Der "gefährliche" Hund

  • Es ist u. a. die Rede von ner Studie in den 80ern, wo Bullterrierwelpen eines österreichischen Züchters ( Dem Zwettler, Gott hab ihn nicht so selig, seine werdens nicht gewesen sein, der machte mehr in Fila und Pit) Beschädigungsbeißen untereinander zeigten.

    Welpen? Wie alt waren die?

    Bei einer Züchterin hatte ein Bulli einen anderen ( nicht Bulli) Hund mal eben gekillt und einiges gefressen wärend sie kurz weg war. Wobei sie sich nicht ganz sicher war, welcher Hund es denn nun war, denn einige waren voller Blut, und man hat es eben unter den Teppich gekehrt.

    Sollen ja generell öfter Problme mache. Mein Ex wollte einen, die Notvereine sagten aber ganz klar Trennen wenn man weg geht und sie vermitteln nicht als 3. Hund.

    Das geht aus der Dissertation nicht hervor. War aber noch beim Züchter und das dürfte ein registrierter gewesen sein. Vor 39 Jahren oder so.

    Ähnliches wird ja - vereinzelt - bei manchen Terriern berichtet, also dass man Welpen schon früh trennen muss.

    Dass es problematische Linien gibt, bezweifle ich nicht, die Arbeit auch nicht.

    Grad die Selektion auf Gameness und Keenness kann Beutegreifverhalten und Co. übertrieben fördern. (Beim game Pit Bull gab es dann auch noch viel Linienzucht und Popular Sires. Auf einen Garners Chinaman Hund geht heute noch vereinzelt wem einer ab)

    Grad bei älteren oder "Szenetexten" muss man aufpassen. Der Sporting Bull Terrier ist nicht der Bullterrier, sondern der Pit Bull. Der Bullterrier selbst hat tendentiell keine Historie im Hundekampf, eher als "Packer".

    Grad in den 80ern dürfte es auch in Mitteleuropa ein bisschen illegale Tierhatz gegeben haben. Also Jagd mit Hund, wobei der Hund die Beute fixiert oder auch selbst tötet.

    Im Prinzip ist das der Job, wofür Terrier gezüchtet wurden. Bzw veschwimmt Terrier mit Bullrassen beim Bullterrier, aber die züchterisch gefragte Tendenz des Jagdverhaltens war packen, halten, teilweise töten.

    Das sind auch explizit keine Meutehunde, eine gewisse Tendenz sich auch mal zu prügeln bringen alle mit, die nicht komplett auf Schoßhund getrimmt wurden.

    Die ganzen Bauhunde etwa, irgendwelche kleinen Jagterrier die sich mit Dachsen anlehen, die doppelt so schwer sind wie sie. Zuchtziel war lange eine gewisse "Kampfbereitschaft" - nicht zwingend mit erhöhter Agrressiongleich zu setzen - und heute euphemistisch mit Mut oder Durchsetzungstärke beschrieben.

    Die Zucht ging aber durchaus auch in ne andere Richtung. Mehr Bananenase, mehr Masse, wenig "Arbeitseigenschaften". Trotzdem würd ich zb auch beim Bullterrier sagen: Als TeilweiseTerrier mit Molossererbe eher ne Tendenz, nicht der beste Hund für Gruppenhaltung und Friede, Freude, Eierkuchen auf der Hundewiese zu sein.

    Das verschriene "Verbeißen" können Hunde mit Terriererbe meist auch zeigen, auch die ganz Kleinen, sprich: natürlich gibt es unterschiedliche Bissmuster, je nachdem, wofür ein Hund gezüchtet wurde.

    Der Hütehund, der eher punktuell zb in die Hacken zwickt, der Terrier oder Bullartige, der erst mal fest hält.

    Dass es die letzten Sequenzen der Jagd sind, die züchterisch forciert wurden, kann problematisch sein. Gleichzeitig kann ein Hund, bei den das nicht so ist, der gefährlichere sein und aus ganz anderer, nicht jagdlich gespeister Motivation zubeißen.

    Es ist und bleibt. Kompliziert.

    Bei Hunden aus irgendwelchen Nothilfen vermutlich noch mehr. Weil Aufzucht und Umfeld auch ein Wörtchen mitreden, was aus einem Hund wird.

  • Weiß ich. Und war dann auch der Grund, warum meine Mitbewohnerin rassetechnisch nach diesem Hund komplett umgeschwenkt ist. Der Rottweiler ist im Arsch ... Sorry, aber das kann man nicht anders sagen.

    Bei uns im Tierheim sitzt auch so ein Kandidat. Alles tutti, solange sich nix schneller als eine Schnecke bewegt. Dann springt das Jagdverhalten an und das dann volle Breitseite, also der Hund zieht durch. Und das bei einem großen, kräftigen Rüden. Nee, echt. So was braucht keine Sau.

    Ich fürchte Selbiges langfristig ja auch für den Malinois.

  • Der Hütehund, der eher punktuell zb in die Hacken zwickt, der Terrier oder Bullartige, der erst mal fest hält.

    Nein, der Hütehund packt auch gerne von oben in den Nacken. Hat ab diesem Punkt aber oft eine gut installierte Sperre drin. Manche packen auch von hinten in die Hosen und zeigen Beute festhalten wollen ... Bei manchen funktioniert die Sperre dann aber doch nicht mehr so gut. Deshalb gibt es Hüteprüfungen, da ist der Maulkorb verpflichtend vorgeschrieben oder es findet sich kaum noch ein Schäfer, der seine Schafe zum Fraß vorwerfen ... ähem ... zur Verfügung stellen will, weil man danach so viele Tacker verbraucht und so ...

    Es ist und bleibt. Kompliziert.

    Jupp.

  • Der Rottweiler ist im Arsch ... Sorry, aber das kann man nicht anders sagen.

    Hm ... seit einigen wenigen Jahren sehe ich hier zu meiner Freude wieder ab und an Rottweiler in meinem Umfeld.

    Diese werden sehr umsichtig von ihren Menschen geführt, ungefragt lassen sie ihre Hunde niemals zu anderen (Hunden und Menschen).

    Ist ein Kontakt allerdings erlaubt, geht das ohne Leine - und klappt hervorragend.

    Ich gerate ja mit diesen Haltern dann immer ins Gespräch :D, und bisher war diesen immer eine Haltung gleich: Sie wissen über die Bedenken ihrer Hunderasse gegenüber, und berücksichtigen das in ihrem Management, sobald sie sich in der Öffentlichkeit mit ihren Hunden bewegen.

    Das Ganze ist jetzt sicher nicht repräsentativ, ich rede da von meinen persönlichen Erfahrungen mit vielleicht 5-6 Hunden dieser Rasse.

    Erlebt habe ich alle diese Hunde als freundlich, aber zu Beginn eher distanziert, erst mal "bedächtig" kennenlernen, mit einer sehr souveränen Ausstrahlung.

    Die Kontakte verliefen ohne jegliches Zeichen von Aggression.

    Die Halter waren allerdings auch durch die Bank nett. Alle haben bei der Erziehung ihrer Hunde berücksichtigt, eben NICHT das (in der Öffentlichkeit weit verbreitete) Klischee des "Kampfhundes" zu bedienen.

    Das Halterklientel dieser Rasse scheint sich verändert zu haben - dass hier möglicherweise auch die Züchter verstärkt darauf achten, welcher Klientel sie ihre Hunde überlassen, ist nur eine Vermutung von mir, und damit rein spekulativ.

    Ich finde diese Tendenz erfreulich, und kann von meinen persönlichen Erfahrungen her nur sagen, dass ich überhaupt nicht das Empfinden habe, die Rasse als solche wäre kaputt.

    Für möglich (sogar sehr wahrscheinlich) halte ich aber, dass die Auswirkungen der Vergangenheit immer noch in dieser Rasse zu spüren sind.

    Bestimmte, über Generationen betriebene Selektion (z. B. auf Verstärkung der Merkmale Schutz- und Wachmotivation) lassen sich nicht so schnell wieder rückgängig machen.

  • Deshalb vermute ich ja auch eine Veränderung im Zuchtbereich.

    Genauer gesagt, hege ich da folgenden Gedanken:

    Es gab und gibt immer Züchter, die ihre Zuchtziele der jeweiligen "Modeerscheinung" anpassen, und solche, die immer schon ihre Zweifel an diesen "Modeerscheinungen" hatten und da nicht mitgegangen sind. (Wobei da nicht vergessen werden darf, wie viele "Hinterhofzuchten" - ihr wisst, wie ich das meine? - da plötzlich aus dem Boden gestampft wurde, die ganz pauschal der jeweiligen Rassezucht zugeordnet wurden.)

    Letztere haben es doppelt schwer - zum Einen, weil sie über Jahre gegen diese "Modeerscheinung" ankämpfen müssen und dabei fast untergehen; Zum Anderen, weil sie eben auch unter den Auswirkungen dieser "Modeerscheinung" zu leiden haben.

    Mal ehrlich - WER wollte denn während und auch nach den ganzen Listenhunddebatten und Schauergeschichten noch einen Rottweiler haben?

    Versteh mich nicht falsch, flying-paws ; Ich streite deine Feststellung zur Rasse Rottweiler nicht ab.

    Ich meine nur aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen zu erkennen, dass so ganz langsam wieder die Bemühungen seriöser Züchter, die eben nicht auf Merkmale wie "ausgeprägte Jagdmotivation" gezüchtet haben, ihre Früchte tragen.

    Dies ist ein sehr zäher Prozess, ohne Frage. Dass immer noch viele Exemplare der Rasse durch eine "fehlgeleitete" Selektion problematisch sind, ist nun mal das Ergebnis dieser jahrelang weit verbreitet praktizierten Selektion.

  • Also ich persönlich kenne z.B. keinen einzigen Rotti-Halter, der nicht nett gewesen wäre und seinen Hund nicht umsichtig geführt hätte. Auch auf meinen Spaziergängen begegne ich den "Unnetten" nicht, weiss der Geier, wo die Bösen rumlaufen, hier in meiner Umgebung auf jeden Fall schon mal nicht.

    Ich meine nur aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen zu erkennen, dass so ganz langsam wieder die Bemühungen seriöser Züchter, die eben nicht auf Merkmale wie "ausgeprägte Jagdmotivation" gezüchtet haben, ihre Früchte tragen.

    "Früchte tragen" ... gerade dieses Jahr lese ich Vorfälle mit Rottweilern wieder gehäuft, im Vorjahr wohl auch, aber in 2019 ist es mir tatsächlich aufgefallen, auch hier im Forum (man hatte m.E. für längere Zeit eher weniger von ihnen gehört und gelesen).

    https://www.google.com/search?q=rottw…iw=1501&bih=882

    Insoweit sehe ich die Entwicklung zum "Wiedermodehund", mit neuen Zuchtzielen, auf die man sich möglicherweise als schon erreicht verlässt (:ka:), eher mit Sorge. Und nett sein oder nicht nett sein, dürfte überwiegend keine Rolle spielen (wer kann denn schon sagen, ob die Halter mit den Vorfallshunden nett waren oder nicht? Und bis zu einem Vorfall ist immer vor einem Vorfall, d.h. in der Regel vorfallsfrei).

    Davon abgesehen, wenn man mit Haltern ins Gespräche kommt (die auch Rottweiler führen), wird man doch kein Gespräch mit jemandem beginnen, der nicht freundlich erscheint (sind Pudel-Halter jetzt unfreundlicher?). Und die wenigsten davon werden berichten, dass sie davon ausgingen, von ihrem Hund ginge eine Gefahr aus.

  • Also ich persönlich kenne z.B. keinen einzigen Rotti-Halter, der nicht nett gewesen wäre und seinen Hund nicht umsichtig geführt hätte. Auch auf meinen Spaziergängen begegne ich den "Unnetten" nicht, weiss der Geier, wo die Bösen rumlaufen, hier in meiner Umgebung auf jeden Fall schon mal nicht.

    Dieses Phänomen hat man ja häufiger. Die "bösen" Exemplare einer Rasse trifft man nicht/kaum. Ist ja auch logisch, weil sich die Besitzer dieser Modelle in der Einsamkeit herumtreiben. Haben wir ja damals auch gemacht. Ich hatte keinen Bock, dass mir der Rotti - und sie war für eine Hündin ziemlich groß - mal wieder versucht im Arm zu hängen, auch, wenn der Maulkorb drauf war. Blutergüsse tun halt auch mächtig weh und, die Gefahr, wenn der Hund sich doch losreißt, ist auch mit Maukorb bei einem Angriff auf einen anderen Hund nicht unerheblich.

  • Dieses Phänomen hat man ja häufiger. Die "bösen" Exemplare einer Rasse trifft man nicht/kaum. Ist ja auch logisch, weil sich die Besitzer dieser Modelle in der Einsamkeit herumtreiben.

    Klar, stimme Dir voll zu.

    Aber diesmal meinte ich die Nettigkeit der Menschen. Denn auch Menschen, die die unverträglichen Hunde führen, sind - aus meiner Erfahrung - in der Regel nette Menschen. :nicken:

    Gehe selbst häufig im Gebiet und zu Zeiten der von mir sog. "Tutwasen" spazieren ... Jeder weiss dort, wie er seinen Hund zu führen hat und tut das auch (man verständigt sich schon auf Distanz, nachts mit Licht). Insoweit, nette Menschen :nicken:

    (Edit: Empfinde sie sogar als netter, als HF, die mir ihren Hallo-Sager aufdrängen wollen)

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!