Schnappen bei Tierschutzhund - Mache ich aus einer Mücke einen Elefanten?
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Hallo zusammen! Mein erster Beitrag und ich fange direkt mit einem für mich eher ungemütlichen Thema an.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll und wie weit ich ausholen soll, aber ich versuche es mal, verständlich zu erklären. Es ist auch keine Katastrophe, aber mich beschäftigt das Thema aktuell sehr und ich würde mich sehr über ein paar Meinungen/Einschätzungen freuen.Vor drei Monaten ist mein fünfjähriger Rüde aus einem Tierschutzverein aus Rumänien bei mir eingezogen. Er könnte in Husky/Schäferhund Mix sein, ist aber recht zierlich dafür (circa 45 cm hoch). Er ist nicht mein erster Hund, aber der erste Hund, den ich gemeinsam mit einem Partner habe. Vorher hatten wir immer auch Huskys in der Familie, daher habe ich da schon Erfahrung mit der Sorte machen können, allerdings noch nicht mit dem Thema "Schnappen"...
Aber erstmal zu Juri. Er macht sich wirklich super, ist sehr lernwillig und von Beginn an sehr zugänglich, wenig Ängste. Vom Verein wurde er als sehr freundlich und verträglich beschrieben, was sich auch bestätigt hat. Haben in der ersten Nacht, die er bei uns war, direkt gekuschelt
Vor lauten Geräuschen hat er nach wie vor noch Angst, aber grundsätzlich habe ich wirklich das Gefühl, dass er in den letzten drei Monaten ganz viel Sicherheit und auch Selbstbewusstsein dazu gewonnen hat und alles in allem bin ich super happy mit ihm und habe echt das Gefühl, dass langsam eine gute Bindung zwischen uns entsteht. Jetzt kommen wir zum ABER, und da würde mich einfach mal eure Einschätzung interessieren, vielleicht bin Ich hier nämlich das Problem und gar nicht Hundi
So ist das ja meistens bei der Hundeerziehung.
Und zwar, hatten wir jetzt zwei "Schnappvorfälle", den ersten hatten wir rund vier Wochen nach Ankunft. Zu Beginn durfte er nämlich noch auf die Couch (eben weil er von Anfang an so verschmust war, und wir das natürlich genossen haben), draußen ist er aber ein kleiner Krawallo, Hundebegegnungen findet er super kacke und knurrt dann echt laut. Unsere Hundetrainerin ist das Thema auch schon mit uns angegangen und wir haben herausgefunden, dass er versucht uns die Entscheidungen abzunehmen, also wir geben ihm quasi nicht genug Sicherheit, er versucht das Kommando zu übernehmen, indem er dann z.B. auch andere Hunde verknurrt (das ist nochmal ein anderes Thema).
Auf jeden Fall hat uns unsere Trainerin dazu geraten, dass wir ihn zu Hause nicht in erhöhter Position liegen lassen sollen, also runter von der Couch. Das wollten wir dann natürlich auch durchziehen. Er saß also abends schon, während wir von der Küche ins Wohnzimmer kamen, gemütlich auf der Couch. Wir haben ihn dann versucht zu uns zu rufen, um ihn auf seinen Platz zu schicken. Da hat er uns natürlich ignoriert (auf der Couch ist es ja auch viel schöner) Naja, also er nicht gehört hat, ist mein Freund dann auf ihn zu und wollte ihn am Halsband runter begleiten. Da hat er das erste Mal nach seinem Arm geschnappt (Ohne richtig zuzubeißen, Zähne waren aber schon zu sehen). Die Anzeichen waren im Grunde auch da (angelegte Ohren, steifer Körper, starrer Blick zu Seite), aber in dem Fall wollten wir einfach konsequent sein. Wir haben uns natürlich erschrocken, ich habe dann gedacht, dass ich es nochmal versuche, weil er einfach nicht von der Couch runter wollte, aber nach meinem Arm hat er dann auch geschnappt. Ich habe versucht mich, nicht davon beeindrucken zu lassen, damit er weiß, dass er damit nicht durchkommt und ihn dann wirklich von der Couch gezogen (natürlich nicht gewalttätig, aber hab schon kurz geschimpft und das Halsband nicht losgelassen) Er ist dann auch schnell auf seinen Platz und hat auch Beschwichtigungszeichen gezeigt, aber uns hat das ganz schön erschrocken.
Naja, seitdem hat er akzeptiert, Er geht nicht mehr auf die Couch.Jetzt vor zwei Wochen hatten wir den zweiten Vorfall, an dem wir auf jeden Fall selbst Schuld sind, aber dennoch würde mich interessieren, wie ihr das seht. Und zwar lag er in seinem Körbchen, entspannt aber wach, also Kopf angehoben, wacher Blick und hat uns angeguckt. Mein Freund hat im gleichen Zimmer ein Paket geöffnet. Er hatte einen Handschuh bestellt, mit dem man Hundehaare von Oberflächen wischen kann. E hat ihn dann angezogen und wollte nur leicht mit dem Handschuh über den Rand des Körbchens (circa 30-40cm vom Hund entfernt) streichen, weil da einfach in dem Moment die meisten Haare waren. Klar, wir wissen, dass der Rückzugsort eines Hundes natürlich sonst Tabu ist und es auch okay ist, dass der Hund da meckert, wenn man ihn stört, aber in dem Moment ist er sehr laut und schnell auf meinen Freund zugesprungen und hat wieder gschnappt und geknurrt, er hat auch Zähne gespürt aber hier nicht zugebissen. Was uns natürlich beruhigt, und auch ärgert, weil die Situation hätten wir natürlich selbst vermeiden können, da sind wir uns ganz bewusst. ER hat auch hier wieder viele Beschwichtigungssingale gezeigt, aber wir wissten gar nicht mit der Situation umzugehen. Dennoch fand ich die Reaktion irgendwie heftig, dafür, dass wir ihn nicht angefasst haben und auch keine lauten Geräusche oder so gemacht haben. Mein Freund ist auch nicht frontal auf ihn zu, er hat nur mit dem Handschuh einmal über die Ecke des Körbchens gestrichen
Nun muss ich sagen, auch wenn ich weiß, dass es total doof von uns war, hat mich die "Energie" von Juri doch schon sehr erschrocken, das wirkte auf mich schon sehr aggressiv, auch aggressiver als das Schnappen auf der Couch und bei mir hat sich irgendwie so eine Angst entwickelt, dass aus dem "Schnappen" dann doch mal ein Biss wird. Ich gehe seitdem irgendwie wie auf Eierschalen und habe einfach Angst was falsch zu machen oder irgendwas bei ihm auszulösen.Mich würde interessieren: Hattet ihr auch schon Schnappvorfälle mit euren Hunden? Wie seid ihr in den Situationen damit umgegangen? Was kann ich tun, um das Ganze nicht noch zu befeuern? Wie würdet ihr die Situationen bewerten? Muss ich mir Sorgen machen, dass da noch mehr schlummert?
Ganz lieben Dank schon mal und viele Grüße aus Dortmund

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Ich kann nur zur Situation auf der Couch was sagen:
Nicht am Halsband runter schmeißen, direkte Konfrontation ist einfach keine Basis zum Vertrauen bilden.
Hier hätte man mit Leine arbeiten können, kein direkter Angriff am Hund und Sicherheit für beide Seiten.
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Hmmmh, also ich gehe so weit mit, dass das Kontrolle übernehmen müssen nicht nur in dieser Situation zu klären ist sondern allgemein im Umgang.
Dass der Hund einem vertraut und einem Kontrolle überlässt erreicht man aber nicht, indem man ihm sein Leben ungemütlich macht und nun plötzlich ggf. auch noch wenig authentisch seinen Willen durchsetzen will, wo man es vorher nicht gemacht hat.Draußen würde ich Abstand schaffen zu anderen Hunden, ihm die Sicherheit geben, dass er mit denen nicht interagieren muss. Bogen laufen, umdrehen und in die andere Richtung gehen, sowas. Erstmal als Management und erste Hilfe.
Drinnen bin ich wie Kleenes87 für ne Hausleine, damit ihr es leichter habt. Und dann immer nur Sachen machen, die ihr nachvollziehbar findet und auch selber so haben wollt. Es bringt nichts, dem Hund das Sofa zu verbieten, wenn man es eigentlich mag, dass er da drauf ist. Wo er sich ggf. auch total sicher fühlt, weil es auch euer Ruheplatz ist und sehr nach euch riecht.
Auf keinen Fall bitte schimpfen, wenn er knurrt oder schnappt. Ihr seid, wenn er zu solchen Maßnahmen greifen muss, eh schon zu spät und über seinen Wohlfühlbereich hinweggegangen. Er wird dann eher aufhören, euch zu warnen und schneller vehementer sein, weil ihr auf die subtilen Zeichen nicht hört. Du scheinst ihn prinzipiell ganz gut lesen zu können, das ist super! Nutze das und überlege dir in so Situationen immer gut, was du wie durchsetzen willst. Und ob du es in dem Moment überhaupt könntest, ohne ihn zu sehr zu bedrängen, was er offenbar sehr unangenehm findet.
Ich drück euch die Daumen!
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Mein Gefühl und ich könnte falsch liegen, wäre hier, das das Verhalten draußen nichts mit dem Sofa zutun hat.
3 Monate ist für einen Hund nun wirklich noch keine lange Zeit ein mega Urvertrauen zu seinem Menschen aufzubauen und gerade der Schäfi gilt ja gerne mal als Kontrolleti der Hunde. Das das Verhalten draußen dazu führt das er kein Sofaprivileg mehr haben darf finde ich komisch ehrlicherweise.
Mit dem Schnappen hat er euch deutlich signalisiert das er das ziemlich blöde gerade fand. Er durfte die ganze Zeit aufs Sofa, er mag euch ganz gerne, aber er hat noch kein Wahnsinnsvertrauen (was ja auch Ok ist für die Zeit) und dann packt ihr ihn am Halsband und zupft dran. Macht am besten eine Hausleine dran, so könnt ihr ihn auf jedenfall ohne direkten Kontakt sanft dirigieren. Ob Sofa ja oder Nein ist erst Mal eure Sache und vielleicht kommen da noch Stimmen dazu die ebenfalls sagen kein Sofa.
Grundsätzlich würde ich sagen, WENN er euch hätte verletzen wollen, dann hätte er das getan, er hat nur gewarnt und das ist auch gut und richtig so. Ich vermute mal, dein Freund hat sich vorgebeugt um den Körbchenrand anzufassen? Das kann schon einfach zu viel gewesen sein. Hund liegt da, in einer "hilfloseren" Position, es ist sein Reich und der Mensch kommt hin und beugt sich vor bzw drüber.
Ich persönlich kann und werde keine Einschätzung geben wollen ob das Verhalten nun übertrieben oder "normal" war, da bin ich einfach kein experte.
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Vielem Dank für die ersten Einschätzungen! Die Hausleine ist eine super Idee, hat uns unsere Trainerin auch schon zu geraten, irgendwie haben wir das etwas schleifen lassen.
Die Verbindung von Sofa und draußen Pöbeln ist tatsächlich etwas verwirrend, da hätte ich mehr ausholen müssen
Die beiden Sachen haben gar nicht direkt was miteinander zu tun, aber im Laufe der Einzelstunden, hatte sie das einfach empfohlen für den Anfang. -
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Vielleicht hat ihn ja auch dieser Handschuh getriggert. Der ist ja wahrscheinlich nicht so klein, wie ein normaler Handschuh. Der Hund hat ja auf den rumänischen Straßen mehrere Jahre überlebt, da wird er ja evtl. schlechte Erfahrungen mit Männern mit dicken, großen Handschuhen gemacht haben

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Vielleicht hat ihn ja auch dieser Handschuh getriggert. Der ist ja wahrscheinlich nicht so klein, wie ein normaler Handschuh. Der Hund hat ja auf den rumänischen Straßen mehrere Jahre überlebt, da wird er ja evtl. schlechte Erfahrungen mit Männern mit dicken, großen Handschuhen gemacht haben

Da haben wir auch schon dran gedacht.. der Gedanke tat uns dann nur noch mehr leid

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Gibt es Situationen, wo er euch den Weg verstellt?
Schiebt er sich oft vor euch?
Läuft euch direkt vor die Füsse?Drängelt er sich gerne in den Vordergrund? Oder schiebt euch fast etwas weg?
Für mich liest sich das nach einer direkten Massregelung vom Hund an euch.
Da würde ich ausser der Hausleine keinen einzigen Tip aus dem Internet ausprobieren sondern einen Trainer direkt nach Hause holen.
Anschauen, wo regelt der Hund euch eventuell sonst noch im Alltag. Wo nutzt er vielleicht eure Unsicherheit aus. Was macht er aus eigener Unsicherheit etcIch könnte mir vorstellen, dass ihr dem Hund ein paar Privilegien streichen müsst, um klare Situationen zu schaffen.
Aber das muss jemand mit Erfahrung vor Ort anschauen. Nicht auf dem Hundeplatz. Sondern im Alltag und umsHaus.
Warum er das macht, kann unzählige Gründe haben. Daher ist es so wichtig zu wissen was er da genau macht und warum. Dann kann man adäquat trainieren. Ein unsicherer Hund zB braucht andere Unterstützung als ein selbstbewusster Kerl, der meint er könnte sich die Hausregeln selber basteln weil ihr nicht handelt. -
Gibt es Situationen, wo er euch den Weg verstellt?
Schiebt er sich oft vor euch?
Läuft euch direkt vor die Füsse?Jein, würde ich sagen, er hat sich am Anfang immer gerne in die Türeingänge gelegt und uns so den Weg versperrt, er lehnt sich auch sehr gerne ganz nah an, das macht er auch bei Besuch, also dieses "Anlehnen".. da habe ich jetzt auch schon häufiger gelesen, dass das nicht unbedingt immer was mit kuscheln zu tun hat. Aber den Gedanken hatte ich auch schon..Meinst du, er hat uns gemaßregelt in den Situationen, in denen er geschnappt hat?
Aber du hast natürlich recht, vielleicht muss unsere Trainerin da auch nochmal nach Hause kommen.
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Für Hunde ist es völlig normal, dass das Rudel auch mal dicht beieinander liegt. So wie uns tut auch Hunden diese Nähe (wenn freiwillig!!!) gut. Insofern fliegt bei mir nur dann ein Hund (vorübergehend!) vom Sofa, wenn er direkt auf dem oder am Sofa unangemessenes Verhalten zeigt. Da ist für den Hund dann auch ein Zusammenhang erkennbar.
Wenn man den Hund mehrere Meter entfernt ins Körbchen verfrachtet, könnte der Hund das so verstehen, dass man ihn nicht dabei haben will, weil er (noch) nicht zum Rudel gehört. Das Wegschicken und einen Platz am Rand zuweisen ist jedenfalls das bei Tieren verschiedener Arten typische Verhalten gegenüber einem Neuen. Aber in der Regel geht das nur ca. 1-3 Wochen so und dann wird der/die Neue aufgenommen (oder endgültig weggejagt). Wie soll ein Hund da verstehen, dass er erst ins Rudel aufgenommen und dann wieder "weggestoßen" wird, ohne dass er einen Zusammenhang mit irgendeinem Fehlverhalten erkennen könnte?
Wenn er nicht aufs Sofa soll, wäre dann ein Liegeplatz direkt neben dem Sofa denkbar, damit er bei euch sein kann, ohne erhöht zu liegen?
Wenn Hunde schnappen, finde ich das auch immer sehr schwierig. Ich wünsche euch, dass ihr da einen guten Weg findet. So aus der Ferne klingen beide Situationen für mich eher nach einer Überforderung des Hundes, der nicht verstehen konnte, was ihr von ihm wollt oder warum ihr gerade so reagiert habt. Trotzdem muss er natürlich irgendwie lernen, dass er "übergriffige" und/oder bedrohlich wirkende Menschen nicht mit den Zähnen maßregeln darf. Ich hätte auch die Angst, dass aus dem Schnappen irgendwann ein Beißen wird. Wenn ihr eine gute Trainerin habt, solltet ihr auf diese vertrauen. Lasst euch von ihr auch noch mal erklären, auf welche Weisen ein Hund warnt, bevor er schnappt, wann ihr diese Warnungen respektieren solltet und wann es wirklich notwendig ist, dass ihr euch gegen den Hund durchsetzt (und wie). Ich habe den Eindruck, dass Du da schon ein ganz gutes Gefühl für hast.
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