Der "gefährliche" Hund

  • Die Lehrerin erklärt den Kindern dann, warum ihr Verhalten (schnelles zur Tür laufen) bei ihrem Hund dieses Verhalten auslöst. Und Kinder in der sechsten Klasse sind in der Regel durchaus in der Lage zu sagen "Ich müsste mal raus" und dann in einem gemäßigten Tempo zur Tür zu gehen.

    Und, würdest Du sie dafür in den Arm zwicken, wenn Du Lehrerin wärst? (Und das senkte auch noch die Verletzungsgefahr, wogegen ein Hundezahn nur mal blöde hängen bleiben müsste). Das ist doch körperliche Erziehung oder nicht?

    Also könntest Du auch Dein Zwicken damit erklären, dass die vorher zu fragen hätten, um im gemässigten Tempo raus zu gehen ... Wo wäre denn der Unterschied?

  • Es steht aber auch drin, dass der Hund nur bleiben darf solange kein Kind Angst vor ihm hat. Und das halte ich für eine Frage der zeit. Ich würde nicht gerne in die Waden gezwickt, egal ob ich "weiß" warum der Hund das tut, oder nicht. Ist im Übrigen ein verhalten, dass in manchen Bundesländern dazu führen kann, dass der Hund als gefährlich eingestuft wird.

  • Ist im Übrigen ein verhalten, dass in manchen Bundesländern dazu führen kann, dass der Hund als gefährlich eingestuft wird.

    Korrekt!

  • Ein Hund sollte keine Erziehungsmaßnahme für Kinder sein. Dem Artikel entnehme ich, dass der Hund öfter mal zu Besuch ist, zumindest verstehe ich das so.

    Wenn der Hund also in der Biologiestunde da ist, um den Kindern Hundeverhalten zu zeigen, ohne das berechtigte Gefahr von ihm ausgeht, warum nicht?

    In die Wade zwicken sollte er nicht, aber Kinder sollten auch lernen, wie man sich Hunden gegenüber verhält und wie Hunde reagieren. Immer mit dem Einverständnis der Eltern, natürlich.

    Menschen verhalten sich sehr oft falsch gegenüber Hunden, weil sie Distanzlos geworden sind. (nicht nur gegenüber Hunden) Das sollte sich wieder ändern.

  • ich hab mal besagte Artikel kopiert:

    Jumy ist eine einjährige Hündin der Rasse Shetland Sheepdog, auch Sheltie genannt. Von Berufs wegen geht sie mit ihrer Besitzerin Stefanie Grauer morgens ins Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, wo sie seit wenigen Wochen ihren Dienst tut als Schulhund. Das ist ein anspruchsvoller Job. Kinder, zumal aus der sechsten Klasse, sind lebhaft. Im Kunstunterricht vergehen kaum ein paar Minuten, ohne dass ein Kind mit seinem Bild aufsteht, um es der Lehrerin zu zeigen, oder am Waschbecken den Farbpinsel ausspült. In dieses Gewusel mischt sich mit Freude und großer Aufmerksamkeit die kleine Jumy ein.

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    Eine Hütenhündin für Schüler

    Ihre Gene machen sie zu einer veritablen Hütehündin. Ihr Wesen beschreibt der Züchterverband mit „lebhaft, sanft, wachsam, kräftig“. Vor allem aber ist sie liebevoll, verständig gegenüber ihrem Frauchen, Fremden gegenüber reserviert, nie nervös und äußerst intelligent. Und weil sie ebenso wenig wie Menschen über den eigenen Schatten springen kann, diszipliniert die Hütehündin Kinder, wenn sie zu forsch aufstehen und der Klassentür zustreben, etwa weil sie mal raus müssen. Dann rennt Jumy ihnen hinterher und stupst sie an, eventuell zwickt sie ganz vorsichtig in die Waden und gibt zu verstehen: „Ich bestimme, wer die Gruppe verlässt.“ Dadurch hält sie ihre Herde zusammen, was Stefanie Grauer dann dem entsprechenden Kind sagt: „Siehst Du, das findet sie ein bisschen ,strange’ jetzt“, also ein bisschen befremdlich.

    Kinder suchen das Gespräch

    Nun sind Schulhunde nicht dazu da, Kinder im Pferch zu halten. Junny, dessen ist sie sich freilich gar nicht bewusst, hat eine soziale, eine integrative Funktion. Über den Hund suchen viele Kinder das Gespräch mit ihrer Lehrerin, sagt Stefanie Grauer. Auch solche, die bislang eher zurückhaltend waren und wenig Privates preisgaben. Durch die Sheltie-Dame lernen die Kinder achtsam zu sein, Rücksicht zu nehmen und auf die Körpersprache von Junny zu achten. Der Hund wird so nebenbei zum Hilfspädagogen. Und weil Junny nicht aufdringlich ist, kommen nur jene Schüler mit ihr in Berührung, die das auch wollen.

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    Dennoch musste Stefanie Grauer einiges beachten, ehe sie ihren Hund ins berufliche Umfeld integrierte. Kein Kind darf gegen Hundehaare allergisch sein oder Angst vor dem Tier haben. In den Unterrichtsräumen bedarf es eines Handwaschbeckens. Zudem muss ein Tierarzt die gute Allgemeinverfassung des Hundes bescheinigen, und solche Dinge wie Entwurmung sowie vorgeschriebener Impfungen gilt es einzuhalten und nachzuweisen.

    Integration durch einen Hund lernen

    In der Ära von Computerspielen, sozialer Isolation, steigender Aggression und Mobbing ist ein Umdenken an der Schule gefragt“, hat es Stefanie Grauer in ihrem Konzept zur Einführung eines Schulhunds formuliert. Schulhunde seien für ein ausgeglichenes Klassenklima wichtig: „Sie vermitteln Wärme, Frohsinn und Motivation.“ Das Lehrerkollegium hat über den Antrag positiv abgestimmt, es gab zwar Enthaltungen, aber keine Gegenstimmen.

    Also flitzt Jumy zwischen den Tischreihen und schaut nach dem Rechten, wobei sie durchaus auch von Neugier getrieben unterwegs ist und sich dort wohl fühlt, wo ein bisschen was los ist. Und wenn eines der Kinder sagt „Jumy, sitz!“ fügt sich das brave Tier in freudiger Erwartung auf weitere Kommandos. Freilich nicht ahnend, dass die Kinder ihr eigentlich ungefragt nichts befehlen dürfen. Das ist Lehrerinnensache. Wenn es aber durchaus mal verlangt wird, wischt sich Jumy auch mit der Pfote über die Schnauze, sofern ihr jemand zu verstehen gibt, sich schämen zu müssen. Doch wenn Stefanie Grauer die Hand hebt und sie langsam nach unten neigt, legt sich Junny hin und macht Platz, ohne dass es eines einzigen Wortes bedarf. Dann hat der Schulhund erst mal Pause, auch vor den Kindern.

    Der Hund als Aushilfslehrer



    Durch die Rücksichtnahme auf das Tier wird bei den Schülern die Empathiefähigkeit gefördert und eine ruhigere Lernumgebung geschaffen.

    Hunde reagieren unmittelbar und ehrlich. Werden sie grob behandelt, weichen sie zurück, werden ihre Bedürfnisse berücksichtigt, wenden sie sich dem Menschen zu. Das Verhalten der Schüler wird sofort widergespiegelt.

    Die Erfahrung, von einem Hund vorbehaltlos gebraucht und akzeptiert zu werden, stärkt das Selbstbewusstsein.

    Gestik, Mimik, Haltung, Atmung und Blickkontakt, Nähe oder Distanz sind Möglichkeiten, mit dem anderen zu kommunizieren. Schüler lernen den anderen wahrzunehmen und sein Verhalten, seine Stimmung zu erkennen.

  • Die Lehrerin erklärt den Kindern dann, warum ihr Verhalten (schnelles zur Tür laufen) bei ihrem Hund dieses Verhalten auslöst. Und Kinder in der sechsten Klasse sind in der Regel durchaus in der Lage zu sagen "Ich müsste mal raus" und dann in einem gemäßigten Tempo zur Tür zu gehen.

    Und, würdest Du sie dafür in den Arm zwicken, wenn Du Lehrerin wärst? (Und das senkte auch noch die Verletzungsgefahr, wogegen ein Hundezahn nur mal blöde hängen bleiben müsste). Das ist doch körperliche Erziehung oder nicht?

    Also könntest Du auch Dein Zwicken damit erklären, dass die vorher zu fragen hätten, um im gemässigten Tempo raus zu gehen ... Wo wäre denn der Unterschied?

    Das ist für mich ein ganz gravierender Unterschied.

    Ich = Mensch. Ich kann verbale Erklärungen nutzen. Ich kann erklären, warum, wieso, weshalb. Ich kann mich mit meinem menschlichen Gegenüber unterhalten, auch wenn mein Gegenüber in der 6.Klasse ist. Auch das geht respektvoll und verständlich.

    Hund kann das nicht. Der hat Zähne. Im Bestfall hat er eine klare Körpersprache, knurrt und schnappt erstmal ab. Im nicht Bestfall.... kann das übel für beide Seiten ausgehen.

    Das wiederum kann ich Kindern und Erwachsenen erstmal erklären. "Das Verhalten könnte dazu führen, dass...." Denn die Menschen verstehen meine Worte. Der Hund versteht sie halt nur bedingt.

    Und ja, da erwarte ich von Menschen (auch wenn sie erst in der 6.Klasse sind) einen höheren Standard als von Hunden. Ich bin kein Hütehund. Oder Hund. Ich kann ganz anders kommunizieren. Bin evolutionär ganz anders ausgerichtet.

  • Ich bin geschockt, normalerweise unternimmt ein HH alles damit der Hund NICHT zwicken muss und in einer Schule wird das zwicken als Erziehung für Kinder genutzt.

    Wenn der Hund mal zwickt, kann passieren, dem Kind erklären, Hund im Auge behalten und fertig. Aber als Dauerlösung für beide Seiten (Kinder und Hund) unnötiger Stress und Gefahr.


    auch bei mir wäre da Schluss mit lustig.

  • Hmmh - ich kenne das Pressehaus nicht. Aber einen ausgewiesenen Hundekenner haben die da nicht an den Artikel gesetzt, finde ich :hust:


    Bevor ich da urteile, würde ich das Ganze gerne sehen bzw. wüsste, was die Dame genau gesagt hat.

  • Ich lese da ehrlich das alles gar nicht so raus, sondern eine freundlich gemeinte journalistische Beschreibung. Und der Wert von Tieren in der Pädagogik ist ihre Art der 1:1 Reaktion. Das bietet Menschen eine Gelegenheit eben darüber ihr eigenes Verhalten und die Möglichkeit damit Einfluss auszuüben, kennen zu lernen und das zu trainieren.

    Das heisst nicht, einen shelti unkontrolliert hüten zu lassen, aber schon, ihm seine reaktionen eben nicht vollständig abzutrainieren oder unter Kommando zu stellen.

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