Entscheidung für Chip - wann und warum?

  • Hallo ihr Lieben,

    seit ca. sechs bis acht Wochen entledigt sich der junge Mann so allmählich jeder Erziehung... |) War es am Anfang "nur" die Leinenführigkeit, ist es inzwischen fast das komplette Programm. Er hört im Freilauf so gut wie überhaupt nicht mehr (weswegen selbiger großzügig zusammengestrichen wird), ist immer weniger an mir orientiert, dafür umso mehr daran, zu schnüffeln, zu markieren - und natürlich insgesamt den anderen Hunden hinterherzujammern und Mädels aufzureißen. Nachdem ich ihn diese Woche noch nicht einmal mehr mit Dummyarbeit begeistern konnte, geht mir inzwischen durch den Kopf, ob ggf. Hormonchaos für dieses Durcheinander verantwortlich sein könnte. Und wenn ja, ob wir das - zunächst mit Hilfe eines Chips - mal testen.

    Offen gestanden bin ich hin- und hergerissen: Zum einen könnte es ja auch immer Erziehungsversagen meinerseits sein, zum anderen ist der plötzliche Totalverlust der Spracheingabe-Möglichkeiten schon augenfällig. Zuhause wiederum jammert er nach Aufmerksamkeit bzw. danach, dass wir (wieder) rausgehen.

    Daher meine Frage in die Runde bzw. an diejenigen, die es mit dem Chip versucht haben: Woran habt ihr es festgemacht? Aus welchem Grund habt ihr euch dafür entschieden? Waren die Wirkungen so, wie ihr euch das vorgestellt habt?

    Bin gespannt auf eure Erfahrungen.

  • Hallo :)
    Ich habe mich gegen den Chip und für eine Kastration entschieden, wobei mein Rüde schon sehr extrem war.
    Er hat knapp 5 Monate kaum gefressen und stundenlang sein Hundekissen beritten...
    Zum Zeitpunkt der Kastration war er 13 Monate alt.
    Seit der Kastration wird wieder gefressen und er ist deutlich entspannter und nicht mehr so extrem gestresst.
    Grund für mich, keinen Chip zu probieren war in erster Linie meine eigene Erfahrung mit hormoneller Verh.
    Mein Körper und meine Psyche haben so stark auf das absetzen der Hormone reagiert, das ich das meinem Hund nicht antun wollte.
    Liebe Grüße, Flauschi &Frauchen

  • Guten Abend :winken:

    Shezza hat den Chip seit November drin und die Wirkung hat mittlerweile voll eingesetzt.

    Grund bei ihm war der extreme Trieb und seine Nervenschwäche. Seit rund einem Jahr war er nicht mehr wirklich ansprechbar und interessierte sich nur noch für seine Umwelt. Ich - ob mit Leckerchen, Spieli oder mich auch zum Affen machend - war komplett uninteressant.
    Meine Sorge bezüglich der Kastration bestand in seiner Unsicherheit. Um also zu sehen auf was und wie die OP so Einfluss nehmen könnte gabs jetzt erstmal den Chip für 6 Monate.

    Shezza ist momentan ein Traum. Jagttrieb ist noch da und auch das schlechte Leinenlaufen kommt oft noch vor, an beidem können wir jetzt aber arbeiten, denn er achtet wieder auf mich! :hurra:
    Er liebt es mit mir zu arbeiten, lässt sich super abrufen, klebt mit der Nase nicht mehr am Boden und ist auch sonst sehr viel entspannter :herzen1: Er holt sich sogar seine Leckerlis ab, was er in seiner gesamten Lebenszeit bisher noch nie gemacht hat - belohnen ist also auch einfacher geworden

    Nachteil: Er wurde tatsächlich wieder etwas unsicherer, pöbelt bei so ziemlich jedem Hundekontakt und meldet auch sonst Geräusche wieder mehr.

    Ich bin froh den Schritt gemacht zu haben. Ob Shezza wirklich kastriert wird steht noch nicht fest, auch wenn ich dazu tendiere. Wir haben ja aber auch noch Zeit um uns zu entscheiden.

  • Ja, die verstärkte Unsicherheit ist erlich gesagt auch der einzige Grund weshalb ich noch zweifle. Ich hoffe jetzt, dass ich ihn mit seiner wiedergekommenen Aufmerksamkeit mit viel Training und Geduld, zur Ruhe bringen kann, sodass wir wieder entspannter an Hunden vorbeikommen können.

    Den Willen mit mir zu arbeiten hat er ja wieder (und ich bin so begeistert von seinem will-to-please :herzen1: )

  • Woran habt ihr es festgemacht? Aus welchem Grund habt ihr euch dafür entschieden? Waren die Wirkungen so, wie ihr euch das vorgestellt habt?


    Max hat das Implantat bekommen, weil er ein einziges Nervenbündel war, mit heftiger Artgenossenaggression, kaum Appetit und Ruhelosigkeit. Er hat da nichts mehr anderes wahrgenommen, und jeder Hund den er gesehen hat, war ein potentieller Feind.
    Es war so schlimm, dass er noch 10-15 Minuten nach einer Sichtung völlig außer sich und am Zittern war. Auch wenn sonst garnichts passiert war, außer eben einer Sichtung.

    Wir haben natürlich trotzdem daran gearbeitet, aber er konnte einfach nicht wirklich zu sich finden, war ständig drüber. Mit dem Suprelorin war es - abgesehen von der kurzen Erstverschlimmerung - soooo viel besser. Und daher hab ich mich noch während der Wirkung des Chips zur Kastration entschlossen.
    Er war da zweieinhalb Jahre alt.

    Max hat es gut getan, er war immernoch er selbst, aber eben nicht mehr dauerhaft drüber. Er hat zu sich selbst gefunden, und wir konnten danach viel besser miteinander arbeiten.
    Die Artgenossenaggression war - wie erhofft - danach auf einem normalen Maß.

    Also für uns lief es ziemlich gut, es hat alles wesentlich entspannt. Ich empfand das Vorher allerdings auch schon sehr belastend, zudem Max schon ansich kein einfacher Hund ist, und durchaus zubeißt bzw zugebissen hat, wenn er überfordert ist.

  • Wie alt ist er denn jetzt?

    Und eine generelle Frage in die Runde, ich bin überrascht wie viele hier ihren Hunden den Chip schon so früh einsetzen lassen. Meint ihr nicht, dass dieses ich mache was ich will und alles ist viel interessanter auch mit wirklichem Training in den Griff zu bekommen wäre?

    Es ist natürlich eine andere Hausnummer wenn Hund nicht mehr frisst, Fieberschübe bekommt etc. aber "nur" weil die Umwelt interessanter ist? Ja dann mach ich wohl was falsch. Bei mir steht fest bevor er 3 Jahre alt ist wird da gar nichts gemacht und Hund wird erstmal erwachsen. Bis dahin wird er phasenweise eben an der Schlepp bleiben wenn ich mal wieder das Gefühl habe die Hormone schießen durch und es wird trainiert.

    Er wird in ein paar Tagen ein Jahr alt und jeder fragt mich wann ich ihn denn kastrieren lassen :???: warum soll ich ihn überhaupt kastrieren lassen wenn er keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen hat. Oh dein Hund muckt gerade ein bisschen = du musst kastrieren lassen. Oh dein Hund hört im Moment nicht = du musst kastrieren lassen. Oh dein Hund fängt an, an der Leine zu pöbeln = du musst deinen Hund kastrieren lassen. Nö muss ich nicht, das einzige was ich muss ist meine Erziehung zu überdenken oder lässt man seine Söhne kastrieren wenn sie anfangen aufzumucken, zu spät nach Hause kommen und auf nichts mehr hören wollen?

    @Enterprise ich unterstelle nicht, dass es bei dir so ist hab nur manchmal das Gefühl, dass viele Chip einsetzen oder kastrieren lassen weil man sich nicht ausreichend mit dem Thema Erziehung auseinander setzen möchte (Ich betone nochmal es gibt immer gesundheitliche Gründe oder die oben geschriebenen aber bei allen anderen Probleme sollte das die letzte Wahl sein und nicht eine der ersten)

  • Ich bin da voll bei Iinas,
    Solange nur die Umwelt interessanter ist und es keine gesundheitliche Beeinträchtigung gibt oder eine massive Beeinträchtigung der Lebensqualität des Hundes, ist ein Chip oder eine Kastration nicht notwendig.
    Bei uns waren genau diese Punkt der Fall, und nach knapp 5 Monaten Futter Verweigerung und mehrstündigem Besteigen seiner Hundebetten täglich wurde er dann mit 13 Monaten kastriert.

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