• Hallo,

    ich muss mir das hier einfach mal von der Seele schreiben:

    Ich habe seit ca. einem halben Jahr einen (im April 4 Jahre alt werdenden) Jack Russel Terrier (Rüde kastriert). Wir haben ihn damals übers Internet gefunden. Sein Besitzer ist in Ausland gegangen und konnte ihn nicht mitnehmen, er wäre sonst vermutlich im Tierheim gelandet. Wie wir das mitbekommen haben, hat er in seinem vorherigen Zuhause so gut wie keine Erziehung genossen.

    Wir haben uns direkt zum Anfang eine Hundetrainerin dazu geholt, da ich (18. Jahre damals gerade frisch in der 13. Klasse) und meine Mutter (Teilzeit-Lehrerin) Hundeanfänger waren. Es hatten zwar schon viele Bekannte Hunde und da haben wir auch einiges mitbekommen und wir haben auch einiges gelesen, aber ich finde, dass reicht nicht und gerade bei so einer - doch gerne mal sturen - Hunderasse, finde ich, kommt man da kaum drumherum.

    Bei uns Zuhause ist der drinnen die meiste Zeit echt zum lieb haben. Ich finde besonders schön die Kombination von Verschmustheit und Spiel- und Atkion-Lust.

    Aber wenn ich Gassi bin/war bin ich oft total fertig. Ich gebe mir so viel Mühe: Ich versuche ich körperlich aus zulasten, aber auch nicht zu überlasten; ich spiele mit ihm Bällchen; wir üben den Rückruf; Leinenführigkeit und Bei-Fuß-gehen; keine andern Hunde an zu motzen; Kommandos und Tricks; machen draußen und drinnen Futter-Suchspiele...

    Ich hab schon so viel Geld und Zeit in Ausrüstung und die Ausbildung gesteckt, aber vor allem mein "Herzblut"! Ich weiß auch, dass die Erziehung nie aufhört, aber so langsam schwindet meine Hoffnung und Kraft. Das geht mir ziemlich an die Substanz, wenn ich MINDESTENS ein mal pro Tag während/nach dem Gassi gehen völlig am Ende bin. :(

    Vor einiger Zeit haben wir uns auch die 3 Bücher von Jan Fennel besorgt und gelesen. Die fand ich eigentlich, besonders für ihn, ganz aufschlussreich und versuche soweit möglich die Elemente von ihrem Bonding durchzuführen.

    Nach meinem Abitur will ich mit meinem Freund zusammen ziehen und wir haben schon eine Wohnung, in die der Hund mit kann.

    Ich könnte es einfach nicht ertragen, wenn mein Hund, weil ich anscheinend nicht fähig genug bin, ein Leben an der Schleppleine verbringen müsste, immer den Stress bei Hundebegegnungen hat etc. Abgesehen davon, dass es mir total zu schaffen macht.

    Manchmal versuche ich mir noch einzureden, dass wir das noch alles hinkriegen, aber immer öfter, glaub ich auch einfach, dass es ein Fehler war sich einen schon erwachsenen Jagdhund-Terrier zu holen. Aber er hat beim Probewochenende gar keinen schlechten Eindruck gemacht und er wäre sonst auch im Tierheim gelandet und es ist wirklich ein klasse Kerl der auch super schlau ist.
    Ich will ihm dabei nicht im Weg stehen, ein schönes Leben zu führen! Und ich hab die Einstellung, dass ein Leben für den Hund nur wirklich schön ist, wenn er auch mal frei laufen kann und er gut erzogen ist - es also feste Regeln gibt an denen sich der Hund auch orientieren kann.

    Obwohl ich ihn so liebe oder eher WEIL ich ihn so liebe, denke ich manchmal, dass es ihm um einiges besser gehen würde, wenn er bei "besseren" Leuten leben würde.

    Danke fürs "zuhören"/lesen und vielleicht hat ja auch noch der eine oder andere, in die eine oder andere Richtung, ermunternde Tipps...

  • schau mal hier:
    Krise!

  • Ich denke mal, dein Hund hat es gut getroffen bei jemandem, der sich so viele Gedanken macht!

    Mich stört manchmal, dass es so ein wichtiges Kriterium ist, ob der Hund "frei" sein kann - du schreibst ja, du möchtest nicht, dass er ein Leben an der Schleppleine führen muss. Klar ist das superschön, wenn der Hund frei laufen kann - aber viel wichtiger ist doch, dass er MIT DIR laufen kann - ob an der Leine oder ohne. DU bist wichtig für deinen Hund. Es gibt sicher Möglichkeiten, den Hund auf umzäunten Gelände frei zu lassen (und dort dann intensivst den Rückruf und das bei dir bleiben zu üben).

    du hast den Hund erst ein halbes Jahr - eure Bindung wird noch sehr viel besser werden. Überdenke deine Ziele und Ansprüche noch mal, überleg was dem Hund wirklich was ausmacht (deine zweifel und deine Unsicherheit sind für den Hund ein größeres Problem, weil er was diffus negatives mitbekommt, als eine Schlepp!), nimms positiv und gib euch Zeit.

    Wenn du sicherer und souveräner wirst, wird auch der Stress mit anderen Hunden u.U. besser.

  • Mein Hund ist viel im Freilauf. Allerdings habe ich beobachtet, daß er, wenn ich ihn anleine, sofort einen Gang herunterschaltet, sich nur noch mit der im Leinenradius erreichbaren Umwelt befasst und, ganz entspannt, offensichtlich nicht der großen weiten Welt ohne Grenzen nachtrauert.
    Diese offene Welt bringt doch auch eine Menge Frust fur den Hund mit sich, wenn er den verlockenden Angeboten wie interessanten Fährten, abspringendem Wild, aufreizenden Jaggern etc. eben nicht folgen darf, sondern den vorgeschriebenen Radius einhalten und rückrufbar bleiben muß. Also die ganz große Freiheit ist auch beim Freilauf nicht gegeben.

    Ich glaube, wenn du deinem Hund genügend Bewegung und Anregung ermöglichst und er dir durch Ausgeglichenheit im Haus bestätigt, daß dem so ist, dann brauchst du wegen des fehlenden Freilaufs kein schlechtes Gewissen zu haben.

  • Unser Hund ist auch immer an der Schleppleine; die ist ca. 25m & ich finde nicht das er traurig oder sonst was wirkt; denn an der Schleppe kann ich genauso schön mit ihm spielen; als wie wenn er ohne läuft.

    Du schreibst ja das ihr seit Anfang an eine Hundetrainerin habt; was sagt die denn dazu? Die muss euch doch helfen können. ;)

  • Geduld.

    Lass dich nicht frusten. Es dauert alles seine Zeit. Ich habe auch so ne Baustelle auf vier Beinen und mir hilft es mich auf eine Sache zu konzentrieren und nicht an allen Fronten gleichzeitig zu arbeiten. Konzentriere dich auf eine Sache, die dir wichtig ist. Zerlege die nochmal in kleine Einzelziele und freu dich über jeden Teilerfolg. So nimmst du dir und dem Hund den Druck und vieles geht auf einmal viel leichter von der Hand.

    Viele Grüße und Kopf hoch
    Frank

  • Danke für die Aufmunterungs-Versuche und Tipps, auch wenn die im Moment nicht wirklich fruchten können. Aber ich werde mir das ganze morgen noch mal durch lesen und zu Herzen nehmen, da sieht die Welt bestimmt schon ganz anders aus!

    Bei der Hundetrainerin sind wir zur Zeit eigentlich in "Pause", weil wir Zeit zum üben brauchten und sie uns eigentlich schon gezeigt hat wie wir die Dinge angehen sollen. Aber wir werden auf jeden Fall in nächster Zeit noch mal eine Hundetrainerin/Hundeschule besuchen. (Vielleicht auch mehrere mal kontaktieren und hören, was die einzelnen vorschlagen)

  • Ich kann dich verstehen, ich kriege auch öfter mal die Krise wegen meiner Hündin!
    Auch sie läuft nach fast zwei Jahren (!) bei uns an der Schleppleine, weil sie einen immensen Jagdtrieb hat. Trotz viel Training ist uns der "Durchbruch" (noch?) nicht gelungen. Da gibt´s auch immer so ein Wechselbad der Gefühle. Mal bin ich happy, weil´s super gelaufen ist, Hund spitze auf mich geachtet hat und toll mitgearbeitet hat, dann gibt´s aber wieder Tage, da könnt ich heulen, weil nichts klappt. :sad2:

    Du hast deinen Hund aber auch erst ein halbes Jahr. Das noch nicht so lange, d.h. es kann sich alles noch ändern. Du bist doch auf einem guten Weg!
    Und selbst wenn nicht, dann sieh das Ganze etwas gelassener und setz dich nicht so unter Druck! Den perfekten Hund gibt es nicht. Andere Hunde haben wieder andere, vielleicht schlimmere Baustellen.
    Übe mit Spaß weiter und denk´an die tollen Seiten deines Lieblings.

  • Ich war nach einem halben Jahr auch ungefähr an dem Punkt. Mein Umfeld meinte schon, ich soll den Hund wieder abschaffen, weil er mir die Nerven ruiniert, statt mir Entspannung zu bringen.
    Aber: Auch wir wurden ein gutes Team.

    Meiner Erfahrung nach braucht die Hundeausbildung, also dass der Hund im Alltag und auf den Spaziergängen "funktioniert", mindestens 1,5 Jahre. Und zwar egal, ob er als Welpe zu einem kam oder als älterer Hund.
    Insofern bist du mit 6 Monaten einfach noch recht am Anfang. - Damit will ich dich motivieren (nicht demotivieren), denn: Es wird besser werden, wenn du dran bleibst! Es kann nach 6 Monaten noch nicht funktionieren und das liegt dann nicht an dir, sondern in der Natur der "Sache".
    Erziehung ist eine Sache, aber es gehört auch Bindung zu einem guten Team. Man muss sich aufeinander einstellen, im Umgang (inkl. Erziehung), jedes Team. Das braucht Zeit!

    Ich würde auch, wie schon vorgeschlagen, mir "das Schlimmste" rauspicken und daran arbeiten. Wenn man eine Baustelle gezielt angeht, ändert sich häufig auch an anderen Baustellen was, ganz "nebenbei".

    Und dann ist es auch so, dass sich Entwicklung in Sprüngen vollzieht. Also man übt etwas wochen- oder monatelang - und plötzlich sitzt es. Oder man merkt plötzlich, dass ein bestimmtes Problem so gar nicht mehr auftaucht.
    Genauso gibt es Rückschritte, die zur Entwicklung dazu gehören. Da hat man dann nichts falsch gemacht, sondern das ist Teil der Etablierung eines neuen/anderen Verhaltens.
    Auch wenn man in kleinen Schritten übt und üben sollte - es wird nicht unbedingt in kleinen Schritten gelernt, sondern in Sprüngen (äh, ist das verständlich?)

    Ich kenne es übrigens, dass ein Hund sich nach einem halben Jahr in seiner neuen Umgebung noch mal von einer anderen Seite bzw. lernresistenter als vorher zeigt. Schlicht weil er sich jetzt endgültig eingelebt hat und weiß, wie seine Gruppe funktioniert. Vorher sind viele Hunde zB zurückhaltender, weil sie erst mal checken müssen, wie der Hase hier läuft. Denn ein Hund braucht seine Gruppe, das weiß er instinktiv und somit braucht er auch deren Regeln.

    Zur Frage, ob dir ein weiterer Trainer hilft - ich weiß es nicht. Wenn du mit der anderen zufrieden warst, würde ich eher die noch mal kontakten und mit ihr besprechen, was du für Probleme im Umgang mit ihm hast. Dass ihr noch mal zusammen durchgeht, wie man was händeln kann, wo man wie ansetzt oder fortfährt.
    Es kann durchaus auch sein, dass sich gewisse Erfolge nicht einstellen, weil man Kleinigkeiten übersieht und versehentlich falsch macht - da hilft ein Trainerblick dann.

    Und um euch beide ein wenig aus dem Tal der Tränen zu holen, würde ich an deiner Stelle was richtig Schönes mit dem Hund machen, etwas, wo du Spaß an und mit ihm hast. So ganz ohne Erziehungsstress und Frust.


    Wenn du magst, kannst du auch die einzelnen Sachen hier vortragen und dir Tipps abholen, wie man etwas trainieren kann (oder auch um zu hören, dass es nur noch Zeit braucht, du alles richtig machst).
    Da du aber schon bei einer Trainerin warst, scheint es mir effektiver, es mit dir durchzusprechen als hier im Netz mit Unbekannten, die weder dich noch deinen Hund kennen.
    So Frust, wie du ihn schilderst, kennt hier glaube ich fast jeder. Und die aller-allerwenigsten geben in der Folge ihren Hund ab, bei fast allen war es eine vorübergehende Krise.

  • Jetzt gehts mir doch schon ein bisschen besser...

    Ja, das mit dem eingelebt, das hatten wir vor einiger Zeit schon, hat uns unsere Trainerin damals erklärt. Da hat er nämlich unsere Küche ausgeräumt und alles gefressen, was er finden konnte! Und dabei ist er ganz schön schlau vorgegangen. ;) Dafür ist die Küche jetzt Sperrgebiet für ihn! :D

    Vielleicht schaff ich das ja doch noch... und wenn nicht bzw. so lange es noch nicht so ist, greift mir meine Mutter ja auch noch unter die Arme. :smile:

    Der Tipp erst mal bei der gleichen Trainerin zu bleiben, hat mir geholfen und das werde ich wohl auch erst mal so machen. Ich denke auch, dass das Timing sehr entscheidend ist und die Trainerin da einen deutlich besseren Blick für hat.


    Danke schon mal an alle! :smile: Ich werde einfach mal berichten, wie es weiter geht und mache das zu unserem "Entwicklungs-Thread".

  • Hallo.
    Ich habe hier auch so einen Fall, einen Hund aus dem Tierheim, der Jagdtrieb hat und andere Hunde angeht. Hundetrainerin hat nichts geholfen. Jetzt haben wir uns arangiert: Er bleibt an der Schleppleine oder an einer 8 Meter Flexileine und Freilauf gibt es nur im Garten (wo der Rückruf super klappt). Früher war ich auch dadurch gestresst und enttäuscht, heute weiß ich, es ist ebenso und gut. Wir üben zwar weiter, aber viel Hoffnung habe ich nicht mehr. :D

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