Caruso ist seit gut einer Woche bei uns und kommt von einem Züchter. Nach unserem Eindruck hat er dort nicht viel kennengelernt und war vermutlich viel in einem begrenzten Bereich mit seinen Geschwistern. Vieles im Alltag scheint für ihn komplett neu zu sein.
Eine Box kannte er vorher nicht. Wir arbeiten mit einer Trainerin zusammen, die uns die Box behutsam empfohlen hat, ebenso ruhiges Leinentraining im Haus. Wir versuchen, ihn nicht hochzufahren, aber eigentlich ist er permanent unter Strom und wie ein kleines Feuer.
Einen warmen und wasserdichten Mantel hat er. Bei Wind und Nässe meidet er das Rausgehen sehr.
Mit Auslastung meine ich kurze, ruhige Spaziergänge, Schnüffeln, kleine Klicker Einheiten und leichte Kopfarbeit, angepasst an seinen Zustand.
Ein fester Rhythmus entsteht gerade erst, da er erst kurz bei uns ist. Wir arbeiten vor allem an Struktur, Ruhe und Sicherheit.
Erstmal: Dass in dem Alter vieles neu ist, ist total normal. Im Regelfall kennen Welpen beim Züchter eben die Umgebung dort, ihre Wurf Geschwister, ihre Mutti, die Züchter, haben ggf mal Besuch oder evtl Kontakt zu anderen vorhandenen Hunden, und das wars. Wenn die umziehen ist das für die total viel. Die kommen raus aus ihrer gewohnten Umgebung, landen bei neuen Menschen, hatten ne stressige Fahrt, landen woanders wo alles noch ganz neu und unbekannt ist, kommen raus aus ihrem gewohnten Umfeld und haben plötzlich nur die neuen Menschen. Normalerweise dauert das so ein, höchstens zwei Tage, dann haben die sich erstmal daran gewöhnt dass Mutti, Züchter und Geschwister weg sind und neue Menschen da. Aber die Umgebung die muss erst in Welpentempo Schritt für Schritt kennen gelernt werden, ansonsten ist die erste Zeit erstmal Ruhe angesagt. Weil man raus lesen kann wie brutal viel das für so ein kleines Hundekind ist, ist es wie erwähnt auch keine Seltenheit dass die sich in der Zwischenzeit mit irgendnem Scheiß anstecken können und das erstmal auf den Bauch schlägt. In eurem Fall ist klar, der Hund ist erstmal gesundheitlich angeschlagen, also isses wichtigste dass er sich erstmal in Ruhe kurieren darf. Wenn nach einer Woche nicht mehr passiert als eigene Wohnung und zum lösen raus ist das vollkommen okay, weniger ist da erstmal mehr, insbesondere weil er erstmal gesundheitlich angeschlagen ist.
Dadurch dass die noch so jung sind, und so viel weg fällt, brauchen die auch erstmal sehr viel Nähe. Die ganze Zeit waren immer mindestens die Geschwister drum herum, mit denen hat man als Welp viel interagiert, man hat mit denen zusammen gepennt, sich aneinander gekuschelt, die Mutti genervt, bekam Zuwendung von den Züchtern... Wenn die dann jetzt plötzlich alleine in einer Box ruhen sollen ist das schlicht und ergreifend etwas das die noch nicht können, und auch noch nicht lernen müssen. Die brauchen erstmal vor allem viel Zuwendung und Aufmerksamkeit, müssen sich in Ruhe einleben und brauchen einfach Zeit bis die auch mal klar kommen für sich zu sein. Schließlich- wie gesagt - kurz vorher war ja noch andauernd jemand um sie herum. Weil die Gesellschaft der vorigen Lebewesen nicht gegeben ist müssen die die neuen Menschen übernehmen. Da pennt man erstmal zusammen, da ist der Welpe erstmal sehr viel am um einen herum wuseln ect, alles total normal in dem Alter. Die sind noch total unselbstständig und alles draußen ist sooo neu für sie. Woher sollen die das auch alles schon kennen ? Nach 10 Wochen auf dieser Erde kann man das alles noch nicht kennen.
So Schritt für Schritt beginnt dann ein Prozess. Anfangs isses zB noch total seltsam wenn so ein kleines Dingelchen alleine im Raum ist, und Mensch vielleicht kurz im Bad, kurz am Briefkasten, kurz den Müll raus bringen. 5 Minuten alleine bspw, müssen die erst lernen dass das kein Drama ist und der Mensch noch diesen 5 Minuten wieder da ist zB. Aufmerksamkeitskapazitäten sind noch gering. Wenn irgendwas neu ist, ist das erstmal irre viel und muss verarbeitet werden. Auslastung in dem Alter ist erkunden. Allerdings eben immer mit Rücksicht auf den jeweiligen Hund und das Alter. Manche Welpen haben bspw auch schonmal Probleme damit das neue gewohnte Umfeld zu verlassen, weil das is jetzt der sichere Hafen und außerhalb erstmal noch das große Unbekannte. Da is die nächste Ecke vielleicht schon voll krass. Oder man staunt über ne neue Pflanze die man noch nicht gesehen hat, oder entdeckt irgendwas anderes und muss das erstmal angucken. Da gibt's noch sehr viel das die Synapsen anstrengt weil es erst noch vom Welpenhirn eingeordnet werden muss. Von sowas können die mental schon echt knülle sein. Dadurch ist Welpengassi oft eigentlich eher wo hingehen und gucken lassen, mal wo raus fahren und laufen lassen, mal sich die Zeit nehmen etwas in Ruhe anzuschauen, und nicht dieses klassische von A nach B gehen oder gleich richtige Runden gehen, schon garnicht in Menschengeschwindigkeit an kurzer Leine.
Normaler Welpentagesablauf beim Züchter ist schlafen, pipi machen, spielen, futtern, pipi und pennen, das so ähnlich immer wieder von vorne. Dann kommen sie woanders hin, und sollen plötzlich Boxentraining machen, an der Leine laufen, clickern, spaziere gehen könne wie die großen und drinnen bitte Ruhe geben ? Das ist absolut nicht zu bewerkstelligen. Wenn ein junges Ding keine Ruhe gibt dann hat das Gründe- entweder es ist langweilig, oder da war was so aufregend dass man egal wie müde man eigentlich ist nicht runter kommen kann. Vielleicht braucht man auch Zuwendung, vielleicht braucht man was zum drauf rum kauen... Aber sie tun das ganz bestimmt nicht um Menschen zu nerven
. Also guckt man dann, was der Hund grad braucht. Muss er raus ? Braucht er Nähe ? Braucht er grad Spielen ? Braucht er neue Eindrücke ? Braucht er Ruhe ? Dabei hilft einem ganz oft das eigene Bauchgefühl ganz gut weiter.
Hinsichtlich des nicht raus gehens bei Regen möchte ich noch hinzufügen:
1. Ist der Mantel noch genauso neu wie die Leine, es kann sein dass man sich daran einfach noch gewöhnen muss und deshalb noch Probleme hat sich darin ausreichend wohl zu fühlen um Pipi zu gehen. Die einen Hunde haben da weniger Probleme mit als andere, aber er kennt den eben noch nicht lange und die meiste Zeit in seinem Leben kennt er eben nackig.
2. Kann es sein dass der Mantel doch nicht warm genug ist. Das hängt neben dem Wetter und der Kälteenpfindlichkeit des Hundes auch davon ab wie der Mantel eigentlich sitzt und wie der so konstruiert ist.
3. Hat dein Welpe aktuell Probleme mit seinem Bauchi. Das kann zum einen nochmal kälteempfindlicher machen ( kennt man selber wenn man krank ist, da friert man evtl schneller, oder wenn man Schmerzen hat, da wirken manche Temperaturen verstärkend auf das eigene Schmerzempfinden ), zum anderen kann es auch sein dass der Mantel da vielleicht blöd drückt ( ich weiß ja nicht was du für einen hast ) und er das einfach zusätzlich unangenehm findet. Zum anderen- in dem Alter kann man auch so mal empfindlicher auf Kälte und Regen reagieren. Es is unangenehm, es is bäh, es is noch nicht so aushaltbar wie wenn man das besser kennt und weiß dass man das auch mal ab kann.
Von daher : Hab vor Augen es ist noch ein kleines Kind, dass es ihm grad nicht so gut geht und weniger da auch einfach mehr sein kann ;D