Wenn er's nicht anders gewöhnt ist...

  • Kennt Ihr den Spruch?

    Ich hab ihn jetzt schon so oft gehört. Mein Mann hat mir erst neulich wieder erzählt, er hat Leute kennengelernt, die einen Husky haben. Auf die Frage hin, ob eine Stunde Spazieren am Tag für so eine Laufhunderasse nicht ein bisserl wenig ist, kam die Antwort "Ach wissen Sie, wir haben ihn seit er ein Welpe war, wenn er's nicht anders gewöhnt ist, dann fehlt ihm auch nichts."

    Mich würde mal interessieren, wie Ihr das so seht. Kann man das allgemein sagen, dass ein Hund rassespezifische Bedürfnisse einfach so ablegen kann, wenn er es nicht gewohnt ist, sie auszuleben? Oder ist das tatsächlich so, kann man da nach dem Motto "Was Hund nicht weiß, macht Hund nicht heiß" vorgehen?

    Ich wundere mich immer wieder über diesen Spruch, das mit dem Husky sollte nur ein Beispiel sein, ich weiß überhaupt nicht, wie ich den einschätzen soll. So rein bauchmäßig finde ich das nicht wirklich toll, aber ich hätte argumentativ wohl nicht viel beizutragen...?

  • Hm, auf einzelne Hunde kann das durchaus zutreffen.
    Ich kannte einen Weimaraner, der konnte gar nicht jagen - der wäre nie hinter etwas her gehetzt - oder hätte gar etwas aufgespürt.
    Ich kenne 2 Husky-Mixe (HukyxMalamute) die haben tatsächlich kein überaus gesteigertes Laufbedürfnis - der eine läuft mal am Fahrrad mit, der andere will lieber ne runde gemütlich schnüffeln und durch die Gegend trotteln.
    Es kann solche und solche geben - womit es die meisten das Laufbedürfnis solcher Hunde aber wahrscheinlich verwechseln, ist eine antrainierte Kondition...

  • Zitat

    Hm, auf einzelne Hunde kann das durchaus zutreffen.


    Ja, ich denke das ist der Knackpunkt. Man kann halt nicht alle uber einen Kamm scheren. Genauso wie es bei vielen sicher nicht zutrifft, kann es bei anderen zutreffen :ka:
    Man sieht es recht oft ganz gut an der Körpersprache des jeweiligen Hundes ob es stimmt oder nicht.

  • Ich denke, zu einem gewissen Grad ist das korrekt. Wenn ich mit meinem Hund täglich 10km Rad fahren würde und dann von heute auf morgen nicht mehr, würde ihr was fehlen. Da ich das aber erst gar nicht mache, fehlt ihr auch nichts.

    Ich stelle mir das ganze so vor, solange sich dieses "er kennt es ja nicht anders" am unteren Limit dessen, was für den Hund persönlich ok ist, bewegt, wird es einfach die Gewohnheit regeln. Ist es unter diesem Limit, wird es zu Problemen kommen.

    Also z.b. Husky Bello hat ein unteres Limit von 3 mal täglich 30 Minuten Auslauf mit etwas UO. Und auch nur das wird mit ihm gemacht. Ist zwar wenig für nen Husky, aber ist ok.

    Jetzt nehmen wir an, mit Husky Bello wird aber nur 3 mal täglich 20 Minuten gegangen, dann wird er Probleme machen, weil unausgelastet.

    Nehmen wir an, Bello wird täglich nach der Schule von Tochter A mit dem Rad 1h mitgenomme, und A zieht zum studieren plötzlich weg und man geht zurück zu 3x30 Minuten, wird es ein Problem geben. Weil er es eben anders kennt.

    Bello würde sich allerding auch über 3x40 Minuten freuen, die 30 nimmt er halt, weil er es nicht anders kennt.

  • Eben - aber ich persönlich würde mir nie einen Welpen ins Haus holen, der aufgrund der Rasse einfach ein Spezialist ist - ich weiß eben vorher nicht zu was er sich entwickeln wird.
    Dem kann und will ich einfach nicht gerecht werden.

  • Dass es unterschiedliche Charaktere gibt, ist klar. Unser Border Collie hätte als Hütehund niemals einen Job bekommen. Der hat nichts gehütet. Er ist nichtmal beim Spazierengehen zwischen den Leuten hin und her gelaufen.

  • Zitat

    Das hat dann aber doch mit einem "er ist's nicht anders gewöhnt" nicht wirklich was zu tun, oder?


    Naja, irgendwie schon.
    Habe ich jetzt einen Husky (nur um bei dem Beispiel zu bleiben) der von seinem Charakter her nicht schwierig auszulasten ist, würde dem Hund trotzdem was fehlen wenn ich es ihm von Anfang an angewöhnt hätte. Tu ich das nicht, fehlt es ihm (also genau diesem Hund) auch nicht :)

  • Zitat

    Eben - aber ich persönlich würde mir nie einen Welpen ins Haus holen, der aufgrund der Rasse einfach ein Spezialist ist - ich weiß eben vorher nicht zu was er sich entwickeln wird.
    Dem kann und will ich einfach nicht gerecht werden.

    Darauf wollte ich unter anderem hinaus - wenn man sich rassespezifischer Bedürfnisse durch "Einfach nicht dran gewöhnen" entledigen könnte, dann hieße das ja, dass es völlig wurst ist, was man sich für eine Rasse zulegt?

  • Ich vertrete ebenfalls die These, dass innerhalb gewisser Grenzen Vieles Gewohnheit ist.

    Eine Bekannte von mir hat zwei Bordermixe, die schon im Welpenalter stundenlange Touren gemacht haben. Und ja, die drehen am Rad, wenn sie weniger als 2,5 Stunden am Tag draußen Action haben.

    Ich hab bei Guinness immer drauf geachtet (und halt den welpenüblichen Kram beachtet), dass er zwar auch häufiger mal lange rauskommt, aber es gibt Tage, an denen ich mit voller Absicht 2 x 15 Minuten draußen bin.
    Und er kann das... Steigt mir da auch nach Tagen (bei Krankheit meinerseits oder so) nicht auf's Dach, wobei ich dann drinnen noch ein bisschen den Kopf fordere, ZOS mache und so.

    Er kennt keine komplett festen Futterzeiten, hat aber natürlich einige feste Rituale - nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Wir fahren damit sehr gut und ich genieße es, einen ziemlich flexiblen Hund zu haben :smile:

    Den genannten Husky find ich aber schon an der Grenze zu dem, was Probleme machen kann... :/

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