Resozialisierung durch Häftlinge

  • Ein ganz besonders herzerwärmendes Projekt erregt derzeit in einem Gefängnis im US- amerikanischen Bundesstaat Washington Aufsehen. Die Haftanstalt kooperiert mit einer lokalen Tierschutzorganisation. Das Ziel: Unvermittelbare Tierheim- Hunde leben auf Zeit bei den Häftlingen und werden von ihnen trainiert und resozialisiert. Die Vierbeiner erhalten so die Chance auf ein neues Zuhause, die Insassen lernen vom Umgang mit den Hunden.[/b]

    Es ist "Graduation Day" - also Abschlussfest - im Stafford Creek Corrections Center in Aberdeen, Washington. Gefeiert wird jedoch kein Ausbildungsabschluss der Insassen, sondern jener der sechzehn Hunde, die in den letzten acht Wochen in der Haftanstalt gelebt haben. Die Vierbeiner galten einst als unvermittelbar und sollten eigentlich eingeschläfert werden. Doch sie alle wurden vom Tierschutzverein "North Beach PAWS" gerettet und für das "Freedom Tails"- Programm ausgewählt.

    "Freedom Tails" bedeutet, dass jeder Hund zwei Monate lang 24 Stunden täglich mit zwei Insassen zusammenlebt und von ihnen trainiert wird. Begonnen wird, wenn nötig, mit simplem Stubenreinheitstraining, der Hund wird resozialisiert und lernt die wichtigsten Kommandos. Das Training kann über Leben und Tod entscheiden, denn unvermittelbare Vierbeiner werden in den USA in vielen Tierheimen eingeschläfert. Das Abschlussfest ist geprägt von einer bittersüßen Stimmung – stolz zeigen die Häftlinge mit "ihren" Hunden das Erlernte vor. Doch am Ende des Tages gehen die Vierbeiner zu ihren neuen Besitzern nach Hause.

    "Diese Hunde verändern unser Leben"

    Wie gut der Kontakt mit den Vierbeinern den Gefängnisinsassen tut, ist spürbar. "Emma ist der erste Hund in meinem Leben. Sie hat mich erst zum Menschen gemacht", sagt ein Häftling. Ein anderer erzählt: "Es gab hier einen Insassen, der nie mit uns anderen gesprochen hat. Ich ließ ihn jeden Tag meinen Hund streicheln, und er taute schließlich auf, spielte mit uns Schach und unterhielt sich mit anderen. Diese Hunde verändern unser Leben." Auch die Sicherheitsleute wissen nur Gutes zu berichten: "Die Teilnehmer dieses Programmes verstoßen so gut wie nie gegen unsere Richtlinien."

    Obwohl die teilnehmenden Straftäter keine Schulung absolvieren müssen, bevor sie mit den Hunden arbeiten, werden sie dennoch streng ausgewählt. Nachdem sie eine formale Bewerbung eingereicht haben, müssen sie ein Gespräch mit dem Sicherheitsdirektor positiv absolvieren. Verurteilte Gewalttäter dürfen am Programm nicht teilnehmen. Mit der Unterstützung freiwilliger professioneller Hundetrainer erfolgt dann die "Feuertaufe" mit den Vierbeinern, wie sich Cheftrainer Thomas Blake ausdrückt.

    Die Hunde dürfen nun dank der engagierten Insassen ihr neues Leben beginnen.


    Quelle: Häftlinge trainieren chancenlose Tierheim-Hunde

  • Ich seh solche Themen immer etwas zwiespältig - für die Hunde ist das - hoffentlich - eine gute Sache. Ich frage mich nur immer, ob nicht die Opfer dieser Menschen mindestens genauso viel Aufmerksamkeit und Unterstützung verdient hätten.

    LG,Chris

  • Hätten bzw haben sie mit Sicherheit!

    Allerdings ist es ja oftmals so das die Straftäter mit Menschen gar nicht mehr umgehen können, und über die arbeit mit den Hunden (manchmal auch Pferden) den Weg zur Gesellschaftsfähigkeit zurück finden können.
    Eine Garantie gibt es natürlich nie ...

    Zum anderen kann ich mir nicht vorstellen das ein Angehöriger der Opfer mit dem Täter zusammenarbeiten würde.
    (und Gewalttäter sind wohl von diesem Projekt auch ausgeschlossen)

  • Finde ich einerseits gut, weil eben beide Parteien von dem Programm profitieren können. Andererseits finde ich die zeitliche Begrenzung von 8 Wochen schwierig. Wenn es dem Insassen nicht gelingt das Tier in diesen 8 Wochen gesellschaftsfähig zu machen wird es getötet. Das bekommen doch teilweise professionelle Trainer in so einer kurzen Zeitspanne nicht hin. Wie bitter muss diese Erfahrung sein, dass man als z.B. Steuerhinterzieher zum "Mörder" gemacht wird.

  • Zitat


    Zum anderen kann ich mir nicht vorstellen das ein Angehöriger der Opfer mit dem Täter zusammenarbeiten würde.
    (und Gewalttäter sind wohl von diesem Projekt auch ausgeschlossen)

    Da haben wir jetzt aneinander vorbei "geredet", glaub ich. Nicht die Opfer sollen mit den Täter zusammen arbeiten... und man kann auch ein sehr betroffenes Opfer sein, ohne dass Gewalt im Spiel war. Nur ist die Opferbetreuung eben etwas, was eher als Stiefkind zu betrachten ist. Wie das in anderen Staaten aussieht, weiss ich nun nicht, aber hier in D bekommt der Täter weitaus mehr und langfristiger und selbstverständlicher Unterstützung, als sein Opfer. Und da stimmt dann m. M. nach was nicht.

    Aber ich will Dir das Thema nicht zerschrotten.

    LG, Chris

  • Zitat


    in D bekommt der Täter weitaus mehr und langfristiger und selbstverständlicher Unterstützung, als sein Opfer. Und da stimmt dann m. M. nach was nicht.

    Das Ziel der Resozialisierung ist doch nicht, dem Täter ein schönes Leben zu machen, sondern zukünftige Opfer (und vor allem Folgekosten für den Staat) zu verhindern. So gesehen wird das für die (potentiellen) Opfer und die Gesellschaft gemacht.
    Was jetzt aber NICHT heisst, dass ich etwas gegen stärke Opferhilfe hätte, ich finde nur, man sollte es nicht gegeneinander aufwiegen ...

    Zum Projekt: Ich finde die Zeit ist einfach zu kurz, ansonsten ist die Idee vom (sehenswerten) Kinofilm "Underdogs" geklaut :-)

    lg

    g.

  • Hier in Deutschland gibt es ein ähnliches Projekt schon lange - in Hessen(?) in einer Jugendstrafanstalt. Die arbeiten mit dem örtlichen Tierheim zusammen, und wenn die Haftzeit um ist dürfen die Gefangenen sogar entscheiden, ob sie den Hund mitnehmen möchten, das wird auch viel genutzt.

    Sie bekommen einen "festen" Hund und müssen sich um alles kümmern - Zwingerreinigung, Training, Meldungen bei Auffälligkeiten, so dass der TA informiert werden kann etc.

    Die Resonanz ist durchweg positiv. Viele Jugendliche haben so erst den Sinn von Regeln und Verantwortung gelernt, sagen von sich selbst, dass sie das wohl sonst nie verstanden hätten.
    Auch die Einstellung zur Strafe habe sich geändert, sie sehen nun das Unrecht, welches sie ihren Opfern angetan haben. Vielfach kommt darüber, dass sie das verstanden haben, sogar ein Täter-Opfer-Ausgleich zustande, weil sie nun Empathie kennengelernt haben.

    Ich finde das eine sehr sinnvolle Sache.

  • Ich finde das grundsätzlich auch ne tolle Sache. Das mit den 8 Wochen sehe ich aber auch kritisch. Denn einigen Hunden kann in der Zeit sicher nicht geholfen werden und sie werden dann eingeschläfert. Und das ist für die Häftlinge sicher kein Schritt nach vorne sondern eine weitere schlimme Erfahrung.

  • Diese Programme gibt es ja mittlerweile in verschiedenen US-Gefängnissen - nicht überall werden die Hunde nach 8 Wochen getötet, teilweise laufen die Programme bis zu nem Jahr, teilweise bilden die Häftlinge (zusammen mit Trainern) die Hunde sogar zu Assistenz- und Behindertenbegleithunden aus. Gibt auch ne Doku-Serie drüber auf Animal Planet (falls den Sender hier jemand hat), heißt "Knasthunde". ;)

    Und hier mal ne Liste der Gefängnisse aus Ohio (nur mal als Beispiel), die solche Programme anbieten - da steht auch dabei, was genau ausgebildet wird und mit welcher Tierschutzorga die jeweils zusammenarbeiten: KLICK

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