Der kleine Hund auf dem Arm ...

  • Mein Freund hat Monty letztens einmal kurz hoch genommen, aber damit er dem anderen nichts tut. ;)
    Der andere Hund kam frei auf uns zu gerannt (Monty an der Leine) und hat aufs Rufen vom Herrchen nicht gehört und mein Freund hatte an diesem Tag nicht so gutes Gefühl. Also Monty hoch genommen, anderen Hund etwas geblockt, Herrchen hat seinen Hund eingesammelt und wir konnten weiter gehen, ohne dass es eine Rauferei von Monty aus gab.

  • Naja Escada ist aus dem Tierheim und hat sich nicht mal anfassen lassen von fremden Menschen. Bei fremden Hunden hat sie anfangs nur die Flucht ergriffen... sie kannte kein Gras (!!) Kam aus Zwingerhaltung.

    Also als Welpe gut sozialisiert wurde Escada ganz sicher nicht. Sie war schon fast 1 Jahr als sie zu dem Bekannten kam.

  • sbylle,

    vielen Dank, ich hatte gerade fast Pipi inne Augen beim Lesen deines Beitrages ;)
    Genau darum geht es doch: Verständnis für den anderen, und Toleranz, wenn etwas, was der andere tut, auf den ersten Blick unverständlich erscheint. Was einige offensichtlich an meinem Beitrag nicht verstanden habe: Es geht eben doch genau darum, dass der Halter, der aus 20, 30 Metern Entfernung mit seinem Hund auf uns zu zukommt, eben aus der Distanz NICHT erkennen kann, wie mein Hund den anderen bewertet und in welchen emotionalen Zustand er dabei gerät.Auch wenn ICH relativ zuverlässig erkennen kann, wie der andere Hund tickt, zählt letztendlich nur, wie mein Hund die Situation bewertet, und das ist bei einem traumatisierten Hund eben nicht immer rational oder auf den ersten Blick "logisch".

    Und es geht auch nicht darum, OB und wie gut ich einen großen Hund abblocken kann, sondern darum, dass bei dieser Hündin das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, wenn ich es erst soweit kommen ließe, dass ein Blocken des anderen notwendig würde. Ich habe auch nicht geschrieben, dass ich MEHRMALS bitte, den Hund abzurufen statt ihn abzuwehren; im Gegenteil, ich fackele eben nicht lange und nehme meinen Hund hoch, um den anderen hund erst gar nicht soweit kommen zu lassen, dass er verjagt werden müsste.

    In dem Zusammenhang: Das hier

    Zitat

    Bei Angst würde ich den Hund auch nicht hochholen, weil er dann darin unterstützt wird.

    ist in dieser Verallgemeinerung eine gefährliche Binsenweisheit.
    Es gibt die verschiedensten Formen von Angst, die unterschiedliche Handlungen und Therapieansätze erfordern. Und in unserem Fall geht es nicht um einen etwas schreckhaften Hund, der vor einer raschelnden Papiertüte erschrickt oder den Heuballen auf dem Feld für einen bösen Geist hält, hier geht es um einen traumatisierten Hund, der in bestimmten Situationen in einen Modus gerät, in welchem er nicht mehr rational agieren kann.
    So einem Hund die aus seiner Sicht größtmögliche Sicherheit - hier halt im schützenden Arm seines Halters - zu verwehren, wäre fatal. Ich schrieb ja, ich habe das nicht von Anfang an so gehandhabt, weil ich auch immer dachte, Hochnehmen ist grundsätzlich schlecht, aber im Laufe der Zeit mit diesem Hund habe ich erkannt, wann ich wie agieren muss, damit der Hund möglichst wenig in Panik gerät. Es gibt durchaus Hundebegegnungen, die meine Hündin - am Boden ;) - völlig gelassen absolviert, aber das liegt allein in ihrem hündischen Bemessen des anderen Hundes.
    Bei meinem Rüden habe ich wenig Bedenken, der ist absolut in der Lage, Situationen richtig einzuschätzen und sich zu entziehen, wenn es für ihn haarig wird. Er hat auch null Manschetten gegenüber großen Hunden. er findet große Hunde im Allgemeinen toll, und wenn es passt, sieht man dann auch schon mal meinen kleinen 3-Kilo-Hund in schönster Eintracht mit zwei netten Rottweilerdamen im Schlepptau über die Wiese spazieren. Aber der Junge hat eben auch keine schlechten Erfahrungen machen müssen - und darum frühzeitig gelernt, was, wann wie und wo - aber die Hündin leider schon.
    Und eins kann ich sagen: Sie hat IMMER Recht in ihrem Urteil; die Situationen, in denen ich einen anderen Hund fehleingeschätzt habe, wussten meine Hunde es letztendlich immerbesser, sowohl im negativen als auch im positiven Sinne.

    Ein paar Worte noch zu den Beiträgen von Amanhe, Falbala und sbylle:
    Mich ärgert das auch, wenn Menschen, die noch nie einen kleinen Hund erzogen haben, alles - aus Großhundehaltersicht - besser wissen und einen belehren wollen, wie man mit seinem Hund umzugehen hat. Aber als ehemaliger Großhundehalter verstehe ich das auch ein Stück weit - ich habe früher auch immer gesagt, ich würde mit einem kleinen Hund genau so umgehen und die gleichen Erziehungsmethoden anwenden wie bei den Großen. Dass das unmöglich ist, weil ein kleiner Hund schon aufgrund seiner Physis gar nicht genau so händelbar ist wie ein großer, lernt man dann erst, wenn man es selber mit der Erziehung eines kleinen Hundes zu tun bekommt (Beispiel: Stichwort Leinenführigkeit. Versuche mal einer, einem kleinen, wieselflinken 3-Kilo-Hund, dessen Brust 20 oder 30 cm über dem Boden aufhört, durch körperliches Einschränken seines Bewegungsraumes das Ziehen an der Leine zu verleiden ... ;) )
    Insgesamt finde ich die Erziehung eines Klein(st)hundes - von konditionierten Nettigkeiten wie "Sitz" und "Platz" mal abgesehen - darum sehr viel schwieriger, weil der Wegfall der meisten bei größeren Hunden gängigen Möglichkeiten zur körperlichen Einschränkung im Gegenzug eine deutlich größere persönliche Präsenz und mentale Konsequenz durch den Halter bedeutet, um zum gleichen - guten - Erziehungsergebnis zu kommen.
    Und - beliebt macht sich ein Kleinhundehalter, der diese Konsequenz durchzieht, im allgemeinen nicht; wie oft werde ich verständnislos angeguckt oder eben auch als überängstlicher Hundehalter abgetan - schlimmstenfalls sogar beleidigt - weil ich z.B. konsequent jeden Kontakt an der Leine ablehne oder meinen freilaufen Hund IMMER zunächst abrufe und bei mir halte und dann eben auch nicht gestatte, dass der andere Hund ohne Freigabe in die von uns errichtete Distanz einbricht.
    Meine Belohnung: Ein im gestatteten Freilaufkontakt regelmäßig erstauntes "die sind aber gut erzogen" von der anderen Seite ;)

  • Ich stimme Deinem Beitrag zu, bis auf das

    Zitat

    Insgesamt finde ich die Erziehung eines Klein(st)hundes - von konditionierten Nettigkeiten wie "Sitz" und "Platz" mal abgesehen - darum sehr viel schwieriger, weil der Wegfall der meisten bei größeren Hunden gängigen Möglichkeiten zur körperlichen Einschränkung im Gegenzug eine deutlich größere persönliche Präsenz und mentale Konsequenz durch den Halter bedeutet, um zum gleichen - guten - Erziehungsergebnis zu kommen.

    Es hängt meines Erachtens nach nur und ausschliesslich vom Charakter und den Anlagen ab, wie leicht ein Hund erziehbar ist, nicht von der Grösse.

  • Geht es bei der ganzen Disskusion nicht eher um die Leute, die ihre kleinen Hunde einfach nicht erzogen haben, die ihre Hunde nicht gut sozialisiert haben - Dauerleinenzerrer oder Dauerkläffer?

    Ich bin selber Großhundehalter, immer schon gewesen, und sehr glücklich damit.
    Aber auch einen kleinen Terriermix hatten wir mal, zwar nur kurzzeitig als Pflegestelle, aber auch da haben wir unsere Erfahrungen gemacht. Ich kann also zumindest zum Teil beide Seiten einschätzen.

    Generell bin ich der Meinung, dass man einen kleinen Hund genauso erziehen muss, wie einen großen.
    Er sollte sich gut benehmen anderen Hunden und anderen Menschen gegenüber. Grundgehorsam ist auch hier wichtig. Leinenzerren und dauerkläffen ist ein No-Go auch bei Kleinsthundebesitzern.

    Beispiel 1:
    Bei uns im Haus wohnt ein Mops. Dieser Hund ist absolut gut erzogen, zieht nicht an der Leine, geht ordentlich bei Fuß, beherrscht alle Grundkommandos aus dem FF und bellt nicht an einer Tour. Manchmal ist er zwar etwas aufdringlich, lässt sich aber gut wieder runterholen, wenn es mal allzu wild wird. Auch im Spiel mit meiner Großen verhält sie sich super, beide können sich sehr gut verständigen, und Angst, dass mal aus spielerischer Grobheit heraus dem Mops was passieren könnte, haben wir nicht.

    Beispiel 2:
    Ein paar Straßenecken weiter wohnt ne Frau mit nem Chiuwawa-Mix, absolut angst-aggressives Tier, bellt ununterbrochen schon auf Entfernung, und wird in aller Regelmäßigkeit auf den Am genommen und "beruhigend "auf ihn eingeredet, wenn er aus seinem Bell-Wahn nicht raus kommt.
    Irgendwann kam ich mit der Dame mal ins Gespräch. Sie erzählte, dass der Kleine immer und überall jeden beißen wollen würde, insgesamt so aggro drauf ist, dass sie total hilflos ist, und daheim schon keinen Besuch mehr empfängt, weil der Kleine auf alles und jeden losgeht, sobald man die Türschwelle überschreitet.
    Sie hat den Hund seit dem er ein Welpe ist, sie hat angeblich schon mehrere Hundeschulen und Hundetrainer besucht, die angeblich alle nicht helfen konnten. Auf meine Frage wie lang sie denn jeweils bei den jeweiligen Trainer war, meinte sie nur, dass es meist nicht mehr als zwei Termine gewesen sind, und sie das Ganze dann total entäuscht abgebrochen hatte, weil keine Bsserung eintrat :datz:
    Auf meinen Rat hin, doch generell etwas geduldiger zu sein, und auch mit mehr Willen und Konsequenz an die Sache herangehen zu wollen, sagte sie dann "Ach das ist doch son Kleiner, den kann ich gut händeln. Reißt mir keinen Arm aus, wenn er zerrt, und das Kläffen ist ja nicht so laut, wie bei großen Hunden"
    Dazu viel mir dann ausnahmsweise dann echt nichts mehr ein, weils mir einfach die Sprache verschlagen hat. :???:

    Und genau solche Fälle sind es doch, die das Vorurteil bzgl Kleinhundebesitzer noch schüren. Wenn ich tagtäglich die nette alte Dame von nebenan sehe, die mal schnell ihren Yorkschi aufn Arm nimmt, weil das doch viel einfach ist, als sich mit Erziehung und Sozialisierung auseinanderzusetzen, dann verstehe ich auch das Allgemeinbild.
    Ich behaupte mal ganz dreist, dass 80 % der Klein- und Kleinsthunde in keinster Weise erzogen sind, und dass die Besitzer sich diese Hunde auch genau deshalb ausgesucht haben, weil es doch so einfach zu sein scheint, mit solchen Hunde umzugehen.

    Ich rede hier nicht von den Ausnahmefällen, in denen ein anderer unerzogener Hund in einen Kleinsthund reinsemmelt. Da kann ich schon verstehen, das man dann den Kleinen mal schnell aufn Arm nimmt zum Schutz aller Beteiligten. Aber die Regel sollte das ja eigentlich nicht sein.

    Im Übrigen muss ich sagen, dass ich den Besitzern mit gut sozialisierten und gut erzogenen Kleinhunden es viel eher hoch anrechne, wenn sie sich soviel Mühe in der Hundeerziehung geben. Bei Großhundebesitzern stellt das für mich eine Selbstverständlichkeit dar. Eigentlich auch nicht richtig, wenn ichs mir genau überlege. Hundeerziehung gehört doch zu jeder Mensch-Hund-Beziehung ganz selbstverständlich dazu. Egal ob Kleinsthunde oder Großhunde.

  • ... Du tust ja grade so, als ob alle Grosshunde gut erzogen sind. Na, bei uns hier sind sie das nicht :D . Da gibts haufenweise HH, die mit verlängertem Leinenarm rumlaufen, oder die Terrortöle in Ponygrösse alles belästigt, was sich bewegt oder auch nicht. Hier bei uns ist das nicht an der Grösse auszumachen, welcher Hund sich daneben benimmt.

    Nur: wenn ein Grosser schlecht oder gar nicht erzogen ist, ist das ein wesentlich grösseres Problem (im wahren Sinne des Wortes) als wenn ein Kleiner in der Leine hängt und kläfft.

  • Zitat

    Geht es bei der ganzen Disskusion nicht eher um die Leute, die ihre kleinen Hunde einfach nicht erzogen haben, die ihre Hunde nicht gut sozialisiert haben - Dauerleinenzerrer oder Dauerkläffer?

    Wenn du mich mit meinen Damen siehst, dann würdest du auch denken, meine Hunde sind nicht gut sozialisiert.
    Denn Emmy ist bei Fremdhundsichtungen ein Dauerleinenzerrer mit Borste und allem drum und dran. Nur kläffen tut sie nicht.

    Und das sagt über ihre Erziehung jetzt genau was?
    Nichts, genau genommen gar nichts. ;)

    Emmy ist auch ein Angsthund. Nachdem sie mal von einer Dogge fast zerlegt wurde hat sie für sich beschlossen, Angriff ist die beste Verteidigung. Und da ist es vollkommen Stulle ob ich es schaffe den anderen Hund zu blocken, bzw. Emmy Schutz zu bieten.
    Und nein sie ist nicht ein sozialer Assi, sondern sehr gut sozialisiert.

    Wenn ein HH seinen Hund auf den Arm nimmt, oder der Hund pöbelt, kann es doch vollkommen Stulle sein warum der HH, bzw. der Hund das macht.
    Seit zufrieden wenn eure Hunde das nicht machen.
    Und wenn man Interesse hat, was die Intention dahinter ist, dann fragt doch nett.
    Aber lästert nicht darüber.
    Jeder ist für seinen Hund verantwortlich und dessen Erziehung und nicht für irgendeinen fremden Hund.

  • Zitat

    Ich stimme Deinem Beitrag zu, bis auf das


    Es hängt meines Erachtens nach nur und ausschliesslich vom Charakter und den Anlagen ab, wie leicht ein Hund erziehbar ist, nicht von der Grösse.


    Das ist wohl richtig, aber hier nicht der Punkt. Die Anwendbarkeit der Methoden - körperlicher Natur - ist bei auftretenden Erziehungsproblematiken sehr wohl größenabhängig unterschiedlich, siehe das Beispiel Leinenführigkeit. Hier geht es um die "Technik", die - aufgrund der Größe - machbar ist, vor allem dann, wenn der Hund nicht so will, wie er soll.

  • Zitat


    Das ist wohl richtig, aber hier nicht der Punkt. Die Anwendbarkeit der Methoden - körperlicher Natur - ist bei auftretenden Erziehungsproblematiken sehr wohl größenabhängig unterschiedlich, siehe das Beispiel Leinenführigkeit. Hier geht es um die "Technik", die machbar ist, wenn der Hund nicht so will, wie er soll.

    Nö, bei uns nicht (2,7 kg versus 21 kg). Da finde ich die 21 kg eher schwierig, wenn mal in Fahrt :D .

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