Muss ich meinen Hund wieder abgeben?

  • Hallo, ich schreibe heute zum ersten Mal hier und würde mich über Eure Stellungnahme zu meinem Problem sehr freuen:

    Vor 6 Wochen bekam ich meinen ersten Hund, ein Mischling aus Spanien, über einen Tierschutzverein. Ich habe einen "Anfängerhund" gesucht, und mir war wichtig, dass er mit Kindern verträglich ist, da bei uns immer viele Kinder ein und ausgehen, und bei meinem Mann und mir auch noch Kinderwunsch besteht.
    Mir wurde eine Hündin vermittelt, sie wurde beschrieben als "versteht sich mit allem und jedem, ist total verschmust und menschenbezogen". Erst kurz bevor sie aus dem spanischen Tierheim kam, wurde mir nebenbei gesagt "ach ja, sie mag keine Katzen".
    Nun ist es so, dass meine Hündin einen extremen Jagdinstinkt hat, und jeder Katze hinterherjagen würde, die sie sieht. Sie ist ein sehr kraftvoller Hund. Obwohl sie "nur" eine Schulterhöhe von 55 cm hat, kann ich sie manchmal kaum halten, wenn sie sich in die Leine hängt, um einer Katze hinterher zu jagen.
    Zu Menschen und Kindern ist sie sehr sehr lieb, sehr verschmust, aber sie hat auch einen Dickkopf, kann zickig und beleidigt sein und hört auf Kommandos nur, wenn sie Lust hat, oder aber, wenn sei großen Hunger hat. (Ich habe angefangen, sie nur noch über den Futterbeutel zu füttern, wenn sie auf Zuruf gekommen ist oder ein Kommando befolgt hat.)
    Sie ist schon ein paarmal aus dem umzäunten Garten ausgebüchst und hat sich sogar schon selbst innerhab von Sekunden aus dem Geschirr befreit, um abzuhauen, als sie an der Schleppleine angebunden war. (Sie war nicht allein, es war jemand mit ihr im Garten, und ich war nur kurz eine Sekunde im Haus.)
    Großen Hunden gegenüber ist sie selbstbewusst und knurrt auch mal kurz, wenn sie unsicher ist.
    Ansonsten hat sie noch nie Aggressionen gezeigt, auch nicht gegenüber dem Welpen einer Freundin, der bei uns lebt, da sie diesen nicht mehr versorgen kann.

    Nun gestern der Schock:
    Ich war mit einer Freundin und den zwei Hunden Gassi und habe mit meiner Hündin wieder Kommandos geübt. Da sie nicht gehört hat, habe ich sie zu mir gezogen und ausgeschimpft (aber ohne Gewalt oder dabei aggressiv zu sein), und dann habe ich dasselbe nochmal geübt, sie ist gekommen, ich habe sie gelobt und belohnt.
    In dem Moment kam ein Mann mit einem kleinen "Cäsar"-Hund vorbei. Der Kleine war eher ängstlich, hat also keinerlei Aggressionen etc. gezeigt. Mia hat auch nicht geknurrt oder ähnliches. Sie war an der Schleppleine und lief plötzlich auf den Kleinen zu. Mir war etwas runtergefallen und ich hatte mich gerade gebückt, daher habe ich nicht sofort reagiert und sie weggezogen. Ich dachte, sie würde den Hund nur beschnuppern oder spielen wollen (bei kleinen Hunden war sie noch nie aggressiv.)
    Plötzlich schnappt sie den Kleinen und schüttelt ihn wie verrückt. Ich glaube, sie hätte den Hund zu Tode geschüttelt, wenn ich nicht eingegriffen hätte. Auf Rufen hat sie natürlich nicht reagiert, ich stand kurz total unter Schock, der Besitzer schrie "Tun Sie etwas, nehmen Sie ihren Hund weg." Es vergingen einige Sekunden, bis ich bei ihr war und sie am Geschirr ziehen konnte. In dem Momant ließ sie von dem Kleinen ab und hat dann auch zum Glück nicht mehr zugepackt.
    Trotzdem saß der Schock bei allen Beteiligten tief. Ich mache mir solche Vorwürfe, auch was den armen Kleinen betrifft. Der ist nun bestimmt für den Rest seines Lebens traumatisiert.

    Wir waren alle schockiert, da wir meine Hündin nur als eine sehr liebe Hündin kennen, die zwar etwas zickig sein kann und draußen auch nicht immer hören möchte, im Haus hört sie aber perfekt und respektiert auch Kommandos etc.

    Wie schätzt Ihr die Situation ein? Ist sie ein gefährlicher Hund, der unberechenbar ist? Ich kenne sie ja leider viel zu kurz und viel zu wenig. Ich weiß auch, dass es meine Schuld war, dass ich sie nicht an die kurze Leine genommen habe, aber sie hat bislang noch nie negativ auf kleine Hunde reagiert, sondern eher bei selbstbewussten großen Hündinnen etwas geknurrt. Und wir waren ja unmittelbar in ihrer Nähe, und trotzdem konnte es zu so einem Zwischenfall kommen.
    Ich habe Angst, dass sie irgendwann auch mal ein kleines Kind schnappen könnte. Natürlich muss man immer dabei sein ... Aber was ist, wenn sie sich wiedermal aus ihrem Geschirr befreit, oder mir die Leine aus der Hand rutscht, oder oder oder ...

    Bin ich diesem Hund als Anfängerin nicht gewachsen? Ist dieser "Ausraster" ein Zeichen dafür, dass meine Hündin in der Vergangenheit schlechtes erlebt haben könnte? (Über Ihre Vergangenheit ist leider nichts bekannt.)
    Aus beruflichen Gründen gehen bei uns Menschen und auch Kinder ein und aus. Würdet Ihr einen Hund, der sich auf diese Weise "unberechenbar" reagiert hat, wieder weggeben? Falls nochmal etwas passieren sollte, würde ich mir wirklich große Vorwürfe machen. Mein Mann hat gestern abend gesagt, wenn nochmal so etwas vorkommt, muss sie wieder weg.
    Ich hänge sehr an ihr.

    Wie schätzt Ihr die Situation ein?

    Danke für Euer Feedback!

  • Kannst du ein paar Stunden bei einem guten Trainer nehmen?
    Denke das man da das gesamte Verhalten von ihr Beurteilen sollte was übers Forum schlecht geht.

    Da kann man dir vor Ort sagen welche Baustellen vorhanden sind und wie es weiter gehen sollte.
    Wäre für mich der Weg bevor sie zurück muss.

    Gruß Gwen

  • Hallo,
    welche Rasse ist der Hund?
    Eine meiner Hündinnen hat auch 1-2 Mal einen kleinen Hund im Nacken gepackt und geschüttelt, obwohl sie total lieb ist, einem Kind nie etwas zuleide tun würde.
    Ich hatte hier dazu eine Frage gestellt, vielleicht guckst Du Mal in der Suchfunktion.

    Nachdem ich die Ratschläge hier umgesetzt habe, hat sie es nie wieder gemacht.
    Ich habe sogar zur Not einen Maulkorb gekauft, den haben wir nie gebraucht.
    Ich würde sowieso am Anfang den Hund an der Leine nicht zu fremden Hunden lassen, egal wie verträglich der Hund ist.
    Es gibt eingezäunte Auslaufgebiete, wo Du dort Kontakt mit anderen Hunden verschaffen kannst, auch da würde ich immer 100% beobachten.
    Was den Jagdtrieb angeht, so haben den nun Mal viele (die meisten) Hunde, wenn der Hund dadurch absolut nicht abrufbar ist, musst Du halt immer mit Leine laufen und Dich darauf einstellen.
    Also, ich finde an dem was Du schreibst jetzt (bis auf das Rütteln) nichts außergewöhnliches, woran man nicht arbeiten könnte.
    Natürlich bist Du jetzt aufgewühlt und verunsichert, war ich auch.

  • Hallo,

    Deine Hündin ist gerade mal 6 Wochen bei Euch - das langt noch lange nicht, um sagen zu können, dass sie richtig bei Euch angekommen wäre und das reicht auch noch lange nicht, um sie wirklich richtig einschätzen zu können, weil viele Hunde, die solch einen Werdegang wie Eure haben, erst mit zunehmendem sich-eingelebt-haben ihr wirkliches Wesen zeigen und anfangs oft ganz besonders unkompliziert und brav erscheinen, weil sie noch nicht wissen, wo der Bartl den Most wegholt...

    Ich bin schon angenehm überrascht, wenn Du schreibst, dass sie auf einige Kommandos daheim schon recht gut hört - das ist schon eine Menge.
    Der Rest - unter Ablenkung, draußen und in "extremen" Momenten, das muss erst noch mit Geduld und Spucke aufgebaut werden. Das ist recht normal, dass Ihr zusammen das alles erst noch üben müßt...

    Was nun genau mit dem anderen Hund war, kann man aus der Ferne schlecht beurteilen - angeleinte Kontakte laufen leichter mal aus dem Ruder und wenn Ihr nun "gewarnt" seid, dass nicht immer alles eitel Sonnenschein sein muss, seid Ihr ja auch dementsprechend gewappnet und in Zukunft eher etwas vorsichtiger, was Hundebegegnungen angeht.

    Ich würde Euch raten, zu einer HuSchu zu gehen, wo auch auf die Interpretation von hündischem Sozialverhalten großer Wert gelegt wird, so dass die Halter lernen können, ihre eigenen Hunde und fremde Hunde zu "lesen", um besser einschätzen zu können, wie sich eine Hundebegegnung entwickelt.

    Ein paar ganz praktische Tipps hab ich noch.
    Bei "Far from Fear" gibt es im Shop ausbruchssichere Geschirre für Angsthunde - da windet sich so schnell keiner raus...

    Ich würde den Vorfall nun nicht "überdramatisieren" - Eure Hündin ist und bleibt trotzdem eine tolle HÜndin und sie braucht erst mal noch Zeit, bis sie gelernt hat, sich an Euch zu orientieren. Kein Grund, an Euch zu zweifeln oder an der Hündin zu zweifeln, nur ein Grund, vielleicht noch ein wenig dazuzulernen.

    LG, Chris

  • Ganz ruhig!
    Du hast sie erst seit 6 Wochen.

    Was ich in Zukunft machen würde:
    - noch lange Zeit an die kurze Leine, bis sie Dir folgt
    - dann kurze Schleppleine mit Ende in der Hand (ca. 6 Monate)

    Bei "Gebrauchthunden" ist immer die Gefahr, dass man nicht weiß, was vorher war.
    Dass ein Hund Jagdinstinkt hat, ist normal. Das musst Du ihr abtrainieren, wenn Du das nicht willst (Hundeschule/Hundetrainer).

    Der kleine Hund hat vermutlich irgendwie Schwäche ausgestrahlt und war somit als Beute verlockend. Vielleicht, weil er kleiner war. Haben die Hunde vorher kommuniziert? Einfach so auf ihn zurennen und zupacken tut normalerweise kein Hund. Da hat der Kleine wohl irgendwie eine Warnung missachtet (oder eben, er war "Beute").

    Mein Hund mag Katzen auch nicht, aber "nicht-laufende-Katzen" beschnuppert sie neugierig und mittlerweile sind Katzen schon nicht mehr sooo interessant.
    Bei Kindern muss ich auch aufpassen. Gerade kleine Kinder, die zappeln und quieken sind für sie "Beute". Sie will sie zwar nicht beißen, aber mit ihnen spielen und das ist für sie auch "festhalten" und schnappen. Zwar echt nicht fest, aber das geht einfach nicht!
    Je mehr Kinder sie kennenlernt umso besser wird es. Sie ist jetzt nicht mehr so aufgeregt, wenn die Kleinen rumlaufen und quietschen, aber es ist immer noch seeehr interessant und ich lasse sie nicht von der Leine.

    Ich verstehe, dass Dich der Vorfall geschockt hat, aber in Zukunft muss sie eben an der Leine bleiben, bis sie folgt.

    LG, Cel

  • Hallo,

    ich kann dich erstmal beruhigen und würde sagen, dass sind typische Anfängerfehler. Ein Tierheimhund hat immer ein paar "Macken", das wird meistens nur verschwiegen und jemand Unerfahrenes hat damit halt mehr Probleme. Ich würde dir empfehlen für den Anfang einen Trainer zu nehmen, denn wenn es so weiter geht und man nichts unternimmt, kann es schlimmer werden.
    Es hört sich für mich so an, als kannst du manche Situationen einfach noch nicht richtig einschätzen und deuten. Dein Hund ist weder unberechenbar noch gefährlich, ich würde sagen eher unerzogen ;) Ein Hund ist prinzipell nie unberechenbar, uns entgehen oftmals nur Signale die einen "Angriff" schon vorhersagen. Hinzukommt, dass du ihn erst seit 6 Wochen hast und es dein Ersthund ist und da macht man einfach Fehler.

    Und der Vorfall mit dem Westi war wahrlich nicht schön, nimm ihn einfach zum Anlass um was zu ändern.

    Nimm Dir einen guten Hundetrainer und lerne einfach mit deinem Hund umzugehen und dann hast du ihn auch wieder unter Kontrolle.

  • Hallo kanarya,

    also, welche Rassen in der Hündin stecken, weiss niemand so genau. Vermittelt wurde sie als "Boxer-Mischling", allerdings haben einige hundeerfahrene Freunde zu mir gesagt, als sie sie gesehen haben, dass sie eher Anteile von einem Amercian Staffordshire in ihr sehen, als von einem Boxer. :gott: Das war der erste "Schock" für mich ... Als "Listenhund" hätte sie ja gar nicht nach Deutschland "importiert" werden dürfen.
    Vielleicht ist noch ein Podenco oder ähnliches in ihr oder ein Ridgeback... Also letztlich könnte es (fast) alles sein. Keiner weiss es genau.

    Ich möchte sie auch nicht weggeben, aber die Angst ist da, dass wenn mal etwas passieren sollte, ich mir nachher große Vorwürfe mache, da ja bereits "Anzeichen" vorhanden waren ... Ich bin wirklich sehr verunsichert.

  • Hallo,

    erstmal kann ich Euren Schock total verstehen. Und der will auch verdaut werden.
    Das die Hündin den Westi angefallen hat, kann viele Gründe habe. Da ich nicht dabei gewesen bin, würde ich nur vermuten, dass wahrscheinlich ihr Jagdinstinkt erwacht ist und sie sich den Lütten deshalb gepackt hat.

    Des Weiteren kann Deine Hündin im Umgang mit anderen Hunden verunsichert sein, was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass Du ihr noch nicht die richtige Sicherheit vermitteln konntest.

    Vieles in der Hunderziehung geht einher mit dem richtigen Timing und einer klaren Kommunikation zwischen Mensch und Tier.

    Ich kann Dir nur dringend empfehlen, dass Du mit einem Hundetrainer zusammenarbeitest. Und zwar so schnell als möglich, damit sich Verhaltensweisen und Fehlkommunkationen nicht festigen.
    Im intensiven Traning lernst Du Deine Hündin erst richtig kennen und sie Dich. Und vorallem lernst Du ihre Signale zu lesen und weißt, was Du zum richtigen Zeitpunkt zu tun hast. Damit gewinnst Du Sicherheit und Sourveränität.

    Viele Grüße aus HH
    Silke

  • Auch Euch anderen vielen Dank für Euer Feedback.

    Ich kann mir schon vorstellen, dass der Kleine Angst ausgestrahlt hat. Der Besitzer meinte "Er hat sowieso immer schon Angst, nach dem Vorfall wirds sicher noch schlimmer." Und ich tippe auch darauf, dass meine Hündin den Kleinen als "Beute" angesehen hat.
    Eine Freundin meinte, dass es wohl so eine Art Übersprungshandlung war, da ich kurz zuvor mit ihr geschimpft habe, und sie hat ihren Frust an dem Kleinen rausgelassen.
    Sie wirkte auch gar nicht aggressiv, eher so, als würde sie spielen, also, als würde sie den Kleinen als "Spielzeug" sehen. Auf ähnliche Weise hat sie schon einen kleinen Stoffhund und ihr Hundekissen gepackt und geschüttelt im Spiel.

    Was mir Angst macht, ist aber, dass manche Hunde ja auch Babys und kleine Kinder auf ähnliche Weise als "Beute" betrachten. Schlimm wäre für mich einfach, wenn sie es wieder schaffen würde, auszubüchsen, und sich dann einmal über einen Kinderwagen hermachen würde. Ich möchte an solche Szenen einfach nicht denken ....

  • Wie alt ist die Hündin denn etwa?

    Du hast also nen Hund aus Spanien über dessen Vergangenheit nichts bekannt ist, sie kann also durchaus die meiste Zeit selbständig auf der Straße gelebt haben, da braucht´s eher ein Jahr als 6 Wochen um so viel gemeinsam erlebt zu haben, damit man einen erwachsenen Hund mit unbekannter Vergangenheit relativ sicher einschätzen kann...und nur weil sie einen anderen Hund angegangen ist, lässt das keinen Rückschluss bezüglich ihres Umgangs und eventueller Gefahren im Umgang mit Menschen zu, hat eins nix mit dem anderen zu tun.

    Ach ja eins würd ich gern wissen, wie definierst du denn "Anfängerhund"?

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