Die Altlasten Eurer Hunde

  • Hallo ihr Lieben,

    hier gibt es ja viele Hunde, die schon ein Leben vor uns hatten - Second-Hand-Hunde aus dem Tierheim, dem Tierschutz, von der Straße oder vom Vorbesitzer.

    Natürlich ist es insbesondere bei bewegter Vergangenheit nicht einfach zu sagen, was der Hund sich wo angewöhnt hat - ist ja auch nicht wichtig. Mich interessiert trotzdem, was Eure Hunde für Altlasten mit ins gemeinsame Leben gebracht haben - positiv wie negativ. Second-Hand-Hunde kommen ja oft mit einer ziemlich genauen Vorstellung davon, wie die Welt aussieht ... oder auch nicht.

    Welche Altlasten haben Eure Hunde?

    Welche Dinge waren für Eure Hunde erstmal unverrückbar oder sind es sogar noch? Herr Leon war beispielsweise von Anfang an der Meinung, dass das Sofa auch für ihn da ist.

    Welche Dinge konnten Eure Hunde vielleicht schon und welche nicht?

    Welche Ängste und Marotten haben Eure Hunde mitgebracht?

    Welches Weltbild haben die Hunde mitgebracht?


    ganz wertfrei,
    Verena

    :smile:

  • :D naja, als wir unser Köterchen bekamen, da er war ein halbes Jahr alt.

    Er kannte kein Kommando, schlief im Bett, kannte kein Gras, keinen Wald, dafür aber jede Kneipe in der Nachbarschaft.... stubenrein war er auch nicht.

    Er war unsicher im Dunkeln und muss in seiner Vergangenheit iwie ein Wanderpokal gewesen sein.

    Was haben wir in den Griff bekommen? Nun er kennt seinen Namen. Grundkommandos auch. Er muss nicht mehr in jede Kneipe und hat akzeptiert, das Frauchen keine Betrunkenen mag und auch nicht kennenlernen möchte.

    Stubenrein ist er, eine Bindung zu uns hat er auch aufgebaut.

    Unsicherheit im Dunkeln, hmm, haben wir auch in den Griff bekommen.

    Was ist geblieben? Nun ja, er schläft immer noch im Bett und ab und an möchte er doch noch mal in eine bestimmte Kneipe gucken....

    Liebe Grüsse,

    Birgit

  • Gutes Thema, gerade heute :hust:

    Unsere Lulu haben wir im Oktober 2008 bekommen, da war sie ca. 2 Jahre alt und kam von der Straße aus der Türkei (türkische Ägäis).
    Sie hatte wohl ein Terretorium von über 10 km. Als wir sie hier das erste mal abgeleint hatten, ist sie weggelaufen.....irgentwann nach Stunden wieder aufgetaucht.
    So haben wir in den letzten 2 Jahren immer wieder versucht sie von der Leine zu machen.
    Nichts,......sie ist immer wieder weg. Ohren auf Durchzug.

    Allerdings ist ihr Umkreis immer enger geworden. Hab ich heute feststellen müssen. :sad2:

    Beim buddeln auf der dunklen Wiese ist das Geschirr runtergerutscht, sie hat einen Schritt rückwärts gemacht und schon......war sie wieder weg.

    Sie hört dann nicht, kennt mich nicht mehr und ist voll im Wahn :schockiert: Zum Glück nur hier um die Häuser und nicht weiter, so wie noch vor einem Jahr.
    Nach 1 Stunde hab ich gesehen wie sie in den gegenüberliegenden Park gelaufen ist. Ich hinterher und da kam sie mir schon entgegen. Als wenn nichts gewesen wäre, :headbash: hat sie sich wieder anleinen lassen.

    Tja, das sind Lulus Altlasten und ich hoffen IRGENTWANN wird sich das geben und ich kann auch mal ohne Leine Gassi gehen.

    Lulu hat zwei Hundegesichter :|

    LG
    Serafina

  • Ich hab meine Hündin mit 6, 5 Jahren bekommen...

    Hab sie spontan 500 km entfernt von einer Familie angeholt, die sie ins Tierheim geben wollten... es war Liebe auf den ersten Blick...

    Naja im Endeffekt war sie extrem Leinenaggressiv, aggressiv gegenüber anderen Hunden, gegenüber Menschen, hat anfangs nach mir und meiner Familie geschnappt, Erzieung gleich 0 und sie ist anfangs leider schon ab und an weggelaufen (und wiedergekommen - glücklicher Weise).
    Dazu war ihr alles, was man nicht auf Wald und Wiese kennen lernt fremd :roll:

    Naja mittlerweile hab ich eig alles im Griff, nur an dem Misstrauen ggü Menschen arbeite ich noch... aber es wird stehts besser!

    Trotz allem hab ich sie soooo unendlich lieb :D

  • Oh, interessantes Thema!

    Also, unser Wayne war ja damals geschätzt 2 oder 3 Jahre alt, als er aus dem TH bei uns einzog.
    Ich hatte immer Schwierigkeiten, seine Vorgeschichte zu glauben:
    z.B. hatte ich mir einen spanischen Straßenhund ganz anders vorgestellt. Nicht so menschenverliebt und anhänglich, nicht so aufgeschlossen und vertrauensvoll, nicht so verplant und chaotisch.
    Das einzige, wo er zu Beginn ein Held drin war, war das Leinedurchnagen und Geschirrzerfleddern. Wir brauchten allein innerhalb des ersten halben Jahres drei Garnituren. Das hat sich aber schnell gegeben...
    Und er war schon immer ein kleiner Müllschlucker. Erstmal rein mit allem, was nicht niet-und nagelfest ist, das Verdauungssystem wird's schon richten :lol:
    Das ist eigentlich das einzige, wo ich ihm den einstigen Straßenhund abkaufen könnte: den kleinen Tramp, den Dieb und Bettler.

    Was aber der Oberhammer war: er war vorher schon zweimal vermittelt und wieder zurück gebracht worden. Weil er vermeintlich geknurrt oder geschnappt hätte oder sowas. Man vermutete sogar die Cockerwut :schockiert:
    Was soll ich sagen: es ist mir ein absolutes Rätsel, wie man auf sowas kommt, ich kann es mir bis heute nicht erklären. Wayne ist wohl der harmloseste, unkomplizierteste Hund, den ich mir überhaupt vorstellen kann. Bei uns kam es niemals zu auch nur einer brenzligen Situation, in der ich auch nur gestockt hätte - wie gesagt, ich kann es mir nicht erklären.
    Vielleicht war es nur eine Ausrede, weil er den Leuten zu wild, zu draufgängerisch war. Vielleicht auch ein Missverständnis, weil er so verspielt ist, und nach einem Spielzeug schnappen wollte. Ich weiß es nicht. Mich schockiert es immer noch, wie dieser Wicht, der keiner Fliege was zuleide tut, zu solch einem Ruf kommen konnte. Ich könnte es mir nur durch seinen Spiel-und Beutetrieb erklären. Und dass es so zu einem Missverständnis kam.
    Er war nämlich schon zu Beginn ein ziemlicher Balljunkie. Und Fallobstjunkie. Und entsprechend war er auch (unerzogen wie er damals war) enorm impulsiv und zuweilen auch distanzlos. Aber er war halt ein junger Hund, der es nicht besser wusste. Möglicherweise hat er einfach nur impulsiv nach etwas geschnappt, und man hat es fehlinterpretiert. Es ist mir die einzige Erklärung.

    Was ich auch immer bezeichnend fand: dass er schon von Beginn an so umweltsicher ist. Es gibt eigentlich kaum etwas, wovor er sich fürchtet, verschiedene Untergründe, öffentliche Verkehrsmittel, Fußgängerzonen, Straßenverkehr, Läden und Restaurants - alles nie ein Problem gewesen.
    Auch war er innerhalb von zwei Tagen stubenrein, obwohl man uns im TH sagte, er sei es nicht. Als hätte es ihm schonmal jemand beigebracht. Überhaupt hatte ich oft das Gefühl, er würde Bestimmtes schon kennen. Aber da er mein erster Hund ist, kann ich es nur schwer beurteilen ... vielleicht ist er einfach auch nur sehr anpassungsfähig. :???:

    Ansonsten merkt man nicht viel von seiner TH-Vergangenheit, auch wenn er, soviel ich weiß, mindestens ein halbes Jahr drin war. Er ist halt extrem anhänglich, bis hin zu verlustängstlich. Sucht Nähe, wo es nur geht. Aber ob das auf seine Vergangenheit zurückzuführen ist? Ich weiß es nicht.
    Vieles, was ich früher auf seine Vergangenheit zurückführte, halte ich heute einfach ... naja, für Charaktersache.

  • Tolles Thema :gut:

    Also Jack haben wir mit knapp 10 Wochen bekommen - angeblich. Der TA schätzte ihn auf höchstens 8 Wochen. Geschätzte "Kindheit" - mit 6 Wochen von der Mutter weg, Polenmarkt, zwei Wochen bei der deutschen HH, Vormittags mit den Ersthund im Schnitt 7 Stunden alleine. Ich bekam einen Welpen der kaum etwas kannte, aber dennoch sehr ruhig war. Typisch Terrier hat er einen Dickkopf. Er hat sich dennoch zu einen souveränen Hund entwickelt auf den ich sehr stolz bin.

    Boomer ist unsere Großbaustelle. Er kam mit acht Monaten zu uns. Sein damaliger Tagesablauf bestand aus ca. 21 Stunden im Flur liegen und drei Stunden Spaziergängen. In der Wohnung durfte er nie in die andern Räume, er musste auf seinen Platz bleiben. Resultat: Er zerstörte den Flur und knabberte alles an.

    Leine kannte er nicht, auch heute noch zerrt er teilweise sehr stark. Die Spaziergänge wurden benutzt um ihn "abzurichten". Im Wald musste er schwere Holzstück apportieren, immer wenn er Menschen anbellte wurde er gelobt. :/

    Zum Anfang bellte er neun von zehn Menschen an, richtig mit vor und zurück springen und knurren - das komplette Programm. Mit Geduld und Ausdauer haben wir das Problem weitestgehend in den Griff bekommen. Früher konnte ein Fremder weder am Tag noch in der Nacht näher als 5 Meter an mich ran. Heute ist er am Tage ruhig, nur selten werden noch Menschen angebellt.In der Nacht lässt er immer noch niemanden in meine Nähe. Irgendwann wird aber auch er verstehen das nicht er mich, sondern ich ihn beschütze ;)

    Es waren viele kleine Baustellen die wir schaffen mussten. Er war mit acht Monaten nicht stubenrein, zerstörte Schuhe, hatte einen sehr hohen Wachinstinkt (Unsicherheit). In der Wohnung ist er nun entspannt, da ist es eher Jack der meldet wenn ein komisches Geräusch kommt.

    Dadurch, das Beide Hunde gleichaltrig sind, ist die Erziehung nicht immer einfach. Zumal ich nicht immer konsequent bin :ops: aber wir bekommen das schon hin =)

  • Hallo zusammen,

    ---an Asmodiena, meinen größten Respekt, dass du so schwierige Hunde aufgenommen hast und jetzt so gut damit zurechtkommst.. :gut:

    Meine Hündin Carla ist verhaltensgestört, sie leidet unter starker Trennungsangst. Die ersten Wochen war sie bei Alkoholikern, die mehrere Hunde hatten und vermutlich alle schlecht behandelten.
    Dann war sie 15 Mon. bei relativ "normalen" Leuten, wurde aber seit ihrer Welpenzeit täglich 8 - 10 h alleingelassen. Sie heulte ununterbrochen und zerbiß alles, was sie gefunden hat. Zuletzt wurde sie angeblich im Bad eingesperrt, damit sie nichts mehr kaputtmachen konnte.
    Mit 15 Mon. kam sie dann zu mir.......
    Sie verträgt sich mit allen, mit Hunden, mit Katzen, sie liebt Kinder, aber -wen wundert es-- sie hat panische Angst, allein zu sein.
    Ich habe alles mögliche versucht--- es hat nix geholfen. Wenn ein Mensch ( es muß nicht ich sein, aber eine Bezugsperson) da ist, ist alles gut. Wenn sie allein ist, bellt/heult/weint sie. Auch im Auto. Auch wenn ich nur tanke.
    Einfach ist das Leben mit ihr nicht, aber supermegaoberspitzenschöööön !!
    :smile:

  • Tiara aus dem polnischen Tierheim Starogard ist echt ein wahnsinnig toller Hund. Allerdings auch Müllschlucker und teilweise etwas zu selbstständig.
    Außerdem ist sie manchmal bei Hundbegegnungen etwas stürmisch und derb.
    Wenn ihr eine Nase nicht passt (kommt zum Glück wirklich sehr sehr selten vor) knallt es direkt.

    Unsere neue Maus war seit ihrem 5.ten Lebensmonat im polnischen TH und kam nun mit etwas mehr als einem Jahr zu uns.
    Sie ist teilweise noch etwas distanzlos und manchmal etwas unsicher, aber im großen und ganzen auch ein unkomplizierter Hund.
    Denke mit der entsprechenden Erziehung wird das kein Thema sein.

  • Hi,

    mein Chicco kam im Februar zu uns mit knapp 7 Jahren. Er ist ein verdammt anhänglicher, ganz lieber Kerl, man hat immer den Eindruck er hat panische Angst vorm Verlassenwerden, d.h. er entfernt sich auch draussen selten weit weg von mir. (Sein ehemaliges Frauchen ist gestorben, er war in der Pflegestelle für über 1 Jahr, und ich befürchte er war zwischendrin mal weitervermittelt wo es ihm nicht so gut ging....)

    Er hat panische Angst vorm Geschirr anziehen, er haut dann immer ab, bzw. duckt sich wenn man es ihm anzieht, also ganz komisch, ich denke, er wurde da mal eingezwickt und hat deswegen Angst. Wird aber langsam besser.

    Er jagt Züge und extremst Flieger!!! Diese Marotte werde ich aus ihm auch denke ich nicht mehr rauskriegen, wobei er bei den Fliegern schon Unterschiede macht, also er jagt sie nicht immer und nicht jeden Flieger, das ist vollkommen tagesabhänging, bei Zügen hingegen rastet er immer und überall vollkommen aus, warum auch immer :???:

    Er hat Angst vor Besen und vor dem Gartenschlauch.... Ich will gar nicht darüber nachdenken was passiert sein könnte!

    Aber alles in allem ist er ein ganz ganz liebes kleines Kerlchen und ich bin so froh, dass wir uns für ihn entschieden haben, obwohl wir eigentlich einen Welpen und ein Mädchen wollten....

  • Wow, also wenn ich manche Storys hier lese, Hut ab, dass ihr solche Hunde aufgenommen habt :gut:

    Ich bekam meine nun 3-jährige Cora (RR-Mix) vor 11-Monaten von privaten Leuten. Sie mussten/wollten ihren Hund abgeben, weil er angeblich nicht mehr mit den anderen bieden Hunden auf dem Hof klar kam. Als ich sie zum ersten mal sah, konnte der Hund einem nur leidtun. Sie war so ängstlich, auch in Gegenwart ihrer Besitzer. Wir trafen uns bei einer bekannten, sie sprang auf die Couch. Besitzer schrie den Hund an, er erstarrte nur und rührte sich keinen Millimeter mehr, danach zog er sie gewaltsam von der Couch.

    Ich nahm Sie also bei mir auf, das schwierige hierbei, es ist mein erster Hund. Ich machte mir lange Zeit Gedanken um Rasse usw. und dann spontan von heut morgen zog sie bei mir ein. Sie war stubenrein und machte nie irgendwas kaputt (außer mal nen Schnürsenkel anfressen ^^)

    Anfangsbaustellen:
    - extreme Verlustangst
    - Sehr unterwürfig (schmiss sich auf den Boden/Rücken ->Demutsgeste)
    - Hatte Angst vorm Treppen laufen (sagte mir auch der Besitzer)
    - in fremden Treppenhäusern teilweise panische Angst
    - Kannte praktisch nichts von der Umwelt, außer den Hof auf dem sie lebte
    - Leine kannte sie auch nicht wirklich
    - Sie geht nicht ins Bad
    - Angst vor dem Keller
    - Angst vor dem Balkon
    - Angst vor neuen unbekannten Dingen
    - Wollte nichts fressen
    - Kannte nur "Platz" bzw. hinschmeissen

    später dann sehr ausgeprägter Jagdtrieb...

    Sie war von der ersten Minute in meiner Wohnung extrem anhänglich, wie ein kleiner Welpe. Draußen blieb sie immer in meiner nähe, ich lies sie stets ohne Leine laufen, sie war perfekt abrufbar. Sie vertrug sich anfangs mit allen Artgenossen, spielte jedoch nie mit anderen Hunden, und wenn dann nur sehr sehr kurz. 2 Tage später wurde sie läufig, ich war eigentlich komplett überfordert. Im Haus gabs nur Beschwerden, da Sie ja mehrere Stunden am Tag bellte und jaulte. Die ersten 2 Monate waren Stress pur.

    Nunja das wichtigste was ich im Umgang mit Hunden gelernt habe, ist viel Geduld und Konsequenz an den Tag zu legen

    Heute gehören 90% der Baustellen der Vergangenheit an, jedoch sind auch einige neue hinzu gekommen.

    LG Andi

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