Beiträge von WorkingDogs

    Natürlich, aber nur beim Freilauf wird der 100% Anspruch gestellt. Dabei reicht es doch vollkommen zu wissen, wann geht es und wann geht es nicht.

    Ja natürlich, wo wird denn das Gegenteil geschrieben? Ich lasse freilaufen wenn ich mir zu 100% sicher bin, sonst nicht.

    Nur weil mein Hund im Alltag 100% zeigt lass ich ihn doch nicht auf dem Schützenfest ohne Leine, das macht doch null Sinn.

    Und ich leine ihn doch nicht im Alltag an, nur weil es auf dem Schützenfest nicht zu 100% klappt.

    Ich denke, ihr macht aus Freilauf auch eine ziemliche Mammutaufgabe im Vergleich. Meine Hunde können auch zu 100% alleinebleiben oder zu 100% Autofahren. Dabei geht es doch nicht darum, ob irgendwelche konstruierten Ereignisse in der Zukunft passieren könnten, sondern rückwärtsgerichtet danach, wie der Hund sich tagtäglich in der vorhandenen Umgebung zeigt und da kann ich nun mal von 100% sprechen, weil auch zu 0,00001 keiner durchstartet. Nein, auch nicht bei Katzensichtung, Wild vor der Nase, Menschen die uns passieren, lauten Geräuschen oder fremden Hunden. Gäbe es einen Trigger, würden sie nicht freilaufen, ich hab keine Lust die von der Autobahn zu kratzen oder das womöglich noch jemand verunfallt wegen meines Hundes. Das gibt unsere westliche Welt einfach nicht mehr her, so ist das nunmal.

    Und manche Schwierigkeiten liegen eben anderswo, ob ihr es nun glauben wollt, oder nicht. Hier ist es schwieriger zu trainieren, dass beim klingeln nicht gebellt wird, als Freilauf. Nein, es sind keine Maschinen, aber nicht alle Hunde haben die gleichen Herausforderungen, die liegen manchmal auch einfach anderswo. Und nur weil 100% Freilauf klappt, heißt es nicht, dass der Hund sonst keine Schwierigkeiten hat, auch wenn es für einen selbst die Königsdisziplin zu sein scheint.

    Selbstverständlich gibt es 100%, in der Tat kann diese aber nicht jeder Hund und vor allem nicht jeder Hundehalter leisten.

    Grade Angsthunde sind sicherlich zu einem guten Teil unberechenbar.

    Ein passender Hund einer geeigneten Rasse vom Züchter bringt das Potenzial natürlich mit. Aber der Hundehalter muss auch die Fähigkeiten haben einen solchen Gehorsam aufzubauen, grade in der hundeschule sehe ich nicht selten Hundehalter, die sich den absehbaren Ungehorsam wunderbar aufbauen und selber schuld sind dass es nicht klappt.

    Bei einem Hund der nicht durchstartet bei Wild oder Bewegungsreizen (selbst direkt vor deren Nase), nicht zu Menschen oder Hunden läuft und auch keinerlei Ängste hat, was soll da denn noch realistisches passieren? Und selbst wenn, dann greift der Gehorsam und man stoppt den Hund oder ruft ihn ab.

    Die Aufgabe besteht darin, dass der Hund zum einen lernt wie er sich ohne Aufforderung verhalten soll (was darf ich und was darf ich nicht) und zum anderen daraus, dass er Kommandos sofort umsetzt und annimmt. Es gibt eine Menge Hunderassen bei denen das ziemlich leicht machbar ist.

    Ist schwer zu sagen, es gibt einfach viele Linien und Typen innerhalb der rasse.

    Der Typ aus der Leistung den ich hier habe, empfinde ich als perfekt. Kernig, hart, grundsätzlich ausgeglichen, temperamentvoll und aktiv, dabei führig und sehr triebig. Außerdem vergleichsweise leise, aber reaktiv mit einer guten Portion Wachtrieb. Eine unfassbar tolle Mischung die für mich persönlich das Nonplusultra darstellt.

    Das Temperament ist klar und nervenstark, nicht zu vergleichen mit Hysterie.

    Wir machen halt Hauptsächlich Hundesport, ansonsten ist unser Alltag nicht aufregender als der von anderen Hundehaltern.

    Der Typ den ich hier habe ist simpel gestrickt. Man sollte aggressionsverhalten lenken können und mit einem hohen Jagdtrieb + Schärfe zurecht kommen. Dabei gerne altmodisch und nicht „ich möchte alles richtig machen“. Mein Typ ist Außenfokussiert und bewertet Außenreize, entsprechend sollte man führen können und keine unsichere Person sein. Sondern dem Hund auf natürliche Art und Weise vermitteln können, was in Ordnung ist und was nicht. Sie nehmen einem nichts übel und sind da recht stumpf unterwegs. Die Hunde die ich habe neigen außerdem zu einer gewissen Unverträglichkeit mit Fremdhunden und innerhalb des Rudels können Ressourcen ein Problem werden.

    Der Vergleich zum Mali fällt mir schwer, weil es auch da super viele Linien gibt. Ich mag und habe beides. Mein Mali zeigt sich mit Außenreizen unaufmerksamer, bringt dafür mehr Schutztrieb mit. Ist auch weniger reaktiv insgesamt.

    Für mich ist dieses ewige " du musst dem Hund nur vertrauen" Gelaber auch idR ein deutlicher Hinweis auf Unfähigkeit der entsprechenden Person ihrem Hund zuverlässigen Gehorsam beizubringen.


    Meine Toleranz für nicht hörende und dennoch freilaufende Hunde ist mit den Jahren auch immer mehr gesunken.

    Meine Erfahrung ist ja auch, dass es total absehbar war und man die Realität nicht sehen will. Wie letzte Woche der Wasserhund der meine Hühner angegriffen hat „sonst hört die immer, keine Ahnung wo das herkommt“. Nein, das Tier hörte einfach noch nie zuverlässig. Lasst einfach die Leine dran bei sowas.

    Wie viel Gehorsam setzt ihr voraus, bevor der Hund frei laufen darf?

    100%

    Wie viel Risiko, dass er doch mal weg läuft, nehmt ihr in Kauf?

    0%

    Wie oft müssen Trigger Situation an der Leine geklappt haben, bevor ihr euch sicher seid, dass ihr entspannt spazieren gehen könnt?

    Für mich das das eine nichts zwangsläufig was mit dem anderen zu tun. Ganz individuell. Gibt ja auch massig auftrainierte Leinenaggressionen die genau das sind: reine Leinenaggressionen. Und nichts damit zu tun haben dass ein Hund nicht im Freilauf horcht oder wilder geht. Und ein Hund kann sich merklich triggern lassen, aber trotzdem horchen. Kommt nun drauf an, was die Erwartung ist.

    Im Alltag in den Situationen gehen Impulskontrolle und Frustration oft ineinander über. Aber im Training sollte man gut darauf achten, WAS genau ich trainiere. Zu schnell wird gerne über Frust trainiert ohne dass man es merkt.

    Es gibt auch Hundetypen, die werden bewusst über Frust gearbeitet und da kann manch ein Trainingsansatz eine Never-Ending-Story werden, weil man züchterisch will, dass die so sind. Ich habe hier zum Beispiel einen extrem frustigen Hund, welcher aber eine enorm geniale Impulskontrolle und „Zuhören“ hat. Genauso gibt es reaktive Hunde, die aber wenig Frust aufbauen.

    Was lernt der Hund daraus? Gewinnt er Vertrauen, weil ja am Ende nichts passiert?


    Je mehr ich darüber nachdenke, ist das wohl tatsächlich viel eher eine Übung für Gehorsam und nicht für das klassische Deckentraining, das ja irgendwo auch das Ziel verfolgt, dass Hunde in allen Umgebungen zur Ruhe kommen.

    Für mich ist genau das ein klassische Deckentraining. Deckentraining kommt aus der Jagd wo der Hund zum Beispiel stundenlang unterm Ansitz verweilen soll.

    Dieser Ruhe-Ansatz hingegen ist eher was neumodernes aus dem Begleithundetraining.

    Ob das so Sinn macht, muss man sehen. Das kann dir keine übers Netz beantworten. Für mich klingt das alles erstmal nicht wild, dein Hund scheint sich unwohl zu fühlen und ist ein weicher Typ. Es gibt eine Haufen Hunde, die würden da nicht mit der Wimper Zucken und sich vom Typ anders gestrickt. Eine Hundeschule kann kaum alles abdecken in einer Gruppeneinheit.

    Wenn du dich damit nicht gut fühlst und es eh nicht brauchst, würde ich jetzt auch keinen Sinn darin sehen und eher etwas machen, was mir mehr Freude bereitet.

    Hm, das Feedback erschließt sich mir grad nicht so richtig.

    Ich bin seit 5 Jahren aktive Jägerin und auf diversen Drückjagden unterwegs, habe meinen Job aufgegeben um Forst zu studieren und mein Freundeskreis besteht hauptsächlich aus Jagdhundeführern.

    Aber es war eben keiner dabei, der ESS, Worker oder KlM führt, deswegen habe ich hier den Austausch darüber gesucht. In meinem Umfeld schwört eben jeder auf seine Rasse und ich wollte meinen Horizont erweitern, was vielleicht noch passen könnte. Kann sein, dass das verwirrt wirkt, für mich war es Brainstorming. Und man kriegt ja auch von allen Seiten unterschiedliche Antworten! Letztens erst wieder jemand getroffen, der zum Stöbern auf seinen Deutsch Kurzhaar schwört…

    Und wie zu Anfang bereits erwähnt, habe ich eine gute Jagdhundeausbilderin um die Ecke.

    Trotzdem Danke für eure Anregungen!

    Ich kann dich da schon verstehen, auch regional können die Revierunterschiede extrem variieren und fragst 10 Hundeführer hast 12 Meinungen. Das sind auch nicht alles Experten.

    Ich würde da mal mit der Ausbilderin ins Gespräch gehen, die können auch nicht alle mit jedem Typ Hund umgehen, nur weil sie sich Trainer schimpfen. Bringt auch nichts, wenn du dir nen DD kaufst, deine Trainern aber eher der Typ für ganz weiche Vorsteher ist. Das geht dann in die Hose.

    Ansonsten hab ich gute Erfahrungen damit, sich einen Züchter vor Ort zu suchen und sich Nachzuchten bei der Arbeit anzuschauen.

    Und man muss natürlich auch schauen, welche Arbeit man überhaupt realistisch zu bieten hat. Wenn du viel auf DJ bist und dafür einen Hund suchst, würde ich mit HF sprechen, deren Hunde dir gefallen.

    Von Exoten würde ich als Anfänger immer eher Abstand nehmen, stattdessen zu der Rasse greifen, die State-of-the-Art ist und sich regional bewährt. Hier hat man einfach eine hohe Dichte an Gleichgesinnten und Helfenden vor Ort. Außerdem kommt man damit leichter rein, bei Exoten sind einfach viele Alteingesessene skeptisch. Mal berechtigt, mal unberechtigt.

    Wir leben aber in einer Welt, wo es schlicht Gehorsam benötigt. Das meiste entspricht absolut nicht dem, was für Hunde Sinn machen würde.

    Ich gebe euch mal ein Beispiel: letzte Woche wurden meine Hühner angegriffen. Von einem Hund bei dem das schon Ewigkeiten absehbar war. Für meine Schäferhunde wäre das sinnvolle gewesen, diesen Hund zu vertreiben. Damit bekomme ich aber gesetzlich ein Problem. Bzw. Meine Hunde bekommen eines. Also muss der Hund Gehorsam zeigen und gegen seinen Instinkt arbeiten. Fertig.

    Und genauso auf Jagd mit meinem Labrador. Wenn ich da 100und1 Jahre Steadyness aufbauen muss, dann ist der Hund 5 wenn ich ihn überhaupt mal einsetzen kann. Dann kann ich mir auch gleich nen Vollgebrauchshund kaufen und Ausbilden. Den Retriever korrigiere ich einmal fürs Einspringen, übe paar Signale, bisschen Deckentraining (auch Mega einfach mit Retriever) und hab direkt einen Einsetzbaren Hund. Kooperation ist hier nur eine sehr nette Beschreibung für Gehorsam + Genetik, der beim Retriever zugegeben unfassbar einfach aufzubauen ist.

    Und ich kann euch sagen, Deckentraining mit einem Hütehund ist wesentlich herausfordernder als mit einem Retriever. Ich wüsste auch nicht, wozu mein Hütehund das so unbedingt bräuchte bzw. sehe da vergleichsweise wenig Mehrwert außer für den Aufbau von Gehorsam.