Alles anzeigenTerri-Lis-07 Deine Geschichte erinnert mich an meinen ersten Hund. Aico kam als Pflegi direkt aus Polen zu mir. Eigentlich wollte ich zu der Zeit keinen neuen Pflegi, weil ich mit einer Depression zu kämpfen hatte. Aber er sollte nur "2-3 Tage" bleiben, weil die Interessenten ihn frisch gebadet, entfloht und von einem deutschen Tierarzt untersucht haben wollten. Also ließ ich mich breitschlagen.
Bei der Übernahme auf einer Tankstelle erlebte ich, dass Aico menschenscheu war und sich nur gegen Leckerlies anfassen ließ. Deshalb setzte ich ihn für die kurze Heimfahrt ausnahmsweise auf den Beifahrersitz, wo er auch brav sitzen blieb. Zuhause hatte ich den Küchentisch bereits als Höhle vorbereitet und setzte mich mit einem Buch auf den Küchenfußboden, mal laut, mal leise lesend. Er kam immer wieder aus seiner Höhle, um vorsichtig an mir zu schnuppern, war bei der geringsten Bewegung aber wieder weg.
Nach ca. 2 Stunden zeigte er an, dass er raus wollte und ließ sich wider Erwarten problemlos anleinen. Es war kurz nach 20 Uhr an einem mondhellen, verschneiten Februarabend und ausreichend hell, dass ich die Hunderunde durch die Felder einschlug. Er ging zunächst Schutz suchend hinter mir, hinter jedem Schatten und jedem sich im Wind bewegenden Zweig eine Gefahr vermutend, traute sich aber relativ schnell immer weiter vor ... Bis uns einige Hundert Meter vom Haus entfernt in ca. 100m Entfernung ein Paar mit einem freilaufenden Jack Russel entgegenkam. Aico machte eine schnelle 180° Wendung und rannte mit eingeklemmten Schwanz als ob der Teufel hinter ihm her wäre.
Ich hatte ihn an einer nagelneuen 8m Rollleine vom Discounter und dachte: "Lass ihn kurz laufen, nach 8m wird die Leine ihn stoppen ... Äh, das sind doch mehr als 8m? Das sind definitiv mehr als 8m!!!" Ein Blick auf den Halter bestätigte mir: Ich hatte nur noch den Halter in der Hand und der Hund rannte panisch mit der Leine immer weiter. Die Leine war nicht am Halter befestigt gewesen! Ich schnellstmöglich hinterher, um wenigstens zu sehen, ob er sich irgendwo in die Büsche schlägt bzw. welche Richtung er an der T-Kreuzung einschlägt. Doch als die Kreuzung in Sicht kam, war er schon nicht mehr zu sehen. In Gedanken ging ich die To-Do-Liste durch: Vermittlungsstelle, Polizei und Tierheim informieren, Futterstellen einrichten, Plakate anfertigen und aushängen, hoffen, dass er durch die Futterstellen im Ort gehalten werden kann und nirgends aus versehen eingeschlossen wird oder zur Bundesstraße oder ins Naturschutzgebiet läuft ...
Dann umrundete ich die letzte Kurve ... und sah den Hund vor der Einfahrt stehen! Ich kam nicht dichter als 3m an ihn heran und konnte die dünne Seilleine nicht sofort sehen. Deshalb rannte ich in die Küche, griff mir den Futterbeutel vom Küchenschrank, griff rasch eine Handvoll Futter, drehte mich um ... Aico stand gut 1m hinter mir in der Küchentür! Unsicher und offenbar bereit, sofort wieder zu flüchten schaute er mich an. Mit dem Futter bekam ich ihn weiter in die Küche gelockt, so dass ich die Tür zumachen konnte. Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen.
Ich finde es bis heute unglaublich, dass ein menschenscheuer, unsicherer bis ängstlicher Hund nach 2 Stunden in der Pflegestelle derart reagierte. Am nächsten Tag teilte ich der Vermittlungsstelle mit, dass ich mich weigern würde, einen solchen Hund zu baden, bevor er ausreichend Vertrauen zu Menschen aufgebaut hat. Ungebadet wollten die Interessenten ihn nicht, obwohl Aico weder stank noch dreckig aussah. Also blieb er erstmal bei mir und wurde Anfang April nach Ermutigung durch meine Therapeutin dann offiziell vom Pflegi zum ersten eigenen Hund. Er war der "wie für mich gemacht"-Hund und starb 6 Jahre später rund 2 Stunden nachdem die TÄ ihn mit der Diagnose "vermutlich leichter Magen-Darm-Infekt" nach hause geschickt hatte. Ich war zur TÄ, weil ich mir absolut sicher gewesen war, dass er in Lebensgefahr schwebte, hatte aber nichts außer meinem Gefühl, womit ich das begründen konnte.
Mir fällt grad noch eine ähnliche Geschichte ein, allerdings von einem anderen HH den ich leider länger nicht mehr gesehen hatte. Wir hatten uns als Lilo klein war immer wieder mal unterhalten weil er einen älteren Schnauzermix hatte. Irgendwann hatten er und seine Frau sich noch ein Podenco Mädchen aus dem Tierschutz geholt. Einmal beim Gassi, sprang ein DSH über den Zaun, die Podenca hat Panik bekommen, sich los gerissen und wurde vom DSH übers Feld gescheucht. Die hatten Glück dass die Hündin schon wusste wo sie wohnten, und anscheinend war sie schneller als der Schäferhund, sie hat dann in ihrem neuen zuhause Zuflucht gesucht und dort gewartet. Danach meinten sie, wollten sie erstmal nicht mehr mit ihr Gassi und blieben erstmal zuhause bis sie sich besser eingewöhnt hat.
Wie es weiter ging weiß ich nicht. Aber is auch ne Horrorvorstellung, zumal ja Stadtrandgebiet. Die Hündin hätte sonst wo hin laufen uns überfahren werden können, sie lief aber gezielt nach Hause obwohl sie noch nicht lange dort wohnte.