrolle langsam aufbauen. "Willst du was, schau mich an."


    Nun, Du hast eine Verhaltenskette geschaffen und Dein Hund hat die durch schaut. Ich schätze, Du bist/warst da nicht eindeutig genug. Ich würde den Wuff wohl nicht mehr zu jedem Hund hinlaufen lassen und würde wohl auch nach und nach was mehr als nur anschauen verlangen. Also so ungefähr: Hund schaut Dich an, muß aber noch ein Sitz machen, darf erst dann los laufen. Das nächste Mal muß er nach dem Anschauen noch ein Platz machen, dann mal ein Pfötchen geben, dann mal mehrere Übungen, dann darf er mal gar nicht loslaufen, dann geht Ihr mal zusammen hing, gesittet und er darf dann erst vor Ort gucken (ok, das wird dann langsam was für Fortgeschrittene... ;) ) ... Ich persönlich würde wohl auch versuchen die Motivation bei mir höher zu schrauben. Dafür würde ich persönlich einfache Übungen in der Nähe Deiner Übungshunde an der Leine machen und diese extremst hoch bestätigen, so daß DU selbst aufgewertet wirst, AUCH in Anwesenheit von anderen Hunden.. Dies dann auch auf Situationen mit fremden Hunden umbauen... Schritt für Schritt...

  • Danke nochmal für die vielen Tipps.

    Ich möchte nochmal kurz auf das Thema Pfeife eingehen. Ich liebäugel ja schon länger mit einer Pfeife, einfach weil es als Signal lauter und eindeutiger ist (oder gibts da Gegenmeinungen?)
    Muss man bei der Konditionierung der Pfeife auf irgendetwas achten? Wir fahren wohl heute zum Zooladen und kaufen so ein Teil und dann werd ich sofort anfangen zu üben. Werde mir dafür die Doppelter-Rückruf-Theorie nochmal verinnerlichen.

    Bin ja gespannt, ob das gut klappt. Wobei sie auf Pfeifen (also "normal", ohne Hilfmittel) auch schon ganz gut reagiert, also bin ich guter Dinge mit der Hundepfeife einen sichereren Rückruf zu bekommen.

  • Zur Pfeife gibt es hier auch schon ne Menge Beiträge. Es lohnt sich sicher, da mal ein wenig zu stöbern.

    Was man sich auf jeden Fall vor dem Kauf überlegen sollte ist, was es für eine Pfeife sein soll. Viele wollen die Pfeife lieber hören (damit man auch hört, dass sie wirklich funktioniert). Mir war die lautlose immer lieber, damit ich auch abends und nachts noch ungeniert rumpfeifen kann ohne die ganze Umgebung zu wecken und wenn Hundi im Wald Freiheitsdrang bekommt ich nicht sofort den Jäger alarmiere.

    Liebe Grüße
    Conny =)

  • Ja ich durchforste schon per Suche das Forum nach Pfeiffen-Tips. Ich denke ob Hörbar oder Lautlos werd ich im Zooladen entscheiden, je nach dem was sie dahaben und was mir beim "ausprobieren" zusagt.
    Habe vorhin gelesen, dass man bei den Lautlosen zumindest ganz ganz leise etwas hört und weis, dass es klappt - stimmt das, oder hört man echt Null komma Garnichts?

  • Dein Hund muss ersteinmal lernen sich zurückzunehmen. Das Leinezerren, das nicht Abwarten-Können deutet ja darauf hin, dass sie sich noch nicht gut selbst beherrschen und kontrollieren kann.

    Für mich würde das bedeuten, jedes sich-zurück-nehmen zu bestätigen und nicht erst ein Schau-sitz oder was auch immer abzuverlangen, was ich für einen so jungen Hund viel zu viel verlangt finde.

    Was nützt dir ein ständiges Schau, wenn sie trotzdem an der Leine zerrt ?

    sie muss im kompletten Alltag erleben, dass ein ICH WILL UNBEDINGT nie zum Erfolg führt.

    sie darf nunmal nicht die Gelgenheit bekommen zerrend hinter nem anderen Hund herzulaufen usw.

  • muecke: Alles, was du erwähnst, vermeide ich sogut wie möglich ;) Hinter anderem Hund herlaufen, generell Erfolg bei Zerren und "Ich will aber!"

    Ich bestätige auch jeden positiven Schritt. Beispiel: Sehen wir auf Entfernung einen anderen Hund und sie sieht ihn, bestätige ich sofort wenn sie ruhig bleibt und mache Party, wenn sie zu mir schaut statt zum anderen Hund. Also jedes Blickabwenden, Ruhigbleiben, zurückhalten wird bestätigt.

    Zu anderen Hunden hin darf sie wie gesagt nurnoch, wenn sie sich gut benimmt beim Annähern (wird gezerrt, brech ich ab) und auch auf mich reagiert (Absetzen ist Voraussetzung für Ableinen) - DANN darf sie auch mal schauen gehen (nach Absprache mit dem anderen HH versteht sich!)

    Wenn Ende ist, gehe ich schweigen hin, leine sie an und gehe einfach weiter. Der Rückruf ist einfach noch nicht soweit, deshalb schweigend.
    Die ersten 10 Meter guggt sie noch oft zurück (auch hier wird jeder Blick zu mir und jedes Ordentlich-Laufen bestätigt), aber das ist auch schon deutlich besser geworden. Vor ein paar Wochen hat sie teilweise auf 50m noch Theater gemacht.

    Ist ja nicht so, dass ich nicht an dem Problem arbeiten würde ;)

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