Mein Hund hat mich gebissen

  • Hallo,

    ich verstehe auch nicht, wie man von einem Hund (!) verlangen kann, dass er sich in der Situation hätte verziehen können.

    Einige Hunde machen es von Natur aus, andere gehen nach vorne, wenn sie trotz Warnung weiter bedrängt werden.
    Beide Reaktionsmöglichkeiten bestehen natürlicherweise bei einem Hund, auf die ich erzieherisch kaum Einfluss nehmen kann.
    Menschen sind nun mal nicht in der Lage (was auch gut ist), dem Hund auch noch seine Körpersprache zu nehmen.

    "Er hätte auch ausweichen können" ist menschliches Denken und ein wünschenswertes Verhalten, aber da es ein Hund ist, kann man kaum verlangen, dass er menschlichen Wunschvorstellungen (Zurückweichen) nachkommen muss.

    Der Mensch sollte intelligenter sein und das natürliche Hundeverhalten berücksichtigen - ein Hund handelt eben teilweise wie ein Raubtier.
    Er wurde von uns Menschen domestiziert, aber Gott sei Dank wurden ihm nicht sämtliche Verhaltensweisen weggezüchtet.

    Darauf sollte man sich als Hundehalter einstellen und ihm nicht menschliches Verhalten abverlangen.

    Gruß
    Leo

  • Hallo,
    was ist denn eigentlich passiert?

    Ein HH hat die Kommunikation seines Hundes fehlinterpretiert und der Hund hat auf die einzig mögliche Art, die ihm blieb reagiert.

    Ich hoffe, dass sich die Wunden im Gesicht als nicht so schlimm herausgestellt haben und ich denke doch, dass die Halterin zukünftig mehr auf die Sprache ihres Hundes achten wird.

    Was ICH jetzt machen würde, aus dem Aspekt heraus, dass ich schon solch ein "Verhältnis" zu meinen Hunden haben möchte, dass sie sich jederzeit von mir auch unangenehme, mal auch schmerzhafte Manipulationen gefallen lassen, wäre üben, üben, üben - ganz besonders, wenn mein Hund etwas doof findet - was ich ihnen grundsätzlich zugestehe und worauf ich auch Rücksicht nehme - aber eben nicht in der Form, dass ich sage "Hund mag das nicht, also lasse ich es", sondern in der Form, dass ich sage "Hund mag das nicht, also zeigen wir ihm, dass es so schlimm gar nicht ist" und zwar mit Geduld und Spucke...

    Das Ausweichen als Option müssen die meisten Hunde erst lernen dürfen - das ist meine Erfahrung damit, zumindest, was den Umgang mit unangenehmen Situationen angeht. Das Zurückweichen an sich ist bei entsprechender Körpersprache (und der rein räumlichen Möglichkeit dazu) bereits Repertoire des Hundes enthalten - es situativ als Option im Umgang mit Menschen anzuwenden, kann man mit dem Hund üben.

    Die Einstellung "jetzt erst Recht" ist in den seltensten Fällen die richtige - eine bis dato gute Hund-Halter-Beziehung verkraftet es auch, wenn der Halter sich auf das erste Knurren des Hunde zurückzieht, den Druck auf den Hund wegnimmt und sich mit einer Tasse Kaffee irgendwo hinsetzt und drüber nachdenkt, warum der Hund jetzt knurren musste.

    Wenn bei uns daheim erwachsene neue Hunde in die Gruppe integriert werden, werde ich auch am Anfang des Öfteren angeknurrt - ich nehme das zur Kenntnis und mildere die Situationen für den Hund soweit ab, dass er nicht mehr knurren muss - aber ich werte es rein als Zeichen, dass der Hund gerade überfordert ist und nicht als "angriff gegen mich selbst".

    Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob es für den Hund wirklich einen Unterschied macht, ob ich seine Pfote küssen will (wozu ich nicht so neige... :lol: ) oder nachsehen will, was das für ein Krümel zwischen den Zehen ist... ich glaube nicht, dass der Hund das weiß...deshalb habe ich für mich den Anspruch, dass nach einiger Zeit des Hundes bei mir unser Vertrauensverhältnis so weit gefestigt ist, dass er sich auch an ungeliebten Stellen anfassen läßt, einfach weil er gelernt hat, dass das in Ordnung ist, auch wenns manchmal ziept....

    Solche Fehler im Umgang machen wir in unseren Karrieren als HH alle mal - manchmal auch erst mit dem fünften Hund, weil die vorher einfach anders drauf waren.

    Wenn man daraus lernt, finde ich das gar nicht weiter schlimm - die Fehler unserer Hunde können wir immer so herrlich entschuldigen, warum nicht auch mal unsere eigenen?

    LG, Chris

  • hallo nadine, ich hab hier alles gelesen. blöd gelaufen, würd ich sagen :???: aber wenn man als hundehalter ehrlich zu sich selbst ist, ich sprech von mir, ok? dann gibt es so einige situationen, wo man sich nicht richtig verhält (wir sind menschen, und dürfen fehler machen) auch mein dackel hat mich schon gebissen, pfingsten 2010 vergess ich nie, denn da war ich jeden tag zum verband wechseln... die situation war folgende, mein dackel sitzt im wohnzimmer unterm eßtisch und beobachtet von drinnen, draußen den gärtner beim arbeiten, streß pur für ihn, weil was macht der fremde typ auf meinem grundstück!!!! ich geh ins wohnzimmer rein, will bügelwäsche in den schrank räumen, mir was runtergefallen, nix dabei gedacht, greife danach, hebe es auf und zack der dackel mir in die hand gebissen, aber richtig, vom feinsten (narbe übrigens heut noch zu sehen). ich war dermaßen erschrocken, konnte nicht reagieren, weil es hat weh getan wie sau und geblutet wie verrückt. im nachhinein drüber nachgedacht, der hund hat aufgrund der situation unter streß gestanden, und die hat er an mir entladen, meine ich. seit diesem ereignis muss ich ehrlich sagen, ich sehe meinen hund mit anderen augen, habe angewohnheiten, wie knuddeln, wenn mir danach ist, hochheben usw. abgelegt. der ist ein süsser kleiner dackelsack, aber kein kinderersatz, knuddelmonster etc. er ist und bleibt ein jagdhund, ein bewacher, ein 4,3 kg schweres eigenständiges persönchen. und seit dem ist mein verhältnis zu meinem dackel wesentlich besser geworden. ich hab dazu gelernt, ich verstehe meinen hund jetzt wesentlich besser. in diesem sinne, hackt doch nicht auf ihr rum, fehler wie gesagt macht jeder. und ich will noch anmerken, das ich es sehr mutig von nadine finde, dieses erlebnis hier rein zu schreiben. liebe grüsse und allen ein schönes wochenende - timmidackelfrauchen

  • Also, ich habe meinen Hund nicht großgezogen, sondern "verhunst" bekommen :sad2: Bis nach seinem ersten Lebensjahr hat der arme Kerl sechs Familien durchlaufen und ist letztendlich bei uns angelangt.
    Wir hatten ihn geschenkt gekriegt, so von wegen, bloß weg mit diesem Hund.

    Er hat sich nicht hochheben lassen, anfassen konnten wir ihn auch nicht wirklich, vor Menschen und lauten Geräuschen hatte er Angst.
    Da ist gewaltig was schiefgelaufen :schockiert:

    Heute trag ich ihn ins Bad oder kann ihn generell hochheben, geb ihm ab und zu einen Knutscher auf den Kopf etc. pp.
    Ich kann eigentlich alles mit ihm machen und er lässt es über sich ergehen. Sogar die TÄ sind begeistert, wie leicht er doch zu händeln ist(für einen Jacki vorallem) Es war harte Arbeit und Geduld war zwingend erforderlich.
    Was habe ich dafür gemacht, hatten mich einige Leute gefragt. Ich habe angefangen mit ihm zu arbeiten bzw. ihn zu fordern körperlich, sowie auch geistig. Das hat wahre Wunder bewirkt und die Bindung gestärkt.

    Es gab oft Situationen in denen mein Hund geknurrt oder sogar geschnappt hatte. Ich habe nicht aufgegeben und ihn trotzdem lieb gehabt.
    Heute gibt es diese Situationen nicht mehr. Auch weil ich weiß, wo seine Grenzen sind. Das muss man respektieren und akzeptieren.

    Was wollte ich mit meinem langen Text eigentlich sagen :hust:

    Ach ja:
    Wenn eine gute Bindung zum Hund vorhanden ist, dann passieren solche Vorfälle nicht. Also, muss man an sich arbeiten und in der Lage sein zu reflektieren. Die Einstellung, er muss gehorchen denn er steht unter mir, muss man ganz schnell ablegen. Mein Hund ist mein Freund und kein Sklave. Man mag gar nicht glauben, wie er mir jetzt folgt und auch gehorcht und das alles nicht aus der Angst heraus, sondern weil er mir vertraut. Ich kann es heute noch nicht fassen, wie er sich zum positiven verändern hat.

    Nadine: Wichtig ist, nicht aufgeben und vorallem an dir selbst arbeiten. Sei mit dir kritisch und hinterfrage deinen Aktionen. Glaub mir, du wirst lernen mit deinem Hund umzugehen, ohne dass solche Momente erst aufkommen müssen. Es zählt die eigene Einstellung zum Hund.

  • darf ich euch mal was fragen? wenn meine hündin mich anknurrt, geh ich dann einfach weg? nach dem motto "okay das will sie nicht" weil eigentlich hab ich doch das sagen, dann soll sie das bussi halt über sich ergehen lassen oder? wenn ich weggeh geb ich doch nach..?

  • Zitat

    darf ich euch mal was fragen? wenn meine hündin mich anknurrt, geh ich dann einfach weg? nach dem motto "okay das will sie nicht" weil eigentlich hab ich doch das sagen, dann soll sie das bussi halt über sich ergehen lassen oder? wenn ich weggeh geb ich doch nach..?

    Durch ein Zurückweichen signalisierst Du dem Hund erst mal, dass Du seine Reaktion wahrnimmst. Nicht mehr und nicht weniger.

    Das ist per se kein "Nachgeben", sondern ein "drauf-eingehen".

    Man muss nicht gleich im Nachbarzimmer verschwinden, es reicht oft schon ein Zurückweichen z. B. mit dem Oberkörper, um "Druck" wegzunehmen und die Situation für den Hund besser zu gestalten.

    Und wie ich dann damit umgehe, dass mein Hund mir durch Knurren seine Überforderung mit der Situation klar macht, hängt dann unmittelbar von dieser Situation ab - hat mein Hund sich bedrängt gefühlt, hat er seine Ressourcen mit gegenüber verteidigen wollen, hat er Schmerzen oder was auch immer?

    Dazu müßtest Du also selbst etwas mehr schreiben.

    LG, Chris

  • Zitat

    Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob es für den Hund wirklich einen Unterschied macht, ob ich seine Pfote küssen will (wozu ich nicht so neige... :lol: ) oder nachsehen will, was das für ein Krümel zwischen den Zehen ist... ich glaube nicht, dass der Hund das weiß...deshalb habe ich für mich den Anspruch, dass nach einiger Zeit des Hundes bei mir unser Vertrauensverhältnis so weit gefestigt ist, dass er sich auch an ungeliebten Stellen anfassen läßt, einfach weil er gelernt hat, dass das in Ordnung ist, auch wenns manchmal ziept....

    Suchst du den Krümel mit den Lippen oder der Zunge? :hust:
    Ich denke, das kann der Hund schon unterscheiden, das es zwei unterschiedliche Dinge sind.

  • Ich glaube aber auch, dass der Hund durchaus die Emotion/ Energie spüren bzw. riechen kann, mit der ein Mensch seine Pfote küsst. Ein Hund spürt doch ganz genau, dass ein Mensch dies in einer "Schmuselaune" tut, und dabei liebevoll ist, und dass er den Hund in diesem Moment nicht bedrohen will ....

  • Zitat

    Ich glaube aber auch, dass der Hund durchaus die Emotion/ Energie spüren bzw. riechen kann, mit der ein Mensch seine Pfote küsst. Ein Hund spürt doch ganz genau, dass ein Mensch dies in einer "Schmuselaune" tut, und dabei liebevoll ist, und dass er den Hund in diesem Moment nicht bedrohen will ....

    Nun ob der Hund das spürt oder erahnt, das ist eine Sache, aber ob er dann schmusen will oder diese Art des Schmusens nett findet eine anderen.

    Primate schmusen viel, aber Hund so leider gar nicht. Ein Hund kann mit diesem Primatenverhalten nichts anfangen und meist ist es auch noch mit einer "Drohgebärde" verbunden.

  • Zitat

    Ich glaube aber auch, dass der Hund durchaus die Emotion/ Energie spüren bzw. riechen kann, mit der ein Mensch seine Pfote küsst. Ein Hund spürt doch ganz genau, dass ein Mensch dies in einer "Schmuselaune" tut, und dabei liebevoll ist, und dass er den Hund in diesem Moment nicht bedrohen will ....

    Öhm... srell dir mal vor, Du schreibst einen wichtigen Bericht ( möglichst mit Abgabeterimin eine Stunde später) und Dein Freund kommt und will dich küssen.

    Du schickst ih weg bzw. reagierst ungehalten und er versucht es prompt nochmal.

    Er will doch nur schmusen....

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