(unsicheres) Sozialverhalten im Freilauf und bei Leinenbegegnung
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Liebes Forum,
ich lese hier schon längere Zeit, seit ich meine erste Hündin habe, still mit. Nun habe ich drei zusammenhängende Fragen an euch mit einer kurzen Einführung.
Zur Vorgeschichte:
Ich habe eine 22 Monate alte Wällerhündin (Briard-Australian Shepherd-Mischling, falls ihr bei dieser Mischung die Augen verdreht (ist mir leider schon zu oft passiert, bin da etwas vorgeschädigt) lest bitte zuerst meinen Nachtrag).
Sie ist sowohl im Umgang mit mir (unter der Woche Bürohund), als auch im Umgang mit den Reizen im städtischen Umfeld ein sehr entspannter Hund (durch Training).
Um in Richtung meiner Fragen zu kommen: Hundebegegnungen waren am Anfang schwierig, sie ist an der Leine schnell ausgeflippt (in die Leine gesprungen, fiepen, nicht bellen, Frust ect., später hat sie die anderen Hunde dann beobachtet, ist aber nicht steif geworden), wenn sie einen anderen Hund gesehen hat, auch auf größere Entfernungen. Durch Management, Umorientierung zu mir, einzelnen Hunden länger hinterhergehen, bis sie ihr egal sind, dem Einbringen von viel Ruhe meinerseits bei Hundebegegnungen und dem Beobachten von Hundezonen aus der Ferne funktioniert es inzwischen sehr gut, solange der andere Hund sie nicht anbellt. Dann wird sie hibbelig und unruhig, sie bellt aber nicht (mehr) zurück und geht eher nicht nach vor, sondern will weg.
Wenn wir beim Training sind (egal ob auf dem Hundeplatz oder beim Rettungshundetraining) ignoriert sie die anderen Hunde inzwischen komplett.
Im Freilauf ist sie eher unsicher, unterwürfig und fiddelt öfters anderen Hunden gegenüber, ist aber dennoch interessiert an anderen Hunden (sie läuft im Freilauf gerne zu anderen hin (nach meiner Freigabe), egal ob diese in Bewegung sind oder statisch). Eine komische Mischung?
Sie wurde auch schonmal von einem Rottweiler vollkommen überzogen zurechtgewiesen, am Rücken fixiert und gebissen, seitdem ist sie bei allen Hunden die optisch einem Rottweiler gleichen besonders unterwürfig.
Wenn sie die Hunde näher kennt, spielt sie zwar körperlich manchmal etwas grob (wobei ich einschreite), aber eigentlich sehr ausgeglichen mit Rollenwechseln, wobei sie mit ihrer besten Freundin am liebsten Laufspiele macht mit Wechsel zwischen Jäger und Gejagtem.
Meine Fragen:
- Kann ich irgendetwas tun, damit sie anderen Hunden gegenüber nicht so unsicher ist, sie möchte ja anscheinend trotzdem andere Hunde kennenlernen (oder lässt sich das Hingehen auch durch Unsicherheit erklären? Ein Fiddle-Angriff ist die beste Verteidigung?). Würdet ihr den Freilauf mit fremden Hunden einfach meiden (tue ich im Moment)? Wie kann ich es im Freilauf aufbauen, dass sie nicht zu anderen Hunden hinwill?
- Wenn sie auf fremde Hunde trifft, die anfangen zu laufen, läuft sie gerne hinterher, bietet auch Rollenwechsel in den Pausen an (nach 50 bis 100 m), wenn diese nicht angenommen werden, hat sie aber auch kein Problem darin in der Rolle des Jagenden zu bleiben. Sie rammt oder zwickt die anderen Hunde aber auf keinen Fall, packt aber ihr schnellste Geschwindigkeit aus, sie stellt aber auch nicht ihren Kamm auf. Seht ihr etwas Problematisches in diesem Verhalten? Dazu muss ich noch sagen, dass sie als Welpe viel auf Bewegungsreize reagiert hat, inzwischen kaum mehr. Kann das auch etwas mit kontrollieren (Hütehund) oder jagen zu tun haben, oder mag sie einfach gerne Laufspiele (mit ihrer besten Freundin spielt sie hauptsächlich so, auch mit ihrem Spielzeug läuft sie gerne durch die Gegend)? Sollte ich da einen Hundetrainer fragen, oder sie einfach frühzeitig abrufen in diesen Situationen (die Situation ist sehr selten) und gut ist?
- Habt ihr vielleicht einen Tipp, wie ich ihr noch mehr Sicherheit und Ruhe geben kann, wenn sie Hunde anbellen? Unser größtes Problem ist im Moment, dass bei ruhigen Hunden ein Abstand von zwei bis drei Metern gut klappt, wenn der andere Hund genau auf unserer Höhe anfängt zu bellen ist das natürlich ziemlich kontraproduktiv.
Was sagt ihr generell zu ihrem Sozialverhalten? Ergeben die Einzelteile ein Bild für euch?
LG
Lisa (sorry für den ausführlichen Text und danke fürs lesen)(Nachtrag zum Thema Wäller, da ich besonders in unserer Anfangszeit vielen begegnet bin, die ungefragt massive Kritik an der Mischung geäußert haben: Ich weiß, dass diese Mischung häufig nicht sehr beliebt ist, und einige denken, dass es ein komplett überdrehtes Monster ist, das niemand geschenkt haben möchte. Ich bin sehr glücklich mit meinem Mädchen, sie ist ein toller Alltagshund in einer großen Stadt, 8 Stunden ruhig im Büro unter der Woche und am Wochenende macht sie großartige Arbeit beim Rettungshundetraining. So viel zum schlechten Ruf der Wäller.)
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16. März 2026 um 22:45
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Mal eine zusätzliche Frage: Kann Dein Hund mimisch, mit Ohren und Rute kommunikativ etwas erreichen? Können die anderen Hunde Ohren, Augen, Maulspalte etc. von allen Seiten sehen?
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Ihre Ohren sind sehr beweglich, sie setzt sie auch viel und deutlich zur Kommunikation ein, Rute setzt sie ebenfalls ein. Wenn sie vor schwarzen großen Hunden aber wirklich Angst hat liegt sie nur mehr am Boden/Rücken und ich muss den anderen Hund entfernen. Ihr Fell ist nur mittellang, die Augen sind also sichtbar, die Maulspalte ist aber wohl etwas verdeckt.
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Thorin ist auch unsicher, läuft aber auch hin und ist von Fremdhundekontakt dann aber eher gestresst und hat ne Bürste. Zurückweichen nicht, lieber dann kläffen und auf wichtig machen. Schreibe ich (neben dem beschissenen Lebensstart) ehrlich gesagt seinem Aussieanteil zu, er ist im Zweifelsfall immer "Angriff ist die beste Verteidigung". Zusammen spazierengehen ist aber entspannt und mit bekannten Hunden ist er einfach nur toll. Ich vermeide Begegnungen mit fremden Hunden daher einfach. Es wird allein deswegen besser, er weiß, das geht ihn nichts an und muss ihn nicht interessieren.
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Wieso muss sie denn mit so vielen Fremdhunden Kontakt aufnehmen?
Ihr habt feste Hunde Bekanntschaften, geht auf den Hundeplatz / Staffel, da könnte man doch gut alle "fremden" Hunde umgehen und keinen Kontakt zulassen so zum Großteil. Bei meinen Hunden mit ähnlichem "Auslastungsangebot", weiche ich Fremdhunden einfach aus und zeige so meinen Hunden, dass nicht jeder Artgenosse für direkten Kontakt da ist.
Klar ist man bei fremden Hunden unsicher, ist ja nur schlau erstmal kleine Brötchen zu backen. Und es gibt halt die bissl dummdreisten, die direkt auf dicke Hose machen, die die sofort losfiddeln und die wenigen tatsächlich souveränen. Aber solange deine Hündin doch genug Kontakte hat, mit denen sie sich augenscheinlich wohl fühlt, reicht das doch?
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Ich habe auch einen unsicheren Hund, der aber im Zweifel nach dem Motto handelt
" Angriff ist die beste Verteidigung ". Also muss er keinen Kontakt mit Fremdhunden haben. Bringt ihm nichts außerStress. Spiel und Spaß mit seinen bekannten Kumpels.
Spazieren mit Fremdhunden ohne Kontakt üben wir regelmäßig, klappt auch immer besser.
Ansonsten klingt es doch super, was ihr schon trainiert habt. Ich sehe tatsächlich für deinen Hund keinen Mehrwert in Fremdhundebegegnungen.
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Das Hauptproblem ist, dass wir an der Donau wohnen und sie total gerne badet und ich ihr vor allem im Sommer diese Erleichterung gerne gönnen würde. Leider ist der Hundestrand eine relativ kleine Fläche, mit vielen Hunden im Sommer...
Aber wenn ihr meint Fremdhunde zu umgehen ist das Beste, vielleicht finde ich eine Stelle wo sie alleine mit Schleppleine rein kann.
Und irgendwie hab ich das Gefühl sie mag es trotzdem auch mit anderen Hunden zu laufen, warum geht sie sonst hin im Freilauf? Oder lässt sich das auch durch Unsicherheit und Stress erklären?
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Das Hauptproblem ist, dass wir an der Donau wohnen und sie total gerne badet und ich ihr vor allem im Sommer diese Erleichterung gerne gönnen würde. Leider ist der Hundestrand eine relativ kleine Fläche, mit vielen Hunden im Sommer...
Du bist aus Österreich, oder?
Ich wohne in Wien und bin mit meinen Hundemädels, wovon die Jüngere mit Fremdhunden auch eher unsicher ist, auch gern an der Donau spazieren bzw im Sommer halt einfach am Wasser, aber ich versuche da möglichst entweder so früh am Wasser zu sein, dass noch kaum noch was los ist oder mir nen ruhigen Platz abseits der Hotspots zu suchen. Richtige "Hundestrände"/Hundezonen am Wasser meide ich persönlich eher bzw bin ich gerade dort eher nur frühmorgens. Fremdhundebegegnungen sind halt oft einfach stressig, gerade für unsichere Hunde.
Grundsätzlich kann ich den Vorschreibern daher auch nur zustimmen, es kommt bei Kontakten auf Qualität und nicht Quantität an. Ich würde üben, dass ihr Fremdhunden ausweicht und deine Hündin verinnerlichen kann, dass sie sich mit den ihr unbekannten Artgenossen gar nicht auseinanderzusetzen braucht. Viel wertvoller sind oft regelmäßige Treffen zum Spazierengehen und ggf. auch Spielen mit Hundefreunden. Davon profitiert auch meine Junghündin sehr.
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