Was ist nur mit Cora los? (Angsthund-Thread)

  • Hallo Liebe Foris,

    kurz zu Cora: Ridgeback-Mischling, 3 Jahre alt, bei mir seit 8 Monaten, eher ängstlich und unsicher.

    Seit einigen Wochen Verhält sich Cora gegenüber anderen Hunden (Geschlecht egal) wieder zunehmend rüpelhafter. Als ich Sie damals bekommen habe, hatte sie schonmal eine solche Phase.

    Ich beobachte ihr Verhalten sehr intensiv und achte dabei auf ihre Körperhaltung, ihren Ausdruck usw.

    Situation 1:
    Zuerst einmal findet Sie jeden Hund spannend und möchte gerne zu ihm.
    Im Freilauf ist es nun wieder so, dass sobal Sie einen Hund sieht, egal ob Sie ihn kennt oder nicht dort hinrennt als verfolge Sie Wild. Sie rennt im vollen Lauf auch aus über 200 Metern hin. Damals hat Sie das schon einmal so gemacht. Ich habe Sie dann eine zeitlang an der Schleppleine gelassen, dass Sie nicht einfach lospreschen kann. Der Kontakt verläuft dann so, dass die meisten Hunde hier es als Spielaufforderung sehen, Cora läuft hinterher, nach ein paar Sekunden schnappt Sie und wird sehr rau im Umgang.

    Situation 2:
    Im Dänemark Urlaub letzte Woche, war Sie leinenagressiv. Kam ein Hund näher als 5 Meter angeleint an uns ran, rastete Sie völlig aus.
    Sonstiger Verhalten gegenüber mir ist absolut unverändert.
    Nach langem überlegen ist auch nichts einschneidendes passiert in den letzten Wochen, es ist alles wie immer.

    Situation 3:
    Heute auf der Hundewiese. Cora stürmte auf eine bekannte Hündin zu, die mit ihrem Herrchen mit einem Stöckchen spielte, ging zu ihr hin stänkerte und nahm ihr das Stöckchen weg.

    Situation 3:
    Ich rufe Sie, kommt sofort. Ich will Sie anleinen, Sie schaut sich ständig nach allen Seiten um, als ob Sie schaut ob ich Sie wegen eines nahenden Hundes anleinen will.

    Ich könnte hier noch einiges mehr schreiben, ich hoffe diese Infos sind schonmal hilfreich.

    Ich möchte gerne wissen, wie ich in Zukunft in solchen Situation souveräner sein kann, ohne gleich jeden Kontakt zu vermeiden und einen riesen Bogen um alles zu machen.

    Nachtrag: vor 2 Wochen hab ich alle Schilddrüsenwerte testen lassen. Hier ist alles bestens

    Danke Andi

  • Zitat


    Situation 1:
    Zuerst einmal findet Sie jeden Hund spannend und möchte gerne zu ihm.
    Im Freilauf ist es nun wieder so, dass sobal Sie einen Hund sieht, egal ob Sie ihn kennt oder nicht dort hinrennt als verfolge Sie Wild. Sie rennt im vollen Lauf auch aus über 200 Metern hin. Damals hat Sie das schon einmal so gemacht. Ich habe Sie dann eine zeitlang an der Schleppleine gelassen, dass Sie nicht einfach lospreschen kann. Der Kontakt verläuft dann so, dass die meisten Hunde hier es als Spielaufforderung sehen, Cora läuft hinterher, nach ein paar Sekunden schnappt Sie und wird sehr rau im Umgang.

    ich kann dir leider nicht helfen, aber DAS kommt mir auch sehr bekannt vor. Ein ähnliches Problem habe ich mit meinem Balou, er "spielt" viel zu rau und nimmt garkeine Rücksicht auf Verluste. Wenn die anderen Hunde sich dann unterwerfen genießt er es richtig und macht nur noch weiter... allerdings sind es eigentlich nur Mädels, daher hoffe ich noch, dass es mit der vorausgegangenen Kastra zu tun hat.
    Ansonsten würde mich doch sehr interessieren, was die "Profis" hier diesbezüglich so raten bzw. erahnen!

  • Zitat

    Das würde ich eventuell auch vermuten.
    Meine Hündin legt auch einige Zeit vor der Läufigkeit veränderte Verhaltenweisen an den Tag.

    LG Elke

    Mhhhh eigentlich wäre sie erst im Oktober / November wieder soweit.
    Beim letzten mal lagen aber auch erst 4 Monate zwischen 2 Läufigkeitsphasen. Das letzte mal war sie im Mai / Juni läufig.

    Sie wirkt auch sehr gestresst, zeigt viele der bekannten Stressymptome in eindeutigen Situationen. Kratzen am Kopf, Lecken, Niesen usw. auch ist sie viel schreckhafter als vor einigen Wochen.

  • Hallo,

    eventuell hat sie auch der Urlaub etwas durcheinander gebracht.

    Ich würde sie generell jetzt erstmal an die Schleppleine legen und das sichere Abrufen üben.
    Es ist nicht so angenehm wenn ein Hund so angestürmt kommt, dann eventuell noch pöbelt und Du zu weit weg stehst um eingreifen zu können.

    Wenn sie sich umschaut sobald Du sie anleinst, dann solltest Du sie immer mal wieder ranrufen, anleinen und wieder ableinen. Das kannst Du auch an der Schleppleine üben indem Du einfach eine kurze Leine ans Halsband machst.
    So verbindet sie das Anleinen nicht mit: Oh da muss was interessantes sein!

    Vielleicht war ihr Tagesablauf auch etwas anders weil ihr Urlaub hattet und auch das kann einen etwas unsicheren Hund aus dem Gleichgewicht bringen.

    Zumal sie mit drei Jahren auch erwachsen wird und der Ridgeback ist ein Wach-und Schutzhund. Könnte es sein, dass sie Dich beschützen möchte?
    Wie reagiert sie denn wenn ein Hund oder eine Person nah zu Dir ran kommt?
    Wie verhält sie sich im Haus?
    Läuft sie Dir hinterher oder bleibt sie liegen wenn Du den Raum verlässt?


    Liebe Grüße

    Steffi

  • Hallo,
    ich hatte beim Lesen als Erstes den Eindruck, dass Cora prinzipiell mit Hundebegegnungen überfordert ist.

    Sie scheint kaum zu wissen, wie man sich als Hund anderen Hunden gegenüber verhält.

    Allein schon das auf andere Hunde zustürmen ist im Grunde ein eklatanter Verstoß gegen den Hundeknigge...auch, wenn das bisher meist gut gegangen ist, solltest Du mit Cora zusammen an Hudebegegnungen arbeiten. Denn so Verhaltensweisen, wie das rasche Umspringen von Spielen auf Schnappen, zeigen ein recht großes Unsicherheitspotential - im Grunde weiß sie die Reaktionen der anderen Hunde gar nicht zu deuten und reagiert dann am ehesten aus Unsicherheit/nicht-Verstehen mit Schnappen.

    Mit der SL-Zeit hast Du ihr zwar für einige Zeit die Möglichkeit genommen, einfach auf andere Hunde loszustürzen, aber wirklich lernen, wie hund sich bei anderen Hunden verhält, konnte sie dadurch auch nicht.

    Auch die Leinenaggression im Urlaub (ungewohnte Umgebung, alles anders als sonst...) würde ich in erster Linie auf Unsicherheit zurückführen.

    Du hast Cora ja noch gar nicht soooo lange - weißt Du etwas darüber, wie sie aufgewachsen ist? Ob sie Gelegenheit hatte, sich in Hundebegegnungen zu üben?

    Natürlich spielen auch die Hormone sicher eine Rolle - dahingehend, dass auch einige Zeit vor der Läufigkeit schon deutlich unsicher/ängstliches Verhalten gezeigt wird, aber das ist nicht die alleinige Ursache bei Cora.

    Cora hat bisher im Umgang mit anderen Hunden vor allem gelernt, dass sie am meisten Erfolg hat, wenn sie sich recht "prollig" aufführt - das spricht aber weniger für einen souveränen Hund, als dafür, dass sie "wehret den Anfängen" durch pseudo-robustes Auftreten spielt...

    Um dieses Verhalten zu durchbrechen solltest Du Kontakt aufnehmen - entweder zu einem Hundetrainer, der sich nicht nur mit HuPlatz-Aarbeit beschäftigt, sondern auch mit dem Verhalten von Hunden untereinander oder zu einem netten Mehrhundehalter, die sich zwangsläufig meist sehr gut mit Hundeverhalten/Kommunikation auskennen und Dir wertvolle Tipps zur Lenkung Coras bei Hundebegegnungen, zur Interpretation von Verhaltensweisen und zum ab und an mal nötigen Eingreifen geben können.

    Denn nur so kann Cora lernen, wie sie sich bei Hundebegegnungen verhalten soll. Sie muss lernen dürfen, dass sie nicht mit jedem Hund, der Euch draußen begegnet, Kontakt aufnehmen muss (das nimmt schon einiges an Streß) und sie muss lernen dürfen, wie hund sich regelkonform an andere Hunde annähert - nicht im vollen Galopp, sondern locker trabend in kleinen, respektvollen Bögen.

    M. M. nach muss ein Hund nicht unbedingt zu zig anderen Hunden Kontakt haben - die normalen Spaziergang-Begegnungen laufen heutzutage im 0815-Schnelldurchlauf, statt in einem ausgiebigen ritualisierten und dadurch konfliktvermeidenden Begrüßungsritual ab, kein Wunder, dass so viele Hunde heutzutage mit Hundebegegnungen überfordert sind - es sind einfach zu viele...

    Dann lieber regelmäßigen Kontakt zu einigen wenigen, die aber zum eigenen Hund passen, wo Zeit genug für die Hunde ist, ihre ritualisierten Verhaltensweisen auszuleben und dann hat man i. d. R. einen zufriedenen Hund, der sein Bedürfnis nach Sozialkontakten nachgehen darf und einen souveränen Hund, der weiß, wie er sich bei Hundebegegnungen richtig verhält.

    Du selbst kannst im Umgang mit anderen Hunden noch dazu lernen, wie man als HH solche Begegnungen ein wenig "lenken" kann - indem man bremsend, mahnend oder ermutigend auf den Hund einwirkt.

    Deshalb mein Tipp - such Dir einen guten Hundemenschen möglichst mit mehreren Hunden und lass Dir und Cora ein wenig helfen, die Unsicherheiten abzubauen. Das ist spannend, man kann unendlich viel lernen, es macht auch noch Spaß - ich denke, dass könnte Euch beiden gefallen.

    LG, Chris

  • @ Steffi:

    Das mit der Leinenagression verbinde ich auch mit Unsicherheit im Urlaub.

    Das mit dem Wach und Schutztrieb hatte ich bis jetzt auch außer acht gelassen. Also wenn mich jemand umarmt springt sie öfter an mir hoch.
    Bei Menschen gibt es jedoch keinerlei Probleme. Sie lässt von fremden Menschen eigentlich alles mit sich machen. Menschen die ihr suspekt sind geht Sie einfach aus dem weg. Im Haus bleibt Sie auf ihrem Platz liegen. Die Grundkommandos sitzen auch super.

    @ Chris:
    Erstmal Danke für diese ausführliche Antwort.

    Und du hast mit deinen Ausführungen voll ins schwarze getroffen. Sie weiß einfach nicht wie man sich gegenüber anderen Hunden verhält.
    Es war eine zeitlang richtig gut, Sie stürmte nicht mehr auf andere Hunde zu, sondern ging dann langsamer hin und wartete auch mal auf eine Reaktion des Gegenüber.

    Cora hat vor meiner Zeit auf einem Hof gelebt mit 2 anderen Hunden. Laut Aussage der Vorbesitzer war es dort auch so, dass Sie eher einzelgängerisch war. Sie hatte die Hunde verbellt und wollte alleinige Aufmerksamkeit. Als Sie zu mir kam hatte Sie sehr viele Ängste, angefangen vom Treppensteigen bis hin zu allen Umwelteinflüßen. Das haben wir alles in Griff bekommen.

    Ich habe in der Vergangenheit und Gegenwart sehr oft ihr Verhalten lenken müssen. Habe Sie gelobt bei gutem Kontakt. Bei den ersten Anzeichen von Pöbeleien habe ich Sie angeleint.

    Das ich Kontakt mit einem Trainer aufnehme habe ich mir schon einige Zeit vorgenommen, ich suche schon länger nach Kompetenten Trainern hier in der Region.


    Soeben komme ich vom Gassi zurück und traf die Hundehalten, dessen Hund Cora vor 2 Tagen begegnet ist. Völlig unbekannt und unbeaufsichtig lief dieser auf der Wiese rum. Die Hunde tobten kurz. Cora machte dem anderen Hund durch knurren unmissverständlich klar, dass sie nun keinen Kontakt mehr haben will. Immer wieder kam der andere an. Plötzlich rannte Sie wieder hinter ihm her um die Ecke und hat ihn sich "gekrallt" und wie ich eben erfahren habe den Hund ins Ohr gebissen :zensur:
    Ich bin völlig fassungslos.

    Traurige Grüße

  • Zitat


    Cora hat vor meiner Zeit auf einem Hof gelebt mit 2 anderen Hunden. Laut Aussage der Vorbesitzer war es dort auch so, dass Sie eher einzelgängerisch war. Sie hatte die Hunde verbellt und wollte alleinige Aufmerksamkeit. Als Sie zu mir kam hatte Sie sehr viele Ängste, angefangen vom Treppensteigen bis hin zu allen Umwelteinflüßen. Das haben wir alles in Griff bekommen.

    Das erklärt sicher einiges an Unsicherheitspotential - das Landleben an sich finde ich (und lebe ich ja auch selbst) durchaus großartig für Hunde - aber gerade im dörflichen Idyll muss man versuchen, dem Hund alle möglichen Dinge während der Entwicklung zu zeigen, auf die er im späteren Leben mal treffen könnte...

    Das Zusammenleben mit anderen Hunden indes, war sicherlich, trotz Coras Einzelgängertum recht förderlich - allerdings kann ich mir lebhaft vorstellen, dass die Hunde mit denen Cora zusammengelebt hat, auch bis auf wenige Ausnahmen die einzigen waren, zu denen sie Kontakt hatte (einfach aus der Beobachtung heraus, die ich hier in meinem eigenen Dorf mache..) - und dann lernt so ein Hunde sozusagen einen ganz eigenen "gruppenspezifischen Dialekt", der nicht unmittelbar auf die Kommunikation mit fremden Hunden anwendbar ist.

    Wie vorher schon geschrieben - ich würde ihr in der nächsten Zeit mithilfe eines guten Trainers Kontakt zu "sauber" kommunizierenden Hunden ermöglichen und sie dabei unterstützen.
    Die Grundlagen dazu hat sie ja, sie muss es nur verfeinern dürfen und an souveränen Hunden, die einen unsicher-prollenden Hund auch als solchen erkennen, üben dürfen.

    Zitat

    Soeben komme ich vom Gassi zurück und traf die Hundehalten, dessen Hund Cora vor 2 Tagen begegnet ist. Völlig unbekannt und unbeaufsichtig lief dieser auf der Wiese rum. Die Hunde tobten kurz. Cora machte dem anderen Hund durch knurren unmissverständlich klar, dass sie nun keinen Kontakt mehr haben will. Immer wieder kam der andere an. Plötzlich rannte Sie wieder hinter ihm her um die Ecke und hat ihn sich "gekrallt" und wie ich eben erfahren habe den Hund ins Ohr gebissen :zensur:
    Ich bin völlig fassungslos.

    Was das angeht, bin ich - auch, wenns ohne live dabei gewesen zu sein, immer ein wenig schwierig ist - der Meinung, dass der andere Hund da durchaus "mitschuldig" ist. Cora HAT ja recht sauber kommuniziert, indem sie ihm per Knurren klar gemacht hat, dass sie jetzt nicht mehr will.

    Wenn der andere dann weiter macht und nervt, tja, no risc, no fun ;)

    Wenn Knurren zur "Meinungsbildung" nicht ausreicht, muss Cora ja deutlicher werden - es ist schade, dass der andere HH bei Coras Knurren (was als reine Kommunikation zu werten ist, nicht als aggressives Verhalten) ihren Hund nicht zurückgerufen hat, damit er aufhört, cora zu nerven... leider ist das "deutlicher" werden bei Hunden dann mit solchen Attacken verbunden...kann sein, dass Cora nen Hauch überreagiert hat, aber ganz unschuldig war der andere Hund sicher nicht...

    Das wäre jetzt eine Situation, die mich gar nicht so fassungslos machen würde - beim nächsten Mal, wenn so etwas sein sollte, sag dem anderen HH bei Coras Knurren einfach "die hat jetzt genug, lass uns beide anleinen und aufhören"..
    Unabhängig davon ist man halt mitverantwortlich, wenn der Hund einen anderen zwickt/beißt - wenns behandlungsbedürftige Verletzungen gegeben hat, reicht man das bei der Haftpflicht ein (ruhig mit Schilderung der Situation und dem Hauptaugenmerk, dass Cora keine andere Wahl hatte...) und gut ist.

    Cora ist momentan so etwas wie ein Niedersachse in Oberfranken :D

    Die Grundlagen der Sprache sind da, aber man versteht maximal die Hälfte...aber das läßt sich alles üben, mit den richtigen Menschen und vor allem den richtigen Hunden.

    LG, Chris

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