Hund "ignoriert" mich, was tun?
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Mal zu ihrer Vorgeschichte:
Sie wurde mit ca. 6 Monaten aufgelesen und hat seitdem in einer Perrera gelebt. Da dort ein deutscher Verein die Hand drüber hatte, mussten die Hunde nicht getötet werden. Sie wurden versorgt, raus gelassen, konnten Spielen und Toben, hatten aber relativ wenig mit Menschen zu tun. Daher versteh ich auch ihren Jagdtrieb nicht so ganz. Die Hasen und co. müssten schon ziemlich dumm gewesen sein, wenn sie sich zu den Jägern unter dem Zaun durch gegraben hätten.
So selbstverständlich wie sie bei uns ins Haus gekommen ist, kennt sie das garantiert. Ich möchte fast drauf wetten, dass sie als Welpe eine Familie hatte und dann entsorgt wurde, als sie auf die 60cm Schulterhöhe zu steuerte. Sie war nach 3 Tagen stubenrein, spricht auch dafür, dass ihr das schon einmal ansatzweise bei gebracht wurde. Also kann sie nicht grad so viel auf der Straße gelebt haben.
Wenn ich mit ihr gearbeitet hab, legt sie sich auch schon mal ruhig hin, dreht sich auf den Rücken und schläft. Habe ich nichts mit ihr gemacht, rennt sie pausenlos umher und versucht Mist zu machen.
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Vielleicht übst du einfach zu lange. Probier doch aus statt 10 Minuten nur 5 Minuten zu arbeiten. Das Trainieren sollte ja Spaß machen, wenn sie es von selbst auflöst, war es vielleicht zu lange oder die Belohnung ist nicht das Richtige. Belohnst du auch mit streicheln oder mit dem Auflösen des Kommandos?
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Der vorhandene Jagdtrieb kann ja auch durchaus genetisch bzw. rassebedingt sein und muss nichts mit "Straßenhundvergangenheit" zu tun haben.
Labbi-Malinois ist wahrscheinlich nur eine Vermutung, oder? -
Ich würde auch nicht gleich 5 verschiedene Dinge mit ihr üben (auch wenn es nur 5-10min sind), sondern dass, was du als am wichtigsten erachtest. Sitz und Platz, dafür habe ich nie Übungseinheiten gemacht, das lief ganz nebenbei. Ich habe meinen in den ersten 4 Wochen einfach in Ruhe gelassen, gar nichts mit ihm geübt. Er durfte liegen wo er wollte, das war übrigens immer im Flur auf dem kalten Boden, trotz Winter. Den Vorteil von einem warmen kuschligen Platz hat er später gelernt. Wenn sie sich etwas holt, dann nimm es ihr kommentarlos weg und leg es wohin, dass sie nicht dran kommt. Wenn sie dir nach geht, was stört dich daran? Hat meiner auch gemacht.
Zum Jagdtrieb, den hat ein Hund oder halt auch nicht. Das wird viel Arbeit werden. Klar wird es noch schwieriger, wenn der Hund schon gejagd hat und den Rausch kennt, ob nun erfolgreich oder nicht. Hinterherhetzen ist auch jagen und versetzt den Hund in Rausch. Ich würde sie auch nicht ständig streicheln, nur weil sie das will. Ich würde sie am ehesten ignorieren. Wenn du jedesmal darauf anspringst, wenn sie etwas fordert, dann wird das ein Selbstläufer in die falsche Richtung.
Wie gesagt, ich hab übrigens auch einen Jagdhund. Die ersten 4 Wochen hab ich ihn einfach in Ruhe gelassen, drinnen wie draussen. Das Training, um den Jagdtrieb in den Griff zu bekommen, hab ich erst nach 3 Monaten angefangen. Ein echte Bindung hatten wir erst nach gut 8 Monaten. Nach 2 Wochen ist da noch nix mit Vertrauen. Wenn sie dir folgt, dann wohl eher aus Neugier, könnte ja was passieren. Lass es ein bisschen ruhiger angehen. -
Hallo Izzy,
Schön, dass Du Dich schon zurück meldest.
ZitatWann hat sie denn Lust?
Zitat-> Das ist immer unterschiedlich. Es gibt keine Tageszeit oder besondere Situation, in der sie ... ich nenne es mal "motivierter", ist. Manchmal komme ich zu ihr und sie setzt/legt sich artig hin, steht ohne Problem auf, sodass man weiter arbeiten kann und manchmal stellt sie auf Durchzug, schmeißt sich auf den Boden und will gekrault werden & ignoriert dann alle weiteren Versuche. Leckerchen sind dann zwar immer noch interessant, aber nur, wenn sie in dem Moment nichts dafür tun muss.
Das klingt allerdings schon danach, als ob Du drei-, viermal hintereinander ein Sitz oder ein Platz forderst. Oder verstehe ich Deinen Satz, der Hund 'steht ohne Problem auf, sodass man weiter arbeiten kann' falsch? Ich trainiere möglichst so, dass der Hund sich freut wenn er etwas tun darf: also mal im Vorbeigehen ein 'Sitz' und wenn er es tut gibts ein grosses (dem Hund angemessenes) Trara. Das kann 'gemeinsames Freuen' in Form von streicheln, kurz (oder auch mal länger) spielen, Futter, was auch immer sein, aber Du siehst: Aufmerksamkeit gibts dann, wenn man etwas gut gemacht hat. Ich frage einmal, vielleicht zweimal nach einem Sitz, erst wenn der Hund sich aktiv freut und darum 'bittet' weiter machen zu dürfen, hänge ich noch eine Übung an - aber nicht nochmal ein Sitz, sondern vielleicht ein Platz oder etwas, was der Hund sowieso gerne tut, also eine Verhaltensweise, die für den Hund sowieso schon selbstbelohnend ist und die er gerne auf Kommando zeigt. 'Drill' im Sinne von repetitiven Sitz-Platz-Steh- Übungen baue ich erst dann ein, wenn ich einen Hund vor mir habe, der arbeiten will und für den mindestens zwei Drittel der Aufgaben, die ich verlange, schon selbstbelohnend sind. Insofern hat Sundri natürlich schon recht: es kann gut sein, dass Deine Hündin Dir so zeigt, dass es ihr zu viel ist und sie nicht versteht, weshalb sie die Übung nochmal machen muss. Um es vielleicht noch einmal in einem 'menschlichen Vergleich' zu sagen: stell Dir vor, es fragt Dich einer, was 3 + 5 gibt. Du sagst 8, der Gegenüber sagt: 'stimmt.' Du wartest auf die nächste Aufgabe und der Gegenüber fragt Dich nochmal: 'was gibt denn 3 + 5?' Du wunderst Dich vielleicht, fragst Dich, obs das letzte Mal nicht richtig gewesen ist und sagst halt noch einmal: 'Acht.' Und Dein Gegenüber: 'Stimmt. Und jetzt sag mir doch bitte, was gibt denn bitte nochmal 3 + 5?' Spätenstens dann findest Du wohl auch, dass dieses Spiel sehr langweilig wird und suchst Dir eine bessere - lohnenswertere - Beschäftigung. Der Gegenüber könnte das Spiel interessanter machen, wenn er Dich bei jeder richtigen Antwort mit etwas für Dich lohnenswerterem belohnt als einem simplen 'Stimmt.' Er könnte Dir z.B. ein Stück Schokolade geben (wenn Du das magst). Aber auch hier merkst Du: nach jedem weiteren Stück Schokolade wird das Spiel etwas langweiliger, weil weder die Frage, noch die Belohnung spannender wird... Merkst Du was?
Zitat
-> Das trifft ihr Verhalten eigentlich schon ziemlich gut. Sie ist quasi süchtig nach Streicheleinheiten (klar, sie hat ja einiges nachzuholen). Das macht sie andauernd. Wirft sich hin, rollt sich auf den Rücken und wenn man dann an ihr vorbei geht weil man z.B. gerade etwas zu essen machen möchte, kommt sie hinterher, schleckt an der Hand und fordert auf sie zu streicheln.Dann gibts Streicheln ab sofort nicht mehr auf ihre Aufforderung, sondern nur noch auf Deine Initiative hin. Auch dieses Verhalten kann von ungeheurer Unsicherheit zeugen. Sie versucht gerade herauszufinden, ob gewisse Dinge immer funktionieren - und bisher seid ihr ja sehr zuverlässig: ihr krault ihr immer schön den Bauch wenn sie sich hinlegt. Das Problem dabei ist nur, dass sie dabei alleine bestimmt wann sie gekrault werden möchte. Das ist im Grunde genommen auch völlig ok - sie soll ja lernen, dass ihr vertrauenswürdig seid. Es geht nicht darum, sie jetzt nicht mehr zu streicheln! Im Gegenteil, sie soll ihre Streicheleinheiten erhalten - aber ich würde versuchen mir das Gerne-gestreichelt-werden für die Erziehung zu Nutze zu machen und die Dynamik umzudrehen.
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Nochmals hallo,
Nur kurz, weil ich gerade noch kurz Bezug auf die Vorgeschichte nehmen will:
ZitatSie wurde mit ca. 6 Monaten aufgelesen und hat seitdem in einer Perrera gelebt. Da dort ein deutscher Verein die Hand drüber hatte, mussten die Hunde nicht getötet werden. Sie wurden versorgt, raus gelassen, konnten Spielen und Toben, hatten aber relativ wenig mit Menschen zu tun. Daher versteh ich auch ihren Jagdtrieb nicht so ganz. Die Hasen und co. müssten schon ziemlich dumm gewesen sein, wenn sie sich zu den Jägern unter dem Zaun durch gegraben hätten.
'Ernsthafter' Jagdtrieb bildet sich normalerweise erst zwischen dem 7. und 24. Lebensmonat aus. Der Hund muss nicht zwingend Jagderfahrung machen um Jagdtrieb zu entwickeln - die Ausprägung ist genetisch festgelegt und wird sich zeigen egal ob der Hund Gelegenheit hatte dieses Verhalten zu zeigen oder nicht. Dass sie jagt sagt also nichts über ihre Vorgeschichte, sondern eher etwas über ihre Abstammung aus.
Zitat
So selbstverständlich wie sie bei uns ins Haus gekommen ist, kennt sie das garantiert. Ich möchte fast drauf wetten, dass sie als Welpe eine Familie hatte und dann entsorgt wurde, als sie auf die 60cm Schulterhöhe zu steuerte. Sie war nach 3 Tagen stubenrein, spricht auch dafür, dass ihr das schon einmal ansatzweise bei gebracht wurde. Also kann sie nicht grad so viel auf der Straße gelebt haben.Auch das bedeutet nicht zwingend, dass sie bereits im Haus gelebt hat. Manche Hunde - auch völlig wilde - verstehen die Konzepte 'Haus' und 'Stubenreinheit' sehr schnell, selbst wenn sie nachweislich noch nie in einem gelebt haben. Es gibt 'reinlichere' Hunde und weniger reinliche - ein bisschen wie bei Menschen.
Im Grunde genommen spielt weder ihre Herkunft, noch ihre Vergangenheit eine grosse Rolle. Hunde leben im Hier und Jetzt und da finde ich, lohnt es sich, vorwärts anstatt rückwärts zu schauen. Auch wenn es noch so verlockend ist dem Hund irgend eine Geschichte anzudichten - es bringt weder Dir, noch dem Hund etwas, es bringt Euch nicht vorwärts. Schau voraus, auf das was sein wird, was sein könnte, nicht das was war. Viel Glück!

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Moin,
es wurde ja schon auf alle Punkte sehr gut eingegangen, möchte aber dennoch ein paar Vorschläge als Anregung geben.
Körbchen:
Bei meinem Spanier war es anfangs änlich wie bei dir, er ist kaum in sein Körbchen(Kudde) gegangen oder nur sehr widerwillig. Ich hab seine Kudde dann einfach umgestellt, insgesamt ca. 3 mal bis wir einen Platz gefunden hatten mit dem er sich wohlgefühlt hat und mit dem ich auch gut leben konnte(nicht im Weg liegen).
Ich habe ihn allerdings die ersten 3-4 Wochen nie auf seinen Platz geschickt, da es für mich nicht wichtig war und andere Dinge Vorrang hatten. Die ersten Tage ist er mir oft auf Schritt&Tritt durch die Wohnung gefolgt, man konnte ihm seine Unsicherheit auch ansehen, bis auch für ihn eine Art Alltag eingekehrt ist. Danach ist er dann z.B. auch in einem Raum geblieben, wenn ich kurz in einen anderen gegangen bin. Ich denke weil er einfach schon sein neues Zuhause(Umgebung, Abläufe) ausreichend kennengelernt/verinnerlicht hatte und wusste, das er nichts verpasst oder zu befürchten hatte, wenn ich z.B. in die Küche gehe oder den Müll rausbringe.
Das Kommando "auf deinen Platz", hab ich gar nicht gezielt mit ihm geübt, sondern einfach ohne großen Wirbel in den Alltag integriert. Habe ich gesehen, das er z.B. nach dem Fressen zu seinem Körbchen geht, hab ich einfach ganz kurz bevor er dort war "auf deinen Platz" gesagt und als er sich hingelegt hat, gelobt. So hatte er keinen Stress, da er sich ja eh in sein Körbchen legen wollte und wir haben trainiert ohne das er es als Training mitbekommen hat - hat super geklappt.
Du hast deinen Hund jetzt erst 2 Wochen und er sollte die Zeit bekommen, die er dafür braucht um "anzukommen".
Ich kann dir ja kurz erläutern was ich die ersten Wochen mit ihm gemacht habe, da dein Hund viel Ähnlichkeit mit meinem Hund damals hatte - vielleicht kannst du etwas für dich davon mitnehmen. Die ersten Wochen habe ich mich im Alltag so verhalten, als wenn er gar nicht da wäre bzw. als wenn er schon immer bei mir gewesen wäre.
Soll heißen, ich habe nicht großartig Rücksicht auf ihn genommen oder wegen ihm meinen Tagesablauf großartig geändert. Natürlich Gassi gehen, zusammen spielen, die Welt erkunden etc., aber halt nie z.B. bewusst 3 mal täglich Trainingseinheiten oder sowas. Ich habe vieles in den Alltag eingebaut, z.B. ging es erst raus zum Gassi, wenn er ruhig vor mir saß, ich ihn anleinen konnte und er dann ruhig gewartet hat bis ich bei komplett geöffneter Wohnungstür "ok" gesagt habe. Darauf hab ich von Anfang an großen Wert gelegt, da bei mir im Haus damals viele ältere Nachbarn wohnten und die nicht Angst vor meinem ungestühmen Hund haben sollten, weil der wie ein verrückter und unerzogener Hund durchs Treppenhaus flitzt um schnell Gassi zu gehen. Natürlich klappte das erst nach einiger Zeit so wie ich mir das vorgestellt hatte, aber er wusste genau was er tun soll und was passiert, wenn er ein anderes Verhalten zeigt. Ich stand dann halt im Winter öfter mal komplett in Winterkleidung eingepackt in meiner Wohnung vor der geöffneten Tür und haben gewartet, bis er sich hingesetzt hat. Schön fand ich das nicht, im Gegenteil ich hab teilweise geschwitzt(Klamotten+Heizung an), aber nur so konnte ich ihm in Ruhe vermitteln was ich von ihm wollte. Habe auch versucht das bewusst mit ihm zu üben, aber damit war er anfangs einfach überfordert, also wurde das in unseren Alltag eingebaut.Mein Hund war Zuhause ein Traum, hat kaum Blödsinn angestellt und war sehr ruhig und ausgeglichen. Draußen allerdings war er was andere Hunde und Tiere betrifft sehr unsicher, er war abgelenkt, ständig am schnüffeln und gucken was um ihn herum passiert. Er konnte draußen nicht zur Ruhe kommen, er war ständig auf 180. Er hatte einen sehr stark ausgeprägten Jagdtrieb und sobald er eine Fährte aufgenommen oder ein Kaninchen gesehen hatte, war sein Erregungslevel dermaßen hoch, das er die ersten Wochen gar nicht ansprechbar war -weil er zu 100% im "Jagdmodus" war. Der hing in der Leine wie ein bekloppter, hat gefiept und gewinselt, hat mich nicht beachtet und war gefrustet hoch 3, wenn ich die Richtung gewechselt habe. Futter, Spielzeug, Dummy etc. war ihm dann total egal und es hat lange gedauert bis wir z.B. in einem Park auf einer Bank sitzen konnten während in 20m Entfernung Kaninchen saßen und mein Hund sich dann halbwegs ruhig an entspannter Leine neben mich setzen konnte.
Bewusst trainieren, ja, aber jetzt ist es meiner Meinung nach noch zu früh. Lass ihn erstmal ankommen, Sicherheit gewinnen und Vertrauen aufbauen. Wozu muss dein Hund bereits jetzt z.B. das Kommando "Platz" oder "Hol" können? Wichtig ist doch erstmal, das er klare Strukturen bekommt an denen er sich orientieren kann, den Alltag verinnerlicht und sicherer im Umgang mit der neuen Umgebung, den neuen Menschen und seinem neuen Leben wird.
Freunde, Familie, fremde Menschen usw., durften bei mir z.B. nur den Hund streicheln, wenn der von sich aus zu ihnen gekommen ist. Einfach aus dem Grund, weil er wissen sollte, das er sich Zuhause sicher fühlen kann und das ich für ihn alles regel und auf ihn aufpasse.
Wollte noch mehr schreiben, hab aber gerade den Faden verloren. Wenn du noch Fragen hast, immer her damit - hier sind viele kompetente Hundeleute.
Wünsche dir viel Freude mit deinem Hund, Gruß
Basti
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