Impulskontrolle -verbraucht sie sich wirklich ?

  • Ich habe hier im DF schon häufiger gelesen, man solle Impulskontrolle gezielt einsetzen, nicht in Situationen verlangen, wo es nicht notwendig ist, weil diese "sich verbraucht", sprich, der Hund, wenn er in vielen unwichtigen Situationen sich beherrschen muss, es dann in einer wichtigen Situation nicht mehr kann.
    Ist da was dran ?

    Ich denke eher, dass Hund das grundsätzlich erst lernen muss, sich zu beherrschen, auch Frust auszuhalten und dass man das langsam aufbauen muss. Und wie immer beim Lernen man das kleinschrittig tut und die Ansprüche steigert.

    Wieso sollte also das z.B. Warten vorm Napf oder an der Haustür oder beim Austeigen aus dem Auto oder oder oder
    dann schuld sein, wenn es evtl. beim Anblick von Wild nicht funktioniert ?
    Ist da echt der "Verbrauch" schuld ?
    Und nicht eher eine Überforderung, weil halt schwer zu trainieren ?

  • Ich denke eher dass durch häufiges "sich zusammenreissen" und anschließender Belohnung dieses Verhalten gefestigt und nicht verbraucht wird, da der Hund es mit etwas positivem verknüpft (klassische Konditionierung).

  • Wer sagt denn das? ist ja interessant, hab ich noch nie gehört...

    Für mich ist das ganz klar eine Sache des Trainings und auch der Reife. Klar, wenn ein Hund sich nicht "im Kleinen" beherrschen kann, wie soll er das "im Großen" können?

    Was ich allerdings schon denke, ist dass ein Hund, der sich ständig und immer beherrschen soll, irgendwann nicht mehr kann, weil er einfach zuviel Stress aufgebaut hat. Von daher ist es sicher gut, wenn man gezielt Gelegenheiten schafft, um z.B. durch Bewegung Stress abzubauen. Wenn mein Junghund längere Zeit ordentlich an der Leine laufen musste, düst er meist auch erst mal richtig los, wenn er dann laufen darf.

  • Sehr interessantes Thema.
    Lou hatte anfangs so gar keine Kontrolle über sich, alles machte ihn nervös, alles bellte er an. Klar, er hatte ja auch über Jahre mehr oder weniger reizfrei gelebt.

    Ich habe viel mit ihm geübt, und immer ein bißchen mehr gefordert: erst nur ein kurzes "warte" vorm Napf, später dann "sitz" und "platz" und "warte" - heute (nach 20 Monaten) bleibt er auf seinem Platz liegen, bis ich hn rufe, ohne dass ich was sagen muss.

    Er hat anfangs mir fast den Arm ausgerissen, wenn er ein Eichhörnchen sah. Heute sieht er es, macht "Sitz" und darf es zur Belohnung den Baum 'rauf jagen.

    Es gab immer wieder Rückschläge, und an einigem muss ich noch arbeiten. Aber ich glaube, dass er Impulskontrolle gelernt hat und immer mehr Geduld bekommt auch für brenzlige Situationen. Da verbraucht sich nichts, das ist ein "Wissen" auf das er zurück greifen kann.

  • Zitat

    Hier ein netter Link, der es gut erklärt: http://markertraining.de/impulskontrolle/

    Aber auch Martina Schoppe schreibt in ihrem Artikel, dass die IK sich verbraucht, bzw. nur durch Schlafen und Fressen gewissermaßen wieder aufgeladen werden kann;
    ich denke immer noch, dass es in erster Linie Training ist, was die Impulskontrolle verbessert
    Beispiel:
    mein Rüde hing am Anfang seiner "Jäger-Karriere" beim Anblick eines sich bewegenden Rehs in der Leine, wollte hinterher und war überhaupt nicht ansprechbar. Ich habe in ganz vielen verschiedenen Situationen IK trainiert, bei jeder Reh-Begegnung versucht, ihn einfach nur zu fixieren, wenn er dann ruhig stand, gelobt und wir haben zusammen geguckt, bis das Reh außer Sicht war. Heute kann ich ihn ein bis zwei Sekunden nach dem Entdecken eines Rehs ansprechen und er reagiert auf mein "sitz" (an der Leine , ohne wär er weg....).
    Wenn ich seltener in anderen Situationen IK trainiere, ist der Erregungslevel beim Anblick eines Rehs wieder höher und es dauert länger, bis er das "sitz" ausführen kann.
    Auch wichtig: mal rennen/toben können ohne Leine, geht bei uns hier halt nur auf eingezäunter Fläche
    Fazit für mich: kein Verbrauch der IK, sondern Verbesserung durch mehr Training :???:

  • Ich glaub, dass die Wahrheit dazwischen liegt. Schaue ich den "Moment" an, dann kann der Hund sich nur eine gewisse Zeit lang oder bis zu einem gewissen Grad zusammenreißen. Das kann dann bei zu hoher Belastung "ausgereizt" sein, diese Fähigkeit. Aber ich bin ebenso davon überzeugt, dass man das durch Training immer weiter ausbauen kann, so dass die Spannen und Fähigkeiten eben immer größer werden. Insofern: Ja und Nein. Ja, es ist endlich, Nein diese Endlichkeit ist nicht in Stein gemeißelt, sondern kann erweitert werden.

  • Zitat

    Aber auch Martina Schoppe schreibt in ihrem Artikel, dass die IK sich verbraucht, bzw. nur durch Schlafen und Fressen gewissermaßen wieder aufgeladen werden kann;
    ich denke immer noch, dass es in erster Linie Training ist, was die Impulskontrolle verbessert

    Martina Schoppe schreibt doch aber auch, das die Endlichkeit von Impulskontrolle geübt/erweitert werden kann.

  • Zitat

    Ich glaub, dass die Wahrheit dazwischen liegt. Schaue ich den "Moment" an, dann kann der Hund sich nur eine gewisse Zeit lang oder bis zu einem gewissen Grad zusammenreißen. Das kann dann bei zu hoher Belastung "ausgereizt" sein, diese Fähigkeit. Aber ich bin ebenso davon überzeugt, dass man das durch Training immer weiter ausbauen kann, so dass die Spannen und Fähigkeiten eben immer größer werden. Insofern: Ja und Nein. Ja, es ist endlich, Nein diese Endlichkeit ist nicht in Stein gemeißelt, sondern kann erweitert werden.


    Das sehe ich auch so! :gut: Durch das Training braucht der Hund auch immer weniger Selbstbeherrschung, um den Impuls in einer bestimmten Situation zu kontrollieren - er braucht also den Vorrat weniger schnell auf. Drum halte ich auch wenig davon IK zu "sparen" - der Hund soll in Übung bleiben, es soll was Normales werden für ihn. Natürlich trieze ich ihn nicht endlos mit Frustübungen, ist eh nicht meine Art....

    Es gibt übrigens auch andere Theorien als die Endlichkeit der IK, es ist nicht unumstritten.

  • ich hatte mal einen Hund, der lernte es, bei Reh-Sichtung auf Kommando sich hinzusetzen und dazubleiben. das war ein Schäferhund-Berner Sennenhund -Mischling.
    Jetzt habe ich einen Windhund-Mischling, der lernt es nicht u bleibt bei Wildgefahr an der Leine.
    dazu hab ich nen Labrador, der ist dabei es zu lernen.
    der ist mit viel Übung zur Impulskontrolle fähig.

    nein, das verbraucht sich nicht. es muss konsequent geübt werden.

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