Grundsatzdiskussion: Hunde & Vollzeitjob

  • Moin,

    wir haben das Glück, dass ich unseren Hund mit zur Arbeit nehmen kann. Wobei ich mir immer bewusst bin, dass der Luxus auch mal von heute auf morgen vorbei sein kann. So ein Privileg kann auch als Druckmittel seitens der Chefs genutzt werden...

    Wenn das so währe, würde uns nichts anderes übrig bleiben, als Leja tagsüber alleine zu lassen. Wir könnten es sicherlich so einrichten, dass es keine 8-9 Stunden täglich werden - aber an manchen Tagen würde es sich nicht vermeiden lassen.

    Wir haben sowas schon ein paarmal geübt - es ging alles gut, Hund, Katze und Wohnung ist heil geblieben.

    Ich habe im Büro regelmäßig Zeiten, wo ich am Tage mit Leja nicht "mal eben so" raus komme. Nämlich wenn meine Arbeitskollegin nicht da ist (Urlaub etc). Dann kommt Leja 9 Stunden auch nicht zu irgendwelchen Spaziergängen. Nach der Arbeit geht es direkt nach hause (1 Stunde) und dann geht es erst los.

    Natürlich kann Leja mal zwischendurch raus - das ist ihr nicht verwehrt, aber sie verbringt ihre Zeit schlafen in meinem Büro.

    Wie es schon geschrieben wurde - es kommt viel auf den individuellen Einzelfall drauf an.

    Aber was mich mal interessieren würde.

    Man ließt hier öfters (sinngemäß)
    "...wenn jemand vollzeit arbeitet kann man keinen Hund halten..."
    oder
    "...währe ich nicht den ganzen Tag zuhause, würde ich auf einen Hund verzichten..."

    Was machen bitte diese Personen, wenn sich die Lebenssituation ändert.

    Einen Hundesitter anheuern, der über Tage dem Hund die Pfote hält?

    Meist ändern sich Lebenssituationen dramatisch (aus finanzieller Sicht) da ist nicht mal eben ein Hundesitter drin.

    Was dann?

    Den Hund ins Tierheim bringen?

  • Da Wuffel 4 Tage die Woche knapp 9h alleine ist muss ich hier mich auch mal zu Wort melden...

    Als Kind wollte ich immer einen Hund, da aber mein Paps und meine Schwester Katzenmenschen sind und meine Mama und ich Hundemenschen kam es zu keiner Einigung und zu keinem Hund.
    Ich wollte im Tierheim Gassi gehen, aber die haben das nur vormittags gemacht, fiel also auch aus (bin dafür in den winzigen Zoo unseres Ortes und habe Ziegen und Pferdeställe ausgemiste und manchmal auch die Hasen und Meeschweinchen und Marder :D )

    Also Traum vom Hund nicht zu verwirklichen.
    Dann habe ich angefangen zu studieren und bin mit meinem damaligen Freund zusammen gezogen. Er wollte schon immer einen Hund (permanent arbeitslos weil keine Lust, also hatte er ja auch Zeit).
    Da ich aber zu diesem Zeitpunkt bereits vermutete, dass die Arbeit an mir hängen bleibt (und vor allem auch das finanzielle - bei 400Euro pro Monat für Miete, Essen, Benzin etc. bleibt nix übrig) habe ich mich geweigert.
    Wir hatten dann mal übers Wochenende einen Staff-Mix da (Besitzer wollte ihn verschenken). Es gab "JA"-Futter und der Hund hat nur gefurzt am laufenden Band und er war einfach zu groß für die Wohnung. Er hat fast ununterbrochen gewedelt und ständig irgendwas fast umgeschmissen dabei.
    Nach 2 Tagen haben wir ihn zurück gebracht, Hund und Besitzer haben sich beide gefreut. :D

    Immer wieder fing mein EX mit Hunden an, ich habe immer "nein" gesagt - ich war ja 4 Tage die WOche fast den kompletten Tag beim Studium.
    Irgendwann hat er einen Penanntsittich-Weibchen angeschleppt. In einem winziges Käfig, wo sie kaum die Flügel ausbreiten konnte.
    Ich habe dann im Laufe der Zeit einen größeren Käfig und ein Männchen dazugekauft.

    Immernoch nervte er mit einem Hund (und auch noch so nem hässlichen Bullterrier :p ).
    Irgendwann hab ich mich erweichen lassen (nachdem ich die Tiere mal live erlebt hatte) und Benni zog ein, 10 Wochen alt.

    Wie ich es mir dachte hat mein Ex nix gemacht und 2 Monate später kam die Trennung (rechnet man ja nun nicht unbedingt nach 6 Jahren mit).

    Nun stand ich da: Welpe, 2 Vögel (war klar, dass ich die mitnehme weil er kein Geld für Futter etc. hatte - alles in ner Spielhalle verzockt jeden Monat) und fertig mitm Studium.

    Ich habe dann 1 Jahr bei ner großen Supermarktkette gejobbt als halbtagsstelle damit Wuffel nicht so lange alleine ist, habe für die 2 Geiers eine große Voliere gebaut mit Freunden und es lief alles soweit.

    Aber ich wusste ja von Anfang an, dass ich in meinem studiertem Beruf auch arbeiten will. Irgendwann habe ich dann die Vögel abgegeben (an einen Züchter, wo die beiden statt 2qm Voliere plus häufigen Freiflug mal eben knapp 20qm hatten) und habe meine Vollzeitstelle gefunden. 50h/Woche.

    Mein Freund (mit dem ich inzwischen zusammen wohne) arbeitet 45h/Woche und hin und wieder am Wochenende.
    Er muss 1 1/2h vor mir weg und komt 2h vor mir heim - also ist Wuffel 4 mal die Woche 9h alleine, Freitag hat er nur bis 12Uhr zu arbeiten. Da sind es also gerade 4h.

    Wenn wir was unternehmen ist Hundi in 99% der Fällen dabei, es gibt wirklich nur seltene Ausnahmen.
    Mir tut es wirklich sehr leid um Moppelchen, aber es geht nunmal nicht anders. Gassigänger will ich nicht in meiner Wohnung haben, eine Nachbarin hatte sich angeboten aber irgendwie das Interesse verloren.

    Und ich muss ehrlich sein: Wenn Benni kein Bullterrier wäre, hätte ich ihn wohl abgegeben (gerade nach der Trennung war es eine sehr schwierige Zeit). Aber ich habe für ihn die Verantwortung und wenn ich ihn abgebe und er kommt irgendwie in solche Hände wie von meinem Ex (der sich immer freute, wenn Benni Leute anknurrte und ihn noch anfeuerte und ihn dann auch gerne mal mit der Leine schlug), na dann.... Da finde ich 9h alleine besser. :hust:

    Ich suche natürlich weiter nach einer anderen Arbeit, wo ich Benni entweder mitnehmen kann, ich teilweise von zu Hause arbeiten kann oder was weiß ich, aber solche Stellen sind ja auch rar. Und durch einige persönliche Umstände bin ich eben auch noch an meine Stadt gebunden und kann nicht mal eben weit weg ziehen.

    Ich denke auch, dass man das alles differenziert sehen muss. Benni war direkt an seinem 2. Tag bei uns 3h alleine. Wir haben uns überhaupt keinen Kopf drum gemacht, natürlich hat er reingepullert und gekackt, aber das war ja logisch für einen Welpen. Er hat bis heute keine Probleme mit dem allein sein, allerdings ist mir durchaus klar, dass ich einfach sehr großes Glück mit seinem Charakter hatte. Es hätte durchaus auch schief gehen könne.

    Allerdings würde ich mir in meiner damaligen Situation nicht noch einmal einen Hund anschaffen. Es war schon eine harte Zeit.
    Und wenn ich keinen Hund hätte würde ich mir keinen anschaffen, weil ich so lange arbeite. Ich bin also der Meinung, wenn man 8h taglich außer Haus ist, sollte man sich keinen Hund anschaffen, man kennt ja vorher nicht den Charakter. Außer natürlich, man hat z.B. die Eltern/Freunde/Bekannte, die in der Nähe wohnen und sich auch wirklich mit kümmern wollen. Oder eine gute Hundepension in der Nähe.

  • Ich will auch :D

    Ich habe mir meine Hündin während des Studiums angeschafft, sie durfte mit in die Uni und als ich zwischendrin gearbeitet hab durfte sie auch dorthin mit.

    Am schlimmsten war die Zeit der Diplomarbeit, da waren wir 14 Stunden "in der Arbeit". Ich hätte meinen Hund echt gerne zu Hause gelassen, damit sie mal abschalten kann aber das war nicht möglich. Es hat sich negativ auf ihre Konzentration ausgewirkt und sie war seeehr müde, da die "Tiefenentspannung" wie sie sie zu Hause im Körbchen hat nicht möglich war.

    Jetzt habe ich einen Job ab September und ich darf sie auch mitnehmen. Ich freue mich aber ideal finde ich das wirklich auch nicht!

    Mein Hund hat keinen Wachtrieb oder dergleichen, aber ich habe einfach gemerkt, dass sie zu Hause am liebsten ist und dort auch richtig schläft. Im Büro ist immer ein Ohr oder ein Auge offen und nur selten schläft sie TIEF und FEST.

    Im Januar - sollte alles mit der Arbeit passen - werde ich wohl in die Nähe der Arbeit ziehen, mir einen Zweithund (!) anschaffen, die beiden zu Hause lassen und mittags heimfahren zum Gassi. Das ist für mich und meiner Meinung nach einfach die beste Lösung.

    Klar.. die komplette Freizeit gehört nur meinem Hund, anders will ich es auch nicht!

  • Was für ein Thema!! Auch wir sind da so reingeschlittert. Anfangs hatten wir noch eine liebe Nachbarin, die meine Hunde tagsüber nahm. Ansonsten hätte ich nie noch einen Welpen dazu genommen.
    Dann änderte sich die Situation und sie mußten - bis auf Ausnahmen - alleine bleiben.
    Trotzdem blieben sie stubenrein und ich würde sagen, auch stressfrei. Alle Zeit die ich zu Hause bin, gehört den Hunden. Wenn man davon ausgeht, das Hunde bis zu 17 Std schlafen, habe ich den Rythmus verschoben.
    Was sonst so tagsüber läuft, läuft bei uns bis spät abends. Hab eh nen schlechten Schlaf und so können sie sich auch mitten in der Nacht erleichtern.
    Was ich nur denke, ist das es die Sache vereinfacht, wenn der Hund einen Artgenossen an der Seite hat.
    Außerdem zeigt mir Shary ganz genau, wenn sie unzufrieden und nicht ausgelastet ist. Manchmal anstrengend, aber ich bin froh für so ein Barometer.
    Meiner Meinung nach, sind einige Anforderungen die seitens von TH gestellt werden, ziemlich überzogen. Will nicht heißen, das sie nicht genau prüfen sollen, wo der Hund hingeht, das auf keinen Fall. Aber muß es denn immer ein Garten sein, wenn ich das Feld direkt vor der Tür hab? Meine würden eh vor der Tür sitzen und warten das ich raus komme, als das sie sich selber vergnügen würden. Gerade in den heutigen Zeiten mit vollen TH, sollten vielleicht Komprisse eingegangen werden. Natürlich nicht zu lasten von den Hunden, aber ich denke ein Hund ohne Garten und mit Familienanschluß ist glücklicher, als einer im Th der auch keinen Garten UND keinen Anschluß hat.
    Aber dies ist meine Meinung, aber ich steh dazu :D

  • Zitat

    Für mich schleißen sich Vollzeit arbeiten und Hundehaltung nicht unbedingt aus. Für mich ist es nur so, das ich mir keinen Hund halten kann, wenn ich ihn während der Arbeitszeit (bei mir waren es seiner Zeit 8 Stunden arbeiten und ein bis zwei Stunden pro Strecke Fahrzeit - je nach Schicht) nicht wenigstens einen Gassigänger gönnen kann, der ihn dann um die Mittagszeit wenigstens für eine Stunde mit nimmt.

    Ich finde das ist ein gutes Statement.
    Ich denke Dir geht es dabei darum, dass der Hund sich zwischendurch lösen kann?
    Das kann ich nachvollziehen.

    Zitat

    Leider fühlen sich von den kritischen Aussagen meist die angesprochen, die wunderbar für ihre Hunde sorgen. Das fiel mir im letzten Thread in dem ich mitgeschrieben habe schon auf. Obwohl man sich eigentlich viel mehr an Leuten reibt die ihren Hund sieben Stunden ins Bad sperren ect. Und schon verteidigen sich unzählige User, die es gar nicht nötig haben.

    Das finde ich eine sehr spannende Beobachtung über die ich so noch nie nachgedacht habe.
    In meinem Fall trifft es auch absolut zu, denn ich fühle mich immer angesprochen. Ich vermute das ist das schlechte Gewissen, weil ich Eure Einstellung grundsätzlich gut nachvollziehen kann und die Argumente - z.B. was das lösen betrifft - sehr logisch sind.

    Greta, :rose:

    --

    Habe die vielen Antworten hier sehr gerne gelesen und ich hoffe es kommen noch weitere dazu - sehr gerne auch von den Usern, die der Thematik kritisch gegenüber stehen.

    Ich finde es schon wichtig, dass man das auch kontrovers diskutiert.

    Wir haben durch die Diskussion im DF im letzten Jahr viele positive Einflüsse aufgenommen und bessere Lösungen finden können - dafür bedanke ich mich herzlich. Deshalb denke ich ja auch, dass das kritische Hinterfragen so wichtig ist.

    --

    Chris, ich finds besonders schön, dass Du zusammengefasst hast, woran Du erkannt hast, das Deine Hunde keinen Stress haben. :gut:

    Ich glaube das sollte jeder HH auch immer wieder hinterfragen

  • Meine Omi muß im Moment auch 10 Stunden alleine bleiben und das tut mir in der Seele weh und ich wünschte ich könnte es ändern.

    Und wenn ich dann hier lese, man findet IMMER jemanden, der den Hund mal rauslässt, selbst in so nem kleinen Kuhkaff wie hier, und auch noch für wenig Geld und alles andere passt dann auch, von wegen Vertrauen zu demjenigen, etc., dann beglückwünsche ich diejenigen, bei denen das geht.

    Bei mir geht das im Moment nicht. Soll ich jetzt meine Omi abgeben ?

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