Ich habe nun "Zwei Handvoll Leben" von Katharina Fuchs beendet. Das Buch beruht auf den Lebensgeschichten ihrer Großmütter, welche die Autorin in Romanform verarbeitet hat.
Anna wächst im Spreewald in bescheidenen Verhältnissen auf. Gemeinsam mit ihrem besten Freund Erich geht sie durch dick und dünn. Das Leben beider verändert sich durch den Ersten Weltkrieg, Erich muss in den Krieg, Anna wird nach dessen Ende nach Berlin geschickt, wo Hunger und Arbeitslosigkeit herrschen. Doch die gelernte junge Schneiderin hat Glück, ergattert eine Stelle im KaDeWe und kann sich ein eigenes Leben aufbauen.
Charlotte indess wächst auf dem Hofgut Feltin auf, beherrscht von ihrem dominanten und geschäftstüchtigen Vater Richard. Doch die Nöte des Krieges machen auch vor Feltin nicht Halt. Charlotte verliebt sich in den jungen Notar Leo, doch dieser macht ausgerechnet ihrer Cousine schöne Augen...
Beiden Frauen gemeinsam ist eine uglückliche, unerfüllte Liebe, die sie über Jahrzehnte hinweg formt und prägt. Dennoch gehen beide, wie für die damlige Zeit üblich, Ehen ein, bekommen Kinder.
Sehr gut dargestellt ist in dem Buch der damalige Zeitgeist und der erschreckende gesellschaftliche Wandel durch den aufkeimenden Nationalsozialismus. So erkennt Anna schließlich ihren eigenen Ehemann kaum wieder, als dieser beginnt, die Naziparolen nachzuplappern. Auch die Skrupellosigkeit ihrer besten Freundin, die das NS-Regime für ihre eigenen Zwecke nutzt und Annas Skepsis nicht verstehen kann, belasten sie.
Ich hatte ja zunächst Bedenken, bei dem Buch würde es sich eher um eine seichte Liebesgeschichte handeln, aber dem ist nicht der Fall. Ohne Kitsch erzählt Fuchs die Lebensgeschichten zweier ganz normaler und doch außergewöhnlicher Frauen, die die beiden Weltkriege und ihre verheerenden Folgen am eigenen Leib miterleben. Es ist ein interessantes, realistisches und zuweilen sehr ernüchterndes Portrait der damaligen Zeit - ein empfehlenswerter historischer Roman.