eigenständiger Hüti ... es nervt!

  • Danke euch allen für eure Tipps. Ich habe heute mal versucht, ihn hinter mir zu halten. Das Kommando "hinten" ist ihm soweit bekannt aber wir haben das nie so lange durchgezogen bisher. 100 m hat er es ganz gut geschafft und nur selten versucht zu überholen. Mal sehen, wie sich das ausbauen lässt und ob er dann insgesamt entspannter wird. Nach diesem einen Versuch lässt sich natürlich noch nichts sagen.

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    Aber genau das ist doch der Stress ;) Spazieren gehen sollte für einen solchen Hund eigentlich der Erholung von der Arbeit dienen ;)


    Ganz so sehe ich das nicht. Klar sollte er sich auf den Spaziergängen erholen / entspannen. Es ist aber nicht so, dass er ständig hochkonzentriert und angespannt die Gegend abscannt sondern das läuft oft einfach nebenbei. Neben dem schnüffeln am Baum, während des Markierens am letzten Busch, ... . Er läuft normalerweise an der lockeren längeren Leine bei mir, reagiert sofort auf mich wenn ich ihn anspreche. - An der Leine ist das alles easy. Das Problem beginnt wenn ich ihn ableine. Dann merkt man, was er so nebenbei alles bemerkt und gespeichert hat. Treffe ich z.B. jemanden, mit dem ich mich unterhalte dann sitzt er rel. entspannt neben mir, hat seinen Blick aber immer von mir weg. Nicht super aufmerksam sondern normal interessiert. Nimmt er Reize wahr, die ihm interessant erscheinen guckt er schon mal genauer, stellt die Ohren oder man sieht wie die Nase arbeitet. Der Körper bleibt aber völlig entspannt. Würde man ihn da ableinen könnte man oftmals aber den Mund für den Abbruch nicht so schnell aufbekommen wie er los startet (wenn er könnte). Und dann ist der Spaziergang ja nicht nur Erholung von der Arbeit. Zwischen den Spaziergängen sind wir oft einfach nur zuhause. Da ist chillen und pennen die Hauptbeschäftigung. Draußen wird dann nicht nur vom chillen und pennen erholt sondern auch gearbeitet. Aber halt nicht an Schafen sondern wir machen allen möglichen Blödsinn, Spielchen, Suche, Tricks. Aber auch dabei hat er nie 100 % Konzentration bei mir sondern ein paar Restprozente sind in unserer Umgebung und passen auf.

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    Aber selbst wenn, dann müsste Dein Hund erst mal jenseits der Herde mit dir kooperieren. Die Arbeit am Vieh ist ja kein "regelfreier Raum", in dem der Hund sich bespaßen kann wie ihm beliebt. Ganz im Gegenteil - die Probleme im Zusammenleben potenzieren sich am Vieh um einiges ;)


    So war das auch nicht gedacht. Sondern ich habe mir zunächst weitere Informationen und vielleicht auch Beratung in Sachen Erziehung erhofft damit er dann ins hüten einsteigen kann. Aber wie gesagt, hier in der Nähe ist niemand - also auch keine weiteren Info, was wichtig ist, wie ich mit ihm arbeiten kann, was er vielleicht sowieso drauf hat und was er dort noch lernen könnte. Nach seinen (unerlaubten) Hüte-Ausflügen und seinem Verhalten danach hätte ich mir eben gut vorstellen können, dass dies genau die Arbeit ist, in der er sich voll und ganz zuhause fühlt.

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    Ich denke, dass Ihr ganz viele unabsichtlich trainierte Verhaltensketten drin habt und Du versehentlich vermittelt hast, dass das Abchecken sein Job ist. Für einen arbeitsgeilen Hund reicht es meist schon als Bestätigung, dass man ihn anschaut, wenn er sich gerade einen Job überlegt hat. Noch belohnender ist Ansprache oder ein Rückruf (auch, wenn er nicht funktioniert).


    Das kann gut sein - allerdings hab ich momentan keine Vorstellung davon, wie ich ihm das vermittelt haben könnte. Und natürlich kommt es andauernd vor, dass ich ihn anschaue wenn er sich Arbeit überlegt oder dass ich ihn versucht habe zurück zu rufen - heißt das im Umkehrschluss, dass ich ihn - wenn er sich erst mal auf den Weg zu seiner Kontrollrunde gemacht hat weder anschauen noch rufen soll? Bisher habe ich ihn immer ziemlich genau beobachtet um möglichst genau zu wissen, wie er so drauf ist, oder auch um schnell reagieren zu können.

    Wie komme ich denn an einen Trainer / Fachmann, der sich speziell mit so eigenständigen Hütehunden auskennt? Ich habe auf meiner Suche leider niemanden gefunden. Ich würde unheimlich gern einfach meinen Hund beser verstehen wie er tickt und wie ich unser Zusammenleben noch weiter verbessern kann.

  • Und genau wegen dieser Verhaltensketten habe ich aufgehört, mit Lucky rein über positive Bestärkung zu arbeiten. Nicht, dass das schlecht wäre, aber es gibt einfach Hunde, die neigen dazu, sich immer und überall einen Job zu suchen und ich könnte mir vorstellen, dass du ihm das via Klicker anerzogen hast, sich so nach außen zu orientieren. Ist auch klar, wenn er ähnlich war wie meiner und ich meine davon bei dir gelesen zu haben, hat er rumehibbelt und konnte doch ne ganze Zeitlang überhaupt keine Reize verarbeiten und war ständig unter Strom, oder?
    Und jetzt hast du den augenscheinlichen Stress weg, er ist aufmerksam und bleibt auch im Vorderhirn bei dir, aber er sucht sich immer noch den Job.
    Und das ist mir persönlich zu stressig, denn ich weiß von meinem Hund, dass er das schlichtweg nicht kann. Er fährt am Besten damit, wenn ich ihm klar vorgebe, was er zu tun hat. Und dazu gehört bei uns auch hinter mir halten, bis ich merke, er geht nur schnüffeln.
    Verfällt er in schnellen Trab, wird abgebrochen. Ich habe ein Abbruchkommando gewählt, weil ich dann nicht das Problem habe, dass ich ihm dauernd ein Alternativverhalten vorgeben muss.
    Und wenn er ohne Leine schneller weg ist als du gucken oder reagieren kannst, ist der nicht entspannt draußen.
    Was passiert denn, wenn er doch wieder vor will, wenn du ihn nach hinten schickst? Kriegt er einen negativ Marker, also sowas wie ein Falsch und er darf erneut probieren oder brichst du gar ab oder schickst du ihn nur erneut nach hinten?
    ICH (schreibe es groß, weil es allein meine Erfahrung ist und meiner Meinung entspricht aufgrund dass ich einen ebensolchen Stressjunkie habe) mache das Ganze nonverbal und nur über Körpersprache und ich dränge ihn auch aktiv nach hinten, wenn er meint, vorzupreschen. Dadurch kann ich das ganze sogar quer über ne Wiese hinweg machen. Er darf überall hin, aber maximal bis auf meine Höhe nach vorne und wenn diese imaginäre Linie übertreten wird dann dränge ich ihn zurück. IdR reicht ein Vorlehnen, manchmal muss ich auch nen Schritt vor ihn machen oder wenn er weit außen rum versucht (kommt nicht mehr oft vor, nur noch hab ich kein Kommando dafür, also probiert er am Anfang, ob es noch gilt) laufe ich im in den Weg und er weicht dann zurück.
    ICH habe einfach die Erfahrung gemacht, dass manche Hunde das nicht selber lernen können. Es ist einfach nicht bei ihnen drin und darum wird es vermutlich nie angeboten, wenn man alleine das bestätigt, was sie einem zeigen.

  • Ich sehe das ähnlich wie Nightstalcer. Meiner war nicht ableinbar, weil Clicker und Co. keine Alternative waren. Er brauchte eine klare Linie, was er darf und was nicht. Das funktioniert mit Leckerlie und Co nicht, denn dann entscheidet der Hund, ob er das jetzt will oder anderes spannender findet. Mir ist es aber z. B. lieber, das mein Hund vorraus läuft, so das ich ihn im Blick habe. Bei mir war es auch so, Leine ab und Zack machte er sein Ding, im Leinenradius gut abrufbar, ein Schritt weiter, Hund ab mit tauben Ohren. Also bin ich dazu übergegangen, nicht ihm die Wahl zu lassen, sondern es ihm verboten, fertig. Klappt super, er läuft frei, meist ca 20m vorraus und ist abrufbar. Und richtig, Hund anschauen ist Bestätigung für das, was er tun will. Ich musste während des Trainings auch lernen, ihn nicht anzuschauen. Und Lob gibt es nur über Körperkontakt, niemals über Futter.

  • auch bei uns ists wie bei nightstalcer. leckerli und clicker sind verbannt. sie waren immer irgendwie was, was zwischen uns stand. ich arbeite nun genau wie vorher beschrieben und habe jetzt schon das gefühl, dass sein " ich will weg"- drang weniger geworden ist. (obwohl ich im moment nur an der leine mit ihm arbeite, wobei ich denke, dass wir auch bald langsam in den Freilauf überwechseln können.
    bei uns ist hinter mir sicherer, weil er da sogar hört, wenn hinter ihm was kommen würde. andersherum wäre er unkontrollierbar (bisher)

  • Wenn ich mit meinem Beagle ganz stupide Gassi gehe benimmt er sich im Freilauf ähnlich, wobei er besser abrufbar ist und mich nicht völlig ausblendet, aber - er arbeitet. Er ist immer im Arbeitsmodus wenn ich ihn ausserhalb unseres Grundstücks laufen lasse.

    Die Lösung war simpel:

    Wenn ich mit ihm in Wald und Feld gehe wird er gearbeitet oder bespielt. Dummy oder Ball. Natürlich ohne Leine. Klappt super wenn er beschäftigt ist. Mach ich vielleicht einmal die Woche. An allen anderen Tagen fahr ich mit ihm Fahrrad. Er darf fünf bis zehn Kilometer neben dem Rad herlaufen, am Anfang darf er dabei ziehen. Wenn die größte Energie raus ist läuft er frei nebenher. Das ist genau sein Ding. Geschwindigkeit, gleichzeitig schnüffeln, sich mit mir messen, gemeinsam "jagen/hetzen". Normal "Gassi" geht meine Tochter fast jeden Tag mit ihm. Dann läuft sie etwa ne halbe Stunde an der zwei Meter Leine mit ihm durch die umliegenden Wiesen. Macht ihm auch Spaß. Aber einfach nur Freilauf überfordert diesen Hund meistens. Zusätzlich darf er im Garten chillen und wenn ich ihn mir gelegentlich für ganz normales Gassigehen mit Freilauf schnappe klappt das mittlerweile auch super, weil er jetzt viel ausgeglichener ist.

    Es scheint Hunde zu geben die für täglich fades Gassi gehen einfach nicht gemacht sind. Die arbeiten wollen und nicht aus ihrem Arbeitsmodus raus finden bevor der Workaholic in ihnen nicht befriedigt wurde. Und dann muss man angestammte Wege eben verlassen und Lösungen finden, die den Hund glücklich machen. In unserem Fall ist das laufen und suchen, laufen und suchen, laufen und suchen... ;-)

    Mein Beagle war noch nie so entspannt wie heute. Dabei gehen wir gar nicht mehr richtig Gassi. Er braucht das nicht. Er will lieber ne halbe Stunde lang was tun was ihm wirklich liegt als zwei Stunden durch die Botanik streifen.

  • Ich würde vor allem jetzt intensiv mit der Schleppi arbeiten, ich finde 10 Meter reichen bei einem Spaziergang vollkommen aus- du läufst ja mit und er hat nach hinten und nach vorne je 10 Meter, also 20 Meter.

    Ende unbedingt in der Hand behalten, den Radius trainieren (ich würde mir 11 Meter Gurtband kaufen und bei 10 Meter eine Handschlaufe knoten) und das Hundi entspannt läuft (ich würde zB beim kleinsten Abscannen nach vorne, die Richtung wechseln). Wenn das gut klappt, Handschlaufe öffnen und bei 10 Meter und am Ende einen Knoten rein, dann hast du 1 Meter Leine und zwei Knoten zum Kontrollieren. Wenn das alles immer noch gut läuft, kannst du die Schleppleine Stück für Stück kürzen.

    Du hast ja gerade zwei Sachen zum arbeiten: entspannt Gassi gehen lernen und Kontrolle durch Schleppi.

  • Die Schleppleine ist natürlich auch ne Möglichkeit, ich habe bei Meinem Hund die Erfahrung gemacht, dass er ruhiger ist, je weniger ich ihn ansprechen und "korrigieren" muss. Ich habe gestern auf nem 1.5 Stunden Gassi, wo er sehr, sehr viel auch nach vorne weg laufen durfte mitgezählt, wie oft ich ihn nach vorne hin ausgebremst habe (mache ich verbal mit nem Abbruch), in etwa 10-15 Mal. Wie oft müsste man stattdessen die Richtung wechseln?

  • Es kann aber doch nicht das Ziel sein den Hund ständig auszubremsen oder nach vier Jahren Haltung noch mit der Schleppleine rumzuwurschteln? Irgendwann muss man sich einfach eingestehen dass es so vielleicht nicht klappt und muss Wege finden mit denen der Hund dauerhaft glücklich und ausgeglichen sein kann.

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    Es kann aber doch nicht das Ziel sein den Hund ständig auszubremsen oder nach vier Jahren Haltung noch mit der Schleppleine rumzuwurschteln? Irgendwann muss man sich einfach eingestehen dass es so vielleicht nicht klappt und muss Wege finden mit denen der Hund dauerhaft glücklich und ausgeglichen sein kann.

    Das Ziel ist es auch nicht, wobei ich für Lucky sagen muss, dass ich wohl bei ihm nie einfach die Leine abmachen und hoffen kann, dass er nicht durchtillt - das geht einfach nicht. Aber man kann es managen, und er bekommt ja auch gezielt Phasen, wo er machen darf. Aber ich lasse ihn nicht mehr die ganze Zeit machen, sondern halte diese Zeiten erst kurz und dann immer länger.
    Wie gesagt, vor 2-3 Wochen war ich auch unten an der Weser und Lucky musste die ganze Zeit hinter mir bleiben. Gestern lief er über die Hälfte der Zeit vor und neben mir, nur er durfte eben nicht ziellos umherballern. Was er eben auch nicht macht, wenn er wirklich entspannt ist. Ne Rennrunde mit Logray ist wieder was anderes.

    Da muss jeder seinen Weg für den Hund finden, wenn du das bei Pluto über Auslastung hinbekommst ist das doch klasse, aber im Grunde machst du es ähnlich wie ich, einfach Freilaufen ist nicht.

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    Das Ziel ist es auch nicht, wobei ich für Lucky sagen muss, dass ich wohl bei ihm nie einfach die Leine abmachen und hoffen kann, dass er nicht durchtillt - das geht einfach nicht. Aber man kann es managen, und er bekommt ja auch gezielt Phasen, wo er machen darf. Aber ich lasse ihn nicht mehr die ganze Zeit machen, sondern halte diese Zeiten erst kurz und dann immer länger.
    Wie gesagt, vor 2-3 Wochen war ich auch unten an der Weser und Lucky musste die ganze Zeit hinter mir bleiben. Gestern lief er über die Hälfte der Zeit vor und neben mir, nur er durfte eben nicht ziellos umherballern. Was er eben auch nicht macht, wenn er wirklich entspannt ist. Ne Rennrunde mit Logray ist wieder was anderes.

    Da muss jeder seinen Weg für den Hund finden, wenn du das bei Pluto über Auslastung hinbekommst ist das doch klasse, aber im Grunde machst du es ähnlich wie ich, einfach Freilaufen ist nicht.

    Ne, ich mach es anders. Ich mach einfach nichts mit dem Hund wofür er sich nicht eignet ;-) Ich hab eine Zeit lang gebraucht bis ich ihn verstanden habe. Aber jetzt geht es ihm endlich gut. Er ist entspannt, ausgeglichen und wenn ich jetzt doch mal gelegentlich ganz simpel Gassi gehen will kann er das jetzt auch ohne Stress - weil seine Grundhaltung heute eine andere ist.

    Ich finde nicht dass man jahrelang an einem Hund rumdoktern sollte wenn es offensichtlich nicht zielführend ist. Der Hund kann sich nicht selbst helfen, der Mensch muss akzeptable Rahmenbedingungen schaffen. Und manchmal kann man mit kleinen Maßnahmen die ganze Welt für den Hund verändern. Ich hatte es satt Pluto ständig zu deckeln, auszubremsen, versuchen ihn zu verändern. Er ist toll so wie er ist und ich hab MICH und meine Vorstellungen an ihn angepasst. Ich wollte endlich wieder einen strahlenden Beagle an meiner Seite haben anstatt den gehemmten, frustrierten Hund, den ich eine Zeit lang aus ihm gemacht habe.

    Schlechte Phasen (= Probleme) hat jeder mal aber bei manchen Hundehalter hier im Forum dauern die schlechten Phasen ein Hundeleben lang an. Und ein Hundeleben ist vergleichsweise kurz, sie sollten es genießen dürfen.

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