"Ansage" machen

  • Ja, ich benutze eine Ansage im Sinne einer konditionierten positiven Strafe, wenn es meiner Meinung nach die Situation erfordert. Das Beispiel aus dem ersten Post ist so eins...wenn der Hund über sehr lange Zeit mit Belohnungen gelernt hat, was von ihm erwartet wird und ein Abbruch auch verständlich aufgebaut wurde, kann er durchaus auch eingesetzt werden. Oder wenn ein Verhalten möglichst ganz ganz schnell reduziert werden muss

    Ansonsten besteht hier sämtliche Erziehung zu 90 Prozent oder mehr aus Belohnungen etc., aber ich höre öfter, dass man angeblich "nettes Training" als total doof abstempelt, sobald man auch bewusst positive Strafe einsetzt :roll:

    Ich finde das nicht doof sondern absolut grundlegend^^(also Erziehung mit Belohnungen)

  • Stellvertretend für die unzähligen Male, die ich dieses Statement schon gelesen habe, möchte ich es mal zitieren und etwas dazu sagen.
    Dem kann ich leider gar nicht zustimmen. Wenn mein Hund ein Signal beherrscht, ist es NICHT mein Fehler, wenn er es nicht befolgt! Mit "beherrschen" meine ich, dass es bei jedem Ablenkungsgrad funktioniert.

    Wenn das Signal nicht befolgt wird, obwohl ich weiß, dass er es beherrscht, ignoriert er es bewusst. Und ja, das ist dann sein Fehler und ja, dann gibt es eine Ansage.

    Ich denke, man muss hier unterscheiden zwischen Training und funktionierendem Gehorsam. Wenn ich mit meinem Hund noch im Training bin, d.h. Signale noch nicht 100%ig beherrscht werden... Ja, dann ist es MEIN FEHLER, wenn er das Signal nicht befolgt. Aber wenn das Training abgeschlossen ist, und ich einen (eigentlich) funktionierenden Gehorsam aufgebaut habe, erwarte ich, dass die Signale befolgt werden!

    Es kann auch nicht Sinn der Sache sein, dass man die Signale mit dem Hund zeitlebens trainiert. Newton ist jetzt gute zwei Jahre alt und beherrscht den Rückruf, das Abbruchsignal, Sitz, Platz und Bleib. Mehr brauche ich im Alltag nicht. Und von diesen wenigen Signalen, erwarte ich auch, dass sie zuverlässig ausgeführt werden.

    Dass man zeitlebens trainieren "muss", hat nichts mit Sinn oder Unsinn der Sache zu tun.

    Deinem Statement liegt die Annahme zu Grunde, dass Lernen und Erziehung irgendwann a) abgeschlossen ist und b) nur in eine Richtung funktioniert und der Hund (oder Schüler...) nichts vergessen oder verlernen kann. Beides stimmt halt leider nicht!

    Ich kann mir gerade ehrlich gesagt kein Szenario bildlich vorstellen, bei dem ein Hund "weiß, was man will", es aber "trotzdem nicht macht". Entweder es wurde nicht genug trainiert oder das Setup war für den Hund ungeeignet.

    Es ist halt aus meiner Sicht nicht ganz korrekt, zu behaupten, der Hund macht es absichtlich nicht und deswegen werd ich jetzt streng und strafend (der Hund empfindet es meist so, egal, ob du es so meinst), denn die Wahrheit ist meist (!): ich hab keinen Bock mehr zu üben, Leckerlis rumzuschleppen, Situationen auszusitzen....


  • Ich kann mir gerade ehrlich gesagt kein Szenario bildlich vorstellen, bei dem ein Hund "weiß, was man will", es aber "trotzdem nicht macht". Entweder es wurde nicht genug trainiert oder das Setup war für den Hund ungeeignet.

    Es ist halt aus meiner Sicht nicht ganz korrekt, zu behaupten, der Hund macht es absichtlich nicht und deswegen werd ich jetzt streng und strafend (der Hund empfindet es meist so, egal, ob du es so meinst), denn die Wahrheit ist meist (!): ich hab keinen Bock mehr zu üben, Leckerlis rumzuschleppen, Situationen auszusitzen....

    Natürlich gibt es das...Hunde sind doch nicht total blöd..

    Wenn es für einen Rückruf bestimmte Belohnungen gab, kann sich der Hund bewusst gegen die mit dem Kommando/Signal verknüpfte Belohnung und für die Umwelt entscheiden.

    Nur weil man ein Signal trainiert, wird doch kein Roboter aus dem Hund. Er trifft bewusste Entscheidungen und kann sich für oder gegen ein Signal entscheiden. Da kann man sich nen Wolf abtrainieren...das letzte Wort hat die aktuelle Motivationslage des Hundes..

    Dass alle die "mal" im Alltag strafen zu faul sind, Leckerlies rumzuschleppen, stell ich auch mal in Frage..

  • @dragonwog

    Dem ersten Teil würde ich nicht widersprechen, ich sehe es aber als meine Aufgabe als Lehrerin oder Erzieherin meiner Hunde, kurz gesagt: bedürfnisorientierte Motivation zu bieten. Der Hund ist nicht auf die Welt gekommen und hat sich als erstes gewünscht, dass ich ihm die Welt erkläre...

    Zum zweiten Teil: Sicherlich ist nicht jeder, der mal straft, faul. Vielleicht auch manchmal nur besorgt. Nichtsdestotrotz wird diese Argumentation eben gern benutzt und bei den meisten Hunden, die mir einfallen, stimmt es null. Man erklärt die "Erziehung" eben irgendwann als vollendet und beginnt, die einzufordern, weil man das so will und nicht, weil der Hund unzuverlässig ist.

    Edit: zum letzten Absatz: der Hund ist eben aus meiner Sicht seltenst der Grund für einen solchen Paradigmenwechsel;)

  • @dragonwog

    Dem ersten Teil würde ich nicht widersprechen, ich sehe es aber als meine Aufgabe als Lehrerin oder Erzieherin meiner Hunde, kurz gesagt: bedürfnisorientierte Motivation zu bieten. Der Hund ist nicht auf die Welt gekommen und hat sich als erstes gewünscht, dass ich ihm die Welt erkläre...

    Es ist schlicht und ergreifend unmöglich, ein derartiges Belohnungsrepertoire aufzubauen und zu erwarten, dass sämtliche Außenmotivationen immer zu unseren gunsten niedriger gewertet werden. Das geht bei einigen wenigen Hundeexemplaren, besonders solche, die auf enorme Kooperation und Verspielt/Verfressenheit selektiert wurden. Aber selbst da gibt es Grenzen.

    Dann gibt es auch noch diejenigen Halter, die die Umwelt derart managen, dass der Hund fast keine Chance hat, sich selbst zu belohnen. Ich halte das nicht für einen erstrebenswerten Zustand.

  • Dass man zeitlebens trainieren "muss", hat nichts mit Sinn oder Unsinn der Sache zu tun.
    Deinem Statement liegt die Annahme zu Grunde, dass Lernen und Erziehung irgendwann a) abgeschlossen ist und b) nur in eine Richtung funktioniert und der Hund (oder Schüler...) nichts vergessen oder verlernen kann. Beides stimmt halt leider nicht!

    Ich kann mir gerade ehrlich gesagt kein Szenario bildlich vorstellen, bei dem ein Hund "weiß, was man will", es aber "trotzdem nicht macht". Entweder es wurde nicht genug trainiert oder das Setup war für den Hund ungeeignet.

    Es ist halt aus meiner Sicht nicht ganz korrekt, zu behaupten, der Hund macht es absichtlich nicht und deswegen werd ich jetzt streng und strafend (der Hund empfindet es meist so, egal, ob du es so meinst), denn die Wahrheit ist meist (!): ich hab keinen Bock mehr zu üben, Leckerlis rumzuschleppen, Situationen auszusitzen....

    Es geht nicht um's Üben. Es geht um einen funktionierenden Gehorsam. Und da ist es mir im Zweifel auch Wurst, ob Herr Hund da jetzt Bock drauf hat, oder nicht. Ich habe das Signal (das er beherrscht) gegeben und er hat es zu befolgen!

    Wenn das nicht das Ziel ist, ist meiner Meinung nach die ganze Erziehungsarbeit, die man in Welpen- und Junghundtagen leistet umsonst.

    Wenn ich Newton abrufe (er beherrscht den Abruf) hat er sofort zu kommen. Egal ob er Lust darauf hat oder nicht. Ich rufe ihn ja nicht ab aus Spaß an der Freud, sondern weil da eine gefährliche Situation naht.

    Letztens kam ein Rennradfahrer um die Kurve geschossen... Ich habe Newton gerade noch ansprechen und ein Sitz! zurufen können, da schoss er auch schon an ihm vorbei... Das war haarscharf. Wenn das Sitz nicht geklappt hätte, hätte ich jetzt unter Umständen einen schwer verletzten Hund. Ganz zu schweigen von den Verletzungen, die sich der RR-Fahrer zugezogen hätte... Was hilft mir es dann zu sagen "Joah, er hatte halt keinen Bock das Kommando auszuführen." Nein, das gibt es nicht!

    Und ja, gewisse Dinge verlernt man nicht. Ich wette du kannst immer noch Seite-Seite-Mitte-Breite-Seite-Seite-Mitte-Raus... Na, wann zum letzten Mal gemacht??? Verlernt? Nie! Mit 70 kann ich das noch!

  • Ich freue mich über die vielen Antworten zu diesem. Toll, dass es so friedlich abläuft :bindafür:

    Bei mir hilft das wenn er an der Leine den anderen Hund anpöbeln will. Er holt dann so laut schon Luft, will sich aufplustern und das ist der Moment wo ich mich runterbeuge mit dem böse-böse-Finger vor sein Gesicht fahre und "Nein" (Meistens Nein, was soll das?) sage. Dann ist auch sofort wieder gut. Ist bei uns das Äquivalent wie wenn man bei einem großen Hund den Hund mit dem Bein abdrängt wenn er zur Seite ausbrechen will. Das kann ich ja bei 20cm schlecht machen, deswegen stoppe ich das mit dem Finger/ der Hand.Bei uns ist es auch erst richtig gut geworden, seit dem ich das Verhalten abbreche. Man kann sich ewig die Situation schön clickern, aber manchen Hunden hilft das auch, wenn man sie abbricht, bevor sie in Rage kommen.
    Wenn Sammy richtig hysterisch kläfft, dann hilft es auch nur ihn wirklich laut abzubrechen. Er ist dann in seiner Welt gefangen und da könntest du freundlich mit ihm sprechen oder ihn wegzerren, er würde noch 100m weiter und wenn der Reiz schon weg ist schreien/kläffen.


    Und Ansage im Sinne von Brüllen mache ich eigentlich nie. Fred braucht sowas nicht und Sammy hat vielleicht 1-2 mal eine bekommen, aber da habe ich mich auch wirklich geärgert. Da ist er abgehauen und hat Mist gebaut und ich hab der kleinen Ratte hinterher gebrüllt, dass sie in den Kochtopf kommt. Hat aber auch nicht gebracht :mute:

    Genauso, wie du es im ersten Absatz beschreibst, ist es bei Pia auch. Sie ist ja auch nur 24 cm groß. Mit dem Markern konnte ich ihr andere Hunde zwar erträglicher machen, aber irgendwie hat das bei ihr nicht gereicht. Erst ein klares Nein mit vorgehaltenem Finger hat den Durchbruch geschafft. Und mittlerweile brauch ich das auch schon weniger. Mein Ziel ist ja nicht, auf ewig "Ansagen" zu machen.

    Bei Gio ist es wieder ganz anders. Der bricht gleich zusammen, wenn ich nur leicht streng rede. Bei ihm klappen Ansagen nicht, weil er dann komplett dicht macht.

    Find ich nicht mal eine Ansage, sondern ist für mich einfache, verbale Korrektur. Und ja, gehört für mich definitiv dazu. Fehlverhalten definieren wir als Mensch, Hund realisiert Fehlverhalten eher weniger, folgt seinen Trieben und Instinkten. Er kann zwar viel lernen, trotzdem glaube ich, dass Lernen und Korrektur ein ganzes Hundeleben nötig sein kann (je nach Hund und Anspruch des HH an seinen Hund).
    Meine Ansprüche an meinen Hund sind nicht hoch. Der Rückruf soll verlässlich sein und ich will entspanntes Leinen laufen, es wird kein Blödsinn gefressen und das wars dann eigentlich schon. Und meint Madame auf Grund ihrer Hormone oder ihrer schlechten Laune nicht hören zu müssen, reicht ein "Ey" oft aus.

    Ansage gibt es also, immer dann, wenn sie über die Stränge schlägt und meint, sie müsste mal wieder was neues ausprobieren, was Frauchen missfällt.

    Ist bei mir auch so. Die Hunde sollen verlässlich abrufbar sein, dann können sie so oft es geht ohne Leine laufen. Und ich dachte eigentlich mal, man käme auch ohne Korrekturen aus. Aber bei Pia z. B. schaffe ich das ohne einfach nicht. Sie ist davon aber auch nicht total verunsichert, eigentlich gar nicht wirklich.
    Nach jahrelangem Training sehe ich es auch einfach nicht ein, weiterhin rein zu markern, wenn sie Hunde ankläfft. Wird sie bedrängt ist das was anderes. Aber nicht, wenn ein Hund 6 Meter hinter uns und an der Leine ganz ruhig vorbei läuft.

    Ja, ich benutze eine Ansage im Sinne einer konditionierten positiven Strafe, wenn es meiner Meinung nach die Situation erfordert. Das Beispiel aus dem ersten Post ist so eins...wenn der Hund über sehr lange Zeit mit Belohnungen gelernt hat, was von ihm erwartet wird und ein Abbruch auch verständlich aufgebaut wurde, kann er durchaus auch eingesetzt werden. Oder wenn ein Verhalten möglichst ganz ganz schnell reduziert werden muss

    Ansonsten besteht hier sämtliche Erziehung zu 90 Prozent oder mehr aus Belohnungen etc., aber ich höre öfter, dass man angeblich "nettes Training" als total doof abstempelt, sobald man auch bewusst positive Strafe einsetzt :roll:

    Ich finde das nicht doof sondern absolut grundlegend^^

    Das sehe ich ganz genauso wie du mittlerweile. Und eine positive konditionierte Strafe ist meinen Augen auch fair. Natürlich mal abgesehen von Schmerzen zufügen, aber das ist ja logisch.

  • Es ist schlicht und ergreifend unmöglich, ein derartiges Belohnungsrepertoire aufzubauen und zu erwarten, dass sämtliche Außenmotivationen immer zu unseren gunsten niedriger gewertet werden. Das geht bei einigen wenigen Hundeexemplaren, besonders solche, die auf enorme Kooperation und Verspielt/Verfressenheit selektiert wurden. Aber selbst da gibt es Grenzen.

    Da gebe ich dir Recht, wäre für mich (!) trotzdem kein Grund, meinem Hund eine Ansage zu machen, wenn die Außenmotivation höher war.
    Ich suche dann weder bei mir noch bei meinem Hund den Fehler.

  • Kimi bekommt schon mal ne Ansage, wenn sie z.B. nicht kommen will und ich aber genau weiß, dass sie mich absolut wahrgenommen hat. Sie weiß allerdings auch, dass ich, wenn ich zu ihr komme statt sie zu mir, sie da weghole. Daher weiß sie auch genau, wenn ich zu ihr komme, nachdem ich sie mehrmals gerufen habe, heißt das nichts Gutes und dementsprechend überlegt sie es sich dann auch nochmal.

    Ansonsten reicht bei ihr eigentlich ein schärferer Ton oder auch mal das Erhöhen der Lautstärke. Ich achte aber immer sehr darauf, dass ich danach wieder total nett werde, wenn sie das macht, was ich möchte. Also ich fang dann sofort wieder an im Singsang zu erzählen, was für ein feiner Hund sie doch ist und ich glaube, das braucht sie auch, sonst wäre ihre Stimmung irgendwann unterirdisch. :D

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