beständige vs. unbeständige Auslastung

  • hm.. wenn ich so zurückdenke/überlege.. ich hatte bisher noch keinen hund der täglich konstant gleich/gleichmässig ausgelastet wurde. es war stets so dass es 2-3 tage in der woche gab an denen intensiver (kopfarbeit) gearbeitet wurde bzw. die gassirunden länger und anspruchsvoller (von der 1,5std. trödelrunde bis zu ganztägigen wandern) waren, und an den restlichen tage war easy going angesagt in denen sie viel geruht haben.

    das ist aber auch mein anspruch an einen hund der mich durchs leben begleitet. entsprechend würde ich mir aber auch die rasse/den hund aussuchen. regelmässige slow motion/easy going tage müssen einfach drin sein. ich denke für ein hund aus einer leistungslinie wäre ich eher nicht die optimale halterin.

  • Bei uns wird es so gehändelt, daß durchaus Tage mit viel Programm dabei sind und dann wieder Tage, an denen gar nicht viel passiert.
    Unser Cooper ist knapp ein halbes Jahr und ich lege Wert darauf, daß er ein gewisses Programm durch- und aushält. Damit meine ich z. B. einen Marktbesuch, Besuche im Restaurant, Fußgängerzone, Besuche bei Freunden und Bekannten, in Parks u.ä.
    Das ist notwendig, wenn er später überall dabei sein soll und möchte.
    Ebenso hat er Kontakte zu anderen Hunden, da darf er sich austoben, es wird auch mal gemeinsam gearbeitet.
    Und dann wiederum gibt es Tage, da passiert gar nicht viel. Ein ruhiger Spaziergang, viel Schlafen, Kuscheln sowieso, etwas Spiel, Kauzeugs...
    Außerdem finde ich daß auch ein "Familienhund" tagsüber einiges an Programm hat ohne daß man sich aktiv mit ihm beschäftigt. Er ist bei der Gartenarbeit und Arbeiten rund ums Haus und auch im Haus immer dabei und da hat er einiges zu sehen und zu beobachten und auch das lastet kopfmäßig aus.
    Mir ist von Anfang an wichtig gewesen, daß er viel Programm und auch mal ganz ruhige Tage kennenlernt und es somit für ihn normal ist, daß der Alltag aus beidem bestehen kann und wird.

  • Das ist halb eben Beobachtungs- und Erfahrungssache. Geprüfte Menscheneltern wissen das: das Kind ist überdreht, weil die Eindrücke eines aufregenden Erlebnisses es überforderten und es Zeit braucht, wieder runterzukommen.Beim Hund(ekind) ist es nicht anders. Selbst wenn man keine Erfahrung mit kleinen Lebewesen hat, kann man es genau beobachten, wenn man sich die Mühe macht oder eben für Verhaltensweisen ein Auge hat.

    Ganz genau!


    Das Problem scheint irgendwie zu sein, daß die Menschen sich entweder nicht wirklich darauf einlassen (wollen), vielleicht sogar Schwierigkeiten haben, ihren Hund zu "lesen", um dann dementsprechend handeln zu können.

    Genau in solchen Situationen ist sehr schnell dann eher von einer "Unterforderung" die Rede.
    Kommt jemand mit "Überforderung" an und rät, mal bißchen Ruhe reinzubringen, so wird dies heftigs abgestritten, weil ja mit dem Hund nicht so viel gemacht wurde.

    Ganz gut zu beobachten, bei Halter mit sogenannten Gebrauchts- oder Arbeitshunden.
    Schafft sich jemand, mal als Beispiel einen Border, oder einen Mali an, so wissen anscheinend inzwischen viele, daß diese Hunde arbeiten wollen, sogar müssen und gefordert werden sollten.

    Dreht dann ein Junghund dieser Rasse völlig am Rad, heißt es dann oft, und dann noch von Außenstehenden, daß die Leute mit ihrem Hund noch zu wenig machen, und raten eher dazu, noch mehr, was auch immer, mit dem Hund zu machen, damit dieser mal endlich müde wird und schläft.

    Das mag nach einem einmaligen Test auch einmal so funktionieren, der Hund ist müde und schläft. Dann fühlt sich der Mensch ja schon darin bestätigt, es richtig gemacht zu haben.
    Und die nächsten Überdrehungen vom Hund sind nur ein weiteres Zeichen, daß es schon wieder zu wenig war.

    Irgendwie scheint kaum einer auf die Idee zu kommen, daß weniger oft mehr ist.


    Schöne Grüße noch
    SheltiePower

  • Ich glaube aber auch nicht, dass das sooo leicht mit dem vielzitierten "gesunden Menschenverstand" zu erkennen ist. Geht man mit eben jenem und Bauchgefühl an die Sache heran, dann passiert es doch meistens, dass man den Hund vermenschlicht. Ein Mensch kommt nicht unbedingt von alleine auf die Idee, dass ein Hund so viel mehr Schlaf und Ruhe braucht als der Mensch selbst. Oft bekommen sie dann ganz schnell ein schlechtes Gewissen, weil der Hund sich scheinbar den ganzen Tag "langweilt."
    Sind jedenfalls so meine Beobachtungen unter Hundehaltern bis jetzt.

  • gerade im zusammenhang mit der oft beobachteten vermenschlichung ärgere ich mich immer wieder über hundehalter, die sich nicht mit der gattung hund, geschweige denn den rasseeigenschaften ihres hund auseinander setzen.

    ich kann mich selbst in einigen situationen nicht gänzlich davon von frei machen meinem hund "vermenschlicht" zu betrachten - aber genau deswegen lese/eigne ich mir hundefachwissen an. um meinem hund gerecht zu werden, ihn fair behandeln zu können und ihn zu einem angenehmen wegbegleiter zu machen.

  • Ich glaube aber auch nicht, dass das sooo leicht mit dem vielzitierten "gesunden Menschenverstand" zu erkennen ist.

    Ich weiß was Du meinst, aber, man kann das Verhalten seines Hundes doch beobachten und Rückschlüsse ziehen.

    Beispiel:
    Sonntags gehen wir meist mit großer Hundemeute am Vormittag. Da wird gut zwei Stunden fast ohne Unterbrechung, geschwommen, gerauft, gerannt, dem Dummy hinterher gejagt ... die im Schnitt 10 Hunde sind also 2 Stunden körperlich sehr beansprucht.
    Wir gehen dann nach Hause, noch kurz in den Garten den Hund abduschen und dann hat Charly seine 5 Minuten - da rast er wie verrückt durch die Garten - als müsse er eine Anspannung loswerden. Dann tippelt er hoch zum Futternapf, läuft noch mindestens ne halbe Stunde durch die Bude bis er endlich im Kopf Ruhe findet - legt sich dann mal hier mal da hin, wirkt ruhelos. Aber dann plötzlich pennt er wie ein Stein bis abends um 18 Uhr. Dann gehen wir eine kleine gemütliche Runde, vielleicht 20 Minuten, danach gibts Futter und er pennt wieder bis zur Gartenpippi-Runde gegen 23 Uhr. Danach schlurft er ins Bett und pennt bis morgens um 8.

    Also, der Hund ist todmüde. Verständlich, war ja ein harter Vormittag.
    Hat aber Zeit gebraucht um runterzukommen ...

    Etwa gleich viel schläft/ruht er nämlich aber auch, wenn wir morgens nur eine gemütliche Runde, etwa 60 Minuten gehen und abends noch mal 45 - ohne Hundeparty, ohne schwimmen. Also auch dann ist er müde, natürlich nicht ganz so ermattet - döst am Nachmittag oder Abend aber eher, als dass er tief schläft. Wirkt zufrieden. Der will mittags gar nicht raus, seit er geschäftemäßig durchhalten kann.

    Da Charly so gut wie nie alleine ist, können wir sein Verhalten genau beobachten, der langweilt sich nicht. Bei uns gibts Partytage, aber meist Ruhetage. Ein guter Mix für uns und für ihn, seit Welpenalter.

    Andere Teilnehmer der gleichen Gruppe, gehen bereits gegen 14 Uhr nochmal mit dem Hund ne gute Stunde und treffen sich dann abends noch mal zur Hundeparty mit irgendwem - noch mal zwei Stunden - da sind so noch stolz drauf, dass sie mit ihrem Hund so viel machen, "das braucht der ja". Und so ein Programm haben sie dann fast jeden Tag. Teils mit Hunden, die nicht mal ein Jahr alt sind. Und die sind dann aber auch entsprechend drauf: ruhelos, bellfreudig, ungeduldig, extrem rauflustig, kaum abrufbar und schon gar nicht zwischendurch mal leinenführig, wenn Anleinen halt mal sein muss. Diese Hunde schlafen kaum bis gar nicht tagsüber, können nicht alleine gelassen werden zuhause, weil sie alles mögliche anstellen. Sind schon im Morgengrauen wach und wecken die Besitzer usw. Einfach nur Nervbündel!
    Sie wirken auf den aufmerksamen Betrachter insgesamt sehr nervös und wild. Den ein oder anderen Halter konnten wir schon überzeugen, dass das viel zu viel ist und sie lassens langsamer angehen und erfahren dann recht schnell, dass ihr Hund viel ruhiger wird und leichter zu händeln ist. Na so was aber auch ...

    So viel Beschäftigung und Bewegung und so wenig Schlaf können einfach auf Dauer NICHT GESUND SEIN. So viel Hundeverstand und/oder "Bauchgefühl" sollte man doch einem Hundehalter zutrauen können? Oder?

  • Naja, was heißt "zutrauen können." Ich glaube einfach, dass gerade das Bauchgefühl da die meisten Hundehalter erst reinreitet. Man geht da von sich und den eigenen Erfahrungen aus, auch von Dingen die im Unterbewusstsein gespeichert sind und die man sich gar nicht so rein logisch erschließen kann/will. Das ist "Bauchgefühl." Und wenn du dann nicht gerade mit gut gehaltenen Hunden aufgewachsen bist, dann hat dein Bauch da nicht viel, was ihm weiterhelfen könnte, also wird vermenschlicht (=von sich selbst ausgegangen.) Menschen müssen den ganzen Tag was machen, brauchen Input, soziale Kontakte, Adrenalin, Sport, Feiern... Hund liegt den ganzen Tag rum. Also muss er sich doch langweilen. Also wird ausgelastet. Cool, der Hund blüht auf, der will noch mehr. Und noch mehr. Und irgendwann ist er eben so hibbelig, dass auch ein oder zwei Ruhetage daran nichts mehr ändern. Also schließt man, dass Ruhe ihm nicht bekommt. Nur, weil ihr das mit den richtigen Schlussfolgerungen hinbekommen habt, schaffen das andere noch lange nicht. Beobachtest du selbst doch auch.

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