Hypersexualität bei Rüden?

  • Weil es in diversen anderen Threads immer mal wieder aufkommt: Wann ist ein Rüde denn wirklich "hypersexuell" ? Und wie grenzt man das von Erziehungsproblemen ab?

    Habt ihr Beispiele dazu?


    In meinem privaten Umfeld und auch auf unseren Rüden bezogen habe ich dazu schon so völlig unterschiedliche Meinungen dazu gehört, puh:hilfe:

    Vielleicht könnt mir weiterhelfen? =) :hilfe:

  • Für mich wäre erstmal wichtig, dass der Rüde mit der Pubertät und dem generellen "Erwachsensein" auch wirklich fertig ist, bevor man über Hypersexualität nachdenkt.

    Viele meinen halt, dass ein nicht hörender und sabbernder Jungspund gleich hypersexuell ist ohne dass er überhaupt eine Chance bekommen hat, auch im Kopf zu reifen.

    Das kann halt dann auch schon mal, je nach Rasse und/oder Größe des Hundes dauern.

    Und ich denke, dass oft auch gar nicht richtig mit dem Rüden daran gearbeitet wird.

    Z.B. wenn ein Jungspund den ganzen Tag allein vor der Gartenpforte sitzen und der läufigen Nachbarshündin nachjammern darf, lernt er ja nur, dass er jammern darf und es keine Alternativen gibt.

    Deshalb würde ich von Hypersexualität erst dann reden, wenn der auch vom Kopf her erwachsene Rüde trotz langem (nicht nur 2 Wochen während einer Läufigkeit) Training absolut kirre ist - nur jammert und unruhig hin und her tigert, Futter verweigert und stark an Gewicht verliert, dauerhaft nicht ansprechbar ist (auch dann nicht, wenn keine läufige Hündin zu sehen ist), sich auf nichts mehr konzentrieren kann.

    Deshalb erlauben die meisten Hundeschulen ja auch mittlerweile die Teilnahme läufiger Hündinnen am Training.

    Ich denke, dass das für die meisten Rüden durchaus zu lernen ist, sonst wären alle Straßenrüden nur nervliche Wracks.

  • Danke LosPerros für deinen tollen Beitrag!

    Für mich wäre erstmal wichtig, dass der Rüde mit der Pubertät und dem generellen "Erwachsensein" auch wirklich fertig ist, bevor man über Hypersexualität nachdenkt.

    Ja das finde ich auch echt wichtig...

    Bei uns in der Junghundeschule wurde allen Rüden, die etwas zu aufgeregt waren mit anderen Hunden (unserem natürlich eingeschlossen :ugly: |) ) grundsätzlich Hypersexualität diagnostiziert. Die ersten Rüden hatten deswegen dort schon mit 8 Monaten ihren Chip drin... das fand ich komisch und hat mich auch verunsichert... Trainingstipps und keep-calm-Tipps (für mich, nicht den Hund) hätten uns mehrgebracht...

    Deshalb würde ich von Hypersexualität erst dann reden, wenn der auch vom Kopf her erwachsene Rüde trotz langem (nicht nur 2 Wochen während einer Läufigkeit) Training absolut kirre ist - n

    Was wäre denn langes Training in dem Zusammenhang? Also vorausgesetzt natürlich, das Training ist vernünftig gestaltet.


    Vielleicht kommen noch Erfahrungsberichte über hypersexuelle Rüden, das wäre sehr spannend :winken:

  • Also meine Erfahrung (als immer unkastrierte Rüdenhalterin) gibt LosPerros recht:


    Diejenigen, die ihre Rüden aufgrund von 'Hypersexualität' kastrieren ließen, hatten einfach unerzogene Rüpel an der Leine.

    Und der Rest kastriert, bevor irgendwelche 'Hypersexualität' oder überhaupt Sexualität ins Spiel kommt, weil 'ist ja so anstrengend' (sprich den Leuten auch vielfach peinlich, weil 'zuviel Hund').


    Wir hatten mit gut erzogenen, vielfach auch geforderten Hunden nie größere Probleme, da muss man manchmal ein paar Schritte in den Anforderungen an den Hund zurück gehen, aber mit ein bischen Kopfauslastung kann ich immer gut gegensteuern. Wichtig ist halt, dass sich ein Rüde nicht reinsteigern darf (zu lange jammernd am Gartentor hängen, endlos Hündinnenpipi schnuppern etc.). Ist eigentlich wie mit allen anderen 'Trieben' (Wach-, Schutz-, Jagd- etc), man muss dran arbeiten.


    Ich beziehe mich hier übrigens explizit nicht auf Rüden, die aufgrund medizinischer oder manchmal wirklich persönlicher Gründe kastriert wurden.

  • Thorin war hypersexuell.

    - seit der geschlechtsreife im Dauerstress.

    - hat die Futtermenge eines ca 5-6kg Hundes bekommen und war trotzdem grenzwertig dünn (Gewicht von ihm: 2,7kg)

    - umlenken, ablenken von anderen Hunden kaum möglich

    - Freilauf mit fremden Hündinnen oder gutriechenden Rüden häufig nicht möglich bzw. Nur nach mehrfachen Korrekturen und nur zeitlich begrenzt.

    - belästigte die kastrierte Hündin im eigenen Rudel. Mehrfach am Tag daher verbaler Abbruch nötig. Also musste immer ein Mensch den Daumen drauf haben.

    - bei Hündinnen rund um die Läufigkeit in seiner Nähe so gestresst, dass er selbstständig nicht zur Ruhe kam, beim kleinsten Geräusch wieder auf 180 war, zum Teil das Fressen eingestellt hat


    Ach, und das alles mit Mönchspfeffer. Ohne war das Verhalten doppelt so schlimm.

    CPD-Öl um generell den Stress bei ihm zu reduzieren zeigte keinen Erfolg.

    Ebenso mehr oder weniger Auslastung/ Ruhephasen.


    Nach 2 Jahren hab ich die Versucherei aufgegeben. Und schon in der ersten Woche nach der Kastra war Thorin deutlich entspannter und ansprechbarer. Ganz weg ist dein Stressverhalten nicht, weil zum Teil sicher auch aufzuchtsbedingt, aber das Leben ist für uns alle (Thorin, restliches Rudel, und Menschen) deutlich entspannter.


    Ich hätt vorweg nie! gedacht, jemals einen Hund wegen sowas kastrieren lassen zu müssen. Niemals.


    LG Anna

    • Neu

    Manchmal hilft einfach das richtige Futter - aber wie findet Ihr es?

    Ich hatte schon viele Hunde und die Erfahrungen haben mich gelehrt, dass jeder andere Ansprüche an die Ernährung hat. Mal legen sich Verdauungsstörungen durch eine Futterumstellung, ebenso können Fellprobleme abklingen. Schlanke Windhunde leiden nicht selten unter nervösen Störungen, wenn der Proteingehalt zu hoch ist; sie benötigen eher Kohlehydrate zur sofortigen Energiefreisetzung. Andere Rassen wie sportliche Huskys brauchen stattdessen hochwertige Proteine, während Kohlehydrate nur ansetzen würden.


    Das Alter spielt ebenso wie die Konstitution eine Rolle für den individuellen Bedarf und einige Krankheiten erfordern eine spezielle Nährstoffzusammensetzung.


    Aber ehrlich, welcher Hunde- oder Katzenhalter blickt bei den vielen Herstellern, Marken und Inhalten wirklich durch? Ich nicht - zum Leidwesen meiner Hunde. Daher habe ich es mit einem unverbindlichen Futtercheck versucht der übrigens nicht nur für Hunde ist, sein Katzenfutter kann man dort auch finden.


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    Liebe Grüße Tobi hugging-dog-face


  • Ich habe in 20 Jahren, die ich die Hundeschule jetzt habe, vielleicht fünf bis zehn Rüden gehabt, bei denen Kastration aufgrund hypersexuellem Verhalten der richtige Weg war. Diese Rüden verhalten sich nach der Kastration wie normal potente Rüden und werden auch so wahrgenommen. Das heißt, sie reagieren auf läufige Mädels in der selben Art und Weise wie potente Rüden. (Und müssen natürlich genauso erzogen und gesteuert werden.)

  • Danke flying-paws, sehr interessant, sozusagen eine Statistik zu hören. Der Einschätzung, dass sich hypersexuelle kastrierte Rüden verhalten wie normale unkastrierte Rüden (und man folglich auch nicht um die typischen "Rüdenprobleme" herumkommt) ist für mich komplett neu, sehr interessant.


    Und danke auch Snaedis für den Erfahrungsbericht und gleich noch ne Frage dazu :smile:: Hattest du den Vergleich zu anderen, unkastrierten Rüden?

  • Sora, ja. Mein anderer Rüde, den ich von Welpe an hab, ist unkastriert. Und bleibt es auch, solange es keinen medizinischen Grund gibt.


    Thorin scheint auch weiter an läufigen Hündinnen interessiert. Bisher hatte er aber mangels Gelegenheit, keinen Kontakt. Und natürlich muss er weiter erzogen werden - die Kastra hat logischerweise nicht die Erziehung verbessert. Aber er kann sich nun viel besser konzentrieren und ist auch in Anwesenheit fremder Hunde aufnahmefähig.


    LG Anna

  • Mein Pumuckl entwickelte Hypersexualität.

    Ich habe drei Jahre dran gearbeitet und trotz aller Bemühungen wurde es immer schlimmer.


    Anfangs als er einzog, war er ganz normal, bissel aufgeregt, wenn die Mädels läufig waren (im eigenen Haushalt), bissel gefiepst, beim Gassi bissel prolliger, weil er auf die Mädels aufpassen musste. Alles normal, nix wofür ich ihn hätte kastrieren lassen.


    Dann zog Amun ein und mit einem Konkurrenten im eigenen Haus fühlte sich Pumuckl wohl verpflichtet, sich etwas mehr zu produzieren. Innerhalb von drei Jahren steigerte er sich immer mehr rein, aus dem Fiepen wurde richtiges Geschrei, das trotz großem Garten ums Haus bis zu den Nachbarn drang. Unterwegs startete er Angriffe auf jeden Grashalm, der es wagte, sich im Wind zu bewegen. Ansprechbar war er sowieso nicht mehr, fressen wurde auch immer weniger. Er fing an, Amun zu attackieren, wenn der sich nur im Schlaf bewegte... Er war ständig alarmiert und in Habacht-Stellung.

    Trennen ging auch nicht, er schrie seinen Frust volle Lotte aus sich raus.

    Einmal nahm ich mit zum Einkaufen (dachte, ich tu ihm was Gutes, wenn er mal außer Haus ist) und lies ihn im Auto. Als ich wiederkam, standen Leute um mein schreiendes Auto und rüttelten an den Türgriffen... grade nochmal Glück gehabt, dass mir niemand die Scheiben eingeschlagen hat, um meinen Hund zu "retten".


    Ich ging schließlich zur TÄ und fragte um Rat. Sie meinte, in diesem Fall sei wohl wirklich eine Kastration angebracht. Schweren Herzen brachte ich meinen Zwerg hin.

    Es war richtig so. Er ist wieder ein fröhlicher keiner Rüde. Er kann die Mädels immer noch umgarnen und wenn Silver läufig ist, präsentiert er sich in den Stehtagen immer noch so, als wäre er noch potent. Aber alles wieder in einem vernünftigen Rahmen, nicht mehr so extrem und übermäßig.


    Ich weiß nicht, ob es tatsächlich an Amuns Einzug lag, oder ob es sich im Laufe der Zeit sowieso dermaßen ins Maßlose gesteigert hätte, es fiel nur einfach zeitlich zusammen.


    Amun hat übrigens überhaupt keine Probleme, weder mit Pumuckl noch mit Silver. Der macht auch um ihre Läufigkeit weniger Aufstand, Pumuckl ist trotz Kastra immer noch der eifrigere Werber der beiden.

  • Danke Turbofussel!

    Amun hat übrigens überhaupt keine Probleme, weder mit Pumuckl noch mit Silver. Der macht auch um ihre Läufigkeit weniger Aufstand, Pumuckl ist trotz Kastra immer noch der eifrigere Werber der beiden.

    Also Amun ist unkastriert und du hast auch eine intakte Hündin, ja? Und was heißt er macht weniger Aufstand, versucht er gar nicht zu besteigen usw?


    Ich finde ja total interessant, wie viele Mehrhundehalter hier intakte Hunde zusammen halten. Damit habe ich leider gar keine Erfahrungen.

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