Einmal ängstlich, immer ängstlich?

  • Habe mir vor einem Monat auch eine Hündin aus dem Tierheim geholt...
    Aus der Slowakei, erst einige Monate in Deutschland, keine Ahnung von
    der Vorgeschichte...und sie war unglaublich ängstlich. Hat eine Weile
    gedauert, bis sie mir vertraut hat und da sie mein erster Hund ist, war
    ich zu Beginn auch etwas unsicher im Umgang mit ihr.
    Sie kannte bis dato keine Großstadt und war dementsprechend ängstlich
    vor allem.
    Doch mir ist dann mit der Zeit aufgefallen, dass ich ihr die Angst
    mit einem sicheren und selbstverständlichen Auftreten nehmen kann.
    Nicht gänzlich, aber es wird immer besser. Sie fährt nun selbstverständlich
    Straßenbahn...bei großen Autos springt sie zwar an der Straße noch hinter mich,
    aber ich gehe selbstverständlich weiter...
    Also: Kann dir nur Mut machen. Das wird schon. Erfordert sicherlich sehr
    sehr viel Geduld...bei mir ging es Gott sei Dank doch schneller als erwartet.
    Ich denke, meine Kleine wird immer ein bisschen skeptisch bleiben...sie ist eben
    nur sehr fixiert auf mich und schaut in überfordernden Situationen zu mir, ob
    ich gelassen reagiere...wenn ich nicht Anschein mache, ihre Panik zu teilen,
    beruhigt sie sich auch schnell...
    Sie wird sicher immer etwas ängstlich bleiben, gerade wenn sie auf eine
    Gruppe Menschen trifft etc. ...Im Spiel mit anderen Hunden fällt mir auch auf,
    dass sie sich vorher immer hinlegt und sich "unterordnet" um irgendwelchem
    Stress zu entgehen...
    Aber wie gesagt, man kann dem mit viel Geduld und Zuwendung entgegen
    arbeiten. Erfahrungsgemäß "tauen" die Hunde zu Hause sowieso noch etwas
    auf und werden sicherer...erst recht, wenn sie sich erstmal richtig eingelebt
    haben!

    Finde es toll, dass du einen Hund aus dem Tierheim eine Chance gibst :gut:
    Viel Erfolg!

  • Ja stimmt, man lernt wirklich ne Menge.

    Auch die eigene Frustrationstoleranz wird enorm ausgebaut
    - wenn alle sich aufs Gassi freuen außer der Hund weil da draußen nur Monster lauern
    (für diese Sache ist ein souveräner Ersthund übrigens Gold wert)
    - wenn die anderen Hunde schon den Salto rückwärts gelernt haben und Deiner in der gleichen Zeit erstmal, dass Hunde, Schirme, Menschen, Mülltonnen und was auch immer ihn nicht fressen wollen.

    Man wird viel aufmerksamer
    - weil es enorm wichtig ist den eigenen Hund lesen zu können
    - mir war vorher noch nie aufgefallen, dass z.B. fahrende Autos auf einer nassen Straße viel lauter sind und anders klingen als auf einer trockenen.

    Es gäbe noch soviele Dinge..... die schönsten Erlebnisse bisher waren für mich:
    1. als sie das erste Mal richtig unbeschwert über eine Wiese gesaust ist
    2. neulich, als wir dann plötzlich vier Hunde und HH waren und nach einer guten Stunde alle vier ein fettes Grinsen im Hundegesicht hatten. (was nicht heißt, dass wir nicht immer noch ab und an nen Bogen laufen falls nötig)

  • Zitat

    Was auch wichtig ist: Ist der Hund ängstlich-zurückweichend oder ängstlich-nach vorne gehend.


    meiner war beides. :hust: bis zu einer gewissen grenze zurückweichend, bzw. das weite suchend, aber ab einer gewissen grenze, entfernung zum angstobjekt, ging er nach vorne.

    wir haben übrigens ein jahr jeden tag geübt , bis er in der lage war, auf einer hauptstr. zu laufen und das war noch eine unserer leichtesten übungen. :hust:

    gruß marion

  • Ich war richtig glücklich und zufrieden mit meiner Arbeit, als sie die Woche das erste Mal allein in die StraBa eingestiegen ist und sich mit einer Selbstverständlichkeit hingelegt und abgewartet hat, bis es wieder rausging. Die Menschenmengen in der Stadt sind nach wie vor ein rießen Problem, da sie dann kreuz und quer läuft. Allerdings meide ich das...muss sie ja nicht mit zum Shoppen nehmen.
    Aber es sind wirklich diese kleinen Dinge, die einen für die Arbeit belohnen und ermutigen, weiterzumachen :)

  • Meine Ersthündin(Betty) ist ein selbstbewußter und souveräner Hund. Ich habe die Hoffnung, dass sie vielleicht beruhigent einwirken kann, damit die Kleene sich draußen in der großen Welt zurecht findet.
    Der Plan sieht auch erstmal so aus, dass wir sie regelmäßig im TH besuchen und mit ihr (incl.Betty) spazieren gehen, damit sie sich langsam an uns gewöhnen kann. Besuche bei uns zu Hause sind auch geplant, so dass sie am Tag ihres Einzugs schon Rückzugsplätze im Haus kennt und nicht völlig fremd ist. Ich möchte natürlich den Stress des Hundes so gut wie möglich reduzieren.
    Momentan lebt die Kleine bei einer Angestellten des Tierheims und macht schon kleine Fortschritte.
    Ich habe die Hoffnung, dass sie sich irgendwann nicht mehr "an der Wand entlang drückt" :D und auch bei mir gute Fortschritte macht.
    In meinem Bekanntenkreis sind zwei Hündinnen, die ihre Angst nie abgelegt haben und ständig "auf der Flucht sind". Ich wünsche mir, dass meine Maus es schafft, aus diesem Teufelskreis auszubrechen, damit ihr Leben in ihren Augen, nicht so gefährlich und anstrendend ist.

  • Zitat

    hallo,

    ein ängstlicher hund wird nicht immer ängstlich bleiben, wenn man mit ihm arbeitet, aber ich denke schon, dass es ein unsicherer hund bleibt - jedenfalls in gewissen situationen.

    gruß marion

    Das kann ich so unterschreiben!
    Muss aber noch hinzufügen, dass es Tagesformabhängig auch viele Rückfälle geben kann, so ist es zumindest bei uns.
    Gestern noch relativ selbstbewußt, kommt da mal ein Tag, wo man denkt, alle Arbeit war umsonst. Am nächsten Tag ists dann aber wieder besser.
    Unserem Hund, total ängstlich bei Menschen, hätte man beispielsweise niemals zugetraut, dass sie ein guter Mantrailer werden könnte. Ich muss aber sagen - Beim MT vergißt sie meistens, dass sie eigentlich Schiss haben sollte :D

  • eine gute freundin von mir hat als zweithund auch so eine ängstliche maus aufgenommen.

    ich weiss noch gut, als sie mich das erstemal besuchte, saß das mädel völlig platt und zitternd unter ihrem stuhl - ein bild des jammers. sie traute sich nicht, sam auch nur anzusehen, sie nahm kein leckerli von mir, sie hatte nur angst und panik in der für sie damals fremden umgebung.

    jetzt, fast 3 jahre später, geht sie auf fast alle menschen offen zu, "erzieht" joey, liefert sich mit sam die dollsten laustarken "ehekräche" lässt sich vom ersthund nicht mehr die butter vom brot nehmen und man erkennt sie fast nicht mehr wieder. nur wenn man genau hinschaut, merkt man noch, dass sie in einigen situationen unsicherheiten zeigt.

    meine freundin hat sie mit viel geduld und fingerspitzengefühl langsam an den "normalen" alltag rangeführt - am allermeisten aber hat der maus wohl der sehr ruhige, souveräne ersthund geholfen, an den sie sich auch von anfang an sehr eng angeschlossen hatte. :smile:

    es muss also nicht immer sein, dass ein veränstigter hund ein leben lang so bleibt. aber wie rottifrauchen schon schrieb: in machen situationen werden oft auch unsicherheiten einfach bleiben. geduld braucht es halt immer.

    und ja, man kann da wirklich sehr viel lernen.

  • Ich kann das mit meiner vergleichsweise geringen Erfahrung auch nur bestätigen, was Ihr schreibt. Meine kannte, als ich sie mit 9 Monaten holte, kaum etwas, ausser Mutter Pudel und Tante und einen englischen Rasen im Garten. Typisch Schosshund-Sozialisierung. Keine anderen Hunde, keine Hundeschule, keinen Dreck, aber die neuesten Frisuren. Ein vor-Angst-zurückgehen-Typ, das Einstiegsniveau war aber nicht so schlimm wie bei Schlaubi z.B..

    Ich glaube, das Wichtigste, was wir als neue Besitzer brauchten - obwohl wir als Ersthundbesitzer ziemlich unbedarft da rangegangen sind - das war und ist:

    Souveränität: dem Hund das Gefühl zu geben - hey, mit uns kannste die Welt sehen, Dir passiert nix, und kuck mal da hinten .... Klasse oder? Klare Regeln und unsere eigene Sicherheit mit Geduld und Ruhe vermitteln, wie: ...das wird schon, lass Dir Zeit.

    Sensibilität: scheinbarer Gegensatz - ist es aber nicht. Den Hund lernen zu lesen. Lernen, was für ein Typ Hund es ist: meine wird z.B. nie ein Rugbyspieler mit anderen Hunden, ist eher ein Leichtathlet und macht gerne Rennspiele anstatt Körperkontakt, aber das ist auch ok . Es wäre falsch, sie zu mehr zwingen zu wollen. Das heisst auch in unserm Falle: absoluten Schutz vor fremden, ranpesenden Hunden - bekannte Hunde sind willkommen.

    So ist aus unserem Schosshund ein selbstbewusstes, aber nicht grössenwahnsinniges Fräulein geworden, die nichts so leicht schocken kann, die immer mitmacht, die Rute landet kaum noch zwischen den Beinen. Überhaupt, das alles hat mit Ermutigung geklappt, nicht mit Zwingen: bei uns war's der Tunnel, die A-Wand hat sie cool genommen :D .

    ... und ich geb Euch allen Recht. so ein Hund öffnet das Herz!!! :smile:

  • Zitat

    meiner war beides. :hust: bis zu einer gewissen grenze zurückweichend, bzw. das weite suchend, aber ab einer gewissen grenze, entfernung zum angstobjekt, ging er nach vorne.

    so ist meine Hündin auch. Wann es ihr zu nah ist, kommt z.T auch auf die Tagesstimmung an. :D Ich dnek in Bezug auf die Mitmenschen ist ein Hund der zurück weicht immer leichter. Wenn man einen Hund hat der nach vorne geht, hat man schnell den Stempel „böser Hund“ an seinem kleinen Angstbeutel zu kleben. :/

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!