Kate Griffin – Fyneshade
"Am Tag der Beerdigung ihrer geliebten Großmutter erfährt Marta, dass sie Gouvernante der jungen Tochter von Sir William Pritchard werden soll. Von ihrem Geliebten getrennt und von ihrer Familie verstoßen, bleibt Marta nichts anderes übrig, als zu Pritchards altem und verfallenem Haus Fyneshade in der Wildnis von Derbyshire zu reisen.
In Fyneshade ist nichts wie es scheint. Martas Schülerin, die kleine Grace, lässt sich nichts beibringen, und Marta findet keinen Trost bei den schweigsamen Dienern, die ihr nicht in die Augen sehen wollen. Noch verblüffender ist, dass Sir William auf mysteriöse Weise abwesend ist und sein Sohn und Erbe Vaughan das Haus nicht betreten darf. Marta fühlt sich zu Vaughan hingezogen, trotz der Warnungen der Haushälterin, dass er eine Gefahr für alle um ihn herum darstellt. Aber Marta ist keine Unschuldige, die sich ausnutzen lässt. Geleitet von der dunklen Gabe, die sie von ihrer Großmutter gelehrt bekommen hat, schmiedet sie ihre eigenen Pläne. Und es braucht mehr als eine von mörderischen Geheimnissen zerrissene Familie, um sie aufzuhalten..."
Ein recht unerwartet fieser und dunkler Victorian Gothic Mystery Thriller. Hat mich sehr an Laura Purcell erinnert, die Protagonistin als Teil eines Herrenhaus-Haushalts aber bei weitem nicht so kleinlaut und vorsichtig. Marta versteht sofort, dass die kleine Grace in ihrer Entwicklung benachteiligt ist (Down-Syndrom wird hier angedeutet), und macht sie sich durch Versprechungen und milde Gaben zur Verbündeten in dem verschwiegenen Haushalt. Marta ist absolut keine liebenswürdige Person, sie versucht aus allem ihren Vorteil zu ziehen und alle gegeneinander auszuspielen, mit dem Hintergedanken, dass ihr Fyneshade einmal gehören soll. Als unzuverlässige Erzählerin baut Marta einen guten Spannungsbogen auf, psychologisch sehr komplex mit einer übernatürlichen Grundstimmung. Das Ende habe ich so nicht kommen sehen, da hätte ich mir aber auch noch gern ein paar mehr Seiten zu gewünscht.
Laut Danksagungen ist Fyneshade stark von Henry James' Turn of the Screw / Die Drehung der Schraube inspiriert und erzählt eine mögliche Geschichte jener Gouvernante, die am Anfang der Geschichte nach Bly kommt. Auch Fyneshade ist im Unterton eine Geistergeschichte, die Charaktere verdammt und heimgesucht.