Hund vertraut mir, vertraue ich ihm?

  • Also ich kann mit der Frage schon was anfangen.
    ZB die Frage, wann man die Schleppleine abbaut. Oder ob man seinem Hund vertrauen kann, dass er sich brenzlichen Situationen (zB mit anderen Hunden oder auch mit ihn bedrängenden Kindern) entzieht, statt nach vorne zu gehen.
    Da ist Vertrauen dann eine zuverlässige Einschätzung, wie der eigene Hund sich verhalten wird.
    In dieser Hinsicht hab ich Vertrauen zu Joy, weil ich sie gut kenne und wir ganz viele Situationen zusammen hatten, in der ich sie einschätzen lernen konnte.

    Das andere ist für mich eher die Frage nach dem Risiko, was man eingeht. Oder auch Nichtkümmern, Unbedachtheit bis zur Verantwortungslosigkeit.
    Als Beispiel kommt hier immer wieder, ob man den Hund auf dem Bürgersteig neben der Straße ohne Leine laufen lässt. Da würde ich sagen: Ich vertraue meinem Hund - und unserem Training - und deshalb läuft sie ohne Leine. - Andere sagen: Never ever, die Situation bleibt zu unkalkulierbar. Und wieder andere: "Mach ich mir keinen Kopp zu, ist bisher immer gut gegangen."
    Und dann bin ich wieder beim Risiko-Typus ;)

    Und dann ist Vertrauen in andere auch immer eine Frage des Selbstvertrauens. Ob man sich zB auch brenzligere Situationen zutraut oder diese von vorne herein "ausschalten" möchte (und deshalb zB vorsichtshalber anleint).

    Wie immer, muss jeder seinen Weg finden - und wie immer können wir uns gegenseitig vorwerfen, anders zu sein :smile:

  • Zitat

    Bitte nicht über meine Frage wundern, warum ich sie stelle, schreibe ich Dir nach Deiner Antwort ;-)
    Wenn du Deine Hündin angeleint hast, wei lang ist dann die Leine???

    Hallo, es gibt die kurze Leine an der Fuss gelaufen wird oder für den Großteil des spazieren gehens eine 15 Meter Schleppleine

  • Zitat

    Und ich würde genau hinspüren, was das ist, was dem Hund mehr vertrauen will - es aber nicht kann oder macht. Welche Stimme kommt dabei aus dem Bauch, die, die sagt: "Vertraue" oder die andere?
    Denn "eigentlich" kennt man ja sich und seinen Hund - es wird also vielleicht doch Gründe geben, ihm nicht zu vertrauen, nicht vertrauen zu können?
    Oder steht man sich nur selbst im Weg und könnte eigentlich die Leine locker lassen? - Das kannst nur du wissen/herausfinden.

    Vielen Dank für deine Antwort. In meinem Fall ist es sicherlich so, dass mein Bauch sagt "vertraue" und ich damit in den meisten Fällen gut fahre. Es gibt Gründe warum es manchmal schwer fällt, welche aber nicht so schwerwiegend sind. Ein Beispiel ist es am See, als die Familie die neben uns liegt mit einem Ball spielt und ich Riley anmerke wie scharf sie darauf ist mal vorbeizuschauen und sie trotz des "nicht dürfens" doch mal vorbei läuft. Kleinigkeiten die mir noch Tage später im Hintekopf sind und ich das Gefühl habe unfair zu sein da ich z. B. ins Halsband greife weil ich an den Fallvor einer Woche denke und mein Hund sich denkt wir sind im hier und jetzt und ich bleibe hier...

  • Zitat

    Hallo, es gibt die kurze Leine an der Fuss gelaufen wird oder für den Großteil des spazieren gehens eine 15 Meter Schleppleine


    Ich dachte, sie läuft u.U. ausschließlich an kurzer Leine, dann hätte ich Dir zum Testen dieser Situationen eine längere oder auch SL empfohlen, damit sie trotzt Entfernung zu Dir gesichert ist.
    Damit hast Du für Dich die Sicherheit ein evtl. abdüsen verhindern zu können und brauchst nicht mehr in's Haldsband fassen.
    Du siehst wie sie reagiert und wirst ihr immer mehr vertrauen können, bis Du in solchen Situationen die Leine -ganz beruhigt und selbstsicher dass es klappt-, ablassen wirst.
    Üben dieser Situationen noch eine Weile mit SL -und zwar hautptsächlich um Dein Nervenkostüm zu stärken- bringt ganz viel, vor allem Selbstvertrauen in Dich!
    Du bist der Schlüssel zum Erfolg, sobald Du unsicher wirst, spürt sie das und "nutzt es aus".
    Allerdings finde ich das, was Du beschreibt nicht so übermäßig tragisch, das sind Sachen, die die meisten Junghunde ab und an noch "anstellen", bleib' noch ein bisschen dran und Du wirst sehen, dass sich auch diese Situationen bessern werden.
    Viel Erfolg :gut:

  • Ich finde das doch einen tollen Tipp. In meinem Fall geht es nicht um Training, sondern um den "Mut eben mal nicht ins Halsband zu greifen" und es ist schön zu hören, dass es anderen auch so geht/ging und dieser Mut mit der Zeit immer mehr entsteht.

    Persönlich sehe ich das ganze auch sehr locker und freue mich über die Dinge die klappen und die sie toll macht. Ich frage mich einfach oft ob ich nicht unfair gegenüber ihr bin in dem ich eben z. B. noch immer ins Halsband greife o. ä. Das mache ich auch nicht um unfair zu sein, sondern wie du so schön beschreibst, weil einfach in verschiedenen Situationen kurz der "Mut" schwindet.

    Ich werde weiter daran arbeiten :D

  • Genau das sind auch meine Gedankengänge, ganz toll geschrieben. In meinem "Kopfkino" geht es viel um den Risiko-Typus in dem ich der vorsichtig pflichtbewusste bin :-)
    Mich stört es wenig was andere Leute über mich denken, dennoch bin ich der Meinung das ich als Hundehalter dafür verantwortlich bin das sich niemand durch meinen Hund bedrängt fühlt o. ä. Wenn der Jogger im Wald z. B. Angst vor Hunden hat, sie dennoch an ihn hinschnüffelt bevor sie weiterläuft, und der Jogger sich dadurch unwohl fühlt halte ich es für meine Aufgabe ihn davor zu bewahren.
    Warum er Angst vor Hunden hat und was ich davon halte ist in diesem Fall egal, weil das jeder selber entscheiden kann.

    "Da ist Vertrauen dann eine zuverlässige Einschätzung, wie der eigene Hund sich verhalten wird.
    In dieser Hinsicht hab ich Vertrauen zu Joy, weil ich sie gut kenne und wir ganz viele Situationen zusammen hatten, in der ich sie einschätzen lernen konnte."

    Und um dieses geht es mir. Ich vertraue ihr, es verlässt mich dennoch immer wieder der Mut :-)
    Aber ich denke das bekomme ich mit der Zeit hin und kann ihr dadurch ein noch angenehmeres Leben bieten :smile:

  • Zitat

    wahrscheinlich "off-topic" aber trotzdem:

    ich bin im forum recht viel nun stummer mitleser und immer wieder über die fragestellungen und probleme vieler poster hier erstaunt. ein hund bleibt letztendlich immer genau das, ein hund, ein tier, und damit in der allerletzten konsequenz auch einmal unberechenbar. das hat doch mit vertrauen etc überhaupt nichts zu tun. zum einen ist das tier hier ein junghund, der eh noch lernt, verhalten anpassen und verändern wird etc. zum anderen frage ich mich häufig, ob die HH wirklich ein lebewesen oder eine maschine haben wollen. "feinschliff"??? die partnerschaft zum hund wird (sollte) mit der zeit immer mehr wachsen, aber natürlich kann durch welche äußeren umstände auch immer natürlich eine situation auftreten, in der man dem hund nicht "vertrauen" kann. na und?

    :gott:

    Vielen Dank für deine Antwort.

    Mir ging es mit dem Fred überhaupt nicht darum falsche Erwartungshaltungen an einen jungen Hund zu formulieren und ihr "den letzten Feinschliff zu verpassen damit der Hund spurt".
    Dies ist überhaupt nicht mein Ansatz, sondern ich versuche hiermit Tipps zu bekommen UM MICH als Hundeführer zu verbessern um Riley ein noch Hund/Tiergerechteres Leben bieten zu können.
    Damit wir als Mensch/Hund Gespann durch gegenseitiges Vertrauen den letzten Feinschliff erhalten.
    Ich will absolut keine Maschine, sondern einen Hund der ein artgerechtes Leben hat und sich dessen erfreuen kann, da er weiß das es verschiedene Regeln gibt an die wir uns halten damit ich ihr diese Freiheit auch pflichtbewusst anbieten kann.
    Du hast völlig Recht damit, dass ein Hund/Tier in allerletzter Konsequenz auch einmal unberechnbar sein kann und so soll es auch sein. Ich möchte ihr durch Vertrauen aber möglichst wenig Gründe geben, dass sie sich unberechenbar verhalten muss :lol:

  • Zitat

    Ich habe jetzt lange über die Frage nachgedacht und würde fast sagen, dass ich genau so viel Vertrauen in Schara habe, wie sie mir auch entgegen bringt. Sie vertraut mir zu 90%, würde ich mal sagen. Aber in ungewohnten Situationen, oder im Beisein "seltsamer" Menschen braucht sie meinen Beistand, so wie auch ich diesen ihr dann gebe und wenn es mit Hilfe einer Hand am Halsband ist.

    Ich messe das Vertrauen des Hundes und umgekehrt daran, dass wir uns in solchen Situationen behilflich sind. Nicht daran, dass ich Eingreifen muss. Eingreifen in "brenzligen" Situationen gehört für mich zur Alltagsroutine eines verantwortlichen Hundehalters dazu. Mein Hund muss nicht auf fremde Hunde, Kinder und Spaziergänger zurennen. Das hat nichts mit Vertrauen zu tun.

    Vertrauen bringt mir mein Hund auch entgegen indem er sich auf meine Befehle einläßt.

    So sehe ich es. :smile:

    Toll formuliert :gut: , vielen Dank

  • Zitat

    Vertrauen muss man sich erarbeiten. Wer sich als zuverlässig erweist bekommt Freiheiten eingeräumt.


    Das sieht mein Hund glaube ich genauso :lol:
    Nur heißt es hier: Wer sich als zuverlässig erweist, bekommt Weisungsbefugnis und bekommt Gehorsam eingeräumt.

    (Nee, im Ernst: Vertrauen ist eine Zweibahnstraße - das durfte ich als HH eines ehemals misshandelten Hundes recht deutlich erfahren.)

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