Hund vertraut mir, vertraue ich ihm?

  • Hallo miteinander,

    die Frage im Betreff ist momentan das Thema welches mich am meisten beschäftigt.

    Wir haben einen Labrador mit 13 Monaten(noch nicht läufig gewesen) welche wirklich gut erzogen ist. Natürlich klappen manchmal Dinge nicht ganz wie gewünscht was aber in diesem Alter denke ich dazu gehört.

    Ein Beispiel ist der Abruf welcher super klappt. Allerdings denke ich mehr darüber nach dass Sie jedes 20te Mal abrufen nicht anflitzt sondern ne Ehrenrunde läuft bevor sie kommt, als zu denken "Mensch sie kommt schon 19 von 20 mal sofort angeflitzt".

    Gestern laufen wir ohne Leine nach Hause und uns kommen 4 Kinder entgegen gerannt die Riley alle kennen und mögen. Sie läuft super "bei Fuss", stellt aber kurz die Ohren an als sie die Kinder bemerkt und ich fasse ihr aus Reflex ins Halsband damit sie nicht loslaufen kann. Sie wäre nicht losgelaufen... Ich will aber nicht dass sie es eventuell doch macht obwohl sie nicht darf.

    Da kommt der Punkt. Wie schafft ihr es oder habt es geschafft dem Hund DAS Vertrauen entgegenzubringen welches er selbstverständlich benötigt? Ich sehe oft nicht die 95% die schon ganz toll sind sondern die 5% die noch nicht so toll sind, weiß aber dass sie diesen Feinschliff nur durch Vertrauen erhält...

    Ich weiß dass alles ein wenig komisch geschrieben ist, es fällt mir aber wirklich schwer genau zu formulieren was ich meine oder wie ich es meine.

    Über Tipps wäre ich sehr dankbar.

  • Für den Schritt Richtung mehr Vertrauen kann evt. eine kurze Schleppleine helfen oder etwas anderes, was dir den Zugriff gewährt, falls dein Kommando nicht umgesetzt wird.
    Dass du dir sozusagen ein Sicherheitsnetz einbaust. Und wenn du dann siehst, dass du es nicht brauchst, ist der nächste Vertrauensschritt gemacht.

    Wobei ich dazu sagen muss: Mein Hund, der nun über 5 J bei mir ist, überrascht mich immer wieder. So wohl in die eine Richtung, als auch in die andere: Mal ist sie viel souveräner als ich gedacht hätte, mal reagiert sie unkonzentriert oder auch verängstigt, wo ich es nicht erwartet hätte. Und das, obwohl sie im Alltag inzwischen zu 95% "funktioniert" - es gibt immer wieder Situationen, wo es nicht nach Schema F läuft.

    Und ich würde genau hinspüren, was das ist, was dem Hund mehr vertrauen will - es aber nicht kann oder macht. Welche Stimme kommt dabei aus dem Bauch, die, die sagt: "Vertraue" oder die andere?
    Denn "eigentlich" kennt man ja sich und seinen Hund - es wird also vielleicht doch Gründe geben, ihm nicht zu vertrauen, nicht vertrauen zu können?
    Oder steht man sich nur selbst im Weg und könnte eigentlich die Leine locker lassen? - Das kannst nur du wissen/herausfinden.

  • wahrscheinlich "off-topic" aber trotzdem:

    ich bin im forum recht viel nun stummer mitleser und immer wieder über die fragestellungen und probleme vieler poster hier erstaunt. ein hund bleibt letztendlich immer genau das, ein hund, ein tier, und damit in der allerletzten konsequenz auch einmal unberechenbar. das hat doch mit vertrauen etc überhaupt nichts zu tun. zum einen ist das tier hier ein junghund, der eh noch lernt, verhalten anpassen und verändern wird etc. zum anderen frage ich mich häufig, ob die HH wirklich ein lebewesen oder eine maschine haben wollen. "feinschliff"??? die partnerschaft zum hund wird (sollte) mit der zeit immer mehr wachsen, aber natürlich kann durch welche äußeren umstände auch immer natürlich eine situation auftreten, in der man dem hund nicht "vertrauen" kann. na und?

    :gott:

  • Erstmal - ich weiß genau wie es dir geht und ich habe auch lange Zeit dazu geneigt,eben nicht die Dinge zu schätzen, die mein Hund richtig gut macht, sondern an den paar Dingen zu nörgeln wo es noch hapert. Deshalb kenn ich auch nen guten Tipp ;)

    Zitat


    Da kommt der Punkt. Wie schafft ihr es oder habt es geschafft dem Hund DAS Vertrauen entgegenzubringen welches er selbstverständlich benötigt? Ich sehe oft nicht die 95% die schon ganz toll sind sondern die 5% die noch nicht so toll sind, weiß aber dass sie diesen Feinschliff nur durch Vertrauen erhält...

    Mut!

    Ich habe einfach irgendwann den Mut gehabt, eben mal _nicht_ ins Halsband zu greifen und darauf zu vertrauen, dass mein Hund bei mir bleibt. Der Mut wurde belohnt - als hätte mein Hund gespürt dass ich ihm vertraue, ist er eben nicht weg.

    Sorry dass ich jetzt keinen tollen Trainingstipp auf Lager habe... aber ich finde, mit ein bisschen mehr Mut wäre das Problem auch zu lösen :)

    Und noch ein kleiner Tipp am Rande: Lass es ein wenig lockerer angehen und erfreue dich an den Dingen, die dein Hund gut kann, und nehme die Dinge die nicht so gut laufen lockerer in die Hand. Mach euch beiden weniger Druck und dann läufts gleich viel besser :)

  • kommt ja auch auf die Situation an.
    Ist eine Straße in der Nähe kann ich soviel Vertrauen zu meinem Hund haben wie ich will, sie wird trotzdem angeleint.
    Auch wenn sie eigentlich auf dem Gehweg bleibt.
    Das Risiko ist mir einfach zu groß.
    Genauso wie fremde Kinder meinen Hund nicht streicheln dürfen (Kinder sind halt nicht sooo ihre große Liebe...)
    Ein Hund ist und bleibt eben ein Hund.

    Vertrauen bei Situationen die du als gefahrlos einschätzt (wie beschrieben: Dein Hund kennt die Kinder und mag sie)
    musst du einfach eben mutig sein :smile:
    Aber solange du dir nicht sicher bist würde ich immer ins Halsband greifen. Manchmal muss man eben auf sein Bauchgefühl hören. Ist doch nicht schlimm, du kannst ja dann immernoch loslassen, wenn du siehst alles ist ok.
    Lieber einmal mehr Vorsicht walten lassen als sich hinterher ärgern....

  • Zitat

    (...)Lieber einmal mehr Vorsicht walten lassen als sich hinterher ärgern....


    Das ist auch ne Typfrage, wie viel Risiko man eingeht (wobei da auch Unkonzentriertheit oder Bequemlichkeit mit reinspielt).

  • Zitat

    wahrscheinlich "off-topic" aber trotzdem:

    ich bin im forum recht viel nun stummer mitleser und immer wieder über die fragestellungen und probleme vieler poster hier erstaunt. ein hund bleibt letztendlich immer genau das, ein hund, ein tier, und damit in der allerletzten konsequenz auch einmal unberechenbar. das hat doch mit vertrauen etc überhaupt nichts zu tun. zum einen ist das tier hier ein junghund, der eh noch lernt, verhalten anpassen und verändern wird etc. zum anderen frage ich mich häufig, ob die HH wirklich ein lebewesen oder eine maschine haben wollen. "feinschliff"??? die partnerschaft zum hund wird (sollte) mit der zeit immer mehr wachsen, aber natürlich kann durch welche äußeren umstände auch immer natürlich eine situation auftreten, in der man dem hund nicht "vertrauen" kann. na und?

    :gott:

    Vielen Dank für diese Worte! Mir gin beim Lesen genau das Gleiche durch den Kopf, ich hätte es aber nie so schön formulieren können.
    LG von Julie

  • Ich habe jetzt lange über die Frage nachgedacht und würde fast sagen, dass ich genau so viel Vertrauen in Schara habe, wie sie mir auch entgegen bringt. Sie vertraut mir zu 90%, würde ich mal sagen. Aber in ungewohnten Situationen, oder im Beisein "seltsamer" Menschen braucht sie meinen Beistand, so wie auch ich diesen ihr dann gebe und wenn es mit Hilfe einer Hand am Halsband ist.

    Ich messe das Vertrauen des Hundes und umgekehrt daran, dass wir uns in solchen Situationen behilflich sind. Nicht daran, dass ich Eingreifen muss. Eingreifen in "brenzligen" Situationen gehört für mich zur Alltagsroutine eines verantwortlichen Hundehalters dazu. Mein Hund muss nicht auf fremde Hunde, Kinder und Spaziergänger zurennen. Das hat nichts mit Vertrauen zu tun.

    Vertrauen bringt mir mein Hund auch entgegen indem er sich auf meine Befehle einläßt.

    So sehe ich es. :smile:

  • Zitat

    Ich habe jetzt lange über die Frage nachgedacht und würde fast sagen, dass ich genau so viel Vertrauen in Schara habe, wie sie mir auch entgegen bringt. Sie vertraut mir zu 90%, würde ich mal sagen. Aber in ungewohnten Situationen, oder im Beisein "seltsamer" Menschen braucht sie meinen Beistand, so wie auch ich diesen ihr dann gebe und wenn es mit Hilfe einer Hand am Halsband ist.

    Ich messe das Vertrauen des Hundes und umgekehrt daran, dass wir uns in solchen Situationen behilflich sind. Nicht daran, dass ich Eingreifen muss. Eingreifen in "brenzligen" Situationen gehört für mich zur Alltagsroutine eines verantwortlichen Hundehalters dazu. Mein Hund muss nicht auf fremde Hunde, Kinder und Spaziergänger zurennen. Das hat nichts mit Vertrauen zu tun.

    Vertrauen bringt mir mein Hund auch entgegen indem er sich auf meine Befehle einläßt.

    So sehe ich es. :smile:

    hey, genau sowas wollte ich schreiben, aber hab noch über der Formulierug gebrütet. Schön, dass ich jetzt nur noch schreiben muß:

    Genauso empfinde ich das auch :D

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!