Unsere Junghunde...der alltägliche Wahnsinn Teil VI

  • Er hatte eine Fährte aufgenommen und raste Richtung Waldausgang und Straße. Hmpf. Will mein Mann mir ja nie glauben: eine Sekunde abgelenkt und Mäusel nutzt seine Chance.
    Er kam dann sofort zurück. Kleines Monster.

    Ich find es super, dass er zurück gekommen ist. Das ist doch toll.

    Freue ich mich beim Emil auch immer drüber. Er hat ja die Großwildjagd für sich entdeckt, vorhin schoß er knurrend in den Wald, es kam mein Abbruch, da dachte ich erst...zwecklos, da sehe ich ihn mitten im Unterholz stehen und seine Ohren in meine Richtung spitzen. Dann kam mein RR und das plüsch kam angewetzt, das fand ich suuuuuper. Er ist natürlich kein wirklicher Jagdhund, da habe ich es in dieser Situation sicherlich einfacher als die mit den wirklichen Jagdhunden. Aber noch vor kurzem hätten wir das nicht hin gekriegt.

  • Also Trab ist die normale Fortbewegungsart der Hunde, nur Schritt gehen ist auf Dauer zB ungesund, meine Hunden traben draußen auch die meiste Zeit.

    Wie ist das denn, wenn du stehen bleibst und er zu dir zurückkommt, ab wann lobst du ihn?
    Ich würde stehen bleiben, er orientiert sich um, warten bis er bei dir ist, loben und Keks in den Hund schieben. Bzw bei uns würde ich schon das Umdrehen klickern, da weiß Hund, dass das richtig war und wird schneller, um sich die Belohnung bei mir abzuholen.
    Klickert ihr denn?

  • Wenn der Hund nen Abbruch sauber gelernt hat und wirklich verzichtet und runterfährt - sagen wir mal so - ich hatte noch keinen, der dann nicht eh entweder zurückkommt oder total gechillt, irgendwo Blümchen schnuffeln geht.

    Ah, okay. Ja beim Jagen kommt das hin. Nur als er mir am Dienstag zum ersten Mal "einfach so" abgezischt ist, stand ich echt blöd da.

    Hund und Frauchen gehen glücklich und beschwingt spazieren, Hund síeht oder riecht Wild, spurtet los, er hat die Party seines Lebens, Adrenalin pur er freut sich und kommt ganz stolz zu Frauchen zurück um ihr seinen Erfolg zu zeigen(Jagen ist für Hunde nichts Böses)
    und auf einmal ist die vollkommen mies gelaunt. Er versteht die Welt nicht mehr war sie doch vorher so super gut gelaunt.
    Also muss in der Zwischenzeit irgendetwas passiert sein, dass die auf einmal so mies gelaunt ist (das es mit ihm zu tun hat verknüpft er nie, da Jagen für Hunde super ist).
    Also geh ich doch zu der gar nicht hin, wenn die so stinkig ist.

    Das hinkt tatsächlich, denn das trifft nur zu, wenn der Hund das zum ersten Mal und überraschend macht. Wir trainieren seit fast 9 Monaten am Thema Jagd und Felix weiß ganz genau, dass selbständiges Starten nicht von mir erwünscht ist. Es ist verboten, selbständig hinter Wild und Katzen herzugehen. Punkt. Er setzt sich gelegentlich über das Verbot hinweg - ganz bewusst. Weil der Reiz größer ist als die zu erwartende Belohnung oder Strafe, wenn er es sein lässt.
    In deinem Vergleich: Du gehst wiederholt fremd, obwohl du genau weißt, dass dein Mann das bescheiden findet - erwartest du dennoch, dass er dich freudig begrüßt, wenn du heim kommst?

    Natürlich ist Beobachten, Hund lesen und rechtzeitig abbrechen der beste Weg. Wann immer möglich, eine Umorientierung auftrainieren und diese belohnen, wenn der Hund es trotz Reizlage schafft, sich umzuorientieren.
    Ersatzarbeit ist super - wenn sie ein echter Ausgleich ist. Was hier passt, kommt auf den Hund an.
    Felix zum Beispiel darf alle 2 Wochen im Schnitt am Strand Möwen hetzen. Danach ist er selig und beim normalen Gassi weitaus kontrollierbarer und weniger triebig. Vielleicht ist das unser Weg, mit dem Trieb umzugehen. Er bekommt zum Hetzen eine besondere Freigabe, ebenso wie zum Suchen einer Fährte. Eben mit dem Ziel, den Jagdtrieb zu kanalisieren und damit im Alltag besser zu kontrollieren.

    Ich will mich auch nicht rechtfertigen, wie gesagt hier funktioniert es halt bei zahlreichen Hunden so.

    Bitte hab nicht das Gefühl, dich hier zu rechtfertigen. Darum geht es überhaupt nicht. Es ist einfach eine interessante Diskussion. Vor allem, weil andere Halter eben andere Hunde haben, die anders ticken. Spannend!

  • Es läuft ungefähr so ab...er zieht, ich bleib stehen, er dreht sich um und kommt ein paar Schritte auf mich zu, ich lob ihn fürs umorientieren und er dreht auf dem absatz um und rast wieder in die Leine. Dieses Spielchen kann ich in endlos Schleife spielen. Hat dazu mir jemand nen Tipp??? Irgendwo mach ich nen Fehler , denn sobald ich stehen bleibe , dreht er wie aus Gewohnheit um und macht sich bereit gleich wieder los zu düsen.

    :lachtot: Unsere Hunde sind Zwillige im Geiste! Genauso läuft das hier auch. Er kommt auch bis zu mir zurück, holt den Keks und rast wieder los.

    Da er ja unser erster eigener Hund ist, würde mich noch interessieren ob es normal ist, dass er nicht ruhig neben mir herschlendern kannoder mag.Egal wie weit wir schon gelaufen sind , er läuft immer im Trab. Wenn ich langsamer laufe und ihn somit in Schritt "zwingen" will, hängt er ziehend in der Leine. Wie blocke ich ihn am Besten ab um ihn neben mich zu bringen? Er ist ca 30cm groß und sehr flink.

    Felix ist nicht mein erster Hund, aber ich hab noch keine Lösung dafür gefunden. Alle meine bisherigen Hunde konnten an der lockeren Leine traben, aber Felix? Nö. Ich fürchte, das ständige Gerenne ist charakterlich festgelegt.
    Er könnte "bei Fuß gehen". Aber das können wir ja nicht 4km am Stück tun. Und sobald ich das Fuß-Kommando auflöse, rast er wieder. Felix kennt nur Galopp, getrabt wird schon selten und Schritt kennt er nicht.
    Wenn ich eine Idee hätte, wie ich ihm erklären könnte, dass er einfach die Leinenlänge ausnutzen kann, um sein Ding zu machen ohne zu ziehen - was wäre das schön!

    Felix ist bisweilen so in seinem "vorwärts" gefangen, dass er kaum zum schnüffeln und pieseln kommt. Wie ein Rennjunkie. Nur wenn er nicht rennen darf (auch schon ausprobiert über 2 Wochen hinweg), dann dreht er im Haus ab, wo er normalerweise recht ruhig ist inzwischen. Auch wenn wir mal weniger machen ist es okay, solange er Freilauf hat.

  • Wir arbeiten auch noch am locker an der Leine laufen... :muede: Willi konnte lange nur volle Pulle rennen oder stramm bei Fuß mit Blickkontakt. Will ich beides nicht für den ganzen Gassigang. So langsam wird es aber (vielleicht das Alter und die Reife, er ist jetzt 19 Monate ;) ). Klappt besser an der 10 m als 5m Schlepp (noch länger kann ich persönlich nicht händeln), da hat er mehr Erkundungsspielraum. Außerdem funktionieren Richtungswechsel besser als Stehenbleiben hier (bis er wieder an mir orientiert ist und nicht mehr vorne reinrennt). Wobei das natürlich mit Kinderwagen o.ä. wohl nicht praktikabel ist. Ich bin auch oft zu faul dazu, wir wohnen nämlich hier am Berg, und wenn ich es ein Stück hoch geschafft hab, geh ich ungern wieder runter - hoch - runter ... vielleicht sollte ich dem Hund beibringen, dass er mich hochziehen darf, aber nicht runter |)

    Theobroma: Kontrolliert Krähen hetzen lassen oä überlege ich auch manchmal. Hab halt Angst, dass es dann schlimmer wird. Andererseits hat Willi sich früher beim Buddeln immer innerhalb von 30 Sek so ins Aus geschossen mental, dass er nicht mehr ansprechbar war und ich ihn quasi wegtragen musste. Seid er das an ausgewählten Stellen auf Kommando darf, ist er viel kontrollierbarer und kann dann auf das Stoppsignal hören und mit mir weitergehen.

    Generell hilft es uns, wenn ich ihm ein Stück entgegengehe, also zB anerkenne, dass er ein toller Suchhund ist der schon wieder die Kaninchen entdeckt hat (und dann zusammen beobachten statt alleine jagen). Er ist aber auch vom Typ her kooperativer als der übliche Terrier - er will gerne mit mir zusammenarbeiten, nur seine extrem niedrige Reizschwelle steht ihm da oft im Weg.

  • Also wenn Balou Wild hinterher rast, dann rufe ich ganz bestimmt nicht meinen RR. Ich rufe: Hey!
    Balou, stopp!!!

    Wenn er dann zurück kommt, gibt es Ärger. Ich habe ihn nicht gerufen und das ist die Strafe für das Abhauen.

    Außerdem: wenn ich Balou rufe und er reagiert nicht und lässt sich hundert Jahre Zeit, gibt es auch Ärger. Es gibt halt nur Lob für das richtige Ausführen.

    Gestern haben wir übrigens abends einen Ausflug an den Obersee gemacht. Am Anfang der Strecke sind sehr viele spazierengehende Menschen, Hunde, Radfahrer, Jogger.
    Da war er sehr aufgeregt. An der Leine laufen ging gar nicht - aber das geht im Moment eh nicht.
    An der Mauer vom Viadukt saß eine Frau auf dem Boden. Da wollte Balou pöbeln.
    Auf der anderen Seite hat er die Mauer angegriffen: knurrend und völlig gaga. Die Mauer ist angesprayt in gelben Mustern - hat ihn wohl aggressiv gemacht :ka:
    Die anderen Menschen hat er ignoriert und ist lieber in seiner Geruchswelt versunken. Nach ein paar Minuten sind wir so abgebogen, dass wir in einem ruhigeren Gebiet laufen konnten. Da hat sich Balou gut benommen, lief aber auch an der Schlepp.
    Am Ende kam uns ein Hund entgegen, der unbedingt zu Lou wollte und wir konnten staksend und fixierend dran vorbei - ohne zerren oder pöbeln :hurra:
    Alles in allem ein erfolgreicher Ausflug. Machen wir nun öfter, da hat er eine richtig nette Erfahrung mit Menschen machen können: sie haben ihn nämlich nicht beachtet :applaus:

  • Wenn der Zwerg durchstartet und nicht auf mein Rufen kommt, bin ich auch sauer. Und die kann das verbinden ;). Wenn sie so wie letztens relativ schnell vom Hasen abwendet und bei mir ist, dann gibts viel Lob, tolle Zuckis und dann bin ich auch noch ein paar Minuten total überschwänglich. Obwohl sicher das "Belohnungsfenster" da schon geschlossen ist.

    Wir waren gestern gemeinsam laufen und erst wollte ich das mit der Leine machen. Ähm ja, laufen und nicht ziehen, war ihr irgendwie nicht klar. Da ich vielleicht mit ihr Zugsport machen möchte, ev. auch Canicross, wollte ich da nicht viel rumkorrigieren, sondern habe sie abgeleint, obwohl wir ca 5-10 andere Jogger und Radfahrer getroffen haben.
    Hat aber gut geklappt, sie ist immer brav meiner Hand gefolgt und hat sich beim Passieren neben mir gehalten. Und was wirklich gut war: da war eine Gruppe Halbstarker, die gemeinsam etwas Party gemacht haben. Da mussten wir teilweise recht dicht an "bedrohlichen" Männern vorbei (groß, dunkel gekleidet, "coole" Körperhaltung"). Hat sie toll gemacht und ist brav auf der von mir angezeigten Seite gelaufen :applaus: .

  • Theobroma: Kontrolliert Krähen hetzen lassen oä überlege ich auch manchmal. Hab halt Angst, dass es dann schlimmer wird.

    Da wird nur ausprobieren helfen. Da ist ja jeder Hund anders.
    Wenn wir am Strand sind, bekommt Felix eine ganze bestimmte "Hetzfreigabe" zum Aufscheuchen der Möwen und dann pest er los.
    Sitzen auf unserer Gassistrecke Möwen, kann er auf 10m an der lockeren Schlepp vorbeilaufen, wenn ich ihm mit Nein klarmache, dass Jagen jetzt nicht erlaubt ist. Damit er es nicht örtlich verknüpft, bekommt er ganz selten auch mal auf der riesigen Wiese zu Hause die Freigabe Möwen oder Krähen aufzuscheuchen. Er dreht dann eine große Runde, kommt auf Pfiff aber zurück.
    Dann grinst er über ganze Gesicht und ist über viele Tage hin deutlich besser vom Jagen abhaltbar.

  • Da wird nur ausprobieren helfen. Da ist ja jeder Hund anders.Wenn wir am Strand sind, bekommt Felix eine ganze bestimmte "Hetzfreigabe" zum Aufscheuchen der Möwen und dann pest er los.
    Sitzen auf unserer Gassistrecke Möwen, kann er auf 10m an der lockeren Schlepp vorbeilaufen, wenn ich ihm mit Nein klarmache, dass Jagen jetzt nicht erlaubt ist. Damit er es nicht örtlich verknüpft, bekommt er ganz selten auch mal auf der riesigen Wiese zu Hause die Freigabe Möwen oder Krähen aufzuscheuchen. Er dreht dann eine große Runde, kommt auf Pfiff aber zurück.
    Dann grinst er über ganze Gesicht und ist über viele Tage hin deutlich besser vom Jagen abhaltbar.

    Das habe ich mit Chica so gemacht, als sie jung war. Sie ist hinter Vögeln, Eichhörnchen, Rehen, etc her, echte Jagd war es nicht, das Hetzen war super. Wäre ein Reh mal stehen geblieben, hätte sie wohl eher nicht gewusst was sie machen soll. Dennoch ist sie ständig ab gezischt, super nervig. ich habe dann auf "Weg damit" :roll: erlaubt, dass sie im Garten die Krähen verscheucht. Das hat sie draußen tatsächlich kontrollierbarer gemacht. Im Wald sind andere Viecher ihr inzwischen egal....naja nicht alle...Eichhörnchen können einen Rennflash gelegentlich noch verursachen.
    Emil flitzt natürlich mit Chica hier im Garten los, wenn ich "Weg damit" sage, aber im Wald läuft das nicht.

  • Ich weiß ja nicht, ob Balou ein Tier wirklich töten würde, wenn er es eingeholt bekommen würde. Oder ob ihm nur das Hetzen so großen Spaß macht.
    Aber mir geht es gar nicht darum, wie ernst es ihm ist. Ich will nicht, dass er sich ohne Freigabe von mir entfernt. Und ich will auch nicht, dass er andere Tiere in Todesangst versetzt, weil er da gerade Lust drauf hat.

    Beim Buddeln hat er mal ein Tier gefressen. War eine Babymaus oder so :/

    Wir hatten eben eine nette Runde. Zwar musste ich öfter mal stehen bleiben, weil er auf Zug gegangen ist, aber insgesamt ist er sehr angenehm an der Leine gewesen, liegt vielleicht daran, dass er am HB war. Circa 5-10 Minuten durfte er sogar frei laufen: mit gefühlten 20x Stoppkommando und mehreren Übungen, damit er gar nicht erst auf dumme Gedanken kommt.
    Schlepp und Geschirr hatten wir gar nicht dabei. In sehr übersichtlichen Ecken und mit der passenden Stimmung werde ich das auch weiterhin üben.

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