Wie wichtig ist Tagesstruktur?

  • Hier ist auch Studentenalltag, also: Null Struktur.
    Ich hab 3 Tage pro Woche Uni, jedes Mal zu völlig anderen Zeiten (irgendwo zwischen 7 Uhr und 15 Uhr losfahren), und 2 Tage Arbeiten, was auch jede Woche neu zeitlich abgestimmt wird.
    Fütterungs- und Gassizeiten gibts garkeine und zudem "lebt" der Hund noch in 2 Haushalten, mal ist sie über Nacht bei mir, mal bei meiner Mam, die Nachts arbeitet und dann oft mit ihr erst um 2-3Uhr morgens heim kommt.

    Die Wochenenden sind übrigens genauso... kann sein, dass wir 2 Tage einfach nur zuhause sind, im extremfall ist sie einen Abend bzw über Nacht mit mir bei Freunden und einen Abend bei meiner Mam.

    Ich glaub, viel chaotischer gehts nicht mehr, aber die Dicke murrt überhaupt nicht, solang sie bekannte Menschen um sich rum und ne große Gassirunde rum flitzen hat :D
    Sie kennts aber auch nicht anders, wir hatten noch NIE nen geregelten Tagesablauf, also auch nicht, als sie Welpe war.

  • Ich habe den Effekt schon beobachtet und denke, das ist genauso, wie das zum Teil bei Demenzkranken gehandhabt wird: es gibt in einer unkalkulierbaren Welt eben sehr viele potentielle Risiken. Wenn ein Hund weiß, dass jeden Morgen genau das Gleiche im gleichen Ablauf/der gleichen Reihenfolge passiert, dann gibt das Sicherheit. Wenn die Abläufe ändern, wirkt das verunsichernd und nicht beruhigend. Bei unregelmäßigen Tagesabläufen weiß ein Hund nie, was als nächstes kommt, und das schafft Unsicherheiten. Mein stressbeißender Gassihund hat sich deutlich ruhiger gezeigt, nachdem klar war, jetzt zieht Frauchen die Jacke an, dann kommt der Schlüssel, dann muss das linke Bein ins Geschirr, dann das rechte. Dann Leine, dann go. Und wenn es da zu großen Verzögerungen kam (Futter nicht morgens um sieben, sondern vormittags um zehn oder nicht sofort aufstehen, sondern noch ein Stündchen im Bett rumhängen), da ist er schon hechelnd und auch fiepend rumgelaufen, und dann war das Risiko auch höher, dass er im weiteren Tagesverlauf nochmal schnappt...
    Da war für mich der Sinn recht enger Routinen schon sichtbar.

  • Da stellt sich mir die umgekehrte Frage:
    Reagieren Hunde, die eine feste Routine gewöhnt sich, gestreßter auf Änderungen als Hunde, die sowieso einen eher unregelmäßigen Tagesablauf haben?
    Mir erscheint es logisch, dass so ein ungeordneter Ablauf sich auf Dauer auch positiv auf die Belastbarkeit auswirken kann. ich weis nicht, ob ihr versteht, was ich meine... Wer keine Routinen kennt, der geht cooler mit spontanen Veränderungen um als jemand, der bei jeder kleinen Änderung aus allen Wolken fällt.

    Muss dazu aber sagen, dass ich noch keinen "Spezialhund" in der Hinsicht hatte

  • Das hängt glaub ich vom Hund ab. Ein cooler, souveräner Hund, der seinem HF 100%ig vertraut, dem macht auch ein Wechsel von Routine zu keine Routine mehr wenig aus.

    Aber ein ängstlicher Hund, der sichan solchen Routinen entlang hangelt - für den wärs sicher fatal, da mal eben umzusteigen.

    Klar muss auch ein Angsthund irgendwann 'desensibilisiert' werden, aber nicht am Anfang.

  • Zitat

    Ich habe den Effekt schon beobachtet und denke, das ist genauso, wie das zum Teil bei Demenzkranken gehandhabt wird: es gibt in einer unkalkulierbaren Welt eben sehr viele potentielle Risiken. Wenn ein Hund weiß, dass jeden Morgen genau das Gleiche im gleichen Ablauf/der gleichen Reihenfolge passiert, dann gibt das Sicherheit. Wenn die Abläufe ändern, wirkt das verunsichernd und nicht beruhigend. Bei unregelmäßigen Tagesabläufen weiß ein Hund nie, was als nächstes kommt, und das schafft Unsicherheiten.

    Und an welchen meiner Beiträge erkennst du, dass ich keinen Alltagstrott habe (also ähem, ich meine natürlich "Struktur", was für mich gleichbedeutend mit schnödem Alltagstrott ist). Mein Wecker klingelt jeden Morgen. Struktur Nummer eins. Bevor ich aus dem Haus gehe gibt es eine Gassi Runde. Struktur Nummer zwei. Aber in welcher Reihenfolge ich meine morgigen Abläufe mache, das entscheide ich ziemlich spontan. Ob ich mich entschließe die Hunderunde früher zu machen, und erst danach selbst zu frühstücken und mich richtig fertig zu machen- oder ich in Eile (weil ich verschlafen habe zb) erst alles fertig mache, und anschließend die Hunde rasch raus lasse, ja diese Freiheit lasse ich mir nicht nehmen. Ich komme jeden Tag zur gleichen Zeit nach Hause. Struktur Nummer drei. Aber wie ich den restlichen Tag gestalte, auch das entscheide ich von Tag zu Tag. Eine grobe, natürliche Struktur ist gegeben. Mehr aber auch nicht.

  • Zitat

    Da stellt sich mir die umgekehrte Frage:
    Reagieren Hunde, die eine feste Routine gewöhnt sich, gestreßter auf Änderungen als Hunde, die sowieso einen eher unregelmäßigen Tagesablauf haben?

    Meiner Erfahrung nach: ja, definitiv. Was dann wiederrum eine Bestätigung für die Besitzer ist, ihre Tage nur noch durchzustrukturieren.

  • Zitat

    Da stellt sich mir die umgekehrte Frage:
    Reagieren Hunde, die eine feste Routine gewöhnt sich, gestreßter auf Änderungen als Hunde, die sowieso einen eher unregelmäßigen Tagesablauf haben?
    Mir erscheint es logisch, dass so ein ungeordneter Ablauf sich auf Dauer auch positiv auf die Belastbarkeit auswirken kann. ich weis nicht, ob ihr versteht, was ich meine... Wer keine Routinen kennt, der geht cooler mit spontanen Veränderungen um als jemand, der bei jeder kleinen Änderung aus allen Wolken fällt.

    Muss dazu aber sagen, dass ich noch keinen "Spezialhund" in der Hinsicht hatte

    Ich kann das nur bestätigen.
    Weiter oben hatte ich ja schon geschrieben, dass wir montags bis freitags und seit kurzem auch samstags, weil wir da schon um acht unsere töchter zum sport bringen (machen beide leistungsturnen) und anschließend bis zum Abholen um halb zwölf in der stadt einkaufen, den gleichen ablauf haben. Kurzes gassi vor dem aus-dem-haus gehen gegen sieben, halb acht. Kurzes gassi mittags nach dem nachhausekommen gegen halb eins, eins. Größere runde nach dem mittagessen, Große runde nach dem Abendessen.

    Sonntags gehts natürlich relaxter zu, wenn die Mädchen nicht grad Meisterschaft/Show/Wettkampf haben oder was anderes anliegt. Wir schlafen länger, lümmeln herum, machen dies und das. Nehmen mal Diego gleich morgens mit dem Fahrrad zum brötchen holen mit, lassen ihn mal erst mal nur in den garten, nehmen ihn mal gleich nach dem Frühstück mit zum joggen, schicken mal die Mädels mit ihm los - immer anders, und ich merke schon, dass ihn das nervt und streßt. er ist dann total unausgeglichen, anhänglich, rast- und ratlos. ebenso, wenn wir urlaub haben und jeder tag anders verläuft, ohne feste struktur und routine. das ist nix für ihn und wenn unser urlaub vorbei ist, pennt er erstmal ganz viel und ruht sich aus.

  • Lieselottchen
    Das ist wahrscheinlich bei den meisten Menschen so. Bei all meinen anderen Pflegis hab ich das auch so gehandhabt. Aber ich habe halt lernen müssen, dass es Hunde gibt, die's noch etwas genauer brauchen. Ich hab mich damals drauf eingelassen, und es hat Spock sehr geholfen. Ich hätte noch ganz andere Dinge getan, um ihm ein schönes Leben zu ermöglichen, wo ich ihn schon mal hatte.

  • Zitat


    Ja gut aber ich denke so wird es bei den meisten sein. Bei uns sind es eher die Abläufe auf die der Hund sich verlassen kann. Es geht nicht darum, ob er das Futter um 10 oder 11 Uhr kriegt. Mal ganz ab davon das Mr. Big, wenn alle zuhause sind bis 12 Uhr schläft :D . Strukturen für unsichere Hunde sind für mich einfach "Verlässlichkeiten" ... so ist es und morgen ist es auch so und übermorgen auch aber ich würde es nicht an einen festen Uhrzeitenplan fastmachen wollen.... soweit würde ich mich auch nicht knechten wollen :D .


    da stimme ich mit dir absolut überein.
    uhrzeiten sind bei uns völlig relativ. es geht um die verlässlichkeit der abläufe, an welchen sich die meisten hunde orientieren.
    das sind oft wirklich nur kleinigkeiten und haben mit grossen zeremonien nichts zu tun.
    z.b. der kauknochen nach dem essen, das anziehen vom geschirr oder halsband vor dem gassigang. die liste lässt sich sicher endlos erweitern. für uns sind das banale normalitäten für den hund ist es jedoch weitaus bedeutender.

  • Zitat

    Meiner Erfahrung nach: ja, definitiv. Was dann wiederrum eine Bestätigung für die Besitzer ist, ihre Tage nur noch durchzustrukturieren.

    DAS wiederum tun wir ganz sicher nicht. Die wochentägliche Routine ergibt sich einfach auch aus unseren persönlichen Notwendigkeiten (Schule, Arbeit, sonstiges), da gibts es nicht viele MÖglichkeiten, die sinnvoll wären, zumal wir schon unseren Alltag auch sinnvoll strukturieren müssen, um halbwegs mit unseren zeitlichen Ressourcen klarzukommen.

    Die freien Tage werden da ganz sicher nicht auch noch durchstrukturiert, nur damit der Hund ruhiger im SInne von weniger gestreßt ist. Da sind wir alle froh, dass wir es locker und spontan angehen lassen können und dafür nehmen wir auch in Kauf, dass Diego etwas "von der Rolle"ist.

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