Superrückruf bzw. -pfiff

  • Wenn Du das Gefühl hast, dass der Pfiff jetzt im Garten oder im Haus schon zu 99,9% klappt, dann würde ich den nicht täglich 6-7 mal üben. Nutze ihn jetzt über einige Tage lieber um in einer Situation zu pfeifen, in der der Hund wirklich mit dem Kopf eigentlich wo ganz anders ist.

    Ich mache das z.B. wenn Sam im Garten ist und alle Ecken am abschnüffeln ist, weil da ja die Katze gelaufen sein könnte... ;) ... er ist dann "in seiner Welt" und solche Situationen nutze ich und "übe" den Rückpfiff.
    Zu Beginn haben wir den Rückpfiff draußen erstmal mit Schleppleine geübt und zwar so lange, bis ich mich gut gefühlt habe.

    Ich finde nämlich, dass es ein ganz wesentlicher Anteil ausmacht... :D ... sich "GUT" zu fühlen, sprich seinem Hund zu vertrauen. Ich nenne es "Vertrauensvorschuss".... ;) ...

    Da Sam auch ein kleiner "Jäger" ist, habe wir jedoch von Anfang an die Impulskontrolle trainiert. Vieles hat er sowieso von sich aus angeboten, so dass wir eine gute "Basis" hatten. Das "Extreme" trainiere ich mit der Reizangel, denn das ist für Sam das absolute Highlight.... flitzen bis einem schwarz wird.... :roll: ...
    Mit der Reizangel trainiere ich z.B. den Sitz- bzw. Platzpfiff. An die "Beute" der Reizangel darf er grundsätzlich nur, wenn er vorher im Platz ist und ich das Kommando gegeben habe, dass er "jetzt darf". Bei uns hängt an der Reizangel einfach ein Lieblingsspielzeug. Dass er da dann hin darf ist seine Belohnung für alles was ich "abverlangt" habe. Gleichzeitig kann man dann auch schön ein "aus" trainieren und das Spiel beginnt von neuem... :applaus: ...

    Obwohl Sam schon irgendwie "verfressen" ist, ist dennoch "Futter" nicht das, was ihn nun wirklich zu 100% "überzeugt". Ich wechsle die Belohnungsarten deshalb. Mal Leberwurst oder Lachscreme, mal ein wildes gemeinsames Toben, mal fliegt ein Ball, mal machen wir aber auch z.B. einen einfachen Trick, weil er auch sowas als "Belohnung" ansieht. Die Reizangel wäre wohl sein Jackpot, doch wenn ich die dabei habe, dann weicht er keinen Meter von mir... :ugly: ...

  • Ich finde es schwierig einen Rückruf zu üben, wenn man weiß der Hund ist in "seiner eigenen Welt". Man sollte anfangs nur dann üben, wenn man Wetten könnte, dass der Hund hundertprozentig zurückkommt. Wenn ich aber übe, wenn der Pfiff noch nicht richtig sitzt und der Hund ist dazu im Schnüffelparadies - dann kann man sich den aufbau sparen. Damit verbaut man sich einen superpfiff.

  • Wenn Du das Gefühl hast, dass der Pfiff jetzt im Garten oder im Haus schon zu 99,9% klappt, dann würde ich den nicht täglich 6-7 mal üben. Nutze ihn jetzt über einige Tage lieber um in einer Situation zu pfeifen, in der der Hund wirklich mit dem Kopf eigentlich wo ganz anders ist.

    .....

    NEIN! Nienicht - denn damit setzt Du aufs Spiel, daß der Hund den Pfiff gar net richtig wahrnimmt, weil er grad schnuppert o.ä. Ziel des Superrückrufs ist doch letztlich, daß dieser automatisch, also reflexartig erfolgt, ohne daß der Hund darüber nachdenken kann, ob er jetzt kommen soll oder was Andres wichtiger sein könnte. Pfiff heißt "jetzt gibt´s Superjackpot beim Halter", egal, aus welcher Situation raus. Daher bringen Spielchen wie Zergeln mit Pfiff recht wenig - außer, wenn der Hund halt für den Pfiff mit Zergeln belohnt wird (also seine individuelle Zergel-Vorliebe, das Zergeln als Jackpot). Ich würd auch anfangs immer immer dieselbe Belohnung für den Jackpot geben (man baut gerade am Anfang damit eine gewisse Erwartung auf; später kann man die Bestätigung auf variieren, mal Jackpot-Futter, mal Jackpot-Spieli, wenn der Hund das auch gern nimmt). Sodaß der Hund genau weiß, was ihn erwartet. Notfalls (so mach ich das, seit der Pfiff "sitzt") freue ich mich dann halt lauthals, feuer gleichzeitig den Hund an, und werfe dann noch, wenn er rankommt, mit Leckerlies um mich *ggg oder werfe ihm das Zerrseil.

    In dem Moment, in dem der Hund auch nur EINMAL merkt, er kann sich auch für die Alternative "Weiterschnuppern" entscheiden, hast Du schon verloren. es DARF keine Alternative zum Zurückkommen geben auf den Pfiff hin.

    Und diese reflexartige Verankerung des Pfiffs im Hirn erreicht man nur mit -zig Wiederholungen, die ALLE erfolgreich verlaufen. Deswegen fängt man mit dem Rückruf ganz klein an: zB daheim beim Füttern. Hund steht neben Dir, Du machst gerade Futter, er sabbert schon. Dann Pfiff - Futter hinstellen.

    Das machst ne Woche lang bei jeder Mahlzeit. Dann machst dasselbe mal zu einer anderen Tageszeit, auch wenn er danebensteht. Pfiff - Futter hinstellen (muß ja nur ein Teil der Tagesration sein, oder ein Superjackpot, ich würd aber in der Menge nicht sparen, also net ein einzelnes lumpiges Leckerlie!). Auch wieder etliche Tage lang. Wenn das klappt, dann mal zur normalen Fütterungszeit, bzw. kurz davor, wenn der Hund entspannt wo rumliegt im Zimmer, Pfiff - Futter hinstellen (das Futter dabei kann man ja z.B. ne Stunde vorher vorbereiten, sodaß der Hund nicht schon "Gewehr bei Fuß" steht, wenn Du pfeifst, sondern echt entspannt 2-3 Meter weit weg liegt. Wenn er dann sofort aufspringt, hat er zumindest mal den Pfiff mit dem Jackpot verknüpft. Das heißt aber noch lange nicht, daß das auch klappt auf größere Entfernung.

    Also nächster Schritt: Hundi liegt im Wohnzimmer entspannt rum, Pfiff-Jackpot, sobald er angaloppiert kommt. Wieder 1-2 Wochen lang, zwischendurch auch mal wieder ganz simpel beim Füttern Pfiff-Jackpot.

    Nächster Step: Mann beschäftigt sich mit dem Hund in der Küche (nicht zu sehr hochdrehen, evtl. einfach nur knuddeln o.ä., also minimale Ablenkung!), Pfiff-Jackpot. Dazwischen auch mal wieder Standard zur Futterzeit: Pfiff-Jackpot. Dann mal als nächsten Step im Wohn- oder Schlafzimmer mit dem Hund knuddeln, Pfiff-Jackpot. Dann in der Küche mal aufregender spielen (zergeln?), Pfiff-Jackpot. Dazwischen immer mal wieder Standard: zur Futterzeit pfiff-Jackpot.

    Nächster Step: im Schlafzimmer ne Runde zergeln. Pfiff-Jackpot. etc. etc.......

    Wichtig: immer so kleine Steps wählen mit so wenig mehr Ablenkung zwischenrein, daß ein Scheitern fast unmöglich wird. und zwischendurch immer mal zur simplen Pfiff-Jackpot zur Fütterungszeit zurückkehren, also nicht die Ansprüche kontinuierlich hochschrauben, sondern auch mal wieder ganz leicht an den Jackpot kommen lassen! Pfiff-Jackpot soll Spaß machen, udn nicht jedes Mal schwieriger werden!

    Erst, wenn das so alles in der Wohnung klappt (man kann auch noch den Step einbauen, daß man die Rollen vertauscht, man selbst zergelt, und ein Famlienmitglied pfeift und gibt den Jackpot, oder Freunde ins das Spiel mit einbinden-halt versuchen, möglichst viele Variationen zu finden und zu üben, sodaß sich der Reflex "ich renn hin" auf den Pfiff unabhängig macht von der Umgebung, den Leuten, der Tageszeit, etc.!), dann würde ich mal nach draußen gehen, und dort aber wieder ganz klein anfangen. Hund läuft neben Dir, keine Ablenkung, Pfiff-Jackpot. Hund rennt auf Dich zu, Pfiff-Jackpot. Hund ist bissel vorgelaufen und dreht sich um zu Dir, um auf Dich zu warten (da ist die Wahrscheinlichkeit, daß er kommt, äußerst hoch, weil das zeigt, er ist im Kopf bei Dir und wartet geradezu auf Kommando von Dir!) - Pfiff-Jackpot. Alles auf geringe Entfernung und ohne Ablenkung. Dann Entfernung steigern ODER die Ablenkung, immer nur einen Faktor. Steigt die Entfernung, Ablenkung minimieren und umgekehrt. und zwischendurch immer wieder mal Pfiff-Jackpot, wenn er grad nur neben Dir "rumgammelt" *gg

    Auf keinen Fall während der Phase, in der das erst noch verankert werden muß, in Situationen verwenden, in denen nicht sicher ist, ob der Hund tatsächlich kommt. Und nicht fünfzig mal täglich üben (sonst wird´s schnell langweilig, der Superpfiff soll was Spannendes, Tolles sein und bleiben, er darf letztlich dann in jeder Situation mal überraschen, aber muß natürlich besonders bleiben). Mal einmal am Tag, dann mal 2-3 Tage ohne den Pfiff vorübergehen lassen, dann wieder mal verwenden etc. (außer die ersten Tage, wo der Pfiff verknüpft wird). Zum Generalisieren reicht das dann. Irgendwann macht man das nur noch alle 2-3 Wochen mal, um die Verankerung aufzufrischen, ansonsten bleibt die Pfeife in der Tasche. Außer im Notfall natürlich *gg

    Und: bis der Pfiff richtig richtig sitzt, würd ich jetzt nicht mit nem leinenlosen Terrier in der Dämmerung im Wald rumrennen *hust..... Die Versuchung, beim Verfolgen eines Rehs durch den Hund den Pfiff zu verwenden vor lauter Verzweiflung, ist zu groß. Und dann war´s das mit dem Superpfiff - weil Hundi dann in der Lernphase gemerkt hat, man kann den auch ignorieren.

    So - das war etz bissel aufwendig beschrieben, aber nur, damit man sieht, was ich mit "kleinschrittig" wirklich meine....

  • Genau so habe ich es gemacht und Peanut kommt jetzt reflexartig.

    Ich würde also absolut davon abraten, den Pfiff anfangs zu benutzen, wenn der Hund in seiner Welt ist. Damit verbaut man sich den Pfiff sehr schnell. Kann aus Erfahrung beim Ersthund sprechen.

  • Huhu,
    wir bauen den auch gerade auf und arbeiten nach dem Antijagdtrainingsbuch von Pia Gröning und Ariane Ullrich und den Erfahrungswerten von Leuten.

    Erst halt was finden, was der Hund am allertollsten findet und diesen Jackpot nach Möglichkeit nur für den Schlachtruf einsetzen.

    Dabei gehen wir wie BieBoss vor, nur das es das nicht zu Fütterungszeiten gibt, sondern wirklich dann extra nur das spezielle Jackpotleckerlie (wir werfen mit Minisalamis um uns).

    Also auch erst ganz leicht, Hund liegt rum, dann hat mein Freund mit ihr gekuschelt,... Also in der Wohnung auch schwierigere Sachen. Dann draußen und dort kommt es eben drauf an, was dein Hund unter Ablenkung versteht.

    Wir haben an Straßen weiter gemacht, oder wenn Hund eh schon mit Blick und Ohren bei uns ist, am Ententeich (Enten interessieren sie nicht),... Und steigern das nun auch ganz langsam. Wenn ich mir nicht 200% sicher bin, das sie kommt, rufe ich nicht. Wir sind ja erst im Aufbau. Ich könnte sie damit locker von anderen Hunden wegrufen (weil die interessieren sie nicht die Bohne), aber nicht, wenn sie einfach nur auf dem Weg steht und in einen Strauch glotzt oder läuft und die Ohren voll nach vorne gerichtet sind. Man sieht ja am Hund in welchen "Erregungslevel" der sich gerade befindet und weiß wie er in unterschiedliche Situationen reagiert. Ich kann sie auch so bei normalen Schnüffelstellen weiter rufen, da kommt sie immer, also kann ich da auch den Schlachtruf benutzen, bei Maulwurfshügeln würde ich das noch nicht machen. Oder wir sitzen gerade auf der Bank, sie liegt entspannt auf der Wiese Schlachtruf. Aber wie erwähnt nicht zu oft, damit die hohe Wertigkeit erhalten bleibt.

    Man kennt ja seinen Hund, weiß in welchen Erregungslagen er gut ansprechbar ist. Bis das zu einem Automatismus wird, dauert es eine Weile.

    Ich würde da also auch wie BieBoss vorgehen.

    Die Frage ist jetzt willst du den Superrückruf oder nur den normalen Rückruf aufbauen? Threadüberschrifft und 1. Post wiedersprechen sich da etwas.

    Wenn sie überlegt ob sie kommen soll, ist was schief gelaufen im Aufbau, es soll ja ein Automatismus werden.

    Und du wirst ja sicher nicht nur irgendwo langlaufen, wo Nachbarskatzen langlaufen. Auch wenn sie an der Leine weiß das sie nicht weg kann, ist es trotzdem wichtig, das an einer solchen zu üben, weil du dann eben die restlichen Außenreize hast. Erst geringe, dann immer höheren, Schleppleine,...

    Dort auch erstmal in Situationen wo sie nicht im Schnüffelmodus ist und wenn es auf dem Weg zum Bäcker ist oder so. Falls du weißt, das sie zuverlässig zu dir kommen würde, wenn sie zuende geschnüffelt hat, dann wäre die Steigerung, wenn du merkst sie wendet sich von der Schnüffelstelle ab,... Aber das käme bei einem "Festschnüffler" dann sowieso erst später, das mit den Katzen kann noch Monate/Jahre dauern, das ist ja dann wirklich die Königsdisziplin, den Hund in der Hatz abzurufen, daran würde ich jetzt noch nicht einmal denken.

  • Der Superrückruf muß eine konkret erwartbare Belohnung beinhalten, der deshlab Vorrang vor allen anderen ohnehin nur vagen Möglichkeiten eines Jagderfolgs hat

    würde bedeuten, dass der Jagderfolg für den Hund wichtiger als das Hetzen ist - was für die meisten Hunde nicht der Fall sein dürfte.

    Ich denk, es geht tatsächlich eher um die reflexartige Befolgung des Superrückrufs.

    lg

  • Hi,

    würde bedeuten, dass der Jagderfolg für den Hund wichtiger als das Hetzen ist - was für die meisten Hunde nicht der Fall sein dürfte.

    ich steh grad auf dem Schlauch, was heisst "hetzen" in diesem Zusammenhang?

    LG

    Mikkki

  • Hi,
    okay, im doppelten Sinne was gelernt. Ich hab nicht gewusst, dass für die meisten Hunde das Jagen des Wildes wichtiger ist, als der Jagderfolg. Ich dachte immer Tiere handeln nur und ausschließlich erfolgsorientiert, so nach dem Motto Hunde gehen nicht spazieren sondern sichern ihr Revier.

    Heruntergebrochen auf die Probleme der Themenstarterin ist der Unterschied aber möglicherweise nicht entscheidend. Wichtig ist lediglich dass das Tier quasi in eine " Spur" kommt und der Rückruf konzentriert befolgt wird.
    Es bleibt natürlich die Frage, ob man noch ein Extratraining braucht um das Jagen nicht übermächtig werden zu lassen. Da hab ich bloss selbst keine Trainingserfahrung.

    LG

    Mikkki

  • Wildtiere mögen relativ erfolgsorientiert handeln, domestizierte Tiere haben das nicht nötig. Im Gegenteil: gerade der Hund wurde darauf gezüchtet bestimmte nur Sequenzen des Jagens auszuführen, z.B. (ganz grob)
    Windhund: Hetzen und Packen (nicht unbedingt töten)
    Hütehund: Treiben (als ein Teil des Hetzens)
    Vorstehund: Aufspüren/Anzeigen


    Meiner Meinung nach, kann bei einem echten Jäger nicht der Rückruf allein der Schlüssel zum Erfolg sein, schließlich macht der Hund nur das, worauf er seit langer Zeit gezüchtet wurde.

    lg

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