Abzocke in der Kleintierpraxis SWR Fernsehen

  • Ich finde, dass viele Menschen einen großen Denkfehler begehen, weil sie glauben/meinen, dass der Tierarzt aus reiner Tierliebe in diesem Beruf arbeitet und aus "Tierliebe" dann die Rechnung gestalten soll.


    Sie vergessen, dass der Tierarzt einen Betrieb führen muss, der sich finanzieren und tragen muss.


    Ein Tierarzt kann von seiner Tierliebe (die hat er sicherlich) nicht leben; er ist gezwungen ganzheitlich zu denken und zu wirtschaften.


    Wie sonst soll er denn einen Betrieb führen? Teuere Anschaffungen für Geräte finanzieren?

  • aber eben halt mit dem Unterschied,
    dass der Unternehmer "aus dem vollen Preisniveau und
    über 300% Teuerungen abschöpfen kann und immer noch
    gut hängen bleibt/Gewinn", wogegen der Arbeitnehmer 50% weniger
    in der Tasche hat,

    Ah... Weil der unternehmer nix zahlen muss, ne?
    Weil der nicht die Materialien kaufen muss, die ebenso teurer geworden sind.
    Weil er nicht Steuern und Abgaben zahlen muss, die sich auch erhöht haben.
    Und noch son paar Dinge...


    Vor allem, wer ist "der" Unternehmer? Der durchschnittliche Tierarzt mit Arbeitszeiten von 9-10 Stunden + Notdienst nachts und am Wochenende? Der also noch zu Zeiten arbeitet wenn der durchschnittliche arme Arbeitnehmer entweder pennt oder Freizeit hat, was zu gerne vergessen wird.
    Oder ist "der" Unternehmer einer von den vielen Firmen die sich gerade so tragen, da sie dank der Erhöhungen in allen Bereichen nur noch minimalen Gewinn einfahren. Die sich dann noch mit Arbeitnehmern rumschlagen müssen die sich wegen nem quersitzenden Furz krankschreiben lassen, die alle ihre Rechte ganz genau kennen aber ihre Pflichten großzügig vergessen. Besonders gern gesehen der allseits beliebte "Büroklau", der Chef soll sich nicht so anstellen wenn Material fehlt, der kaufts doch billig ein, ne?



    denn der muss im Verhältnis genau die gleichen
    erhöhten Kosten zahlen

    Der Unternehmer? Ja genau. Muss er.
    Dafür arbeiten die meisten Unternehmer 10 Stunden am Tag und haben auch am Wochenende noch immer Dinge für die Firma zu erledigen.
    Auch mit gebrochener Rippe oder Bänderriß, wo der arme Arbeitnehmer dann mal eben 4-8 Wochen krankgeschrieben ist.


    Ist nämlich schon seltsam zu hören wie toll es den Unternehmern immer geht. Wenn ich mich umgucke sehe das die meisten deutlich mehr und länger schuften als ihre Angestellten. Die reden bloß selten darüber und noch seltener beklagen sie sich wirklich. Von denen hört man immer nur das sie ja froh sind wenns Geschäft läuft.

  • Ich bin selstverständlich gegen Scharzarbeit und weiss dass auch technische Aparate und Medikamente teuer sind, aber wenn ich an die Preisunterschiede denke, die es bei Tierärzten gibt finde ich das feilschen nicht schlecht. An mir mit Hunden im Haushalt verdient der TA mehr wenn er mir "Mengenrabatt" gibt, als bei jemanden mit nur einem Hund. Notfälle hatte ich zum Glück selten, aber alleine die Preise für die alljährlichen Impfungen schwanken enorm. Da ist es doch normal auch mal einen Preisvergleich zu machen.


    Und in einem schönen Wartezimmer zu warten ist vielleicht angenehmer, aber wichtiger ist es mir wie der Tierarzt ist.

  • Die allerwenigsten prakt. Tierärzte machen ihre Arbeit, weil sie möglichst viel Geld verdienen wollen. Da gibt es sehr viel bessere, schnellere und weniger aufwändige Methoden. Wer als Tierarzt geregelte Arbeitszeiten und ein sicheres Gehalt haben möchte geht in die Veterinärverwaltung, Lebensmittelüberwachung oder (die böse) Pharmaindustrie. Richtig reich wird man dort allerdings auch nicht.


    Im Gegensatz zu Tierärzten, die an die GOT gebunden sind ist z.B. bei Tierheilpraktikern und alternativer Medizin die Preisgestaltung viel freier.
    Ich kenne einige Tierärzte, die neben der Schulmedizin auch alternative Methoden anbieten (Naturheilkunde, Homöopathie, Akkupunktur etc) - und zwar nicht, weil sie so fest daran glauben, sondern weil sie damit ein besseres Auskommen haben als ein "normaler" Tierarzt. Das sollte man im Hinterkopf behalten bevor man zum x-ten Mal behauptet, die bösen Tierärzte würden sich an Impfungen gesundstossen.

  • Sarah - ich bin bei deinen polemischen, neidbestückten und agressiven Beiträgen einfach nur geschockt. Wie kann man so wenig Respekt vor anderen Menschen haben?


    Was interessiert dich das Häuschen oder die Koppel eines Tierarztes hinter dem Haus? WAS hat das mit seiner fachlichen Kompetenz zutun?


    Tierärzte sollen also in Armut und Demut leben, am besten 24h Stunden Notdienst haben, bloß nie einen Fehler machen, immer gut gelaunt sein, uneingeschränkte Empathie aufbringen und jeden Notfall behandeln, ob bezahlt oder nicht - das ist mal eine .... ja ... sehr fragwürdige Erwartung. Sorry, aber ICH bin auch ein Mensch, ich habe auch Rechnungen zu zahlen, habe auch eigene Tiere, ein Privatleben und Wünsche und Ziele im Leben.


    Weißt du eigentlich was Assistenzärzte verdienen? Wir haben teilweise 60 Stundenwochen, schieben einen Nachtdienst und Wochenenddienst nach dem nächsten - ich arbeite teilweise 30 Stunden durch ohne Pause! Behandel auch um 3 Uhr nachts jeden Notfall und jede Zecke mit einem Lächeln im Gesicht, obwohl mein Körper einfach nur schreit "schlafen". Und am Ende des Monats bleibt bei mir nicht viel übrig, was man sparen könnte.


    Unis zahlen ihren Ärzten teilweise 600-800 Euro für eine volle Stelle (nein, kein Witz!!!!).


    Der bpt schlägt einen Anfangslohn von 2200 Euro brutto vor für Ärzte nach dem Studium.


    Wer reich werden will, wird garantiert KEIN Tierarzt.


    Und verdammt ja, wenn man nach ein paar Jahren Berufserfahrung kurz vor dem Burnout dann das Glück hat sich selbstständig zu machen, ggfs. mit der Unterstützung vom Partner oder Kollegen und man sich dann endlich die eigene Praxis, oder das Eigenheim zu finanzieren, dann ist ein Recht, dass jedem arbeitenden Menschen zusteht. Ob Tierarzt, Handwerker, Banker oder Lehrer. Punkt.



    Dann geht man eben nachts putzen

    Zitat

    Doch mit der ersten Stelle platzt oft der Traum. Ein harter Arbeitsalltag und Löhne, die nicht zum Leben reichen, sind die Realität junger Tierärzte. Das zeigt eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Die Doktorandin Bettina Friedrich erreichte mit einem Fragebogen einen Großteil der 4300 deutschen Tierärzte, die in Praxen und Kliniken angestellt sind. Sie sind mittlerweile zu 75 Prozent Frauen. Friedrich fand heraus, dass das Durchschnittsgehalt für angestellte Tierärzte in den alten Bundesländern bei 2500 Euro liegt, in den neuen sogar nur bei 2000 Euro brutto – unabhängig von der Anzahl der Berufsjahre


    http://www.anstageslicht.de/nc…n-eben-nachts-putzen.html




    Traumberuf Tierarzt - komme was wolle

    Zitat

    Nicht nur Tierärzte raten vom Studium ab. Selbst die Berufsverbände können jungen Leuten das Veterinärmedizinstudium heute nicht mehr vorbehaltlos empfehlen. "Die Gehaltssituation für angestellte Tierärzte in Praxen und Kliniken ist katastrophal", sagt Frank Menz, Geschäftsführer der Tierärztekammer Hessen. "Wir sprechen über Anfangsgehälter von weniger als 2000 Euro brutto. Auch im Verlauf des Berufslebens bleiben die Löhne extrem niedrig. Die Lage ist drastisch."


    http://www.anstageslicht.de/ge…eraerzte/report/1667.html




    Ein Hez für Tierärzte

    Zitat

    Tiermedizin ist heute Hightech: Tumore werden bestrahlt, Mägen gespiegelt und Bandscheiben operiert, wie in der Humanmedizin. Man braucht jetzt teure Geräte und wie eh und je viel praktische Erfahrung. Wissen ist für junge Tierärztinnen zu einer Währung geworden, die das Gehalt ersetzt. Deshalb würden besonders in großen Praxen Anstellungen zu allen Bedingungen akzeptiert, sagt Stephanie Jette Uhde. Das sei allerdings ein Glücksspiel. "Es ist möglich, dass man nach fünf Jahren eine ganze Palette von OPs selbst durchführen kann. Man kann aber auch fünf Jahre in einem Betrieb arbeiten und hat am Ende noch nicht mal eine Hündin kastriert." Dann habe man in dieser Zeit nur Laborergebnisse ausgewertet, Narkosen überwacht oder spät in der Nacht vors Auto gelaufene Hunde mit Infusionen am Leben gehalten, bis der Chef eintraf und selbst operierte.


    http://www.anstageslicht.de/ge…eraerzte/report/1668.html

  • Das Gerücht vom reichen Tierarzt hält sich leider hartnäckig.
    Ich habe vorhin in einem Telefonat mit meiner Mutter das Thema kurz erwähnt und sie war sofort der Meinung das alle Tierärzte gut verdienen. "Denen geht es schon nie schlecht, die haben immer mehr als genug!"
    Hmja. Dabei hat sie nichtmal Tiere und somit null Berührungspunkte mit Tierärzten.


    Wiedermal ein Gespräch nachdem ich mir sage: Ich muss adoptiert sein....

  • Der tut auch einiges dafuer ;)
    Ich denke auch nicht, dass die Spezialisten alle am Hungertuch nagen (ich weiss, dass TA nicht so gut verdienen, wie viele meinen). Sollen/muessen sie auch nicht. Ich goenne ihnen jeden Cent!


    Ich bin dem TA, der den Koenig operiert hat, noch immer dankbar. Der hat es geschafft, den Beckenbruch so zu flicken, dass der Hund wieder im Sport laufen kann. Und das alles war nicht wirklich teuer (Fous Behandlung hat inkl. der ersten TK mehr gekostet) im Bezug auf das was gemacht wurde...

  • Natürlich nagt nicht jeder Tierarzt am Hungertuch, aber man darf halt auch nicht vergessen, dass der Weg dahin eben auch dauert. Fortbildungen und Spezialisierungen kommen nicht zu einem geflogen, da muss man eben schon auch viel investieren, bevor das läuft.


    Gerade zum Beispiel eine Fortbildung mit dem Thema Redproduktionsmedizin bei Hund und Katze gebucht - 2 Tage Seminar, 500 Euro futsch.


    Achjaaaa ... wenn das doch alles so einfach wäre :) Ich hoffe ja auch noch irgendwann auf das Haus und die Koppel dahinter ;-)

  • Eben. Deswegen bin ich auch bereit (in meinem finanziellen Rahmen) die Mehrkosten zu tragen, die ein Spezialist verlangt.
    Er wird es nicht ueber Nacht, er steckt neben viel Zeit und Nerven auch einen Batzen Geld da rein und das wird spaeter eben u.U. von den Besitzern der Patienten bezahlt.


    Ist in allen anderen Bereichen doch auch nicht anders :ka:
    Ich kann doch keine extra Leistung oder jemanden mit einer hoeheren Qualifikation zum gleichen Preis wie eine normale Leistung/normaler TA verlangen.
    Finde ich jedenfalls ;)

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