Hund aus dem Tierschutz

  • Phu... Ich möchte dir nur kurz noch ein paar Gedanken mit auf den Weg geben. Was du daraus machst, ist natürlich deine Sache:

    Was machst du, wenn der Hund nie lernen wird, alleine bleiben zu können und du das Haus nicht verlassen kannst, ohne dass der Hund deine Wohnung zerlegt oder die Nachbarn durchgehend beschallt? Freunde Treffen, abends weg gehen, einkaufen, Arzt Termine, zur Arbeit gehen, etc. Hast du dafür einen Plan B?

    Was machst du, wenn der Hund mit der Pubertät beschließt, dass er andere Hunde total doof findet und jeden davon am liebsten schreddern möchte? Wenn du nie entspannt mit dem Hund raus gehen kannst, weil jeder Hund den man nur auf Entfernung sieht direkt ein rotes Tuch ist und dein Hund, der ja scheinbar nicht ganz klein sein wird, versucht dich quer über die nächste straße zu ziehen? Hast du dafür einen Plan, bzw. die Kraft deinen Hund dann zu halten?

    Was machst du, wenn der Hund mit der Pubertät feststellt, dass er fremde Menschen total doof findet? Wenn du also weder entspannt mit dem Hund vor die Tür gehen, noch entspannt zu Hause Besuch, Handwerker oder sonstige Menschen empfangen kannst? Du wärst nicht die erste Person, die wegen eines direkt importierten Hundes sehr isoliert leben müsste, da andere Menschen ein rotes Tuch fr den Hund sind.

    Ich könnte diese Liste jetzt beliebig erweitern, z.B. mit Auto fahren, absoluter Angsthund bei Geräuschen oder ähnlichem, Kinder jagen, Ausbruchskünstler, alles in der Wohnung ankauen, usw....

    Alles kann, nichts muss. Genau das ist das Risiko das du eingehst, wenn du dir einen Direktimport zulegst. Es kann alles gut gehen, es kann aber auch alles schief gehen. Wenn ich mitten im nichts wohnen würde, ohne Nachbarn, keine Gefahr von ungewollten Hundebegnungen, jahrelange Erfahrung mit schwierigen Hunden hätte, von zu Hause aus arbeite und keine Freunde hätte, die vorbei kommen würden, würde ich es mir trotzdem 10 mal überlegen, ob ich mir so eine Wundertüte ins Haus holen will. Und da ist die Möglichkeit, dass das vielleicht ein Listenhund ist noch gar nicht mit drin.

    Ich hoffe einfach, dass du noch Mal tief in dich gehst, über alles nachdenkst, was hier geschrieben wurde und was auf dich zukommen kann, und dann die beste Entscheidung für dich UND den Hund triffst.

    Viel Glück.

  • Was machst du, wenn der Hund nie lernen wird, alleine bleiben zu können und du das Haus nicht verlassen kannst, ohne dass der Hund deine Wohnung zerlegt oder die Nachbarn durchgehend beschallt?

    Ob ein Hund gut allein bleiben kann, hängt meiner Erfahrung nach nicht maßgeblich davon ab, ob er aus dem Tierschutz kommt oder nicht. Tendenziell habe ich sogar das Gefühl, dass Hunde, die in ihrer Welpenzeit weniger Zugriff auf Menschen hatten, häufig recht problemlos allein bleiben können. Aber im Allgemeinen gilt: Die Gefahr, dass ein Hund nicht allein bleiben kann, ist genauso beim Welpen vom Züchter gegeben.

    Trotzdem finde ich deinen Punkt ganz arg wichtig. Denn falls der Hund nicht allein bleiben kann (und das kann wie gesagt immer mal passieren), hat man mit einem Hund mit diversen Verhaltensauffälligkeiten, Umweltproblemen und einer entsprechenden Größe ganz schnell gewaltige Schwierigkeiten, eine passende Betreuung zu finden, die den Hund ebenfalls händeln und mit ihm rausgehen kann.

    Und auch deine anderen Punkte möchte ich am liebsten nochmal ganz dick unterstreichen - insbesondere in Bezug auf die erwartete Größe bzw. das Gewicht.

    Liebe TE, hattest du schon mal einen großen, schweren Hund an der Leine, der wirklich gezogen hat? Man unterschätzt ganz schnell, welche Kraft da dahinter sein kann.

    Und du wirst eben nicht wie viele andere Großhundehalter, die ihren Welpen jung bekommen haben, auf ne halbwegs solide Erziehung, Grundgehorsam und generelle Umwelt-Gelassenheit zurückgreifen können, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit insbesondere in der Pubertät (also die nächsten 2 - 3 Jahre) nen Hund haben, der bei Reizen schnell steil geht.

    Natürlich gibt es bestimmte Methoden und Handgriffe, um schwere Hunde etwas besser halten zu können, und es kommt auch maßgeblich darauf an, wie der Hund zieht, aber es gibt da einfach ne persönliche Grenze, die man doch schnell überschätzt, wenn man noch nie so nen schweren Hund an der Leine hat.

    Für mich ist zum Beispiel, wenn der Hund dazu neigt, arg ungünstig zu ziehen, bei spätestens 35 Kilo schon Schluss. Trotz Übung, Erfahrung und Hilfsmitteln hat mich da eine Hündin schon mal ganz schön an meine Grenzen gebracht.

    Klar, wenn der Hund z.B. langsam immer mehr Kraft aufbaut, absehbar in dieselbe Richtung zieht, nicht seine gesamte Kraft mit Schmackes einsetzt, sich eher aufbäumt statt sich in den Boden zu stemmen, dann kann ich auch 40+ Kilo händeln.

    Aber davon, so nen „netten“ Zieher zu bekommen, kann man ja echt nicht ausgehen, wenn man den Hund noch nie live erlebt hat. Und deshalb finde ich es schon sehr sinnvoll, sich mal realistisch damit auseinanderzusetzen, welches Gewicht man bei einem Hund, der vermutlich größere Schwierigkeiten mit der Umwelt mitbringt, tatsächlich halten kann und will.

    Ich finde große Hunde ganz arg toll. Trotzdem würde ich meine Gewichtsgrenze bei einem Direktimport immer eher konservativ ansetzen. Denn die Kombination aus Umweltunsicherheit und übermäßiger Reaktivität (was beides bei einem Direktimport einfach erwartbar ist) mit einem hoffentlich gerade so zu haltenden Hund ist meiner Erfahrung nach einfach wirklich, wirklich extrem anstrengend und zermürbend im Alltag.

  • geben die Hunde IMMER erst an Pflegestellen.

    Keine Ahnung, ob das in den vielen Seiten schon mal angesprochen wurde, aber in Anlehnung an einen anderen frischen Thread im Forum: Besteht die Möglichkeit, erst einmal als Pflegestelle zu agieren, mit Option auf Übernahme? Ja, auch dazu fallen mir zig Kontras, mögliche Hürden und Herausforderungen ein, von denen ich nicht weiß, wie real die sind. Wobei das "Rasse"Problem damit ja auch nicht gelöst ist.

    Als wir damals das Mogeltier übernommen haben, hatten wir auch nur einen eng begrenzten Rahmen, um ihn zurückzugeben. 2 Wochen, glaube ich. Tja, 2 Wochen sind schon sehr eng gesteckt. Danach hätte man uns vllt. noch bei der Vermittlung unterstützt, aber das Tier nicht auf die PS zurückgenommen. Ist verdammt doof, aber ich kann es ein Stück weit auch verstehen, da mitunter ja schon der nächste Transport geplant und die PS verplant sind.

    Und zum Thema "Dieser Hund soll es unbedingt sein": Wir, bzw. tatsächlich noch mehr mein Mann, hatten uns vor Jahren schon mal in einen Hund verguckt. Hatten ihn auch besucht, sind Gassi gegangen. Er wollte ihn, ich war unsicher. Meine Mutter, in deren Haus wir gelebt haben (als pflegende Angehörige), hat sich komplett dagegen verwehrt. Ja, wir waren wütend, sauer, haben eine ganze Weile getrauert. Es hat gedauert, bis wir damit abgeschlossen hatten. Wir wissen nicht, wohin uns der Weg damals geführt hätte. Die Erfahrungen, die wir jetzt mit den Hunden sammeln durften und mussten, hätten wir nicht gesammelt.

  • Besteht die Möglichkeit, erst einmal als Pflegestelle zu agieren, mit Option auf Übernahme?

    Eine Orga, die Hundeanfänger als Pflegestellen einsetzt, wäre für mich wirklich raus. Das geht gar nicht.

    Schon gar nicht Leute, die mit solchen Klischees im Kopf (Herausforderung, verliebt aufgrund eines Fotos etc.) drangehen.

    Und das Konzept "Hund auf Probe" finde ich einfach fragwürdig.

    Natürlich ist eine Rückgabeoption wichtig, aber eben nur für Notfälle, nicht für, "upps, doch nicht!". Oft genug halten die Orgas dann auch nicht Wort, schon gar nicht die, die direkt importieren ohne Pflegestellen, wo sollen die denn hin mit dem Hund?

    Wer abgesichert sein möchte, sollte doch besser zu einem vernünftigen Züchter gehen.

  • Besteht die Möglichkeit, erst einmal als Pflegestelle zu agieren, mit Option auf Übernahme?

    Was versprichst Du Dir denn davon, daß man nun einen Halter, der vermutlich keine Ahnung hat, wie man den Hund auf ein neues Leben vorbereitet, als Pflegestelle bezeichnet? Rumgemurkst wird ja evtl auch unter dieser Bezeichnung. Option auf Pflegestelle ist nur die schönere Bezeichnung für: "Ach, probiers doch, wennst den versaust, kannst ihn weiterschieben, die das dann richten können."

    Pflegestelle müssen immer Leute sein, die wissen, was sie machen, alles andere ist kein Tierschutz sondern halt einfach Hundehandel unterster Schublade.

  • Was machst du, wenn der Hund nie lernen wird...

    Das war ja so der Punkt, an dem ich mich hier ausgeklinkt habe.
    Als dann kam: ein "einfacher, kleiner, alltagstauglicher..." Hund wäre ja langweilig :ugly: :headbash:.

    Was will man dazu noch sagen? Ja, wenn TE findet, ein Hund ist nur dann ein passender Hund, wenn er entweder / oder keine Besucher reinlässt, das Haus zusammenbellt, kaum fremdbetreut werden kann, jagd wie sonstwas oder Artgenossen doof findet... Nun denn... Da wünscht man doch viel Glück, dass der Hund nicht doch total easy wird und all das auspackt, damit die gewünschte "Herausforderung" nicht auf der Strecke bleibt |)

    Ich erfreue mich derweil an den in mein Leben passenden Hunden...

  • Besteht die Möglichkeit, erst einmal als Pflegestelle zu agieren, mit Option auf Übernahme?

    Was versprichst Du Dir denn davon, daß man nun einen Halter, der vermutlich keine Ahnung hat, wie man den Hund auf ein neues Leben vorbereitet, als Pflegestelle bezeichnet? Rumgemurkst wird ja evtl auch unter dieser Bezeichnung. Option auf Pflegestelle ist nur die schönere Bezeichnung für: "Ach, probiers doch, wennst den versaust, kannst ihn weiterschieben, die das dann richten können."

    Pflegestelle müssen immer Leute sein, die wissen, was sie machen, alles andere ist kein Tierschutz sondern halt einfach Hundehandel unterster Schublade.

    Ein Direktimport wäre z.B. für mich nur mit genau der Option machbar. Ich kann doch vorher nicht einschätzen, ob der neue bei mir ins Rudel passt. Wenn da dann nur noch 100% Management möglich ist, kann ich den Hund nicht behalten. Wenn er passt, dann wäre das ja der Optimalfall und ich wär sofort Pflegestellenversager.

  • Märchen ich vermute den Carolina Dog, Östereichicher Pincher /Pincher, Shar-pei, Rhodesian Ridgeback.

    Nur kurz meine 2 Cents: Ich habe einen Shar-Pei-Mix. Auch aus Ungarn.

    Wenn dein Best Case Szenario ein Shar-Pei-Mix ist (optisch und geografisch, könnte das von den von dir genannten Rassen, am ehesten hinkommen), solltest du dir das gut überlegen.

    Ich schreibe es einfach mal so wie meine persönlichen Erfahrungen damit sind: Schlecht oder gar nicht sozialisiert sind sie die Pest. (Darauf weisen im übrigen aber auch sämtliche seriöse Artikel über die Rasse hin.)

    Mein Shar-Pei-Mix braucht durchgehendes Management. Er will alle Hunde fressen. Auch wenn diese 30 Meter entfernt sind. 30kg hysterischer Hund sind kein Spaß mehr und gefährlich für andere Hunde. Ich gehe bevorzugt früh morgens und nachts spazieren. Da kann ich zumindest etwas entspannter sein. Im Winter sind wir eben ausschließlich im Dunkeln unterwegs. Und ja, wir trainieren da durchgehend dran aber mit einer Verhaltensberaterin. Die "normalen" Trainer konnten mir bei ihm nicht weiterhelfen, da das Problem über eine "normale" Leinenaggression hinausgeht. Er hat im Welpenalter zuviele schlechte oder gar keine Erfahrungen gemacht (Die Vermutung geht aufgrund seiner Vehemenz aber zu schlechten Erfahrungen.) Bei dieser Rasse ist das katastrophal, da sie eh schon zu Unverträglichkeiten und dominatem Verhalten ggü. Hunden und Aggression ggü. Menschen neigen.

    Daher auch das Augenmerk auf einer ordentlichen Sozialisierung im Welpenalter. Und deshalb haben auch einige geschrieben dass dieser Hund in einem "schlechten" Alter zur Übernahme ist. Das Fenster der frühen Sozialisierung ist geschlossen. Aber er ist noch so jung dass du nicht weisst was charakterlich aus ihm wird. Da wird noch was kommen.

    In unserem Fall klappt Menschenkontakt mit Management. Wenn ich nicht dabei bin, ist es schwierig für ihn. Diese Abhängigkeit des Hundes, ist nicht romantisch sondern anstrengend. 24/7, 365 Tage im Jahr.

    Er findet generell alles gruselig und ist unsicher. Problem: Unsicherheit wird bei dieser Rasse vorrangig im Vorwärtsgang und mit Aggression gelöst. Und nein, das lässt sich nicht einfach mit "Jetzt zeige ich ihm alles, was er verpasst hat und das gar nichts schlimmes passiert" lösen. So etwas kann tief sitzen und Überforderung zu Abwehrreaktionen führen. Er braucht im Umgang sehr viel Fingerspitzengefühl, kommuniziert sehr fein. Man sollte daher als HH wissen was man tut. Insbesondere weil du bei der Rasse nicht einfach alles über Gehorsam regeln kannst. Dafür sind sie zu eigensinnig und stur.

    Weihnachten bei meinen Eltern? Er bleibt zuhause. Nein, er fällt meine Familie nicht an. Er kennt sie und findet sie prinzipiell gut aber er hat trotzdem durchgehend stress wenn er nicht in seinem eigenen Zuhause ist. Ich kann ihn im Grunde kaum irgendwohin mitnehmen... Na ja, könnte ich schon aber dann sind seine Nerven mehrere Tage durch...

    Ich hatte schon Hunde und traue mir deshalb zu das mit ihm jetzt durchzuziehen. Hätte ich diese Erfahrung nicht, hätte ich ihn schon zurückgegeben. Mein kompletter Alltag, muss auf ihn ausgerichtet werden und das auf unbestimmte Zeit. Vermutlich für den Rest seines Lebens.

    Ich liebe ihn wirklich aber der nächste Hund wird definitiv ein einfacherer Vertreter, der auch nebenher laufen kann... Und ich habe noch riesen Glück das er zwar seinen eigenen Kopf hat aber eher führerweich ist.

    Wenn ich mir nun einen typischeren Shar-Pei vorstelle, der sich nicht so gut beeinflussen lässt und mit den Zähnen über alles diskutieren will. Evtl. seine Aggression gegen Hunde, rückwärts gegen seinen Halter richtet.. Wünsche ich niemandem. |)

    Zusammenfassend will ich nur sagen: Genetik spielt bei Hunden eine große Rolle. Die Rasse / der Rassemix ist bei der Wahl nicht egal. Besonders nicht wenn die Aufzucht (z.b. in einem Shelter) suboptimal ist. Da ist eine Rasse, die auch mit bester Aufzucht eher schwierig sein kann, eine denkbar schlechte Idee.

  • Gerade heute Morgen, und ich wollte es hier nicht hier posten weil ich es zu sehr OT fand (und natürlich finde ich es jetzt nicht mehr) ein Tierheim hat einen Instagram Post erstellt wo es um Hunde aus dem Auslandstierschutz geht.

    Direktimporte aus Rumänien und Russland (in diesem spezifischen Fall) die in deutschen Tierheimen landen und hier zu Langzeitinsassen werden. Damit Kapazitäten beanspruchen die der inländische Tierschutz brauchen könnte und die nicht vermittelbar sind.

    Sina 1234 Deine Entscheidung scheint ja schon lange vor deinem ersten Post gefallen zu sein. Trotzdem… es gibt so viele Organisationen, so viele Hunde auf Pflegestellen die man kennen lernen kann. (Wenn es dir um den Tierschutzaspekt geht)
    Und ich kann verstehen wenn man Herausforderungen mag, aber die kann man selbst mit einem Welpen vom Züchter haben.

    In meinen Augen hat ein Direktimport zu einem Hundeanfänger nichts mit Tierschutz oder Tierliebe zu tun. Ganz im Gegenteil, das ist Geldmacherei auf dem Rücken von Lebewesen die Schutz und Fürsorge benötigen würden. Aber nicht so.

  • Ein Direktimport wäre z.B. für mich nur mit genau der Option machbar. Ich kann doch vorher nicht einschätzen, ob der neue bei mir ins Rudel passt. Wenn da dann nur noch 100% Management möglich ist, kann ich den Hund nicht behalten. Wenn er passt, dann wäre das ja der Optimalfall und ich wär sofort Pflegestellenversager.

    so kann mans natürlich auch interpretieren, wenn ein Hund dann erst mal in Anfängerhände kommt, dort rumgestöpselt und versaut wird und dann, oh, ich bin ein Pflegestellenversager, aber macht ja nichts, ist ja kein Lebewesen, so ein Hund, den man sich im Internetshopping gekauft hat. Schlimm, diese Entwicklung, wirklich schlimm.

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