Ruhe halten vs. Sozialisierung - richtig so?

  • Also ich finde es ehrlich gesagt etwas schwierig, dem Hund im Haus jegliches Spielen zu verbieten... gerade wenn dann einer dieser "Ruhetage" ist wird er doch null ausgelastet und du machst dir viel mehr Arbeit als du müsstest.
    Ich finde es nicht wichtig, dass der Hund im Haus nicht spielt, sondern dass nicht ER mich zum Spiel auffordert, sondern ich IHN.
    Auch solltest du bedenken, dass dein Kleiner bis zur 14. Lebenswoche viel kennenlernen muss. Flughafen, Supermarkt, Restaurant bzw. einfach mal ruhigmachen, während Herrchen/Frauchen irgendwo sitzen, Kinder, laute Straßen, Wald, öffentliche Verkehrsmittel, Zoo, Unterführungen, verschiedene Untergründe (z.B. Gitterboden, wie es ihn auf Feuertreppen etc. gibt)... das ist sooo viel, da finde ich es schwierig, da nach einem Eindruck immer gleich nochmal einen Tag Nichtstun hinterherzuschieben. Klar sollte man den Hund nicht überfordern, aber das erreicht man eigentlich in erster Linie dadurch, dass man nicht zuviel auf einmal macht. Allgemein kannst du dich ja an die "5 Minuten pro Lebensmonat"-Gassiregel pro Gassigang (also alle 2 Stunden etwa) halten. Und dann würde ich unterschiedliche Wege gehen :) Ein Welpe ist ja nicht umsonst so neugierig, das hat ja durchaus seinen Grund. Nämlich, damit er speziell in der ersten Zeit viel kennenlernt. Auch fördert gemeinsame Problembewältigung ("So, mein Kleiner, nun gehen wir zusammen über dieses Gitter!") das Vertrauen zum Hundeführer.

    Ich würde mir nicht so viele Sorgen um das Im-Garten-Pipi machen, wie schon von anderen gesagt wurde lernt ein Hund das später auch noch und ein kleiner Welpe ist, speziell wenn man "nur" rausgeht, wenn er sich meldet, einfach noch nicht in der Lage, es dann solange zu halten bis man einen anderen Grünstreifen als den eigenen Garten erreicht hat.
    Diese ersten Wochen bei dir sollte er vor allen Dingen viel kennenlernen und die Grundregeln (wo darf ich drauf rumkauen und wo nicht, wann wird gespielt und wann nicht) lernen, Kommandos etc. haben Zeit. Ein paar Dinge hab ich ja schon genannt, ansonsten ist auch sehr wichtig der Staubsauger, evtl. Rasenmäher, Fön...

    Achso, und wegen dem Aufgedreht-Sein in der Wohnung: Wenn er zu sehr hochdreht dann pack ihn doch in seine Box, falls er eine hat :) Die muss natürlich aber zuvor positiv aufgebaut worden sein.

  • ich wurde schon ein bisschen mehr mit ihm machen.
    Spielen und rennen ist für Hunde stressabbau. ich würde es ihm nicht verbieten.
    Nur wenn er zu sehr in der Wohnung aufdreht (meiner hatte da mal so ne Phase) Platz reduzieren.

  • Zitat

    Auch solltest du bedenken, dass dein Kleiner bis zur 14. Lebenswoche viel kennenlernen muss.

    genau das meine ich, "bis zur 14. Woche", als wenn ein Welpe danach nix mehr kennenlernen kann. Diese Panikmache führt mM dazu, dass viele Welpen einfach chronisch überfordert werden und nicht mehr runterkommen können, auch als Erwachsene nicht. Ausserdem kommt es doch wohl immer auf den Welpen an, also darauf wie sensibel er auf Fremdes reagiert...

  • Klar kommt es sehr auf den Hund an.
    Aber ich persönlich möchte einen Hund, der sofort darauf anspringt, wenn ich Action mache, und keine Trantüte :D
    Es ist einfach mal der falsche Schluss, dass ein Welpe auf einen neuen Gassiweg daheim dann mit Aufgedrehtheit reagiert.

    Mein erster Hund war ein Aussie. Der hatte jeden Tag einen anderen Gassiweg von Anfang an, hat jeden Tag andere Hunde getroffen. Zwei oder Dreimal die Woche war entweder Sozialisation (Flughafen, Welpenstunde, etc) oder simple Übungen (Clicker-Konditionierung und sowas). Gezielte RuheTAGE hatten wir nicht, RuhePHASEN sind das wichtigere. Geclickert wurde allgemein jeden Tag beim Gassi; bspw. wenn er aufs Namen-Rufen herkommt, auf ein "Nein" reagiert, etc.
    Nachdem wir draußen waren war eh erstmal eine Weile Schicht im Schacht. Abends nach dem Füttern drehen Welpen ja auch gerne mal nochmal auf; das wurde so gelöst, dass Welpi halt immer in der Box gefüttert wurde und dann da erstmal eine halbe Stunde drin zubringen musste. Fand er auch nicht schlimm :) Danach durfte er raus und es wurde noch ein bisschen gespielt (denn nur nebenei: "Spielen" mit dem Menschen muss ein Welpe auch erst lernen, und da sollte man ruhig mit viel Halligalli arbeiten! Man weiß ja nie, ob der Hund evtl später gar nicht per Futter zu motivieren ist und er lieber Spielis will).

    Er ist inzwischen 5 Jahre alt und er hat keinerlei Probleme mit Ruhephasen o.Ä.
    Man muss sich einfach eingestehen, dass Welpen keine ausgewachsenen Hunde sind. Klar ist nach der 14. Woche nicht alles verloren, nur weil der Hund bis dahin nicht alles kennengelernt hat. Aber ich finde es ebensowenig artgerecht, den Welpen die ganze Zeit zu bremsen. Welpen wollen spielen, interagieren, erkunden.

  • Übrigens kann ich zu dem Thema das Buch "Hoffnung auf Freundschaft" von Michael Grewe empfehlen :) Da wurden zwei Hunde aus einem Wurf über ein Jahr lang begleitet, die nun mit einem Jahr grundverschiedene Hunde waren...

  • Hm, also ich spiele und tobe schon mit ihm draußen, und meine Kinder natürlich auch. ;)

    Zitat


    Aber ich persönlich möchte einen Hund, der sofort darauf anspringt, wenn ich Action mache, und keine Trantüte :D

    Es ist einfach mal der falsche Schluss, dass ein Welpe auf einen neuen Gassiweg daheim dann mit Aufgedrehtheit reagiert.

    Ja, und ich möchte zwar keine Trantüte, aber keinen, der im Dreieck springt, nur weil die Kinder grad mal im Dreieck springen. Beispiel: Morgens für den Kindergarten fertig machen. Das ist ein Gewusel und Getue, dann muß dies noch gesucht werden, dann kräht da einer, dann ist noch dies und das usw. Und dann brauche ich alles, aber keinen Hund, der darauf anspringt. ;)

    Zitat

    Mein erster Hund war ein Aussie. Der hatte jeden Tag einen anderen Gassiweg von Anfang an, hat jeden Tag andere Hunde getroffen. Zwei oder Dreimal die Woche war entweder Sozialisation (Flughafen, Welpenstunde, etc) oder simple Übungen (Clicker-Konditionierung und sowas).

    Und meiner ist ein Barbet, und heute war ich mit ihm 1x vormittags ne gewohnte Runde, die etwas Überredung brauchte, und 10 Minuten im Wald nachmittags, für die er etwas mehr Überredung brauchte und während der er auch öfters fiepte. Und das heißt? :???:

    Und nachmittags kam überraschend unser 5jähriger Neffe und natürlich die Schwiegeroma, und alles ging drunter und drüber, und der Hund hat irgendwann nur noch gekläfft und ist hin und her gerannt und wollte alle zwicken. Ich bin dann mit ihm kurz ins OG gegangen, da ging er dann in sein Körbchen und schlief.

    Wie soll ich das deuten?

  • das kann ich SOOOOO gut verstehen :ugly:

  • Laß Dich nicht verunsichern - ich finde Dein Programm, wie auch schon geschrieben, ganz vernünftig.

    Ohnehin ist es so bzw. wird es immer wieder auch dazu kommen, daß mal einen Tag mehr und auch mal einen Tag weniger gemacht wird. Und das ist auch gut so - denn dann ist keine "Gewöhnung" für Welpi da - er lernt damit, daß es halt mal mehr oder weniger "aufregend" zu geht und kommt dann mit eben dieser "Unregelmäßigkeit" (die meiner Meinung nach in fast jedem Haushalt normal ist - denn jeder Tag ist anders und nicht unbedingt sind 24 Stunden immer planbar) besser zurecht.

    Solange der Kleine weder chronisch über- noch unterfordert wird, ist das doch gut!


    Bei mir und Jala war es so:
    Morgens war sie (wie noch heute) immer mit bei meinen Pferden und hat diese kennengelernt und durfte/darf auf dem knapp 2000 qm großen, hundesicher eingezäunten Grundstück sich frei bewegen.

    Mittags/Nachmittags habe ich fast täglich eine kleine Runde mit ihr gedreht - Länge je nach Alter (ich hatte mich ungefähr an die 5-Minuten-Regel gehalten da ich die ganz sinnvoll finde).

    Die Runde ging 1 - 2x/Woche durch mein Heimatstädtchen, mal an der Kirche vorbei (bevorzugt wenn die Glocken läuteten, die hört sie auch in der Wohnung), mal über den Markplatz geschlendert, mal kurze Cafebesuche...
    Die übrigen Tage gab es ganz normales "Gassi" also ohne Besonderheiten. Klar, mal trifft man Hunde, mal nicht, mal trifft man viele Menschen, mal nicht.

    1x/Woche gab es Welpenstunde - dort immer folgendes "Programm": spielen unter Aufsicht (!) zwischendurch kleine Aufmerksamkeits- und/oder Gehorsamsübungen; ab und an gab es Agility-Hindernisse zum kennenlernen wie z.B. Wippe, Reifen zum durchklettern oder -springen (je nach Alter der Welpen/Junghunde) oder Tunnel. An den Welpenstunde-Tagen gab es kein weiteres Programm, sie war nach der Stunde immer relativ ko. ;)

    ca. 1x/Woche ging ich mit ihr zu besonderen "Ausflugszielen" wie Bahnhof, Zoo, Großstadt, Spielplatz....

    1x/Woche gab es kein Gassi - da war nur Pferdefüttern und klar, Lösen im Garten angesagt.


    Die Beschäftigung zu Hause sah folgendermaßen aus: Maximal 1x/Tag für ein paar Minuten Gehorsamsübungen, was halt grad dran war ;) - diese Übungen wurden dann je nach Durchführung von ihr nach draußen verlagert, aber auch immer wieder mal drinne "abgefragt"

    Es gab/gibt auch ab und an mal ein kleines Zerrspielchen in der Wohnung - ohne daß sie großartig hochdreht - auch Denkspielchen oder Leckerlis verstecken gab/gibt es ab und an im Haus.


    Heute ist es so: sie ist mittlerweile knapp 2,5 Jahre alt - begeistert dabei bei allem was ich mir ausdenke ;) - sie geht total gerne lange spazieren, 2, 3 Stunden kein Problem. Neue Sachen lernen - TOLL, schon bekannte Dinge abrufen - KLASSE :D macht ihr alles riesigen Spaß!

    Wenn es jedoch die Umstände erfordern (z.B. Krankheit oder Arbeit) ist sie genauso ausgeglichen, wenn es mal 1, 2 Tage kein Gassi, kein Programm gibt.

    Drinne, wie schon geschrieben, ab und an mal ein bisschen "Spaß" für sie, jedoch ist sie die meiste Zeit im Haus am schlafen/dösen oder abends ihren Kauknochen nagend. Oder sie beschäftigt sich mit ihren 2 - 3 Spielzeugen die ihr zur Verfügung stehen.


    Bei ihr ist mir also gelungen, daß sie kein regelmäßiges Programm einfordert (außer das morgentl. Pferdefüttern). Sie steht zu keiner festen Uhrzeit an der Tür, sie randaliert nicht, wenn es mal nicht weg geht.
    Jala ist ein fröhliches, ausgeglichenes, manchmal auch verrücktes, intelligentes, ab und an etwas zickiges, wundervolles Hundemädchen - und (fast) jeder Tag macht unheimlich Freude mit ihr!! =)

  • Danke Escha! :smile: (und ich glaub, eines Tages bringst Du mich auch noch mal zum KHC :D )


    Also Bericht von heute morgen:

    - nach dem Aufwachen in den Garten, lösen lassen
    - Kinder anziehen, dann Frühstück für alle
    - weil er zu suchen scheint, noch mal raus zum lösen
    - nach 30 Min. Spaziergang draußen, Regen, Regenschirm, aber die kurze Runde kennt er schon. Treffen auf zwei Hunde, Chi und größerer Mix, die sich kaum für ihn interessieren, soweit alles normal
    -> Auf unserem Grundstück angekommen, fängt er an zu toben, zu Hause rennt er herum, kaut in seinem Liegeplatz und kläfft, kläfft, kläfft... :???:

    Früher hätte ich gesagt: Nicht ausgetobt. Heute frage ich mich, ob das schon Überforderungsanzeichen sind.

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