bei Angst beruhigen? - hilft dem Hund oder verstärkt Angst?

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    Was für uns Zuwendung heißt, unterscheidet der Hund in -zig Nuancen, denke ich. Wenn ich beruhigend sein will, innerlich aber platze, merkt er das und regt sich auf. Nachts im Park die dunkle Gestalt macht mir Angst, da mache ich dem Hund nichts vor, egal wie gut ich das vertusche. Von daher ist es wohl egal, was wir diesbezüglich planen, entscheidend ist, was wir fühlen.


    Sehr gut geschrieben. So ähnlich denke ich auch. Der Mensch neigt zum Schauspielern und denkt tatsächlich, dass der Hund ihm sowas abkauft.

    Mein Rüde sucht bei Angst keinen Kontakt. Aber so wirklich Angst... ich weiß nicht ob er die schonmal hatte. Er gehört zu der Sorte, die eher unsicher auf Dinge reagieren, aber mit mir im Rücken diese Dinge untersucht. Anfangs war es der banale Baum im Vorgarten, der im Halbdunkeln und mit dem komischen Schnitt Unsicherheiten auslöste. Heute kommen Unsicherheiten bei Poco nur noch äusserst selten vor. Letzte Woche gab es so eine Situation, weil ein Mann an einer Stelle entlang ging, an der vorher noch nie ein Mensch lang gegangen ist. In der Erfahrung meines Hundes. Der Mann kam nur aus einem Schrebergarten raus und uns war dort noch nie einer begegnet. Ausserdem zog er eine Schubkarre hinter sich her, was ihn natürlich komisch aussehen ließ. Mein Hund konnte wegen Büschen die Karre auch nicht sehen.

    Meine Hündin hingegen sucht direkten Körperkontakt, wenn sie etwas gruselt. Es war für eine Weile ganz extrem am Straßenrand, wenn ein Bus oder LKW vorbei fuhr. Da drückte sie sich richtig in meine Beine und ich musste stehen bleiben, damit ich nicht über sie falle.

    Mehr Ängste bei denen man "trösten" muss haben meine Hunde GsD nicht. Sie brechen nicht in Panik aus wenn es Gewittert oder wenn irgendwo ein Feuerwerk hoch geht. Auch als hier letztens Bäume gefällt wurden (was auch sehr viel Krach macht und ein eher ungewöhnliches, da nicht häufiges Geräusch ist) haben sie zwar geschaut aber keine Angst gehabt.

    Also unterm Strich: Sollten meine Fiffis Angst haben und meinen Schutz suchen, würde ich den Teufel tun um das zu ignorieren. In meiner Sicht der Dinge ist es doch genau das was ich will: Vertrauen, dass sie auch wenn sie Angst haben bei mir in Sicherheit sind.
    Nähe geben, daraus kein großes Ding machen, aber da sein. Das wäre mein Weg. Den Hund wegzuschicken, der Schutz bei mir sucht, könnte ich nicht übers Herz bringen. Denn wenn ich was habe, schickt mich mein Hund auch nicht weg sondern steht mir zur Seite. Also tu ich das auch.

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    Den Hund wegzuschicken, der Schutz bei mir sucht, könnte ich nicht übers Herz bringen. Denn wenn ich was habe, schickt mich mein Hund auch nicht weg sondern steht mir zur Seite. Also tu ich das auch.

    Genau zur Seite stehen! Das scheint mit dem Schlagwort Angst ignorieren nicht zusammen zu passen. Passt es auch nicht. Mir wurd das auch so verklickert. Hunde müssen ja ihre Probleme allein Regeln, so wird Angst ignorieren meist verstanden.
    Leider nicht so, das man einfach selbst keine Angst zeigen soll.

    Aber Hunde Ignorieren sich Gegenseitig ja auch nicht, Kuscheln sich aneinander oder machen es vor wie es richtig geht. Hab hier im Forum mal was tolles gelesen von einem 2 Hundehalter. Der Jüngere hatte vor allem Angst, der Zweite bemerkte es und pieselte einfach alles an, wovor der kleine Angst hatte :lol: .

  • Mit Zuwendung kann man keine Gefühle bestärken, sondern nur (!) Verhalten. Angst ist ein Gefühl, sie kann also nicht durch Streicheln noch mehr werden. Sie bleibt gleich. Einzig bestimmtes Verhalten, das der Hund durch die Angst zeigt, ist bestärkbar.

    Und das hat nichts mit "Situation" oder "Hund" zu tun. ;) Lediglich die Art der Zuwendung muss angepasst sein.

    Stichwort "Social Support".

    Also, wenn man seinen Hund durch Streicheln beruhigen kann, bekommt man keinen Hund, der dadurch noch mehr Angst entwickelt - die Angst bleibt unverändert hoch/niedrig. Aber die Bindung stärkt das ungemein. Und die Wahrscheinlichkeit wird erhöht, dass Zuwendung bei ähnlichen Situationen gesucht wird (Bestärkung des Verhaltens).

    PS. Ich clicke in Ängste sogar hinein. Das hat bei meinem Zweithund dazu geführt, dass Knallgeräusche erträglich wurden, da er sich bei mir sicher fühlt.

  • Zitat

    Mit Zuwendung kann man keine Gefühle bestärken, sondern nur (!) Verhalten. Angst ist ein Gefühl, sie kann also nicht durch Streicheln noch mehr werden. Sie bleibt gleich. Einzig bestimmtes Verhalten, das der Hund durch die Angst zeigt, ist bestärkbar.


    Meine Pflegehündin zeigt bei Hundebegegnungen oft angst-agressionsverhalten. Wenn es die Situation zuläßt, gehe
    ich in die Hocke streichel sie und quatsch ein bißchen mit den anderen Besitzern (oft kennt man sich). In einem
    Zeitraum von jetzt fast 7 Monaten hat sich ihr Verhalten sehr gebessert. Egal um welche Ängste es sich handelt,
    Zeit und Geduld sind wichtige Faktoren. Mit Bachblüten zur Unterstützung auf der emotionalen Ebene habe ich
    sehr gute Erfahrungen gemacht.

    Lieben Gruß
    Sabine

  • Ich kann es für meinen Hund vielleicht am besten so zusammenfassen:

    Wo es nichts zu befürchten gibt, da wird nichts gemacht, da verhalte ich mich ganz normal (z.B. Knallerei, unbekannte, schreckhafte Situationen beim Spazierengehen, dubiose Dinge, vor denen er sich fürchtet etc.).
    Da orientiert er sich sehr an mir und meiner Reaktion. Ich gebe ihm das Gefühl, dass ich es zwar vernommen habe, aber das alles OK ist.

    Wo berechtigte Sorge besteht, dass etwas passiert, z.B. beim TA, dort wird er von einer fremden Person festgehalten, evtl. gespritzt, etc. da bekommt er Trost, um sich zu beruhigen, und es hilft.

  • Oh passend zu dem Thema vor einer halben Stunde passiert.

    Bei uns wird gerade vor dem Haus die Straße an der Bushaltestelle ausgebessert und irgendeine Gerätschaft hat einen wirklich ekelhaften Ton gemacht, vor dem sich Rosie, die gerade am wegdämmern war, furchtbar erschrocken hat. Sie ist gleich aufgesprungen und kam zu mir an den Sessel. Ich habe dann "beiläufig" eine Hand runterhängen lassen und sie hat sich drangelehnt. Poco hat das mitbekommen und kam auch rüber. Er hat sich so hingesetzt, dass Rosie beinahe zwischen mir und ihm war.

    Nach einer kurzen Weile schien es wieder ok zu sein und beide sind auf ihren Platz zürück. Als das Geräusch nochmal kam, hat Rosie nur einmal kurz aufgeschaut und sich wieder hingelegt.

    :) Trösten, oder auch zur Seite stehen, nutzt also doch was. :D

  • Natürlich nutzen Trost und auch Körperkontakt, sogar sehr.

    Meine plötzlich erblindete Hündin war die ersten Wochen - verständlicherweise - vor Angst völlig neben sich. Ohne Beruhigen und körperliche Zuwendung wie Auf den Schoß-Nehmen hätte sie wohl die "natürliche" Lösung gewählt: Sie hätte sich verkrochen und wäre weggestorben. Mit viel Gutzureden ließ sie sich dagegen Stück für Stück beruhigen und aus ihrer Angst regelrecht "rausziehen".

    Es muß allerdings - nicht nur bei Blinden! - Zuwendung von der Sorte "Ich bin bei dir, ich hab überhaupt keine Angst, also passiert dir auch nichts" sein.
    NICHT "Oh mein Gott, du aaaaarmes Schnuckelchen, ich leide ja so furchtbar mit dir". Sowas zieht tatsächlich nur weiter runter, weil der Hund ganz logisch schlußfolgert, wie gerechtfertig seine Panik sein muß, wenn sogar sein Mensch dermaßen rumwinselt. Musterbeispiele dafür gibt's in jedem TA-Wartezimmer, wenn Mensch und Hund um die Wette schlottern, während der Hund mit bebender Stimme "getröstet" wird.

    Aber wenn man das Beruhigen halbwegs "positiv" auf die Reihe kriegt, was nicht allzuschwer ist (wir selbst haben ja keine Angst vor Gewitter oder TA!), ist das bei vielen Hunden schon sehr hilfreich.

  • Zitat

    Mit Zuwendung kann man keine Gefühle bestärken, sondern nur (!) Verhalten. Angst ist ein Gefühl, sie kann also nicht durch Streicheln noch mehr werden. Sie bleibt gleich. Einzig bestimmtes Verhalten, das der Hund durch die Angst zeigt, ist bestärkbar.

    Und das hat nichts mit "Situation" oder "Hund" zu tun. ;) Lediglich die Art der Zuwendung muss angepasst sein.

    Stichwort "Social Support".

    Also, wenn man seinen Hund durch Streicheln beruhigen kann, bekommt man keinen Hund, der dadurch noch mehr Angst entwickelt - die Angst bleibt unverändert hoch/niedrig. Aber die Bindung stärkt das ungemein. Und die Wahrscheinlichkeit wird erhöht, dass Zuwendung bei ähnlichen Situationen gesucht wird (Bestärkung des Verhaltens).

    PS. Ich clicke in Ängste sogar hinein. Das hat bei meinem Zweithund dazu geführt, dass Knallgeräusche erträglich wurden, da er sich bei mir sicher fühlt.

    Guter Beitrag. So machen wir es auch. Jules darf immer kommen und das tut sie in der Regel auch. Wir haben das sogar explizit gefördert und versuchen das immer weiter auszubauen, dass es auch in für sie extremen Situationen klappt. Schüssen führen leider im Moment noch dazu, dass sie weglaufen und sich verkriechen würde, wenn die Leine nicht wäre.

  • Ich finde auch es ist situationsabhängig - und aber auch vom Charakter des Hundes abhängig.

    Unsere beiden sind beide keine ängstlichen Typen - wenn aber, dann sehr unterschiedlich.

    Morena mag keine zu lauten Geräusche oder hektische Situationen - da hilft ihr Körperkontakt zu mir und ein beruhigendes leichtes Kraulen - ich sag dann garnicht viel, vermittel ihr nur, dass ich da bin - also eher Zuwendung.

    Diego steigert sich gerne mal so in seine persönlichen Neurosen rein ;) - da hilft ignorieren ehrlich gesagt besser. Er hatte mal eine Doggenphobie - ihn hat einmal ein etwas sehr grober, dominanter Doggenrüde recht deutlich verscheucht - nicht mal gebissen - war aber eine unangenehme Situation für ihn. Diesen Rüden haben wir danach auch gemieden, beide Hunde an die Leine und aus dem Weg gehen.

    Trotzdem hat er danach angefangen, bei jeder Dogge von weitem stehen zu bleiben, flüchten zu wollen oder auf meinen Arm zu wollen ( blöder Plan bei 38 kg). DAS habe ich ignoriert - frei nach dem Motto, ICH habe keine Angst vor Doggen, wir gehen weiter und schauen mal ganz entspannt. Siehe da, handelte es sich dann um eine nette freundliche Doggenhündin konnte mein Hund sich ganz schnell entspannen und hat seine Panik nach und nach auch generell wieder abgelegt. Ich glaub wenn ich darauf mit zuviel Reden und Beachtung eingegangen wäre, hätte sich das verstärkt.

    Hauptsache ist glaube ich selber Ruhe vermitteln - das merkt man ja auch andersherum, oder? Wenn mir wirklich eine Situation ungemütlich oder riskant erscheint, spüren meine beiden das sofort - auch wenn sie es erstmal nicht unheimlich fanden !

    Lg, Trixi

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