Ich hatte in zumindest in Ansätzen so ziemlich jedesmal in meinem Leben NeuTierBlues, sogar bei Vögeln und Kleintieren, die den Alltag nicht entfernt so verändern wie ein Hund. Früher hatte ich nur keinen Begriff dafür.
Da ich den Blues aus eigener Erfahrung kenne, weiß ich aber auch, daß er mit der Zeit von selbst vorbeigeht, sobald sich das Leben mit dem neuen Tier einpendelt.
Es sind vor allem die hohen Ansprüche an sich selbst, die verunsichern können. Schaffe ich das? - Jetzt komm ich nicht mehr aus der Nummer raus und bin auf Jahre hinaus angebunden - auch so ein negativer Gedanke, der einen ganz schön runterziehen kann.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und unsere Gewohnheiten vermitteln uns Sicherheit im Alltag. Nun kommt so ein Welpe und krempelt erstmal unser Leben um: alle zwei Stunden raus, jeder Einkauf wird zum organisatorischen Balanceakt, weil der Knirps noch nicht alleine bleiben kann usw. Das schafft unterbewußt eine diffuse Verunsicherung, die sich in negativen Gedanken und Befürchtungen ausdrücken kann. Dieser Aspekt ist nicht zu vernachlässigen beim Thema Welpenblues.
Ein weiterer Punkt: Ein neuer Welpe ist zwar niedlich, aber die gegenseitige tiefe persönliche Freundschaft ist auf beiden Seiten noch nicht da. Die braucht nämlich Zeit zum Wachsen. Daher bekommt man vorerst nicht die emotionale Belohnung für seine Mühen zurück, die man sich vorher ausgemalt hat. Man hat zwar einen Hund, aber nicht die erwarteten Gefühle von Liebe und tiefer Verbindung.
Zu allen Punkten gibt es eine Lösung: Die Zeit arbeitet nämlich für dich. Wenn es grundsätzlich passt und du nicht wirklich überfordert bist, reicht es, den Hund zu versorgen, seine Bedürfnisse zu erfüllen und nicht gleich aufzugeben. Dann kommt das übrige von alleine.
Der Alltag mit dem Welpen wird nach und nach ebenso zur Routine wie früher der Alltag ohne Hund. Mit zunehmender Reife wird der junge Hund stubenrein, kann einige Zeit alleinebleiben und man gewinnt nach und nach Freiräume zurück. Die Beziehung zum Hund wächst mit jedem Tag ein bißchen mehr, die echte Freundschaft stellt sich ein. Und wenn man sich auf den realen Hund und seine Persönlichkeit einläßt, läßt man irgendwann automatisch überhöhte Perfektionansprüche fahren.
Wo ich dagegen wirklich ein paar Bedenken habe, ist deine Rassewahl. Als alleinstehender berufstätiger Mensch ist man doch immer wieder mal auf Fremdbetreuung angewiesen.
Werden auch deine Eltern mit so einem Molosserbrocken klarkommen, wenn aus dem knuffigen Junghund mal ein pöbeliger Pubertierer geworden ist? Oder ein ernsthafter Wächter, der selbst bestimmen möchte, wer rein und raus darf?
Kleine, nette Hunde sind wesentlich leichter mal bei lieben Mitmenschen zu parken als große, wehrhafte. Da du dir die Rasse nicht bewußt ausgewählt hast, sondern mehr aus Zufall auf gerade diesen Hund gekommen bist, weiß ich nicht, ob du dir zu diesem Thema schon viele Gedanken gemacht hast.
Das mit der konsequenten Erziehung ist zwar im Prinzip richtig, aber der Weg zum wirklich gut erzogenen alltagstauglichen Hund ist lang. Und bis dahin hat dein Molosser schon ordentlich an Gewicht zugelegt.
Ein Hund, der dir gegenüber gehorsam ist, überträgt das auch nicht automatisch auf deine Eltern.
Angesichts der Rassemischung ist auch damit zu rechnen, daß er als Erwachsener eher unverträglich mit anderen Hunden, vor allem gleichgeschlechtlichen, werden wird. Dadurch reduzieren sich auch die Möglichkeiten der Fremdbetreuung, falls du darauf angewiesen sein solltest.
Der Charakter eines Welpen sagt noch nicht sehr viel über das Wesen des erwachsenen Hundes aus, zumal wenn dieser einem eher ernsten und wehrhaften Hundetyp angehört. Wach- und Schutztrieb und alles, was damit zusammenhängt, kommen erst mit dem Erwachsenwerden.
Dagmar & Cara