Ein halbes Jahr und immer noch keine Besserung
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Hallo in die Runde,
wir selbst kommen nicht mehr weiter und ich hoffe hier Rat zu finden.
(Sorry - aber dazu muss ich etwas ausholen. Viele andere Artikel sind ähnlich, passen aber nicht genau....)Seit einen halben Jahr haben wir Baba bei uns.
Baba ist ein TH-Hund. Ca. 4Jahre, taub. Das wusste sein Vorbesitzer nicht, hat ihn lange im Zwinger gehalten und muss ihn wohl auch getreten und geschlagen haben. Auf jeden Fall ließ er sich die ersten Wochen überhaupt nicht anfassen.Wir - ein Zweifamilienhaus. Ich mit meinem Mann und meinen Eltern. Mein Vater Rentner und den ganzen Tag beim Hund. Mein Mann und ich jeden Abend die Pipi-Runde, Sonntags auf den Platz und wenn möglich Sa und So je einen großen Spaziergang.
Die ersten Wochen war Baba jedem gegenüber gleich ängstlich. Hat immer Schläge und Tritte erwartet (die er selbstverständlich noch nicht ein einziges Mal hier erhalten hat). Mir ggüber hat er die Scheu am Schnellsten abgelegt und lässt sich mittlerweile richtig durchknuddeln. Meinen Vater und meine Mutter hat er auch komplett akzeptiert, ist aber nicht gaaaaanz so unbefangen wie mir ggüber.
Nur vor meinem Mann hat er nach wie vor Angst.Wir haben (fast?) alles versucht:
- Die Besten Leckerlies nur aus seiner Hand: - Klappt. Baba nimmt es vorsichtig und tritt gleich danach wieder den Rückzug an.
- Beim Gassigehen spielt nur mein Mann: - Klappt super. Bei der Pipi-Runde bin ich total abgemeldet weil der Hund nur auf meinen Mann fixiert ist. Er läßt sich sogar "ausversehen" streicheln (also mal ein schnellen streifen des Nackens oder des Rückens).
- Auch in der Wohnung spielt mein Mann: - Macht Baba auch mit.
- Das Geschirr zieht Abends nur mein Mann aus: - Macht Baba generell nicht gerne, läßt es aber geschehen und wird belohnt.Aber sobald mein Mann sich mit der Hand nähert ist der Hund weg. Bleibt in einiger Entfernung stehen und guckt meinen Mann an. Neugierde ist def. da. Und wenn mein Mann mit der Leine wedelt gibt es kein Halten mehr...
Wir wissen nicht weiter. Gerade heute hatte Baba wieder einen Schub. (Den hat er manchmal: dann hat er wieder vor fast allem Angst und viele unserer bisherigen Erfolge sind wieder zunichte...) Davor wurden wir auch gewarnt, aber heute war es so schlimm, dass er nicht mal richtig spielen wollte....Mein Mann ist selbstverständlich mittlerweile auch frustriert, da er mit seinen Bemühungen einfach nicht weiter kommt. Ruhig auf den Hund einreden nutzt ja nix ...
Also: all die kleinen Tricks haben wir versucht. >> Was kann ich sonst noch machen?<<
Vielleicht hat ja jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
Danke, Gruß und gute Nacht,
Frischo - Vor einem Moment
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Hi,
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Zitat
>> Was kann ich sonst noch machen?<<
erstmal herzlich Willkommen hier im Forum

Meiner Meinung nach könnt Ihr da garnix machen bzw. seid Ihr vermutlich schon viel zu bemüht.
Nehmt (und liebt) den Hund wie er ist ... im Laufe der Zeit wird sich das Verhältniss sicher noch ändern, ein halbes Jahr is da garnichts bei der Vorgeschichte. Meine Tierschutzhunde haben sich nach 2 Jahren nochmal deutlich geöffnet.
Aber es gibt auch Hunde die wollen einfach nicht geknuddelt werden - oder welche die nicht spielen wollen. Wenn man es dann krampfhaft versucht wird die Abneigung höchstens schlimmer ...
Wenn Baba soweit ist wird sie sich von ganz alleine an Deinen Mann "ranschmeißen"
(und vieles in ihrem Verhalten was Du so schilderst spricht m.M. nach dafür)PS: die wichtigste Lektion die jeder Hundehalter von seinem Hund lernt ist: Geduld!

lg
Susa -
Wahrscheinlich wurde der taube Hund ja von einem Mann geschlagen und getreten.
Ich finde, ihr habt schon sehr viel erreicht, auch dein Mann, deswegen würde ich ihn nicht drängen, sondern nur darauf eingehen, wenn er von selber kommt. Warum ist dein Mann so ungeduldig, der Hund hat schon viel mitgemacht und viell. erinnert ihn irgendeine Bewegung an die Schläge und Tritte und er weicht deswegen zurück.
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Ich würde auch sagen,in dem halben Jahr seit ihr doch bei dem armen Baba mit dieser Vorgeschichte weit gekommen.Vielleicht ist dein Mann dem Mann der ihn misshandelt hat von Aussehen oder der Art her am ähnlichsten,so dass Baba bei ihm am längsten braucht,bis er ihm vertrauen kann.
Habt einfach weiter Geduld mit ihm und seit froh,dass ihr schon so viel geschafft habt.
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Ich finde auch Ihr seid schon sehr weit gekommen und vielleicht hilft es eher nicht auf den Hund zuzugehen sondern den Hund kommen zu lassen, wenn er sich danach fühlt. Er konnte ja schon etwas Grundvertrauen in Deinen Mann aufbauen sonst würde er sich ja gar nicht anfassen lassen oder spielen. Macht so weiter und lasst ihn sagen, wann er Berührungen zulassen möchte.
Mein Respekt auch vor der Aufgabe der Ihr Euch gestellt habt!
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Ihr seid auf dem richtigen Weg, aber ihr konzentriert euch viel zu stark auf das Ziel und das merkt der Hund. Nehmt ihn wirklich so wie er ist, macht weiter damit daß Dein Mann alle tollen Sachen mit ihm macht, aber achtet gut darauf daß er seine "Wohlfühlgrenze" dabei nie überschreitet.
Wenn ihr diesen Zustand erstmal als gegeben hinnehmt und nicht ständig im Kopf habt "Aber er muß doch..." dann werdet ihr sehen, daß es - mit Höhen und Tiefen - insgesamt im Lauf der Zeit doch immer besser wird. Gebt dem Hund auch die Chance, von sich aus auf Deinen Mann zuzugehen.Ich habe selber einen Angsthund (zum Glück nicht in Bezug auf Menschen) und es gibt jetzt nach 4 Jahren noch schlechte Phasen wo sie in ihr altes Muster zurückfällt. Anfangs dachte ich auch, ich müßte das irgendwie korrigieren oder ihr zeigen daß sie keinen Grund für Angst hat - das macht es aber nur schlimmer, das bestätigt sie noch darin daß da irgendwas nicht ok ist. Einfach übergehen und so tun als wäre nix. Wenn der Hund in bestimmten Momenten seinen Abstand braucht, dann gesteht ihm den auch zu.
Also nicht verzweifeln, ihr seid auf dem richtigen Weg, nur ist der Weg halt seeehr lang!
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Taube Hunde (vor allem aus schlechter Haltung oder Straße) sind schon etwas anders. Sie müssen vorsichtiger sein. Das ist ihre Lebensversicherung. Die anderen Sinne sind ausgeprägter. Sie nähern sich langsam und in ihrem Tempo.
Schara haben wir jetzt seit 1,5 Jahren. Ich würde sagen sie vertraut uns, aber in kritischen Situationen (Tierarzt, Medizin geben) geht sie immer noch in Angriff über. Ich denke da kann ich nur die Zeit für uns spielen lassen.
6 Monate sind noch nicht viel Zeit. Da ist der Hund grad mal so halbwegs zuhause. Nicht jeder, aber manche Hunde brauchen halt länger. Ich würde ihn auch so nehmen wie er ist. Laß den Hund auf dich zukommen. Setz dich abends auch mal auf den Boden und warte ab.
Wichtig finde ich bei solchen Hunden auch strikte Tagesabläufe, Rituale, immer wiederkehrende Abläufe. Bei uns ist der Morgen immer gleich. Gleiche Zeit, gleicher Gassiweg, danach ruhen. Tagsüber wechselt etwas, geht ja nicht anders. Abends ist meistens gleich. Streicheleinheiten, wenn der Fernseher ausgeht, wir die Rolladen im Wohnzimmer hoch machen und ins Bett gehen, hat Schara schon im Körbchen die Augen offen (keine Ahnung wie sie das wahrnimmt, sie hört ja auch nichts) und wartet auf ihre letzten Streicheleinheiten. Diese kleinen Gesten geben ihr Sicherheit. Es sind Kleinigkeiten, aber auf die kann sie sich verlassen und drauf aufbauen.Vielleicht ist das alles zu menschlich gedacht, bin halt auch nur ein Mensch.
Ich beneide auch immer die Hundehalter, die diese fröhlichen Hunde um sich rumspringen haben, alles mit ihnen machen können, wo der Hund blind vertraut. Tja meine vertraut halt taub
Aber so wie es mit einem Hund ist, den man unbekümmert von Welpen an hat, wird es mit Schara nie werden.Aber wir haben uns darauf eingelassen und freuen uns über das was wir schon geschafft haben und noch kommen wird.
Freu dich, dass dein Hund wenigstens spielt. Das macht meine gar nicht. Draussen rumtollen kennt sie nicht. Einzig bei unseren Gassigängen hier aus dem DF, da hat sie einen Freund gefunden, den liebt sie heiss und innig und mit dem spielt sie auch. In solchen Momenten geht mir dann das Herz auf. Deshalb fahre ich auch eine Stunde Sonntag vormittag dahin, um ihr dieses Erlebniss zu ermöglichen.
Wie gesagt, nehme euren Hund wie er ist. Freu dich an dem was ihr schon erreicht habt. Halte dir das immer wieder vor Augen. Erwarte nicht viel, oder gar nichts. Laß den Hund zu dir kommen. Erzwinge nichts. Und schreibe ruhig weiter. Würde mich über mehr Erfahrungsberichte über dein Täubchen freuen.
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Hallo ihr Lieben,
vielen Dank für den vielen Zuspruch
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Ja, im Grunde genommen haben wir in der Tat deutlich mehr erreicht als wir uns selbst für das erste Jahr vorgenommen hatten. Zum Glück für uns alle hat Baba (übrigens ein "Er") sein Grundvertrauen in die Menschen nicht verloren. Man merkt deutlich, dass er lernen und vertrauen WILL. Das er niemals ein völlig in sich ruhende Hund werden wird war uns vom ersten Tag an klar. Aber es ist schön zu sehen, dass es voran geht.Mein Mann ist nicht ungeduldig. Im Gegenteil. Es tut mir einfach leid, dass er als Einziger so abgewiesen wird. Aber ihr habt wahrscheinlich recht - hier müssen wir auf Zeit spielen ...
Falls ihr mal Lust habt: http://www.babas-blog.de
Ganz liebe Grüße,
frischo -
Möchte dir auch nochmal Mut zusprechen. Meine Hündin kam aus Unwissenheit und doofheit von mir von einem Vermehrer. Für die war Streicheln das erste Jahr wie eine Strafe als würd ich die schlagen wollen. Hab das Knuddeln aber auch nie von ihr verlangt und konnte damit Leben.
Umso schöner wars dann aber als wir das erstemal Knuddeln konnten. Zwar mit angelegten Ohren und ich wurde dabei abgeschlabbert, aber das Trieb schon Tränen in die Augen. So Intensiv hab ich noch nie mit einem Hund kontakt gehabt. Streicheln und Kuscheln ist auch 8 jahre später immernoch ein Ausdruck von absolutem Vertrauen.Es ist zwar schade für deinen Mann das dein Hund es jetzt noch nicht zulässt, aber halt schonmal die Taschentücher breit, wenn es das erstemal passiert. Das wird etwas viel Intensiveres für deinen Mann und dem Hund sein als es für dich ist.
Wenn dieses Vertrauen plötzlich da ist, dieses Gefühl ist mit nichts zu vergleichen. Doch es braucht eben zeit :). -
Hallo acidsmile,
vielen Dank für den Zuspruch.
Verglichen mit Deiner Geschichte haben wir ja schon fast kein Problem mehr.
Mein Mann hat hier die Beiträge auch gelesen und das hat ihm wieder Zuversicht gegeben. So einen kleinen Hänger darf man auch mal dem Herrchen zugestehen.So, gehen jetzt noch die letzte Runde (auch wenn die bei DEM Wetter etwas kleiner ausfällt
).
Lg und allen noch einen schönen Abend,
frischo - Vor einem Moment
- Neu
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