Jagdtrieb ausschalten?

  • ANZEIGE

    Ich war eigentlich nur auf der Suche nach einem guten Link über Jagtrieb, hab aber stattdessen nur viele viele Methoden gefunden, wie man seinem Hund beibringt, eben nicht zu jagen.


    Jetzt schwirren einige Fragezeichen um meinem Kopf herum.



    Gibt es mittlerweile Hunde die keinen Jagdtrieb besitzen? Rassen wie Havaneser, Malteser usw werden ja schon seit einigen Jahren darauf gezüchtet, dass dieser Trieb kaum oder garnicht vorhanden ist. Aber gibt es Individuen, welche garkeine Andeutungen mehr auf das Jagen machen?


    Und wie sieht es mit Rassen wie dem Border Collie oder Labrador Retriever aus?
    Hier denke ich, dass es grundsätzlich einen starken, angeborenen Jagdtrieb gibt, aber es gibt eben auch den "Will-to-please", also den Willen, seinem Herrchen zu gefallen.
    Ist es bei diesen Rassen durch Training möglich, den Jagdtrieb abzuschalten, so dass der Hund nicht mehr das Bedürfnis hat, jagen zu gehen? Oder besteht er weiterhin, selbst wenn der Hund gelernt und verstanden hat, dass er nicht jagen darf?


    Ist der Will-To-Please eine Verhaltensdisposition?


    Und wenn ja, wie sieht es mit Herdenschutzhunden aus? Da diese kaum einen Will-To-Please besitzen, sind sie dann nicht in der Lage dazu, ihren Jagdtrieb zu ignorieren, wie der Labbi?


    Ich hoffe ich kriege auf mein Gedankenwirrwarr überhaupt antworten, natürlich erwarte ich nicht dass du auf alles antwortest, aber es würde mich freuen, wenn du zu der ein oder anderen Frage deine persönliche Meinung sagen würdest. Über kleine Denkanstöße wäre ich sehr glücklich :)


    Liebe Grüße

    Benji
    (Bichon Frise Rüde, *11. März 2011)

  • ANZEIGE
  • Mein Labrador Mix (angeblich gemixt mit einem weiteren Jagdhund dem Deutsch Kurzhaar und Dalmatiner...) hat überhaupt keine jagdlichen Ambitionen. Tiere die plötzlich auftauchen werden natürlich angeschaut, aber es tickt in ihm jetzt nichts durch und er rast diesen Tieren nicht hinterher. Er hat einen ordentlichen Will to Please. Aber ich musste ihm nie beibringen zu jagen.


    Meine Hündin (vermutlich Galgo mit Shar Pei und weiß Gott noch was) hat kaum Will to Please und einen starken Jagdtrieb, der ihr dazu dient ihr den Magen zu füllen. Das heißt sie jagt nicht um sich am Hetzen selbst zu belohnen, sondern um zu fangen, zu töten und zu fressen. Das hat mich, als jemand der nie einen ernsthaft jagenden Hund besessen hatte, vor ein großes Problem gestellt. Das habe ich aber jetzt gut im Griff. Das heißt lange geübt um ihr ein Alternativverhalten (Sichtung=Frauchen hat was Fressbares) bei zu bringen und das sie nie hungrig leinenfrei läuft.
    Das heißt sie jagt nicht nicht weil sie es mir zu liebe nicht tut, sondern weil sie dafür was bekommt. Und wenn sie das von der Jagd abhält, dann ist es mir recht so. Den Jagdtrieb selbst kann ich nicht abstellen, war auch nie meine Absicht. Ich möchte nur das sie eine Alternative zur Jagd erkennt und sich lieber an mich hält. Aber sie jagt auch nicht um sich einen Kick zu holen, so wie ich andere Hunde kennen gelernt habe.


    Keine Ahnung ob das in irgendeinerweise mit deiner Frage weiter hilft, oder ob ich das Thema überhaupt getroffen habe. :D

  • Das Thema Jagdtrieb ist ein weites Feld und recht komplex.


    Aus meiner Sicht hat so gut wie jeder Hund noch einen Jagdtrieb (jeder Hund, der mal ein Blatt jagd, das vom Baum fällt, Bällchen hinter her lauft, nach Mäusen buddelt, einer Geruchsspur nachgeht usw. zeigt Jagdverhalten).


    In der Rassehundzucht wurden einige Verhaltensweisen hervor gehoben oder vernachlässigt, je nachdem, was das jeweilige Ziel war.


    Der Funktionskreis Jagdverhalten besteht aus verschiedenen Einzelsequenzen: Orientierungs- bzw. Suchverhalten, Fixieren, Anpirschen, Anhetzen, Packen, Schütteln, Töten, Fressen.


    Bei vielen Jagdhundrassen wurden die Hunde auf Einzelsequenzen selektiert. Vorstehhunde sollen Wild anzeigen, Terrier eher Hetzen/Totschütteln - mal ganz vereinfacht dargestellt.


    Auch das Hüteverhalten ist ein Teil des Jagdverhaltens, dort wurde das Fixieren von Beute züchterisch hervorgehoben.


    Sicherlich gibt es Rassen, die deutlich mehr jagdliche Veranlagung zeigen als andere und es gibt ja auch Rassen, die nie zur Jagd gezüchtet worden sind (Schoßhunde zum Beispiel). Das wölfische Erbe wird in jedem Hund schlummern und in irgendeiner Form auch sichtbar sein. Der Mensch empfindet Jagdverhalten ja immer erst dann als störend, wenn es im Alltag problematisch ist.


    Ausschalten kann man Jagdtrieb sicher nicht. Man kann Jagdverhalten kontrollieren und nutzen/umlenken.


    Und sicherlich gibt es auch einzige Individuen, egal welcher Rasse, die kaum oder nur sehr wenig Jagdverhalten zeigen.


    Der Will-to-please ist sicherlich angezüchtet, da Hunde von Menschen als jagdlicher Kooperationspartner genutzt werden wollten. Viele Jagdhundrassen arbeiten kooperativ mit dem Menschen.


    Ich habe selbst 4 Jagdhunde. Davon zwei ohne großen nennenswerten Jagdtrieb bzw. jagdliches Verhalten, das im Alltag nicht stört. Einer meiner Dackel ist ein typischer Dackel, Solitärjäger, spezialisiert auf Mäuse und das Finden von Fuchsbauten. Kooperation mit dem Menschen eher Null. Mein anderer Dackel zeigt gar kein Jagdverhalten in dem Sinne, wie wir Menschen es verstehen. Er verselbstständigt sich nicht, buddelt aber auch nach Mäusen und erlegt und frisst diese auch (zeigt also Jagdverhalten).


    Mein Spinone ist ein Vorstehhund, der Wild anzeigt, einem Hasen oder Reh aber auch hinter her laufen würde. Erzieherisch ist das Jagdverhalten so unter Kontrolle gebracht worden, dass ich ihn managen kann.


    Meine Griffon Nivernais-Hündin würde niemals einem Hasen hinter her laufen, der vor ihr hoch geht, sie geht aber regelmäßig Geruchsfährten ab. Sie hat als Fährtenhund also eher Interesse an der Geruchsspur als an der Beute selbst. Sie zeigt also Jagdverhalten, für das sie speziell gezüchtet wurde, reagiert aber nicht auf bewegte Reize.

  • ANZEIGE
  • Zitat von "Charlisle"


    Ist es bei diesen Rassen durch Training möglich, den Jagdtrieb abzuschalten, so dass der Hund nicht mehr das Bedürfnis hat, jagen zu gehen? Oder besteht er weiterhin, selbst wenn der Hund gelernt und verstanden hat, dass er nicht jagen darf?


    Was an genetisch programmierten Anlagen da ist, lässt sich IMHO nicht einfach abschalten, bloss kontrollieren und in geeignete Bahnen lenken. Es können aber andere Bedürfnisse (zB Herrchen zu gefallen) stärker werden.

    Rhian - Welsh Springer Spaniel Hündin *24.6.2006

    Splash - Welsh Springer Spaniel Rüde *1.6.2010

    Emrys - Welshie-Zwärgli *27.6.2020

    Welsh Springer Spaniels Reloaded!

  • Zitat von "Charlisle"

    Und wie sieht es mit Rassen wie dem Border Collie oder Labrador Retriever aus?
    Hier denke ich, dass es grundsätzlich einen starken, angeborenen Jagdtrieb gibt, aber es gibt eben auch den "Will-to-please", also den Willen, seinem Herrchen zu gefallen.


    Will to please bedeutet, dass der Hund WÄHREND der jagdlichen Handlung bereit ist mit seinem Menschen zusammen zu arbeiten - also zusammen zu jagen.


    So gibt es bei beiden Rassen Exemplare, die jenseits von jagdlichen Handlungen sehr nah an ihrem Menschen sind - also dauernd auf Ansprache usw. reagieren, aber während der Jagd stur sind wie die Panzer. Und es gibt das Ganze auch umgekehrt. Zig mal live genau so erlebt.


    In meinen Augen wird oft verkannt was alles zum Jagdinstinkt gehört. Selbst der absolute Schnarchnasenlabbi zeigt ja oft noch Jagdtinstinkt, indem er seine Kuscheltiere herumtransportiert und benagt ;)


    Ansonsten: Natürlich ist dieser Instinkt züchterisch stark formbar. Sonst hätten wir unsere ganzen Gebrauchshunde ja gar nicht ;)

    • Neu

    Manchmal hilft einfach das richtige Futter - aber wie findet Ihr es?

    Ich hatte schon viele Hunde und die Erfahrungen haben mich gelehrt, dass jeder andere Ansprüche an die Ernährung hat. Mal legen sich Verdauungsstörungen durch eine Futterumstellung, ebenso können Fellprobleme abklingen. Schlanke Windhunde leiden nicht selten unter nervösen Störungen, wenn der Proteingehalt zu hoch ist; sie benötigen eher Kohlehydrate zur sofortigen Energiefreisetzung. Andere Rassen wie sportliche Huskys brauchen stattdessen hochwertige Proteine, während Kohlehydrate nur ansetzen würden.


    Das Alter spielt ebenso wie die Konstitution eine Rolle für den individuellen Bedarf und einige Krankheiten erfordern eine spezielle Nährstoffzusammensetzung.


    Aber ehrlich, welcher Hunde- oder Katzenhalter blickt bei den vielen Herstellern, Marken und Inhalten wirklich durch? Ich nicht - zum Leidwesen meiner Hunde. Daher habe ich es mit einem unverbindlichen Futtercheck versucht der übrigens nicht nur für Hunde ist, sein Katzenfutter kann man dort auch finden.


    Das hat mir die weitere lange Suche nach dem richtigen Futter erspart: Hier müssen Ihr lediglich wenige Minuten investieren und einige konkrete Fragen zu Ihrem Hund oder Katze beantworten. Anschließend erhaltet Ihr, abgestimmt auf Ihren Liebling, bis zu fünf Futterproben als kostenloses Paket zugeschickt!


    Einfach den Futtercheck ausprobieren - ich bin sehr glücklich, auf diesem Weg nun das richtige Futter gefunden zu haben.


    Liebe Grüße Tobi hugging-dog-face



    Anzeige

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!