Wer kann noch richtig loben?

  • Also meine Hunde bekommen draußen fast nur Emotionales Lob, wenn man das so sagen kann. Natürlich hab ich auch mal Leckerchen dabei ist aber sehr selten.
    Eine Freundin von mir lobt ausschließlich über Leckerlis und wenn sie mal keine dabei hat, geht ihr Hund nicht mal mit.

    Mir und auch meinen Hunden ist emotionale Bindung schon wichtiger als ein paar Leckerchen und das wird auch immer so sein.

    Leckerli sind gerade am Anfang ganz gut um die Aufmerksamkeit zu bekommen, aber seitdem die Bindung etwas gewachsen ist, ist meinen Hunden streicheln und Aufmerksamkeit wichtiger.

  • Wenn zum Beispiel auf der einen Seite meine Mutter mit Leckerchen steht und ich auf der anderen Seite Streicheleinheiten anbiete kommen sie immer zu mir.

    Oder auch habe ich Anfangs nur über Leckereien belohnt, sie kamen dann holten sich ihre Leckerei und flitzten wieder ab. Seit ich über Berührungen belohne bleiben sie so auch schon mehr in meiner Nähe und suchen diese Aktiv und hören auch seither viel besser.

    Futter kann sich ein halbwegs kluger Hund auch so irgendwo beschaffen, warum also sonst als wegen emotionaler Bindung würde ein Hund freiwillig bei uns bleiben?

    Und ja meine Hunde sind freiwillig, sie hätten am Tag zig Chancen abzuhauen, wenn sie es wollten.

  • Ich glaube, einige verstehen hier etwas falsch bzgl. Leckerlies. Ja, meine Hunde bekommen als häufigste Belohnung Leckerlies. ABER: Signale, die sie beherrschen, führen sie auch ohne Leckerlie aus. Sie wissen ja gar nicht vorher, ob sie etwas bekommen oder nicht. Ich hatte auch schonmal keine Leckerlies dabei, vergessen. Trotzdem haben beide Hunde super gehört. Leckerlies sollen keine Bestechung sein und sie sollen den Hund auch nicht satt machen. Aber bei Hunden, die gerne fressen, sind sie nunmal eine tolle und einfache Belohnungsmöglichkeit. Ich belohne meine Hunde gerne mit Leckerlies und ich freue mich darüber, sie damit glücklich zu machen.

    Ich weiß gar nicht, warum manche sich so anstellen mit Leckerlies :ka: Meine Hunde kooperieren mit mir. Das hat aber nur bedingt was mit den Leckerlies zu tun. Vielmehr liegt es daran, dass ich auf die Bedürfnisse meiner Hunde eingehe, soweit es geht. Sie dürfen auf ihre Art auch Wünsche äußern und sofern es machbar ist, gehe ich diesen auch nach. Wir sind ein Team, sie vertrauen mir und ich vertraue ihnen.

    Wenn ein Hund keine Leckerlies mag oder diese aus irgendeinem nicht möchte, ist das ja was anderes. Aber wenn Hunde verfressen sind, warum soll man das nicht nutzen? Meine Hündin möchte draußen nicht ständig angefasst werden, jedenfalls nicht für eine gute Leistung. Sie wird gerne gestreichelt, aber das bekommt sie tagtäglich so. Das ist für sie einfach keine Belohnung.

    Ich finde es komisch, dass viele so ungerne Leckerlies benutzen. Wie gesagt, ich locke meine Hunde nicht damit und sie wissen nie, wann es eins gibt und wann nicht. Und gerade das variable Belohnen festigt Erlerntes besonders gut. Insofern das Erlernte auch wirklich richtig sitzt.

    Übrigens beruhigt kauen oder schlecken (Futtertube) Hunde auch oft.

  • Futter kann sich ein halbwegs kluger Hund auch so irgendwo beschaffen, warum also sonst als wegen emotionaler Bindung würde ein Hund freiwillig bei uns bleiben?


    Ich denke auch, dass die emotionale Bindung eine sehr große Rolle spielt zwischen Hund und Halter - aber nur solange auch viele andere Faktoren "passen".
    Allerdings glaube ich auch, dass Bindung (...sich aneinander binden) sehr durch Sicherheit in vielerlei Hinsicht entsteht und gefestigt wird. Die Sicherheit ein warmes Dach über dem Kopf zu haben, zu "wissen" wie der andere tickt gibt eine Planungssicherheit, jemanden nicht immer neu "entschlüsseln" zu müssen, sich nicht um auftretende Probleme kümmern müssen (Bedrohung erkennen und abwehren zu müssen), mit jemandem zusammen zu sein, der immer eine Lösung hat. Natürlich gehört auch in besonderem Maße Zuwendung zu bekommen dazu. Wie der Hund eine wie auch immer geartete Zuwendung in welcher Situation bewertet und was sie in ihm auslöst, dass dürfte nicht immer leicht zu beantworten sein.
    Nimm nur einen Faktor der zu einer völlig anderen Bewertung des Futters bzw. der Streicheleinheiten führen dürfte. Wenn du deinem Hund mal 3/4 Tage nichts zu futtern gibst (machst du natürlich nicht im wahren Leben...) und lässt ihm die Wahl zwischen Leckerlies bei deiner Mutter od. Streicheleinheiten bei dir....dürfte seine Entscheidung womöglich anders ausfallen ;) er muss halt Prioritäten setzen...

    Warum ich dein Zitat oben eingefügt habe? Der Schlüssel in dieser Aussage dürfte meiner Meinung nach im "irgendwo" liegen. Wenn er bei dir bleibt muss er sich das Futter nicht umständlich irgendwo besorgen, sich womöglich Gefahren und Anfeindungen aussetzen - er bekommt es ganz sicher zu festen Zeiten gemütlich im Warmen.

    Ich möchte auch nicht unerwähnt lassen, dass ich glaube "Bindung" (....sich aneinander binden) hat etwas mit Gegenseitigkeit zu tun. Auch ich fühle mich durch Zuwendung von meinem Hund belohnt. Ich kenne ihn, seinen Charakter, seine Persönlichkeit (etwas dass man den meisten anderen Tieren nicht unbedingt zuspricht) - es macht ihn zu etwas besonderem, seine Schwächen und Fehler, die mich manchmal Voraussagungen treffen lassen können die so nur bei ihm funktionieren, ihm ein "gutes" Leben bieten zu können und zu denken "gut dass ICH da bin - er könnte es schlimmer getroffen haben", mich durch ihn in vielerlei Hinsicht inspirieren zu lassen, sein weiches Fell, die Freude (Gott sei Dank selten ....auch Trost) die ich durch ihn erfahre ...da gibt es vieles dass mich belohnt und mich auch irgendwie an ihn bindet!

    Verdammt, ich muss aufpassen, dass das hier nicht zur Liebeserklärung wird :D


    Tschüss und viele Grüße
    Ralf

  • Meine Hunde haben sich einen Teil des Futters auch immer erarbeitet, während dem Training. Belohnung mit Futter oder Leckerlie finde ich außerordentlich hilfreich um eine vertrauensvolle Bindung aufzubauen. Bindung ist nicht automatisch da, sondern entwickelt sich im Laufe der Zeit.

    Mit Mia habe ich derzeit eine sehr schöne Phase. Sie hört gut, wird verbal und mit Streicheleinheiten belohnt, bekommt auch zwischendurch Futter als Bestätigung. Ich sehe ihr an, welche Freude sie bei unseren täglichen Spaziergängen hat und wie schnell sie lernt.

    Bindung beruht auf Gegenseitigkeit, da schließe ich mich absolut an. Vertrauen ebenfalls. Mia hat viel von mir gelernt, aber ich auch von ihr. Sie hat mich oft auf die Probe gestellt und ich musste lernen, meine eingefahrenen Erziehungsmethoden ihrem Charakter anzupassen. Neben Lob, egal ob verbal, körperlich oder über Futter, muss man sich doch schlussendlich auf den Hund und seine Eigenheiten einlassen, seine eigene Haltung immer wieder überdenken und Erziehungsmethoden ggfs. anpassen.

  • Ich finde es komisch, dass viele so ungerne Leckerlies benutzen. Wie gesagt, ich locke meine Hunde nicht damit und sie wissen nie, wann es eins gibt und wann nicht. Und gerade das variable Belohnen festigt Erlerntes besonders gut. Insofern das Erlernte auch wirklich richtig sitzt.

    Ich mag es gerne mit Leckerlis zu belohnen, aber es ist nicht alles. Ich denke ich habe mich zu sehr darauf versteift, das habe ich geändert. Ich werde auch in Zukunft einsetzen, aber eben nicht mehr so oft.

  • Ich finde es komisch, dass viele so ungerne Leckerlies benutzen. Wie gesagt, ich locke meine Hunde nicht damit und sie wissen nie, wann es eins gibt und wann nicht. Und gerade das variable Belohnen festigt Erlerntes besonders gut. Insofern das Erlernte auch wirklich richtig sitzt.

    Übrigens beruhigt kauen oder schlecken (Futtertube) Hunde auch oft.

    in meinen Augen ist das große Problem mit den Leckerchen, dass die Grenze zwischen Locken und verstärken ganz schmal ist.
    ich muss das Goodie nicht in der Hand halten,um den Hund zu locken. ... das wissen Viele leider nicht und wird mit dem Argument der variablen Belohnung (das sei wie "Lottospielen") leider auch nie mit erwähnt. Dabei reicht die Erwartungshaltung des Hundes völlig aus, damit man schon vom Locken sprechen kann... dann erzählen die Besitzer meist, dass es zwar im Training klappt, aber nicht im Ernstfall.
    .. der Hund wurde gelockt, nicht operant verstärkt. Unpraktisch und kein nachhaltiges Lernen.

    und im Alltag sieht man meist auch, dass ein Verhalten nur Bestand hat, wenn die entsprechende Erwartungshaltung beim Hund vorher installiert wurde - sprich der Hund denkt, er könne sich mit seinem Verhalten etwas verdienen. Da ist der in Aussicht gestellte Reiz (aufgrund der Erfahrung) der Antrieb. Sobald dieser Anreiz wegfällt, erlischt meist auch das gewünschte Verhalten und ea entsteht mitunter Frust...
    wenigstens die Tatsache, dass Verhalten IMMER im gewissen Maß weiter belohnt werden muss, damit es nicht einfach verschwindet, wird mittlerweile kommuniziert. Das wurde vor drei Jahren noch abgestritten. Da wurde noch behauptet, man könne am Ende problemlos selbstbelohnendes Verhalten (Umweltbelohnungem) ans Ende der Verhaltenskette setzen... dass das scheinbar in der Praxis nicht zuverlässig genug funktioniert, hat man scheinbar inzwischen erkannt.

    ...also @LieblingPia... lockst du deine Hunde tatsächlich nicht oder erfüllst du die Erwartungshaltung nur erst, wenn DU es möchtest?
    Übrigens beruhigt Tube lecken und kauen tatsächlich... für die Zeit des Leckens und Kauens, aber eher selten über diese "Beschäftigung" hinaus. Auch diese Empfehlung kenne ich aus der Ecke und hab sie aber in der Praxis noch nicht jestätigt bekommen.

  • in meinen Augen ist das große Problem mit den Leckerchen, dass die Grenze zwischen Locken und verstärken ganz schmal ist.
    Dabei reicht die Erwartungshaltung des Hundes völlig aus, damit man schon vom Locken sprechen kann.
    und im Alltag sieht man meist auch, dass ein Verhalten nur Bestand hat, wenn die entsprechende Erwartungshaltung beim Hund vorher installiert wurde - sprich der Hund denkt, er könne sich mit seinem Verhalten etwas verdienen. Da ist der in Aussicht gestellte Reiz (aufgrund der Erfahrung) der Antrieb. Sobald dieser Anreiz wegfällt, erlischt meist auch das gewünschte Verhalten und ea entsteht mitunter Frust...
    wenigstens die Tatsache, dass Verhalten IMMER im gewissen Maß weiter belohnt werden muss, damit es nicht einfach verschwindet, wird mittlerweile kommuniziert.

    Das ist doch kein Problem der Leckerlis.
    Wenn man ganz pauschal denkt, dass jegliche Belohnung eine Erwartungshaltung beim Hund auslöst (und er die Belohnung ggflls. auch provoziert), dann darf man Verhalten gar nicht mehr belohnen, sondern muss es bedingungslos einfordern und den Hund bei Wohlverhalten ignorieren.

    Meine Sache ist das nicht.
    Das Autos jagen habe ich meinem Terrier mit Belohnung abgewöhnt. Mal mit Leckerlis, mal mit Loben, mal mit Alternativangeboten.

  • wer denkt denn so pauschal? Ich spreche vom Prinzip des Lockens, nicht vom sinnvollen Einsatz operanter Verstärkung.
    ...ich verstehe deinen Gedankensprung zum ignorieren ehrlich gesagt auch garnicht. Magst du mir erklären, wie du dann zu der Schlussfolgerung kommst, dass man den Hund für Wohlverhalten ignorieren sollte?

    die Gefahr bei solchen "materiellen hochwertigen Brlohnungen" ist einfach da, nein da hast du recht... das muss nicht nur auf Leckerlies bescjränkt sein, das kann auch genausogut das Lieblingsspielzeug oder das wieder in den Freilauf schicken sein, was die Nachhaltigkeit eher zum negativen beeinflusst, wenn man den fehler macht, die Belohnungen fälschlicherweise zu instrumentalisieren.

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