Frust bei vorläufig aufgenommenem Welpen

  • Ich muss jetzt mal ein bisschen meine Schwester in Schutz nehmen. Sie ist etwas perfektionistisch und wollte einfach alles richtig machen. Sie hat viel gelesen über „Ruhezonen“ und „Energie managen“ etc. Wenn ich damals, als mein Hund klein war, auch so viel gelesen hätte, hätte ich bestimmt auch vieles falsch gemacht. Hinzu kommt, dass mein Django wahrscheinlich einfach ein Glücksfall war.

    Das abgetrennte Zimmer benutze ich eigentlich nur, wenn ich meinen Hund allein zu Hause lasse oder wenn Handwerker im Haus sind. Balu hat das aber natürlich noch nicht so verknüpft und er legt sich höchstens mal hin, wenn ich mich auch hinsetze.

  • Ich muss jetzt mal ein bisschen meine Schwester in Schutz nehmen. Sie ist etwas perfektionistisch und wollte einfach alles richtig machen. Sie hat viel gelesen über „Ruhezonen“ und „Energie managen“ etc.

    Ja, das ist so der neue Trend in den sozialen Medien usw ... Das ist für so einen Hundetyp leider oft gar nicht machbar bzw. der falsche Weg. Ich habe immer wieder Labrador Retriever im Training, die mit Eingrenzung überhaupt nicht umgehen können. Bei vielen spielt die Genetik da ordentlich mit rein. Heißt: Sie können das überhaupt nicht leisten. Es geht nicht. Sie können es einfach nicht.

    Das sollte natürlich ein Trainer erkennen und andere Wege im Training gehen. Aber viele Trainer haben leider nur die einen Werkzeuge im Werkzeugkoffer und, wenn man nur einen Hammer hat, ist jedes Problem ein Nagel ...

    Es gibt je nach Region auch Ortsgruppen vom Retrieververein, an die man sich mal wenden könnte. Die können und kennen diesen Hundetyp und können eventuell passende Trainerempfehlungen geben. Ich würde aber wirklich erst Mal gar nicht großartig Training machen, sondern mal für ein paar Wochen nur normalen Alltag leben, damit das arme Tierchen von dem ganzen Stress runter kommen kann.

  • Deine Schwester hat es bestimmt gut gemeint, aber das absolute Gegenteil von gut gemacht.


    Quälerei, in bester Absicht, bleibt Quälerei!


    Wenn Perfektion dazu führt, dass sie sehenden Auges den Hund einsperrt, bis er sich vor Stress und Überforderung einpinkelt und 100x durchs Zimmer zur Decke zerrt und dann noch darüber wundert, dass dieses gutmütige Tier dann knurrt und schnappt, dann ist sie bar jeglicher Empathie und Einsicht.


    Sie hat das Vertrauen des Hundes verspielt und ihre Perfektion hat ja offenbar auch verhindert, sich Hilfe und Unterstützung zu holen.


    Ich finde es für den Hund unzumutbar zu einem Mensch zu geben, die ihn so gequält hat.


    Wenn du ihn nicht übernehmen kannst oder willst, dann sollte sie das Tier in fähige Hände abgeben.


    Edit: Was denkst du, wie deine perfektionistische Schwester mit einem pubertierenden Junghund umgehen wird??!

  • Ich habe immer wieder Labrador Retriever im Training, die mit Eingrenzung überhaupt nicht umgehen können. Bei vielen spielt die Genetik da ordentlich mit rein. Heißt: Sie können das überhaupt nicht leisten. Es geht nicht. Sie können es einfach nicht.

    Das verwundert mich ehrlich gesagt sehr. Mein Labrador war was das angeht der bislang einfachste Hund den ich je hatte. Da war Deckentraning quasi genetisch vorinstalliert und alles andere hätte ich jagdlich auch gar nicht gebrauchen können (Lockjagd auf Krähen). Und der ganze Wurf hat sich so easy gezeigt, die ganzen Hunde in der DRC BZG waren damit absolut easy going. Aber war eben auch eine absolut jagdliche Leistungszucht, vielleicht gibt es da Unterschiede. Ich hatte auch was Zwingertraining angeht noch nie einen Hund der so unkompliziert und frustfrei-abwartend ist, sich einfach zurücknehmen kann. Selbst auf dem Hundeplatz war dieser Hund absolut genial. Die konnte man tatsächlich einfach am zaun anbinden und die hat auf ihrer Decke gepennt, oder hat sich im Auto auf dem fahrsitz eingerollt und null Theater gemacht oder gefrustet. Es ist mit Abstand mein bislang einfachster Hund gewesen in Sachen Frust, Begrenzung, Zurücknehmen und Gehorsam. Und wie gesagt, der ganze Wurf war so, die ganzen Hunde aus der BZG waren absolut genial in dem Bereich.


    Die genetiksche Begründung macht für mich da einfach keinen Sinn. Ich meine einen Labrador habe ich, damit der jagdlich permanent abwartet und begrenzt wird, sich das Jagdgeschehen dabei anschaut und blitzschnell agiert sobald ich ihn einsetze. Macht der nur einen Muchs, wars das beispielsweise mit der Krähenjagd.

  • Ich muss jetzt mal ein bisschen meine Schwester in Schutz nehmen. Sie ist etwas perfektionistisch und wollte einfach alles richtig machen. Sie hat viel gelesen über „Ruhezonen“ und „Energie managen“ etc. Wenn ich damals, als mein Hund klein war, auch so viel gelesen hätte, hätte ich bestimmt auch vieles falsch gemacht. Hinzu kommt, dass mein Django wahrscheinlich einfach ein Glücksfall war.

    Ich finde, man kann deiner Schwester da wirklich keinen Vorwurf machen.

    Wir sind auch Opfer des Boxen- und Deckentraining-Marketings geworden und haben rückblickend dadurch mehr kaputt gemacht, als es geholfen hat. Uns wurde auch von mehreren Trainern unabhängig geraten, dass wir täglich Deckentraining machen sollen, auch über mehrere Stunden hinweg. Eine Trainerin meinte sogar, ich sollte das doch einfach im Homeoffice nebenbei machen: "Dann hast du 8 Stunden gratis Training und musst nicht noch mehr Zeit investieren" (das war nicht die einzige Hundetrainerin, die ein bizarres Bild von Büroarbeit hatte, aber das ist ein anderes Thema...).

    Unseren Duracell-Pudel hat das Deckentraining nicht weiter interessiert. Wirklich Erfolg hatten wir, als wir irgendwann aufgegeben haben und ihn dann räumlich begrenzt haben. Er war in Sichtweite im Wohnzimmer eingesperrt während ich gearbeitet habe und konnte sich dort frei bewegen, wurde aber komplett ignoriert. Nach 2-3 Wochen hat man schon gemerkt, dass er deutlich besser zur Ruhe kommt und es viel natürlicher für ihn ist, sich auf seine Decke zu legen und zu schlafen. Heute ist das gar kein Problem mehr, auch nicht an fremden Orten.

  • Aber war eben auch eine absolut jagdliche Leistungszucht

    Ich würde denken, da wird auf Wesen und Eignung mehr geachtet als bei Showlinien, und wir wissen ja auch nicht, ob dieser Hund überhaupt aus einer vernünftigen Zucht/Aufzucht stammt.

    Ob Gene oder nicht - ich denke, mit dieser Art von erzwungener "Entspannung" richtet man wohl eher Schaden an, bei jedem Hund. Mich erinnert das an schwarze Pädagogik - Babys schreien lassen usw.

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