Welpenerziehung nach Fichtlmaier

  • Hi,

    also ich kann Fichtlmeiers Erziehungssystem nur empfehlen. Bei uns im Verein arbeiten wir nach seiner Methode und ich selbst habe meine Hündin auch so erzogen. Wichtig ist, wie bereits schon gesagt, das schnelle Switchen zwischen unerwünschtem Verhalten mit einem Unmutslaut kommentieren und richtigem Verhalten sofort bestätigen. Aber den Dreh hat man schnell raus und Hundi versteht es ziemlich flott.
    Ging es dir bei deiner Frage hauptsächlich darum oder auch um die Leine als Symbol für den Hund?
    Das Bücher von ihm sind auf jeden Fall empfehlenswert, noch viel besser sind allerdings die DVDs, die leider auch nicht grad günstig sind :hust:

    Liebe Grüße und alles Gute für dich und deinen Wuff!

  • Zitat

    oder auch um die Leine als Symbol für den Hund?

    Was meinst Du damit?

    Könnte mir jemand erklären, wie genau dieses schnelle Switchen aussehen soll?
    Ist es nicht normal, dass man einen Hund lobt, wenn er das Richtige macht, nachdem man ihn korrigiert hat? :???:

  • Fichtlmeier benutzt die Leine als das Symbol für den Hund. Das fängt an mit einer Ruheübung, heißt Leine ist auf dem Boden, Fuß steht drauf und egal was der Hund mir anbietet, ich gehe nicht drauf ein. Dadurch, dass der Fuß auf der Leine steht, zupft man auch nicht an der Leine rum, wenn Hund den Max macht. Ob der Hund bei der Übung sitzt, steht oder liegt bleibt ihm überlassen. Später lernt der Hund, dass wenn die Leine am Halsband ist, oder neben ihm am Boden liegt, das der Platz ist, an dem er bleiben soll, bis ich ihn von dort abhole. Dann kommt noch dazu, dass wenn der Hund an der Leine ist, er vor anderen Hunden, die da des Weges kommen geschützt wird, sodass der Hund die Leine als Sicherheit empfindet. So das wars jetzt mal so im Groben.
    Dass man den Hund lobt, wenn er was richtig macht, ist natürlich klar. Unerwünschtes Verhalten wird jedoch nicht ignoriert, sondern durch einen Unmutslaut unterbunden, dass er das bleiben lassen soll. Sobald der Hund dem nachgibt, wird wieder gelobt. Wenn ich also zum Beispiel mit meinem Hund aufm Platz bin und ableine, möchte ich, dass die bei mir bleibt und nicht einfach mal Guten Tag sagen geht. Schenkt sie mir ihre Aufmerksamkeit belohne ich dass, wenn ich merke, sie interessiert sich stark für was anderes, kommt bei mir ein räuspern. Schaut sie dann wieder zu mir gibts ein "fein" oder ein Lecker.

  • Zitat


    Ist es nicht normal, dass man einen Hund lobt, wenn er das Richtige macht, nachdem man ihn korrigiert hat? :???:


    Guck dich um, wie viele Leute mit ihrem Hund noch schimpfen, weil er den Rückruf überhört hat, und ihn damit am folgenden Herkommen hindern?

    Das Switchen passiert nicht erst nachdem der Hund das Richtige getan hat, sondern sobald er die Kommunikationslinien wieder offen hat - und genau dann hauen die meisten Leute nochmal drauf, "weil er ganz genau weiss, dass er Mist gebaut hat!". Wir sind einfach zu träge und nachträgerisch, wenn der Hund uns so betont die A...karte gezeigt hat, dass wir ihn auf den Mond schiessen möchten, um gleich wieder positiv zu reagieren, wenn er die Verhandlungen wieder aufnehmen möchte.

    Stell dir das Switchen als eine Art kontinuierliches Shaping in kleinen Schritten vor, nur dass eben auch falsche Entscheidungen ein Feedback erhalten.

  • Könntest Du mir ein Beispiel für die falschen Entscheidung und Feedback geben?

    Mein letzter Welpe ist schon ziemlich lange her :hust:
    Und bei meinen Mädels muss ich nicht mehr so extrem bewusst reagieren, da wir uns schon sehr lange kennen :D

  • Da bin ich endlich wieder! Hatten heute Kindergeburtstag, puhhh alles wieder hübsch ;)

    Also ich war einfach verwirrt wie schnell der nette Herr das alles scheinbar umsetzt. Und diese ganzen Dinge scheinen mir alle(fast) sehr wichtig so dass ich leicht verwirrt bin wie man das alles so schnell umsetzen soll/kann.

    Ich finde dieses Buch im übrigen so toll weil es nicht einfach nur darum geht dem Hund die Kommandos einzutrichtern.

    Es geht im Wesentlichen darum eine gemeinsame Kommúnikationsebene mit dem Hund zu finden bzw. aufzubauen. Gegenseitigem Respekt und Einfühlungsvermögen. Und wie schon erwähnt eine "einfache", klare Ausdrucksweise von Ja und Nein. Es wird anfangs nur mit Gesten gearbeitet die immer gleichbleibend und !klar! sind. ich könnt jetzt noch weiter ausholen aber das würde den Rahmen sprengen!

    Ich finde es beim Hund nicht so leicht wie beim Menschenbaby....Bei meinen Kindern habe ich immer nach Bauch gehandelt, so will es unsere Natur. Aber ein Hund ist kein Mensch :)))) Ich glaube wenn man da nur nach Bauchgefühl geht kann ne Menge schief gehen, denkt nur an die Süßen Welpenäuglein.......

    Mir ist es wichtig mein Gegenüber zu verstehen, wissen in welchen Mustern er denkt und fühlt und wie ich es ihm so schön und leicht wie möglich machen kann, in unserer machnmal furchteinflößenden Welt.

    Häufig sind die vielen Probleme mit den Hunden doch ein reines Kommunikationsproblem!

    Ich danke euch für die netten Antworten und freue mich über weitere Anregungen.

    Liebe Grüße und einen netten Sonntagabend noch

  • Zitat

    Könntest Du mir ein Beispiel für die falschen Entscheidung und Feedback geben?

    Mein letzter Welpe ist schon ziemlich lange her :hust:
    Und bei meinen Mädels muss ich nicht mehr so extrem bewusst reagieren, da wir uns schon sehr lange kennen :D


    OK, ich versuch's mal.

    Neuer Welpe erkundet Haus/Wohnung. Ich bin dabei, lass ihn machen, positive Stimmung. Bis er die Küche erkunden will, die aber tabu sein soll. Die Entscheidung, die Küche zu betreten war falsch, konnte er nicht wissen, drum sag ich's ihm. Verbal, oder ich blocke den Versuch, oder befördere ihn wieder hinaus. Sobald er draussen ist, ist wieder positiver Feedback angesagt: entspannte Stimmung, Lächeln, Lob - je nach Welpe/Situation. Er wird nun natürlich wieder probieren, kriegt wieder Negativ, dreht ab, Positiv, usw... Dasselbe beim Betreten von Blumenbeeten. Bei Sachen wie Rückruf wird erst körpersprachlich vermittelt, was das überhaupt soll, dann belohnt mit zustimmendem Feedback: das geht von freundlicher Stimmung bis zu Begeisterung, Spiel und Leckerlis - alles, was der Hund als Belohnung empfindet. Ignoriert er später den Rückruf, kommt es auf den Grund an: nur wenn es deutlich wird, dass der Hund die Kommunikation wahrgenommen, sich aber dagegen entschieden hat, gibt es negativen Feedback. Hat er noch gar nicht verstanden, was ich will, oder das Signal infolge Ablenkung gar nicht bewusst wahrgenommen, muss ich besser kommunizieren. Guckt er mich auf Zuruf hingegen an und entscheidet sich für das Mauseloch, signalisiere ich, dass das nicht geht. Wie, hängt wieder vom Hund ab, es kann ein missmutiges Eh-eh sein, ein drohendes auf den Hund zurennen... F selber wird da wohl auch mal sehr deutlich und schmeisst Dinge, muss man nicht (meine Meinung). Sobald der Hund wieder Blickkontakt aufnimmt, kommt wieder positives Feedback und erneutes Komm-Signal (körpersprachlich und/oder verbal). Der Hund kann wieder ablehnen - dann kommt wieder Negativ, Positiv, Negativ, Positiv....bis er kommt, der Abschluss ist immer positiv. Der Erfolg hängt von der Glaubwürdigkeit des Feedbacks ab, und da sehe ich auch die Gefahr - dass man nämlich zu sehr ins Negative verfällt, die echte Freude nicht mehr aufbringt beim fünften Wechsel.... Man liest ja oft genug hier, dass keine Strafe Lob genug sei.

    Wie gesagt, ich verfahre nicht strikt nach F, denn manches an seiner Umsetzung sehe ich durchaus kritisch. Aber was die körpersprachliche Kommunikationsebene und deren uns häufig unbewussten Signale angeht, fand ich das Buch wirklich hilfreich. Und die Sache mit den schnellen Wechseln funktioniert, so fällt der Hund auch nicht ins konstante Meiden, denn sobald er sich korrigiert, ist wieder gut Wetter.

  • Danke für die Erklärung :gut:

    Klingt wirklich schlüssig und an sich auch logisch.

    Die Gefahr der zu häufigen Wiederholungen oder falschen Stimmübertragung der negativen und positiven Feedbacks kann ja vom Prinzip her immer vorkommen :D

  • Aber die Gefahr von Verhaltensketten ist doch immens bei sowas.
    Hund lernt: ich muss erst dies machen, dann meckert sie (übertrieben gesagt), dann höre ich auf und werde gelobt/bekomme ein Leckerchen.

    Beispiel, Hund soll sitzen, steht auf, wird korrigiert und dann, wenn er sich wieder setzt mit Leckerchen gelobt.
    Er lernt: ich muss aufstehen, dann meckert sie, dann setze ich mich hin und bekomme ein Leckerchen.
    Das kannst du auf alles umswitchen.

  • Zitat


    Was aber noch dazu kommt, das so gut wie gar nicht mit Kommandos gearbeitet wird sondern mit Sichtzeichen oder auch Symbolen.

    Da ich eine taube Hündin besitze und mir nichts anderes übrig bleibt, als mit Handzeichen zu arbeiten, kann ich jedem davon nur abraten, dass ausschließlich zu tun........ein Signal zum loben, Abbruch und herankommen sollte auch verbal eingeübt werden.......

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