Gratwanderung zwischen Ruhe und Auslastung

  • Hallo,

    unser Hund hat gestern (mal wieder) ein Sofakissen zerfleddert, während wir arbeiten waren :verzweifelt:

    Nein, er macht das nicht ständig aber es ist bei ihm eine ewige Gratwanderung zwischen Ruhe für den Hibbel und einer angemessenen Auslastung. Mache ich zu viel mit ihm, dann wird er hibbelig und ist ständig in Hab-ach-Stellung, mache ich zu wenig, muß schon mal ein Sofakissen daran glauben. Ich kann aber leider nicht genau erkennen, wo die jeweiligen Grenzen sind.

    Zum Verständnis, wir gehen einmal die Woche in die HuSchu und machen UO (eine Stunde). Einmal in der Woche gehen wir zum RH-Training, bei dem der Hund jedoch max. 20 Minuten gearbeitet wird. Wenn's wieder wärmer ist, haben wir zusätzlich noch einmal in der Woche Training mit der RH-Staffel, bei dem es dann aber vorwiegend um UO geht, um Gerätetraining oder auch mal nur irgendwelche Fun-Sachen. Der Hund kommt jeden Tag so ca. 2 - 2 1/2 Stunden raus. Auf der ersten Runde (ca. 1 Stunde), die ich meist mit ihm gehe, mache ich auch zwischendurch immer mal ein paar UO-Übungen, Nasenarbeit und allgemeine Gehorsamsübungen (Rückruf, etc.). Er darf größtenteils aber auch immer schnüffeln und seinen Geschäften nachgehen.

    Nachmittags geht mein Mann mit ihm und unserer Seniorin noch mal ca. 1 Stunde. Da passiert aber nicht soooo viel, weil ja unsere Seniorin noch dabei ist. Manchmal fliegt bei meinem Mann ein Stöckchen oder er darf danach suchen. Aber eher nicht so ausdauernd, wie ich das mache. Abends geht's dann noch mal eine kleinere Runde zum Lösen vor der Nacht (ca. 20 Minuten). Da bleibt er allerdings an der Leine.

    Zwischen den Gassirunden ist hier größtenteils Ruhe angesagt. Sicherlich dürfen sich die Hunde hier auch bewegen aber wir machen bewußt nichts mit ihnen.

    Fiete arbeitet gerne, ist sofort begeistert bei der Sache, wenn ich was mit ihm mache. Aber ich will ja, daß er Ruhe lernt bzw. die Ruhe hat, die er braucht, ohne besonders aufzudrehen. Am Anfang, als wir ihn hatten, haben wir sehr viel mit ihm gemacht aber das hat ihn nur noch mehr aufgedreht.

    Könnt Ihr mir sagen, woran man evtl. erkennen kann, ab wann der Hund zu wenig gefordert wird? Also, bevor er Kissen zerkaut? An dem Vortag, bevor er das Kissen zerkaut hat, waren wir in der HuSchu. An dem Vormittag dann bin ich mit ihm die morgendliche Runde gegangen, auf der wir allerdings nichts gemacht haben, weil wir andere Hunde getroffen haben, mit denen er dann gelaufen ist (er spielt nicht wirklich mit ihnen aber es wird gemeinsam an interessanten Grashalmen geschnüffelt). Ich war der Meinung, daß er ja den Abend vorher gearbeitet hatte und an dem Tag danach gerne etwas Ruhe haben könnte. Aber der Herr dachte da wohl etwas anders.

    Hat jemand eine Idee, woran ich eine Unterforderung sofort festmachen kann?

  • Ich kann dir da leider nicht helfen, denn ich bin auf einer ähnlichen Gratwanderung mit Splash. Da bleibt nur ausprobieren.....

    Ich bin selber immernoch in der Testphase. Ich habe festgestellt, dass ich ihn mal ein Wochendende lang problemlos richtig stark belasten kann. Ich war vorher verunsichert durch die immer zu lesenden Empfehlungen, den Hund durch wochenlange totale Langeweile runterzufahren. Aber Splash steht nicht unter Dauerstrom, er entspannt in der Wohnung wunderbar. Er verträgt auch Nixtu-Tage. Aber wenn er zu lang nicht gefordert wird, wird er auf verschiedenste, durchaus unerwünschte Weisen kreativ. Kommt noch Frust dazu, wenn er im Auto allein ist und Rhian arbeitet, zerlegt er schonmal die Innenausstattung..... :verzweifelt:

    An einzelnen Reaktionen kann ich es allerdings nicht festmachen. Er ist noch jung, manchmal hat er schlicht blöde Ideen. Ich tu mal etwas mehr mit ihm, mal weniger. Solange er mit beiden Varianten gleichermassen klarkommt, kann mein Programm so falsch nicht sein. Und ich werde in nächster Zeit definitiv das Programm rauffahren. Ich habe nämlich den Verdacht, dass es ihm gut tut, richtig gefordert zu werden.

  • wie wäre es, wenn du zum einen mit dem hund ruhe üben würdest, anstatt darauf achten zu wollen, ob er zu wenig getan hast?
    also ruhe als kommando...

    zum anderen denke ich, das kissen war einfach ein ersatz für beute ausweiden, vllt hat er beim vielen schnüffeln morgens da so eine idee erschnüffelt, etwas aas lag da noch rum, und die erinnerung daran hat dann das ausweiden-programm ( instinkgesteuert) in seinem kopf gestartet, als ihr weg ward.

    als ersatz könntet ihr zusammen irgendwelche billigteddys zusammen zerfleddern, wieder vollstopfen mit der watte, wieder ausweiden, wieder vollstopfen.. so lange, bis dass bedürfnis des hundes gestillt ist... der teddy wird also freigegeben zum ausweiden, damit sind die kissen wahrscheinlich schon mal sicherer, wenn ihr das regelmäßig macht...

    da gabs mal so ne untersuchung, da gab man einem 8 jahre alten hund ein totes huhn... der hat da über 6 stunden dranrum geweidet, ohne unterlass, einfach um diesen instinkt auszuleben...


    @nairja: das ist wohl eher frustabbau als unterforderung, dass er die innenausstattung zerlegt... da würd ich nur einfach vorschlagen, frusttraining zu machen...

  • Zitat


    @nairja: das ist wohl eher frustabbau als unterforderung, dass er die innenausstattung zerlegt... da würd ich nur einfach vorschlagen, frusttraining zu machen...


    Ja, sicher. Trotzdem war es zwischenzeitlich mal lange weg, und dann hat er plötzlich wieder losgelegt. "Frusttraining" machen wir seit seinem Einzug - wäre schön, wenn die Lösung so einfach wäre. Aktuell ist es wieder gut. Wenn man das richtige Mass an Auslastung trifft, kann der Hund auch mit Frust besser umgehen.

  • Wir fahren sehr gut damit, daß ich mich ein bißchen dem Jagdhunde-Rhytmus angepaßt habe, der für die arbeitende Terrier-verwandtschaft gilt: ab &zu verausgabt man sich wärend der Arbeit total, dann wird aber auch wieder tagelang entspannt auf dem Sofa gepennt. Also nicht regelmäßig, berechenbar dasselbe, sondern wirklich nur eine richtig knackige Belastungsspitze in ein paar Tagen und dann wieder längere "Ruhe".

    Meine Hündin, die mit ihren zwei Jahren vor Kraft beinahe platzt, bekommt so etwa einen Tag kompletten Wahnsinns pro Woche: da darf sie mit den Kumpels morgens & nachmittags nochmal toben, bis die Augen querstehen. Das Tempo und den Spaß, die da etwa Pointer, Weimaraner & Co vorgeben, könnte ich ihr auf keine andere Weise bieten.

    Sie liebt es natürlich, aber es braucht Maß: mach ich sowas mehr als zweimal pro Woche, fängt sie an, insgesamt hochzudrehen und im Haus unruhig zu werden. Mach ich's garnicht, wird sie irgendwann unkonzentriert, fiepig und fahrig, weil sie einfach zu viel Dampf aufgebaut hat, den sie nur körperlich rauslassen kann. So aber klappt es prima: Den Rest der Woche sind wir immer noch flott unterwegs, und mit Hundefreunden spielen darf sie natürlich auch mal, aber da lege ich dann eben mehr Wert auf Konzentration und schnelle Reaktion auf mich - da geht's also um eine andere Art von "Arbeit". Und im Haus ist sie ruhig und entspannt und hält auch Frustzeiten durch, ohne zu nerven oder Schaden anzurichten.

    Das hätte ich ursprünglich ganz anders befürchtet, denn sie ist ein Hund mit sehr viel Temperament, der rasend schnell hochdrehen kann, möglichst ständig irgendwas rumschleppt, gern knabbert und rassetypisch wenig Frust verträgt - die klassische Deko-Kandidatin, und ich hatte also auch erst heftig Sorge um meine Inneneinrichtung. Aber bis auf ein paar durch die Gegend geschleppte Schuhe, wenn sie alleinbleiben muß, war hier bisher Ruhe.

  • Zitat

    Wir fahren sehr gut damit, daß ich mich ein bißchen dem Jagdhunde-Rhytmus angepaßt habe, der für die arbeitende Terrier-verwandtschaft gilt: ab &zu verausgabt man sich wärend der Arbeit total, dann wird aber auch wieder tagelang entspannt auf dem Sofa gepennt. Also nicht regelmäßig, berechenbar dasselbe, sondern wirklich nur eine richtig knackige Belastungsspitze in ein paar Tagen und dann wieder längere "Ruhe".

    Meine Hündin, die mit ihren zwei Jahren vor Kraft beinahe platzt, bekommt so etwa einen Tag kompletten Wahnsinns pro Woche: da darf sie mit den Kumpels morgens & nachmittags nochmal toben, bis die Augen querstehen. Das Tempo und den Spaß, die da etwa Pointer, Weimaraner & Co vorgeben, könnte ich ihr auf keine andere Weise bieten.

    Sie liebt es natürlich, aber es braucht Maß: mach ich sowas mehr als zweimal pro Woche, fängt sie an, insgesamt hochzudrehen und im Haus unruhig zu werden. Mach ich's garnicht, wird sie irgendwann unkonzentriert, fiepig und fahrig, weil sie einfach zu viel Dampf aufgebaut hat, den sie nur körperlich rauslassen kann. So aber klappt es prima: Den Rest der Woche sind wir immer noch flott unterwegs, und mit Hundefreunden spielen darf sie natürlich auch mal, aber da lege ich dann eben mehr Wert auf Konzentration und schnelle Reaktion auf mich - da geht's also um eine andere Art von "Arbeit". Und im Haus ist sie ruhig und entspannt und hält auch Frustzeiten durch, ohne zu nerven oder Schaden anzurichten.

    Das hätte ich ursprünglich ganz anders befürchtet, denn sie ist ein Hund mit sehr viel Temperament, der rasend schnell hochdrehen kann, möglichst ständig irgendwas rumschleppt, gern knabbert und rassetypisch wenig Frust verträgt - die klassische Deko-Kandidatin, und ich hatte also auch erst heftig Sorge um meine Inneneinrichtung. Aber bis auf ein paar durch die Gegend geschleppte Schuhe, wenn sie alleinbleiben muß, war hier bisher Ruhe.

    ja, so in etwa machen wir es auch. Unistressbedingt hab ich grad weniger Zeit, dass macht er beiden nichts aus.

  • Zitat

    Wir fahren sehr gut damit, daß ich mich ein bißchen dem Jagdhunde-Rhytmus angepaßt habe, der für die arbeitende Terrier-verwandtschaft gilt: ab &zu verausgabt man sich wärend der Arbeit total, dann wird aber auch wieder tagelang entspannt auf dem Sofa gepennt. Also nicht regelmäßig, berechenbar dasselbe, sondern wirklich nur eine richtig knackige Belastungsspitze in ein paar Tagen und dann wieder längere "Ruhe".

    Das halte ich auch für sinnig und gefühlsmäßig läuft es bei uns auch so.
    Da wo ich mir früher noch viel mehr nen Kopp gemacht hab und über Belastungsgrenzen sinniert hab, gibts bei uns auch richtig anstrengende Tage und danach wird gechillt bis zum Abwinken.

  • Zitat

    wie wäre es, wenn du zum einen mit dem hund ruhe üben würdest,.....also ruhe als kommando.

    ...... da würd ich nur einfach vorschlagen, frusttraining zu machen...

    Nicht alles lässt sich immer komplett und sofort "wegtrainieren" :hilfe: , manches braucht einfach seine Zeit.

    Vielleicht ist aus irgendwelchen (bei jungen Rüden oft bekannten :D ) Gründen im Moment das Grunderregungsniveau höher, die Frusttoleranz entsprechend niedriger und es kommt zu solchen Übersprungshandlungen.
    Auch benötigt mancher arbeitsgeile Junghund etwas mehr Zeit um sich beim Anblick seiner arbeitenden Kollegen ruhig abwartend zu verhalten und die (positive) Anspannung wird schon mal kompensiert :roll: .
    Meist reicht es schon sie an solchen übermotivierten Tagen zuerst arbeiten zu lassen.

    Die Balance zwischen Ruhe - ausreichender Bewegung und angemessener Auslastung ist nicht einfach zu finden und die Wichtung verschiebt sich immer mal wieder.

  • Zitat

    @nairja: das ist wohl eher frustabbau als unterforderung, dass er die innenausstattung zerlegt... da würd ich nur einfach vorschlagen, frusttraining zu machen...


    ist doch wurscht, wie man es nennt, solange man die Gründe kennt

    mache ich mit Luna übrigens zu wenig, sucht sie sich tags über auch etwas zum zerkauen
    hat sie zu wenig körperliche Nähe, sucht sie sich tags über meine Wäsche, wo sie sich drauf legt

    ich denke auch, man muss es einfach beobachten und für den jeweiligen Hund etwas finden, was zu ihm passt

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