Das fängt schon mal damit an, dass im Obi die Fußarbeit nicht so ewig lang und stumpfsinnig ist. Selbst die O3er laufen idR keine 50 Schritt stur geradeaus. Für einen jungen Hund kann das schnell demotivierend und verunsichernd wirken - auch wenn Hund diesen Schwachsinn nur einmal in der Prüfung mitmachen muss.
So, ich habe hier gerade eine junge Hündin, die demnächst eine BH ablegen muss. Ich werde in meinem Leben diese 50 Schritte noch öfters mit ihr laufen müssen und sie sollte auch dann noch genauso motiviert sein, wie wenn ich nur 20 Laufe. Das ist zu allererst mal Ausbildungssache. Wenn mein Hund von soetwas komplett demotiviert wird, ja sorry, dann mache ich etwas falsch in meiner Ausbildung.
Meine alte Hündin war im Vergleich zu meiner jungen die Schlaftablette hoch 10 die sich von sich aus sicher nicht für eine UO mit Ausdauer und Ausstrahlung angeboten hat. Anfangs war das auch zu merken, da sie vor allen Dingen auf der langen Gerade nicht mehr wollte... Dann habe ich meine Ausbildung umgestellt und siehe da, sie lief die 50 Schritt genauso motiviert, wie eine Obi Unterordnung.
Was aber viel übler ist .... ich mache mit meinen Hunden sowohl Agi als auch Obi. Jetzt ist mein Jungspund mit 20 Monaten vielleicht fertig für's Agi, aber im Obi gibt es noch ein paar Baustellen - vielleicht sogar gerade in der Fußarbeit.
Also muss ich mich entscheiden ob ich wegen dieser idiotischen Schwachsinnsregelung entweder auf die ersten Agi-Starts verzichte oder aber das Risiko eingehe eine monatelange Arbeit zu versauen nur um eine alberne, lachhafte, völlig unsinnige Prüfung zu laufen, die mir weder für's Agi noch für's Obi wirklich was bringt.
Also ganz ehrlich, entweder mein Hund ist so weit oder er ist es eben nicht. Mit 20 Monaten kann man, wenn man sich richtig dran setzt durchaus auch fertig sein für eine BH... und wenn man sie eben nicht mit 60 Punkten besteht. Wenn man sich dahinter klemmt kann man eine BH wirklich gut (nicht nur mit Mindestmaß) nach 3 Monaten ARbeit bestehen. Habe ich einen Hund von klein auf, sollte das erst Recht kein Thema sein.
Mal umgelegt - ich bin auch nicht scharf auf eine BH. Erst recht nicht auf den affigen Verkehrsteil in dem so Dinge abgeprüft werden, wie meinen Hund irgendwo anhängen und ihn der Willkür Fremder überlassen. Würde ich real niemals tun.
Aber wenn ich heute weiter arbeite auf die VPG1, dann muss ich das eben tun und wenn ich sie bestanden habe, dann muss ich auch irgendwie 3 Sparten auf die Reihe bekommen. Es bringt mir nichts rumzujammern das ich ja jetzt auf meine Teilnahme nächstes Jahr an der Landesmeisterschaft verzichten muss, weil mein Hund zwar in Unterordnung und Schutzdienst auf VPG3 Niveau läuft, aber keine Fährte suchen kann. Noch weiter gehend, muss mein Hund doch extrem schlimm sogar sein Hundesportliches Leben lang damit klar kommen, dass er in der Fährte selbstständig arbeitend 10Meter vor mir laufen und auch auf einen evtl hinterherstolpernden HF nicht reagieren soll, in der UO hingegen absolut AUfmerksam jeden winzigen Reiz des HF wahrnehmen und an ihm kleben soll und im SD weiterhin, noch viel schlimmer, jetzt alles in einer Abteilung, damit klar kommen auf der einen Seite absolut druckvoll den Helfer zu bannen, sich ihm gegenüber dominant zeigen und gleichzeitig doch auf Kommando hin wieder absolut am HF orientiert zu sein.
Das geht auch..
Dazu kommt, dass ich im Obi bsp. keinen Vorsitz brauche - ok, auf die 2 Pkt. kann man in der BH verzichten. Aber ehrlich gesagt habe ich keine Lust, mich von irgendeinem Richter blöd anschnauzen zu lassen, nur weil der es persönlich nimmt, weil man seinem Hund keinen Vorsitz beibringt.
Und was die ganzen spöttischen Bemerkungen hier angeht von wegen "man könne ja andere Signale nehmen, wenn einem die 'wertvollen Obi-Signale' zu schade für ne BH sind" - da stellt sich mir die Frage, warum man sich von einem Richter mitten in der Prüfung blöd anpampen lassen soll, weil man anstatt "Platz" "Leg Dich" zum Hund sagt.
Nachdem die "spöttischen KOmmentare" ja auf meine Kappe gehen.. a) könnte einem, wenn einem das eh alles egal ist, auch wurscht sein ob der Richter wegen der Kommandos motzt, und b) hindert einen ja auch nichts daran, in der Bh und ausserhalb die vorgeschriebenen Kommandos zu nutzen und im Obi dann andere. Dort ist meines Wissens immernoch nur die Anzahl der Kommandos vorgeschrieben, nicht das Kommando selbst. Mal davon ab, wenn ich mich an meine letzte Obi Prüfung erinnere, hat da eh kaum jemand die "normalen" Kommandos verwendet, sondern "down" "heel" "stay" usw waren viel gefragter.
Zum Thema "kontraproduktiv für Agility" - nur mal so für alle, die so gross tönen, man müsse halt den Hund von Anfang an zweigleisig ausbilden - es gibt nach wie vor viele Vereine, die eine BH als Grundvoraussetzung für's Agi-Training nehmen.
Und was BH und Alltagsgehorsam anbelangt:
- bis heute müsste ich noch Sitz und Platz aus der Bewegung im Alltag das erste Mal benötigt haben
- bis heute müsste ich exakte Winkel nach rechts und links das erste Mal im Alltag brauchen, von einer exakten Kehrtwendung mal ganz zu schweigen
UND - bis heute hat mir noch keiner der "BH ist so was von sinnvoll, alltagstauglich und wichtig"-Fans erklären können, wie man im Alltag mit 3 Hunden gleichzeitig exakt Fuß laufen kann.