Verbale (emotionale) Kommunikation
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Hallo zusammen,
ich wende mich hier mit diesem Anliegen an euch, weil ich langsam immer unsicherer werden, nicht mehr weiter weiß und Angst habe, den für meinen Fall "richtigen Weg" eventuell zu verpassen.
Es geht um die verbale Kommunikation von Mensch zu Hund. Und zwar um den emotionalen Teil. Wie wichtig ist es für den Hund, den Lob und Tadel mit emotionaler Stärke zu unterstreichen?
Mein 13 Wochen alter Welpe (Finnischer Lapphund) ist ein sooo toller Hund, sehr intelligent, lernt Übungen oft schon nach dem ersten und zweiten Durchgang, hat eine starke Bindung zu mir und hört in der Regel sogar auf mich, wenn er abgelenkt ist, manchmal sogar beim Spielen mit anderen Hunden sowohl in der Welpenschule als auch beim Gassi gehen auf der Wiese. Bis jetzt ist er fast perfekt, nur dass er manchmal zu Hause so seine Ausraster hat, wo er durch nichts mehr zu bändigen ist, aber das wäre hier jetzt OT.
Jedenfalls bemängelt eine der Trainerinnen in der Welpenschule bei mir immer, dass ich meine Stimme nicht genug einsetze und ich dieses tolle Verhalten von meinem Hund mit meiner Art schon sehr bald verlieren werde. Es geht dabei wohl zum einen um meine Tonlage als auch die emotionale Stärke wenn ich ihn lobe.
Ich kriege einfach kein gequietsche hin! Ob das daran liegt dass ich'n Kerl bin? Wohl kaum, andere können das ja auch. Ob es da einen Trick gibt den ich noch nicht raushabe? Und nein, ich bin nicht schüchtern sondern es klappt auch zu Hause beim Üben nicht, wenn ich ganz alleine bin.
Des weiteren bin ich schon seit ich mich zurückerinnern kann ziemlich emotionslos. Es gab bei mir schon in der Kindheit nie wirklich Momente wo ich mich richtig übertrieben gefreut oder mich über etwas ausgelassen geärgert habe. Ich wurde deswegen auch mal auf Autismus gecheckt, ist aber zum Glück nicht der Fall. Ich bin halt einfach so. Ich imitiere mein Leben lang eigentlich die Emotionen wie ich sie bei anderen beobachten kann. Das reicht um in Gesellschaft nicht aufzufallen aber nicht um authentisch Gefühle rüberzubringen...schon gar nicht einem Tier.Mit meinem Welpen ist es jetzt halt so, dass ich einfach mein Bestes gebe, aber das wohl in den Augen/Ohren meiner Trainerin quasi absolut wertlos ist (uninteressante "Grauzone"). Ihr kann ich das natürlich nicht so sagen wie euch, weil es einfach was anderes ist ob man das anonym macht oder eben nicht. (Vor allem weil man mir meine innere Emotionslosigkeit quasi nicht anmerkt. Gegenüber Menschen kann ich das echt gut überspielen, aber bei Tieren (und Kindern) komm ich da eben nicht wirklich weit.)
Wenn er etwas toll macht, dann versuch ich mich interessant zu machen indem ich ein bisschen in die Hände klatsche oder auf den Oberschenkeln herum"trommle" und in meiner höchsten Tonlage und freundlichsten Stimme "ja feeein, suuuuuper hast du das gemacht, hey hey hey hey hey" und sowas sage und es versuche so rüberzubringen, dass es mich wirklich richtig freuen würde. Und natürlich gibt es immer ein Leckerchen.
Seine Reaktion ist so, dass er auch immer gleich angerannt kommt, mal mit der Rute wedelnd, mal auch einfach nur so und sich seine Belohnung abholt. Das war's aber auch schon.
Bei der Trainerin mit ihrer piepsigen Stimme und anscheinend besser gespielten Freude (oder echte Freude?) ist er aber schon etwas anders und scheint sich selbst wie verrückt zu freuen, wenn er bei ihr angekommen ist. Bei mir ist er zu diesem Zeitpunkt leider nur noch auf das Leckerchen fixiert und wartet danach entweder auf ein Kommando oder geht eben wieder. Ich denke das zeigt relativ deutlich, was für ein schlechter Schauspieler ich bin.
Beim tadeln ist es das selbe, das interessiert ihn teilweise gar nicht. Nur wenn ich so richtig angepisst von seinem Verhalten bin klappt es manchmal. Da reicht es aber ihn böse anzuschauen und er hört augenblicklich damit auf. Mit Schimpfen hätte es keinen Wert.Nun, ich denke damit ist das Problem jetzt recht deutlich erklärt, falls doch nicht bitte einfach nachfragen bevor irgendetwas reininterpretiert wird. :)
Würde mich riesig freuen, wenn ihr mir iiirgendwie weiterhelfen könntet, egal wie. Ich weiß ja selber nicht wie man da eine Lösung finden könnte.
Am liebsten wäre mir natürlich wenn es jetzt heißt "das macht nix, Leckerchen reichen doch" aber das wird mit Sicherheit nicht der Fall sein.Übrigens, vielleicht noch wichtig: Ich arbeite seit dem ersten Tag mit einem Klicker. Ob es das etwas besser macht?
Beste Grüße
Ben - Vor einem Moment
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Hi,
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Ist es denn so, dass du dich wirklich nicht freuen kannst, wenn dein Welpe etwas gut macht? Oder kannst du die Emotion nur nicht ins "Außen" bringen?
Ich denke nämlich, dass dein Hund sehr genau und sehr fein beobachten und wahrnehmen kann und merken wird in was für einer Stimmung du bist.
Dass man, gerade Welpen, mit hoher quietschiger Stimme sehr schnell dazu bringt, hochzufahren, ist richtig. Aber ob das das NonPlusUltra ist? Finde ich nicht. Auch ein Welpe kann man subtiler belohnen und bestärken.
Außerdem frage ich mich oft, was die Hunde wohl von uns denken, wenn wir da wie die Bekloppten rumquietschen, hüpfen, hampeln etc.
Allerdings fände ich schon wichtig, dem Hund gegenüber klar zu sein. Ein Lob sollte schon als solches zu erkennen sein. Wenn du wirklich in der absolut gleichen Stimmung und Stimmlage sowohl tadelst als auch lobst, wird es schwierig für deinen Hund.Vielleicht wäre es für dich eine Option, deine Belohnung zu variieren. Mach mal ein Renn- oder Tobespiel oder, wenn es dein Welpe mag, streichel ihn oder spiel mit ihm mit einem tollen Spielzeug. Es muss ja nicht immer nur Leckelie sein. Das wäre meinen Hunden auf Dauer auch zu langweilig. (Nicht dass sie es verschmähen würden...)
Ich würde mir, an deiner Stelle, nicht so viele Gedanken machen. Dein Hund merkt, wenn du aufgesetzt bist. Und wenn es dir so schwer fällt, rumzuquietschen, dann lass es. Aber vielleicht findest du etwas, womit du deinen Hund deutlich belohnen kannst.
Liebe Grüße
Nele -
Ich denke auch, daß Authentizität wichtiger ist als hohe Schauspielkunst. Deswegen ist weniger die Frage für mich, wie euphorisch Du Deinen Welpen bequietschst, sondern ob das Gefühl der Freude über etwas, was er richtig gemacht hat, echt ist. Denn Hunde merken es, wenn Reaktionen gespielt sind. Wenn Du eng mit Deinem Hund zusammenlebst, wird er sich auf die Art Deiner Gefühlsäußerungen einstellen lernen.
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Hi,
musste ein bisschen schmunzeln....
Vielen Menschen kannst Du mit Deiner Schaulspielkunst sicherlich etwas vormachen. Deinem Hund aber nicht. Er ist ja noch sehr jung und reagiert deshalb etwas mehr freudiger, wenn die Trainerin rumquitscht.
Schon jetzt kann Dein Hund einiges an Deiner Koerpersprache ablesen, auch wenn Du versucht auch diese zu manipulieren.
Je mehr Du mit Deiner Koepersprache kommunizierst, desto mehr achtet auch der Hund darauf.
Du brauchst also weder zu quitschen noch Leckerlies.
Clicker auch nicht, aber jeder hat halt seine Methoden.
Ich fuer mich habe in der Hunderziehung gelernt: Weniger ist mehr und Gefuehlsausbrueche, benutze ich nur, in besonderen Faellen.
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Genau das wäre auch meine Frage gewesen: "FREUST Du Dich, wenn Dein Hund etwas gut gemacht hat, oder, ist es Dir eigentlich egal"
Ich mein, JEDER freut sich doch, wenn etwas, das man sich erarbeitet, oder zusammen erarbeitet, funktioniert. Nur, kann der Eine seine Freude übertrieben in die Welt hinausschreien, der Andere zeigt seine Freude eher "dezenter". Ich persönlich sage: "Einem Hund ist es relativ, hauptsache es ist ehrlich, damit er weiß, woran er ist." Denn nichts anderes bringt einen Hund dazu, etwas zu machen, als ehrlich gemeinte "Bestätigung"Wenn Du halt nicht so ein überschäumender Mensch bist, aber Deine innere Haltung auf "gut gemacht" ist, dann ist es doch in Ordnung
Dein Hund wird immer hinter die Kulissen blicken. Wenn Du allerdings Freude vortäuscht, wird er irgendwann schnallen, dass alles "einerlei" ist, denn die Grundstimmung ist die Gleiche...Du würdest immer monoton die gleiche Stimmung ausstrahlen.... nen Hund kann man vielleicht anfangs täuschen, aber irgendwann schnallt ers doch....... -
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Ich halte übrigens auch nichts von diesen schrillen Tönen, wenn Hund etwas geschnallt hat.... dennoch muss ich gestehen, dass es mich, vor allem in der Welpen und Junghundezeit, manches Mal überkommen hat
ICH WOLLTE STARK SEIN
ganz ehrlich!!!!!!! Aber, ich freu mich halt einfach so gern mit ihm 
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Klingt doch super. Ich kann ich auch nicht quietschen. Übrigens ging es mir anfänglich so dass ich nicht so richtig loben konnte bzw die Emotionalität fehlte. Mittlerweile hat sich das geändert.
Mach einfach so weiter wie du es bisher machst. Auch ein Streicheln des Hundes ist eine Belohnung (allerdings nur wenn der Hund das mag und man ihn nicht "klopft" aka "mein Kumpel").
Du brauchst dir keine Sorgen machen - dein Hund wird lernen wie er dich einschätzten muss und wenn was du ehrlich meinst und was nicht. Wenn du was ehrlich meinst, dann kommt das auch an und wird als Lob registriert.
Noch ein Tipp - wenn du den Belohnungen wie Leckerchen oder Spiel, Spannung und Spaß gewohnheitsmäßig ein ernst gemeintes Lob vorschiebst wird das Lob aufgewertet.
Und der Clicker ist auch ein ziemlich gutes Mittel um auch mal Emotionslos gutes Verhalten zu bestätigen. Ich nutze den auch sehr oft und schiebe immer nen Lob vorweg bevor es die Belohnung gibt.
Aber gerade die Interaktion zw Hund und Mensch und umgekehrt ist, was die Beziehung ausmachen wird. Und wenn dein Lob ein "Klasse!" in Robotersprache ist dann ist das einfach so - dein Hund wird das irgendwann verstehen. Das Rankrufen und Schenkelklopfen ist doch schon ein sehr gutes Zeichen.
Lockermachen - weitermachen - Spaß haben :) -
Zitat
Des weiteren bin ich schon seit ich mich zurückerinnern kann ziemlich emotionslos.
Lass Dir mal nichts einreden. Wahrscheinlich bist Du einfach introvertiert.
Das ist nix Schlimmes. Steh zu Dir.Ich habe auch noch nie gequietscht, um meine Hunde zu loben.
Dein Welpe braucht für das Kommen kein Leckerlie, keinen Clicker.
Es reicht, wenn der Welpe eure Verbundenheit spürt.
Das ist Grund genug, um gerne zu Dir zu kommen.Dieses Quietschen ist für Welpen tatsächlich wie eine Spielaufforderung, darum reagieren sie darauf. Du kannst Deine Freude für das Kommen aber auch auf Deine eigene Weise zeigen.
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Vielen Dank für eure Antworten. Hat mir zum einen den Abend heute gerettet und zum anderen bin ich begeistert, wie familiär man hier aufgenommen wird.
ZitatIst es denn so, dass du dich wirklich nicht freuen kannst, wenn dein Welpe etwas gut macht? Oder kannst du die Emotion nur nicht ins "Außen" bringen?
Freuen tu ich mich schon, vor allem bin ich aber immer richtig von ihm begeistert und kann selbst nach der x. Wiederholung noch nicht glauben, dass er manche Kommandos schon so gut beherrscht. Ich denk "stolz" trifft es am meisten. Ich empfinde also auf jeden Fall etwas, aber um das nach außen zu transportieren muss ich halt oft "schauspielern".ZitatDass man, gerade Welpen, mit hoher quietschiger Stimme sehr schnell dazu bringt, hochzufahren, ist richtig. Aber ob das das NonPlusUltra ist? Finde ich nicht.
Tja aus Sicht der Trainerin scheint es so zu sein. Sie meinte sie könnte es mir schriftlich geben, dass wenn ich weiter auf dieses gequietsche verzichte und ihn nicht (situationsbedingt) überschwänglich lobe, er bald nicht mehr so toll sein wird wie jetzt. Ich mein ich versteh, dass er ganz besonders gelobt werden muss, wenn er auf mein "komm" das Spiel mit einem anderen Welpen unterbricht. Aber wenn ich halt nicht so ausrasten kann? Was soll ich denn bitte machen? Je mehr ich mich offensichtlich freuen soll, desto weniger authentisch wird es, weil das so nie Teil meines Lebens war.ZitatEin Lob sollte schon als solches zu erkennen sein. [...]
Das ist es und die selbe Tonlage is es bei mir ja auch nie; nur halt eher subtil. Es ist auch ohne künstliches Auftreten absolut erkennbar ob ich mich über sein Verhalten freue, es für mich selbstverständlich ist oder ich mich über ihn ärgere. Es äußert sich bei mir halt fast nur in meinem Gesicht und in der Stimme nur relativ dezent.ZitatWenn Du eng mit Deinem Hund zusammenlebst, wird er sich auf die Art Deiner Gefühlsäußerungen einstellen lernen.
Danke dafür.
Gibt mir irgendwie die Sicherheit zurück, die meine Trainerin mir genommen hat. (Auch wenn sie es sicherlich nur gut gemeint hat.)ZitatJe mehr Du mit Deiner Koepersprache kommunizierst, desto mehr achtet auch der Hund darauf.
Auch dir ein großes Dankeschön!ZitatWenn Du halt nicht so ein überschäumender Mensch bist, aber Deine innere Haltung auf "gut gemacht" ist, dann ist es doch in Ordnung
Dein Hund wird immer hinter die Kulissen blicken.
Ihr scheint euch da ja echt alle einig zu sein, freut mich! Eigentlich auch logisch...als wenn ein Hund so oberflächlich wie ein Mensch wäre.^^ZitatNoch ein Tipp - wenn du den Belohnungen wie Leckerchen oder Spiel, Spannung und Spaß gewohnheitsmäßig ein ernst gemeintes Lob vorschiebst wird das Lob aufgewertet.
Auch dir erstmal ein Danke für die mutmachenden Worte. Aber was genau meinst du mit dem ernst gemeinten Lob vor der Belohnung? Ein bestimmtes (lobendes) Wort zu einem festen Kommando machen? Ich bin mir nicht sicher ob ich das richtig verstanden habe.ZitatLass Dir mal nichts einreden. Wahrscheinlich bist Du einfach introvertiert.
Das ist nix Schlimmes. Steh zu Dir.
Im Umgang mit Menschen kann ich inzwischen absolut zu mir stehen und seit dem das so ist, bin ich auch viel lockerer geworden und habe ein (glaube ich) authentischeres Auftreten. Aber ich will bei meinem Hund einfach alles richtig machen und wenn mir jemand so kompetentes gegenübersteht wie die Trainerin (und ich halte sie für sehr kompetent), lasse ich mich da halt leicht verunsichern. :/ZitatEs reicht, wenn der Welpe eure Verbundenheit spürt.
Das ist Grund genug, um gerne zu Dir zu kommen.
Er kommt definitiv gerne zu mir und ich würde auch behaupten, dass wir eine sehr enge Verbundenheit haben und ich glaube sogar, dass er mir zu 100% vertraut. Aber anscheinend ist das ja alles nur normales Welpenverhalten und wird bald verloren gehen wenn ich nicht anfange mit ihm zu quietschen... Aber gut, nach eueren Antworten zweifle ich inzwischen an dieser Aussage. Sicherlich wäre es nicht falsch so zu sein...aber so bin ich halt nicht.Jetzt ist nur noch die Frage: Wie sieht ein überschwängliches Lob in besonderen Situationen aus, wenn ich nicht anfange wie eine Gummiente zu quietschen? Also z.B. speziell in der oben genannten Situation, wo er wegen meinem Zuruf ein Spiel unterbrochen hat. Ein von stolz erfülltes Gesicht mit einem feinen Leckerli wird ja wohl kaum reichen. Oder doch?
LG
Ben -
Hunde können auch Handzeichen verstehen. Meine Hündin kennt einige Handzeichnen. Sitz, Platz, Warten, Komm. Probiere es aus ob dein Hund eine Handzeichen als Lob akzeptiert.
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