Mobbing - Ich bräuchte Begriffsklärung

  • Hier im DF lese ich den Begriff häufig.

    Er stößt mir ein bisschen auf. Ich hatte professionell ein wenig mit Mobbing zu tun. Mobbing und Mobbingprävention begegneten mir bei der Arbeit als Dauerthema und ich habe mich etwas eingelesen. Daher widerstrebt es mir, den Begriff bei der Hundehaltung zu verwenden, denn reale berufliche Mobbingprävention hat eh schon damit zu kämpfen, dass das Wort "schlampig" verwendet wird und jeglicher Gruppenprozess, in dem ein/e alleine in einer konfrontativen Situation ist, bereits schon als "Mobbing" bezeichnet wird. Das verwässert den Begriff und ist nicht hilfreich bei echtem Mobbing und dem Umgang damit.

    Aber unabhängig vom Begriff:
    Wenn eine Situation entsteht, wo ein Hund von anderen drangsaliert wird, weil sie in der Mehrzahl sind und ein Sozialding passiert, bei dem er die Rolle des (wortwörtlichen) Underdogs bekommt....
    ... ist das generell ein Grund für mich, einzuschreiten?
    Klar - ich bin diejenige, deren Aufgabe es ist, den Hund zu schützen.
    Klar - ich möchte ihn nicht unnötigem Stress aussetzen.
    Aber gibt es auch "nötigen Stress"?
    Also, gehört es in begrenztem Maße zu seiner Sozialkompetenz, mit solchen Situationen umgehen zu lernen?
    Manchmal sind andere blöd, lassen einen nicht gut wegkommen und "unterdrücken".
    Manchmal sind Gruppen, wenn sie gefestigt sind, für Außenstehende undurchdringlich oder sogar feindlich.
    Sind das Erfahrungswerte, die mein Hund sammeln sollte?
    Profitieren seine Sozialkompetenz und (vielbeschworene) Wesensfestigkeit davon?
    Oder nehmen sie eher Schaden?
    Ist das tatsächlich immer "unnötiger Stress"?
    Ist es immer Verhalten, das unterbunden werden sollte und bin ich in der Verantwortung, solche Gruppenprozesse nicht negativ gegen meinen Hund laufen zu lassen?

    Logisch muss man immer ein kritisches Auge haben und immer versuchen, parteiisch für den eigenen Hund mit zu denken.
    Logisch müssen Situationen, die gefährlich werden möglichst schnell unterbrochen werden.
    Aber gibt es da einen Spielraum oder eine Grauzone, wo ich meinen Hund dem aussetzen sollte und nicht überprotektiv sein darf?
    So aus dem Bauchgefühl heraus würde ich sagen, dass das so ist und meinem Hund auch zumuten, mit Sozialsituationen umgehen zu müssen, die blöd sind.
    Aber ich habe dazu noch kaum eine Meinung, die über dieses Bauchgefühl hinaus gehen würde und deshalb mag ich die Frage ans Forum stellen.

  • Ich zitiere mal aus "Spielverhalten bei Hunden" von Mechthild Käufer; Seite 140 "Alle gegen einen - Mobbing"

    Zitat

    Als Mobbing bezeichnet Klinghammer (1985) das "Verfolgen, Stoßen, Beißen und/oder Niederringen und -bolzen eines Tieres von zwei oder mehr Tieren".

    Dann geht es um erkennbare Tendenzen (bei Welpen ab 7. Woche) in dieser Situation sich dem "überlegenen" Hund anzuschließen und gegen den "unterlegenen" zu agieren - ungeachtet ob dieser ein guter Bekannter/enger Spielfreund ist. Feddersen-Petersen bezieht sich da auf die "ansteckende" Gruppenaggression. Das Sozialspiel wandelt sich dann zum Jagdverhalten mit der typischen Erregung.

    Ob und wann eingreifen beschreibt Mechthild Käufer, wie ich finde, auch sehr passend.

    Zitat

    Ich orientiere mich an der Devise "fordern aber nicht überfordern". Daraus ergibt sich, nur dann in das Spiel einzugreifen, wenn ein Hund entweder überfordert ist oder selbst andere Hunde überfordert. Grundsätzlich sollte der Welpe/Hund die Gelegenheit erhalten, Konflikte durch angemessenes Verhalten selbst zu lösen.

  • Estandia: Danke für die Zitate! :smile:

    Klinghammer und Käufer in allen Ehren, aber ich würde das Wort "Mobbing" hier trotzdem nicht gebrauchen und damit weiter abschleifen.
    Hunde haben keine Arbeitsplatzbeschreibung und juristische Verantwortung, das Betriebsklima zu erhalten und ein systematisches menschliches Ausgrenzungsverhalten ist etwas anderes, als ein instinktgesteuertes tierisches.
    Mag sein, dass das Wort hilfreich ist, um sich in Hundedingen (z. B. hier im Forum) zu verständigen, aber allein aus Rücksicht für Betroffene und Achtung vor denen, die am Thema Mobbing arbeiten, würde ich den Fachbegriff beim Fach lassen.

    Das zweite Zitat finde ich sehr hilfreich und es entspricht ziemlich meinem Bauchgefühl (s.o.).

  • Hey

    Zitat

    Estandia: Danke für die Zitate! :smile:

    Klinghammer und Käufer in allen Ehren, aber ich würde das Wort "Mobbing" hier trotzdem nicht gebrauchen und damit weiter abschleifen.
    Hunde haben keine Arbeitsplatzbeschreibung und juristische Verantwortung, das Betriebsklima zu erhalten und ein systematisches menschliches Ausgrenzungsverhalten ist etwas anderes, als ein instinktgesteuertes tierisches.
    Mag sein, dass das Wort hilfreich ist, um sich in Hundedingen (z. B. hier im Forum) zu verständigen, aber allein aus Rücksicht für Betroffene und Achtung vor denen, die am Thema Mobbing arbeiten, würde ich den Fachbegriff beim Fach lassen.

    Das zweite Zitat finde ich sehr hilfreich und es entspricht ziemlich meinem Bauchgefühl (s.o.).

    Richtig ist, das Mobbing ein klar definierter Begriff ist, dessen Bedeutung hier sicherlich fehl am Platz ist.

    Vielleicht hilft das ein wenig.

    3. behindern, einschränken, niederhalten, quälen, schikanieren, übel mitspielen;

    (ugs.): fertigmachen, herumhacken, kleinhalten, kleinmachen, piesacken, unterbügeln, unterbuttern;

    (abwertend): drangsalieren, tyrannisieren;

    © Duden - Das Synonymwörterbuch, 5. Aufl. Mannheim 2010 [CD-ROM]


    Der wahre Egoist kooperiert

  • Alle-gegen-einen-Verhalten.

    Von mir aus auch Gruppenterror, Underdog ausmachen oder aggressive Ausgrenzung.
    Oder ich würde Anführungszeichen setzen um das Wort "Mobbing".

    "Schikane" finde ich auch sehr gut. Thanx@hansgeorg!

  • Zitat


    Verhaltensmuster: Mobbing bezieht sich auf ein Verhaltensmuster und nicht auf eine einzelne Handlung. Die Handlungsweisen sind systematisch, das heißt sie wiederholen sich ständig.
    Negative Handlungen: Mobbingverhalten kann verbal (zum Beispiel Beschimpfung), nonverbal (zum Beispiel Vorenthalten von Informationen) oder physisch (zum Beispiel Verprügeln) sein. Solche Handlungen gelten üblicherweise als feindselig, aggressiv, destruktiv und unethisch.
    Ungleiche Machtverhältnisse: Die Beteiligten haben unterschiedliche Einflussmöglichkeiten auf die jeweilige Situation. Eine Person ist einer anderen Person unter- beziehungsweise überlegen. Dazu ist kein Rangunterschied nötig. Eine Ungleichheit kann durch die bloße Anzahl bedingt sein: Viele Personen gegen eine Person.
    Opfer: Im Handlungsverlauf bildet sich ein Opfer heraus, das infolge ungleicher Machtverhältnisse Schwierigkeiten hat, sich zu verteidigen.[10]


    Quelle: wikipedia


    Den Begriff ist nicht ausschließlich auf den Menschen geprägt, sondern schließt auch Tiere mit ein. Von daher finde ich. kann man ruhig von mobbing unter Hunden sprechen. Auch der unterlegene Hund ist ein Opfer und mobbing findet nicht nur in der Gruppe statt. Auch einzelne Personen, oder Hunde, können andere mobben.

  • Mobbing wurde erst in weiterer Folge für das verwendet, was unter Menschen passiert. Zuerst hat dies Konrad Lorenz verwendet und genau um das zu definieren, einen Gruppenangriff von Tieren auf andere Tiere.

  • Ich hoffe inständig, dass ich dich falsch verstanden habe, aber du meinst hoffentlich nicht im Ernst, dass dieser nötige Stress, dem sich deiner Meinung nach ein Hund aussetzen sollte, um im Sozialgefüge klar zu kommen auch dein Lösungsweg für menschliche Mobbingopfer ist?

  • Ich tu mich mit dem Wort Mobbing bei Hunden schwer. Ich habe es noch nie erlebt. Hunde sehen viel schneller und somit mehr als wir. Wir wissen nie, welche Signale Hunde aussenden. Und so mancher Hund, den man als Opfer gesehen wurde, hat in Zeitlupe als erstes den Eckzahn gezogen.

    Und am Ende ist das Opfer nur ein Hund, dem einfach die Natur einen aufgestellten Schwanz mitgegeben hat, für den er nichts kann, aber von der Hundegemeinde als Bedrohung gelesen wird. Für mich ist das mit dem Mobbing ziemlich vermenschlicht.

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